{"id":7422,"date":"2004-10-20T00:00:00","date_gmt":"2004-10-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20041020-03n"},"modified":"2004-10-20T00:00:00","modified_gmt":"2004-10-19T22:00:00","slug":"schutz-der-wildpflanzen-faire-kosmetika-sind-ein-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schutz-der-wildpflanzen-faire-kosmetika-sind-ein-anfang\/","title":{"rendered":"Schutz der Wildpflanzen: &#8220;Faire Kosmetika sind ein Anfang&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><b>Kosmetische Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrollierten Wildsammlungen n\u00fctzen Erzeugern, Hersteller und Verbraucher. Vor allem wenn sie auch aus fairem Handel stammen. Das wird allerdings selten unabh\u00e4ngig kontrolliert.<\/b><\/p>\n<p>An meine Haut lasse ich nur Wasser und &#8211; Naturkosmetik. Das sagen sich immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher. Doch die steigende Nachfrage birgt Nachteile: Rohstoffe werden vielfach knapp. Radikales Ernten von wilden Pflanzen bis zur Ausrottung und folgenreicher Gro\u00dfanbau nehmen zu. &#8220;In Indonesien beispielsweise werden zur Gewinnung von Palm\u00f6l gro\u00dfe Regenwaldfl\u00e4chen abgebrannt, um Plantagen anzulegen&#8221;, berichtet Silvia Pleschka von der Verbraucherinitiative e.\u00a0V. Die Br\u00e4nde verschmutzen die Luft. Minerald\u00fcnger und chemische Pflanzenschutzmittel belasten das Grundwasser. Rodung und Monokulturen laugen den Boden aus, das raubt den Bewohnern der Anbauregionen langfristig ihre Lebensgrundlage.<\/p>\n<p>Radikale Anbau- und Erntemethoden schaden Konsumenten ebenfalls. Sie erhalten Produkte minderer Qualit\u00e4t. Der Begriff &#8220;Naturkosmetik&#8221; ist in Deutschland n\u00e4mlich nicht gesch\u00fctzt. Pestizide gelangen auch in Kosmetika und k\u00f6nnen zum Beispiel Allergien ausl\u00f6sen. Kosmetikhersteller wie Primavera Life, The Body Shop und die anthroposophisch orientierten Dr. Hauschka und Weleda gehen daher bewusst einen anderen Weg. Sie setzen auf \u00f6kologischen Anbau von Kosmetikrohstoffen &#8211; und fairen Handel. Meist schon seit vielen Jahren. &#8220;Es ist ein wichtiger Teil unserer Firmenphilosophie, dass wir nicht nur auf kontrolliert biologischen Anbau achten, sondern auch die Menschen unterst\u00fctzen wollen, die dahinter stehen&#8221;, sagt Andrea Dahm, Produktmanagerin bei Primavera Life. Das proklamieren auch die anderen Hersteller.<\/p>\n<p>Pleschka hingegen vermutet: &#8220;Die Idee wurde wohl aus der Not geboren, um Rohstoffe in guter Qualit\u00e4t zu sichern. Doch durch \u00f6ko-faire Kosmetik entsteht letztlich eine Win-Win-Situation zwischen Herstellern und Erzeugern.&#8221; Die Firmen erhielten gute Produkte und b\u00e4nden Rohstofferzeuger an sich &#8211; die Produzenten profitierten von besseren Arbeits- und Lebensbedingungen. Denn die Kosmetikfirmen schlie\u00dfen mit den Erzeugern in Afrika, Asien, Lateinamerika, aber auch S\u00fcd- und Osteuropa langj\u00e4hrige Vertr\u00e4ge. Hinzu kommen Rohstoffpreise, die \u00fcber dem Weltmarktniveau liegen. Sie sollen nicht nur die Kosten f\u00fcr die Herstellung decken, sondern auch Investitionen in Gemeinschaftsprojekte erm\u00f6glichen. So wurden von dem Geld Krankenstationen und Brunnen gebaut, Stromleitungen in D\u00f6rfer gelegt und Kinderspeisungen erm\u00f6glicht. Vorfinanzierungen sichern die Bauernfamilien und Kooperativen zus\u00e4tzlich ab &#8211; bis zur Ernte und l\u00e4nger.<\/p>\n<p>&#8220;Rosen bringen erst nach drei Jahre den vollen Ertrag. Bis dahin bezahlen wir unsere neuen Bauern in Rum\u00e4nien aber so, als ob sie 100 Prozent erwirtschaftet h\u00e4tten&#8221;, berichtet Catrin Cohnen von Dr. Hauschka. Hersteller finanzieren auch Samen, Setzlinge und Maschinen. Sie schulen die Bauern und Landarbeiter, mit denen sie zusammenarbeiten, und helfen auch bei der Umstellung auf kontrollierte, umweltgerechte Wildsammlungen von Pflanzen. Weleda beispielsweise importiert seit vielen Jahren Ratanhia aus Peru. Diese Wurzel dient zur Herstellung von Zahncremes und Mundwasser. Die steigende Nachfrage f\u00fchrte zur unsachgem\u00e4\u00dfen Sammlung, die die Pflanze stark dezimierte. Seit 2001 existiert nun eine Ratanhia-Schutzzone, in der mit Bedacht vorgegangen wird. Die Sammler graben nur noch die Nebenwurzeln aus. In Kooperation mit der deutschen Gesellschaft f\u00fcr technische Zusammenarbeit (GTZ) erforscht Weleda zudem die Vermehrung der Ratanhia. Ziel: die gef\u00e4hrdete Pflanze erhalten.<\/p>\n<p>Nicht immer wird fair Gehandeltes ein Erfolg: Als The Body Shop Duftt\u00e4schchen und Tageb\u00fccher aus fair gehandeltem Papier einf\u00fchrte, blieb er schlicht darauf sitzen. Um den Erzeugern in Nepal nicht k\u00fcndigen zu m\u00fcssen, disponierte der Betrieb um. Aus dem Papier entstanden Gutscheine f\u00fcr Kunden und Pressemappen. &#8220;F\u00fcr die Notizb\u00fccher haben wir einen anderen Abnehmer gesucht&#8221;, erz\u00e4hlt Elisabeth Weyermann, Pressesprecherin des Unternehmens. &#8220;So war das \u00dcberleben der Produzenten gesichert.&#8221;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Bio-Kosmetik an dem G\u00fctesiegel &#8220;Kontrollierte Naturkosmetik&#8221; vom Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) oder dem Drei-H\u00e4user-Logo von Neuform zu erkennen sind, k\u00f6nnen Verbraucher fair gehandelte Kosmetika nur schwer identifizieren. Denn anders als bei Kaffee, Tee oder Bananen weist kein einheitliches Label auf den Zusatznutzen hin. Einzig The Body Shop kennzeichnet durch das Logo &#8220;Hilfe durch Handel&#8221; Artikel, die fair vertriebene Inhaltsstoffe enthalten.<\/p>\n<p>&#8220;Wir bedauern es, dass es kein Label f\u00fcr fair gehandelte Kosmetika gibt&#8221;, sagt Pleschka von der Verbraucherinitiative. Das hat allerdings einen Grund: Es gibt n\u00e4mlich keine Kosmetika, die komplett aus fairem Handel stammen. F\u00fcr eine Zertifizierung durch Transfair e. V., der deutschen Siegel-Initiative f\u00fcr fair Gehandeltes, m\u00fcssen mindestens 50 Prozent der enthaltenen Stoffe fair vertreiben sein. Schwierig bei Kosmetika, die fast immer einen hohen Anteil an Wasser oder Fett enthalten. Dennoch: &#8220;Wenn von Seiten der Industrie Interesse best\u00fcnde, f\u00e4nden wir bestimmt eine L\u00f6sung&#8221;, meint Claudia Bruck, Pressesprecherin von Transfair.<\/p>\n<p>Allerdings m\u00fcssten die Hersteller bei den Kontrollen nachbessern. Denn bislang wachen sie in der Regel selbst \u00fcber die Einhaltung ihrer Kriterien f\u00fcr den fairen Handel. Unabh\u00e4ngige Gutachter sind eine Ausnahme. Gleichwohl r\u00e4t Pleschka von der Verbraucherinitiative zum Kauf von Kosmetika mit fair gehandelten Inhaltsstoffen: &#8220;Es ist ein Anfang. Vielleicht motiviert er auch andere Hersteller, auf \u00d6ko-Anbau und faire Handelsbeziehungen umzustellen.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Kosmetische Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrollierten Wildsammlungen n&uuml;tzen Erzeugern, Hersteller und Verbraucher. Vor allem wenn sie auch aus fairem Handel stammen. 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