{"id":73917,"date":"2020-04-17T07:26:37","date_gmt":"2020-04-17T05:26:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=73917"},"modified":"2020-04-16T14:50:13","modified_gmt":"2020-04-16T12:50:13","slug":"die-besonderen-gene-des-fliegenpilzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-besonderen-gene-des-fliegenpilzes\/","title":{"rendered":"Die besonderen Gene des Fliegenpilzes"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_73919\" aria-describedby=\"caption-attachment-73919\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.pr.uni-freiburg.de\/pm\/2020\/Chemie_Fliegenpilz_Mller_Obermaier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73919 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Chemie_Fliegenpilz_Mueller_Obermaier-300x225.jpg\" alt=\"Chemie_Fliegenpilz_Mueller_Obermaier\" width=\"222\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/04\/Chemie_Fliegenpilz_Mueller_Obermaier-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/04\/Chemie_Fliegenpilz_Mueller_Obermaier-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/04\/Chemie_Fliegenpilz_Mueller_Obermaier-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-73919\" class=\"wp-caption-text\">Die giftige Wirkung des Fliegenpilzes beruht auf dem Gehalt an Ibotens\u00e4ure und Muscimol. Foto: Sebastian Obermaier<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Rote Fliegenpilz ist der wohl bekannteste aller Waldpilze. Das liegt nicht nur an seinem unverwechselbaren \u00c4u\u00dferen, sondern auch an seiner Giftwirkung. Manche V\u00f6lker fr\u00fcherer Kulturen bedienten sich sogar bewusst der psychoaktiven Effekte von <em>Amanita muscaria<\/em>. Diese werden verursacht durch den Inhaltsstoff Ibotens\u00e4ure und dessen Abbauprodukt Muscimol. Die chemische Struktur der Giftstoffe ist bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt, doch wie sie vom Fliegenpilz hergestellt werden \u2013 also die Biosynthese \u2013 war bisher nicht gekl\u00e4rt. Prof. Dr. Michael M\u00fcller und Dr. Sebastian Obermaier vom Institut f\u00fcr Pharmazeutische Wissenschaften der Universit\u00e4t Freiburg gelang es nun, die Gene zu identifizieren, die dem Pilz die F\u00e4higkeit zur Giftproduktion verleihen. Die Forscher konnten damit zeigen, wo der Ausgangspunkt f\u00fcr die Biosynthese liegt. Ihre Analyse haben sie in der Fachzeitschrift <em>Angewandte Chemie<\/em> vorgestellt.<\/strong><\/p>\n<p>Durch Untersuchungen am Gesamterbgut des Fliegenpilzes fanden die Freiburger Pharmazeuten einen DNA-Bereich, der sieben Gene umschlie\u00dft. Diese Gene werden unter bestimmten Wachstumsbedingungen gleichzeitig aktiv, was nahelegt, dass sie einem gemeinsamen Zweck dienen. Der Pantherpilz, welcher ebenfalls Ibotens\u00e4ure produziert, enth\u00e4lt den gleichen DNA-Bereich wie der Fliegenpilz. Verwandte Pilzarten, die jedoch keine Ibotens\u00e4ure produzieren, besitzen die sieben Gene nicht, was auf den Zusammenhang zwischen den Genen und der Giftproduktion hindeutet.<\/p>\n<p>Um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob der gefundene DNA-Bereich tats\u00e4chlich f\u00fcr die Biosynthese zust\u00e4ndig ist, brachten M\u00fcller und Obermaier eines der Gene in das Modellbakterium <em>Escherichia coli<\/em> ein. Die ver\u00e4nderten Bakterien waren daraufhin in der Lage, die Aminos\u00e4ure Glutamat in den Ibotens\u00e4ure-Vorl\u00e4ufer 3\u2011Hydroxyglutamat umzuwandeln. Damit war die Funktion der im Fliegenpilz entdeckten Gene best\u00e4tigt: Sie sind f\u00fcr die Biosynthese der Ibotens\u00e4ure verantwortlich.<\/p>\n<p>\u201eInteressanterweise wurde 3\u2011Hydroxyglutamat bereits vor \u00fcber 50 Jahren als Vorl\u00e4ufer der Ibotens\u00e4ure vorausgesagt\u201c, erkl\u00e4rt Obermaier, \u201ees wurde damals aber nicht im Fliegenpilz gefunden.\u201c Mit dem Einsatz von modernen genetischen und analytischen Methoden konnten die Freiburger Forscher nun die damalige Vermutung best\u00e4tigen. \u201eDas verdeutlicht, welchen technischen Fortschritt die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten gemacht hat\u201c, sagt M\u00fcller, \u201eund es zeigt auch, wie alte Ideen der Forschung von heute Impulse geben k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Originalpublikation<\/h3>\n<p>Obermaier, S., M\u00fcller, M. (2020): Ibotenic Acid Biosynthesis in the Fly Agaric Is Initiated by Glutamate Hydroxylation. In: Angewandte Chemie International Edition. DOI: <a href=\"https:\/\/www.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1002\/anie.202001870?af=R\" target=\"_blank\">10.1002\/anie.202001870<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Michael M\u00fcller<br \/>\nInstitut f\u00fcr Pharmazeutische Wissenschaften<br \/>\nAlbert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg<br \/>\nTel.: 0761\/203-6320<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:michael.mueller@pharmazie.uni-freiburg.de\" target=\"_blank\">michael.mueller@pharmazie.uni-freiburg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rote Fliegenpilz ist der wohl bekannteste aller Waldpilze. Das liegt nicht nur an seinem unverwechselbaren \u00c4u\u00dferen, sondern auch an seiner Giftwirkung. Manche V\u00f6lker fr\u00fcherer Kulturen bedienten sich sogar bewusst der psychoaktiven Effekte von Amanita muscaria. Diese werden verursacht durch den Inhaltsstoff Ibotens\u00e4ure und dessen Abbauprodukt Muscimol. 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