{"id":73613,"date":"2020-04-06T07:20:58","date_gmt":"2020-04-06T05:20:58","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=73613"},"modified":"2020-04-06T07:52:31","modified_gmt":"2020-04-06T05:52:31","slug":"ananas-eukalyptus-pilze-diese-stoffe-machen-die-mode-nachhaltiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ananas-eukalyptus-pilze-diese-stoffe-machen-die-mode-nachhaltiger\/","title":{"rendered":"Ananas, Eukalyptus, Pilze: Diese Stoffe machen die Mode nachhaltiger"},"content":{"rendered":"<p>Geht es darum, den pers\u00f6nlichen CO2-Fu\u00dfabdruck zu verringern, denken viele Menschen als Erstes an Flugreisen. Stichwort: Flugscham. Eine \u00e4hnlich hitzig gef\u00fchrte Debatte \u00fcber Konsumscham fehlt bislang. Dabei ist die Textilindustrie eine der umweltsch\u00e4dlichsten Industrien \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Sie emittiert mehr CO\u2082 als Flug- und Schifffahrtsverkehr zusammen. Die Branche recycelt ihre Produkte nur im Promillebereich und setzt massenhaft Chemikalien und Pestizide ein. Zudem hat sich der Absatz von Kleidung seit Anfang der 2000er Jahre bis jetzt verdoppelt.<\/p>\n<p>Polyester-Pulli l\u00f6st sich erst nach 500 Jahren auf<br \/>\n60 neue Kleidungsst\u00fccke kaufen die Deutschen pro Jahr. Jede Woche ein Artikel. Das meiste ist aus Polyester, gut zwei Drittel unserer Kleidung besteht daraus. Die Plastikfasern werden aus Erd\u00f6l gewonnen, sie sind stabil und langlebig. Dennoch werfen Fast-Fashion-Firmen wie H&amp;M und Zara weiter bis zu 20 Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Die neuesten Schnitte, Prints und Designs landen von den Laufstegen im Warenkorb und kurz danach im M\u00fcll. Bis zu 500 Jahre dauert es, bis ein Polyester-Pullover zersetzt ist.<\/p>\n<p>Immer mehr Modefirmen suchen daher nach nachhaltigen Fasern. Kleider aus Lachsleder, Algen, Pilzen oder saurer Milch zeigen, dass es m\u00f6glich ist, hautfreundliche und umweltfreundliche Stoffe herzustellen.<\/p>\n<p>QMilk: Rei\u00dffeste Naturfaser<br \/>\nAbgelaufene Milch landet \u00fcblicherweise im Abfluss. Doch die Modedesignerin Anke Domaske hat daraus eine chemiefreie und rei\u00dffeste Naturfaser hergestellt. Nachdem ihr Vater allergisch auf verschiedenste Textilien reagierte, experimentiert die gelernte Mikrobiologin mit alter, saurer Milch aus dem Supermarkt. In einem Spinnverfahren isoliert sie daraus das Milchprotein Kasein und wandelt es um in ein Biopolymer. Um es haltbar zu machen, trocknet und erhitzt sie es. Anschlie\u00dfend l\u00e4sst sie es durch eine Art Nudel-Maschine mit sehr d\u00fcnnen L\u00f6chern laufen.<\/p>\n<p>Heraus kommt eine nat\u00fcrliche Textilfaser, die atmungsaktiv, antibakteriell und temperaturregulierend ist. F\u00fcr die Herstellung hat Domaske den Green Tec Award gewonnen. Kleider aus qMilk f\u00fchlen sich auf der Haut an wie Seide. Hersteller aus den USA, S\u00fcdkorea und China kaufen mittlerweile bei Domaske ein.<\/p>\n<p>Veganes Leder aus Pilzen<br \/>\nWer Pilze an den F\u00fc\u00dfen tr\u00e4gt, muss nicht zwangsl\u00e4ufig unter Fu\u00dfpilz leiden. Er kann auch einfach zu veganem Leder von Nina Fabert gegriffen haben. Die Berliner Designerin bezieht sogenanntes Tramaleder aus Rum\u00e4nien, das aus dem Zunderschwammpilz gewonnen wird. Da echtes Tierleder in der Kritik steht und Kunstleder aus Erd\u00f6l hergestellt wird, steigen zwischenzeitlich immer mehr Firmen auf botanisches Leder um.<\/p>\n<p>So sieht der Zunderschwamm aus.<br \/>\nDer Zunderschwammpilz w\u00e4chst an schwachen Laubb\u00e4umen zu einem gro\u00dfen Fruchtk\u00f6rper heran. Unter der Schale des \u00e4u\u00dferlich festen Knollens versteckt sich ein weiches Gewebe. Das sogenannte Trama. Pilzleder wiegt wenig und ist atmungsaktiv.<\/p>\n<p>\u00dcberreste von Ananas als Ersatzleder<br \/>\nNeben Pilzen gibt es noch weitere Rohstoffe, aus denen man Lederersatz machen kann \u2013 zum Beispiel aus den Abf\u00e4llen der Lachszucht. Aus Lachsleder von Bio-Lachsfarmen k\u00f6nnen \u00f6kologisch nachhaltige Schuhe, Lampen oder Jacken hergestellt werden. Auch die \u00dcberreste von Ananas sind f\u00fcr die Modebranche interessant. So stellt die spanische Firma Pinatex aus alten Ananas-Bl\u00e4ttern Lederersatzprodukte her, andere Unternehmen entwickeln G\u00fcrtel oder Taschen aus Eukalyptusleder oder Teakleder.<\/p>\n<p>Ananasbl\u00e4tter m\u00fcssen nicht unbedingt im Abfall landen.<br \/>\nAuch die Gr\u00fcnder des italienischen Unternehmens Vegea haben einen Weg gefunden, aus Abf\u00e4llen Lederersatz herzustellen. Alles, was der Endkunde nicht trinken will, also Stiele, Kerne und Schalen \u2013 der komplette Traubentrester \u2013 kommt in die \u201eLederproduktion\u201c. In den Abfallbergen der Landwirtschaft steckt also ein gro\u00dfes Potenzial.<\/p>\n<p>Lyocell aus Eukalyptus-B\u00e4umen<br \/>\nEiner der vielversprechendsten Naturfasern der nachhaltigen Modeindustrie ist Lyocell. Gewonnen wird die Faser aus dem Zellstoff nachwachsender Eukalyptusb\u00e4ume. Die Hersteller l\u00f6sen dazu den Zellstoff auf und verspinnen die daraus gewonnene L\u00f6sung zu Fasern, die am Ende einen festen, glatten Stoff ergeben.<\/p>\n<p>Dieser wird auch unter dem Markennamen Tencel angeboten. Das Verfahren gilt als schonender als die Baumwoll-Herstellung, da weniger Wasser und Pestizide zum Einsatz kommen. Auf der Haut f\u00fchlt sich Lyocell weich an und absorbiert gut Feuchtigkeit.<\/p>\n<p>Welche Textilsiegel helfen bei der Auswahl?<br \/>\nTextilsiegel gibt es so viele. Die strengsten und unabh\u00e4ngigsten Siegel am Kleidungs-Markt, die von Greenpeace mit drei Sternen ausgezeichnet wurden, lauten:<\/p>\n<p>IVN BEST vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) f\u00fcr eine nachhaltige und soziale Textilproduktion. Es gilt aus Sicht von Greenpeace als strengstes Kleidersiegel, denn es l\u00e4sst nur Naturfasern aus Bio-Anbau zu, die komplett biologisch abbaubar sind. Jegliche Synthetik und damit auch die schlecht zu recycelnden Mischfasern sind ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Auch Made in Green hat die Messlatte h\u00f6her gelegt. Die Fabriken unterliegen dem Nachhaltigkeits-Programm Sustainable Textile Production (STeP), das von Chemikalien \u00fcber Umweltmanagement bis hin zu Arbeitssicherheit alles abdeckt. Die erlaubten R\u00fcckst\u00e4nde im Endprodukt sind sogar ambitionierter als bei GOTS.<\/p>\n<p>Das \u201eGlobal Organic Textile\u201c-Siegel (GOTS) schreibt 70 Prozent Bio-Naturfasern vor, dazu d\u00fcrfen bis zu 30 Prozent Recyclingfasern beigemischt werden. Kleidung mit GOTS-Siegel gibt es bei Alnatura, Avocado Store, Glore, Greenality, Hessnatur, Gr\u00fcne Erde und auch bei H\u00e4ndlern wie Peek&amp;Cloppenburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geht es darum, den pers\u00f6nlichen CO2-Fu\u00dfabdruck zu verringern, denken viele Menschen als Erstes an Flugreisen. Stichwort: Flugscham. Eine \u00e4hnlich hitzig gef\u00fchrte Debatte \u00fcber Konsumscham fehlt bislang. Dabei ist die Textilindustrie eine der umweltsch\u00e4dlichsten Industrien \u00fcberhaupt. Sie emittiert mehr CO\u2082 als Flug- und Schifffahrtsverkehr zusammen. 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