{"id":74610,"date":"2020-05-11T07:23:41","date_gmt":"2020-05-11T05:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=74610"},"modified":"2020-05-06T13:32:07","modified_gmt":"2020-05-06T11:32:07","slug":"biosprit-fuer-den-schiffstank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biosprit-fuer-den-schiffstank\/","title":{"rendered":"Biosprit f\u00fcr den Schiffstank"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_74612\" aria-describedby=\"caption-attachment-74612\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74612 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/umsicht-biosprit-fuer-den-schiffstank-300x200.jpg\" alt=\"umsicht-biosprit-fuer-den-schiffstank\" width=\"219\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/05\/umsicht-biosprit-fuer-den-schiffstank-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/05\/umsicht-biosprit-fuer-den-schiffstank-600x399.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/05\/umsicht-biosprit-fuer-den-schiffstank.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74612\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr den Treibstoff nutzen die Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer UMSICHT Bioethanol aus Weizenstroh. \u00a9 iStock<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Verbrennung herk\u00f6mmlicher Kraftstoffe tr\u00e4gt zu einem gro\u00dfen Teil des globalen CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00dfes bei. Besonders in der Kritik stehen Kreuzfahrt- und Containerschiffe, die mit ihren schmutzigen Abgasen und gesundheitssch\u00e4dlichen Treibstoffen die Umwelt stark belasten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT forschen an alternativen klimafreundlichen Kraftstoffen. Sie stellen Biotreibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen her, der zu Benzin, Diesel oder sogar Kerosin f\u00fcr Flugzeuge werden kann. Der synthetische Kraftstoff reduziert die Treibhausgas-Emissionen um bis zu 30 Prozent im Vergleich zu fossilem Sprit und verringert zudem Ru\u00df-Emissionen.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nSchiffe z\u00e4hlen zu den gr\u00f6\u00dften Klimas\u00fcndern. Millionen Tonnen verbrannter Schiffsdiesel verschmutzen die Umwelt, weltweit ist die Schifffahrt f\u00fcr den Aussto\u00df von etwa einer Milliarde Tonnen Kohlendioxid verantwortlich. Diese Klimalast signifikant verringern wollen Maschinenbauingenieur Dr. Andreas Menne und seine Kolleginnen und Kollegen vom Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen mit einer neuen Technologie. Der Abteilungsleiter f\u00fcr Bioraffinerie und Biokraftstoffe stellt mit seinem Team synthetischen Diesel und Benzin aus nachwachsenden Rohstoffen her. Er verwandelt Bioethanol in Diesel, Benzin oder Jetfuel, die nahezu die gleichen Eigenschaften haben wie fossile Kraftstoffe. Nachwachsende Rohstoffe helfen, den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df des Transportsektors erheblich zu reduzieren.<\/p>\n<p>\u00bbOb Stroh, Laub, S\u00e4gemehl oder Restholz \u2013 als Ausgangsrohstoff f\u00fcr das Bioethanol k\u00f6nnen wir fast alles verwenden\u00ab, erkl\u00e4rt Menne. Der neue klimafreundliche Biosprit setzt deutlich weniger Treibhausgase frei und soll den Tank komplett f\u00fcllen k\u00f6nnen. Bei E10 wird das Bioethanol nur zu f\u00fcnf bis zehn Prozent dem fossilen Benzin beigemischt. \u00bbDa merke ich den Klimaeffekt kaum\u00ab, so Menne. \u00bbAllein E-Autos, Hybrid und Brennstoffzellen werden es nicht schaffen, die Treibhausgas-Emissionen ausreichend schnell zu reduzieren. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz und viele L\u00f6sungen f\u00fcr die Kraftstoffe der Zukunft.\u00ab Die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) hat den Handlungsdruck erh\u00f6ht. Fortschrittliche Kraftstoffe sollen bis 2030 einen Anteil von 3,5 Prozent haben. Gleichzeitig wird der Anteil alternativer Kraftstoffe auf der Basis von Nahrungsmitteln um den gleichen Anteil verringert.<\/p>\n<h3>Bioethanol aus Weizenstroh<\/h3>\n<p>Die UMSICHT-Forscherinnen und -Forscher produzieren in einer Testanlage bis zu 20 Liter des neuen Biosprits pro Woche. Sie verwenden Bioethanol, das aus Weizenstroh hergestellt wird. \u00bbAber eigentlich kann ich auch jeden anderen Alkohol nehmen\u00ab, sagt Menne. Der Alkohol aus Stroh flie\u00dft aus dem Metallfass zuerst noch fl\u00fcssig durch die Rohrleitungen der Testanlage in einen Verdampfer. Erst nachdem er 350 \u00b0C hei\u00df ist und unter einem Druck von 20 bar steht, str\u00f6mt der gasf\u00f6rmige Alkohol in das Herz-st\u00fcck der Anlage, den r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Reaktor. Er ist gef\u00fcllt mit St\u00fccken aus Aktivkohle, die mit einem neu entwickelten Katalysatormaterial beschichtet sind. Sie treiben die Kondensation des Gases voran, bei der die einzelnen Kohlenstoffverbindungen gekoppelt werden. Je nachdem wie viele Kohlenstoffe sich verbinden, entsteht Benzin, Kerosin oder Diesel. \u00bbOft wird ein Katalysator im Labor entwickelt, und es ist dann schwer, ihn in gro\u00dfen Mengen zu produzieren. Aber f\u00fcr diesen k\u00f6nnen wir die Materialien preiswert kaufen, denn er besteht nicht aus Edelmetallen oder Seltenen Erden. Und vor allem: Er ist langzeitstabil\u00ab, so Menne.<\/p>\n<p>Genug Power hat der Biotreibstoff. Das haben ihm die Forscher des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Chemische Technologie ICT im badischen Pfinztal best\u00e4tigt. Sie haben den neuen Kraftstoff auf einem Pr\u00fcfstand mit kommerziell \u00fcblichen Motoren getestet. Hier wurden pr\u00e4zise die Motorleistung und die Abgaswerte ermittelt. Alles bei unterschiedlicher Leistung im Betrieb, beim Kaltstart und unter verschiedenen Lasten und Drehzahlen.<\/p>\n<h3>Tests best\u00e4tigen niedrige Abgaswerte<\/h3>\n<p>Das Ergebnis: Der Biosprit hat eine etwas h\u00f6here Energiedichte als herk\u00f6mmliche Kraft-stoffe. Ein Fahrzeug mit dem neuen Treibstoff im Tank h\u00e4tte also in einem echten Rennen die Nase leicht vorn. Auch die Abgaswerte \u00fcberzeugten beim synthetischen Kraftstoff. Weniger Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Kohlenwasserstoffe und wesentlich weniger Ru\u00df kamen aus dem Auspuff. Der Biosprit ist au\u00dferdem nah an den physikalischen Eigenschaften von fossilem Diesel und daher normgerecht realisierbar.<\/p>\n<p>Um die \u00d6kobilanz zu erstellen, z\u00e4hlt Venkat Aryan, Chemieingenieur am Fraunhofer-UMSICHT, jedes Molek\u00fcl der Klimagase in jedem Prozessschritt zusammen. Die \u00bbWell-to-Wheel\u00ab-Analyse ber\u00fccksichtigt alle Treibhausgase von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Umwandlung des Treibstoffs in Bewegungsenergie \u2013 die F\u00f6rderung des Erd\u00f6ls aus der Erde, den Anbau von Pflanzen f\u00fcr den Biosprit, die Abgase. Je nach Ethanolquelle stehen im Ergebnis dem erd\u00f6lbasierten Dieselkraftstoff mit 94 Gramm CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente je Megajoule 64,3 bis 91,6 Gramm CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente f\u00fcr synthetischen Diesel aus Weizenstroh gegen\u00fcber. Das sind bis zu 32 Prozent weniger.<\/p>\n<h3>Reedereien k\u00f6nnen Biosprit selbst produzieren<\/h3>\n<p>\u00bbUnser Kraftstoff kann zu Benzin, Diesel oder sogar Kerosin f\u00fcr Flugzeuge werden. Aber Letzteres ist am aufwendigsten\u00ab, so Menne. Einfacher geht es beim Schiffsdiesel. Er braucht keine Veredlung durch eine Raffinerie. \u00bbMan k\u00f6nnte unsere Anlage einfach so in einen Hafen stellen. Unser Verfahren ist so unkompliziert, dass die Reedereien ihren Diesel selbst produzieren k\u00f6nnten. Dann w\u00e4re die Zeit der gro\u00dfen Stinker schnell vorbei\u00ab, sagt Menne.<\/p>\n<p>Die Technologie ist bereits marktreif. Zwar ist der synthetische Diesel bisher teurer als Diesel aus Erd\u00f6l. Menne ist aber zuversichtlich, dass sich das bald \u00e4ndern k\u00f6nnte. Denn mit den neuen gesetzlichen Regelungen werden die fossilen Stoffe nicht mehr so billig herzustellen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verbrennung herk\u00f6mmlicher Kraftstoffe tr\u00e4gt zu einem gro\u00dfen Teil des globalen CO2-Aussto\u00dfes bei. Besonders in der Kritik stehen Kreuzfahrt- und Containerschiffe, die mit ihren schmutzigen Abgasen und gesundheitssch\u00e4dlichen Treibstoffen die Umwelt stark belasten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT forschen an alternativen klimafreundlichen Kraftstoffen. 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