{"id":73283,"date":"2020-03-27T07:35:14","date_gmt":"2020-03-27T06:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=73283"},"modified":"2020-03-24T15:07:06","modified_gmt":"2020-03-24T14:07:06","slug":"biooekonomie-in-lettland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biooekonomie-in-lettland\/","title":{"rendered":"Bio\u00f6konomie in Lettland"},"content":{"rendered":"<p>Lettland ist mit rund zwei Millionen Einwohnern ein eher d\u00fcnn besiedeltes Land in der Mitte des Baltikums. Die gr\u00f6\u00dfte bio\u00f6konomische Bedeutung haben daher Land- und Forstwirtschaft: 54% der Landfl\u00e4che sind bewaldet, weitere 30% werden landwirtschaftlich genutzt. W\u00e4lder und fruchtbare B\u00f6den bieten ein weit gr\u00f6\u00dferes Potenzial als bislang wirtschaftlich erschlossen ist. Bei der bio\u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfung pr\u00e4destinieren die traditionellen und kleinteiligen Strukturen das Land eher f\u00fcr Spezial- als f\u00fcr Massenprodukte. Schon heute ist die Bio\u00f6konomie der gr\u00f6\u00dfte und wichtigste Wirtschaftssektor Lettlands, gefolgt von Maschinenbau und Elektronik. Den Weg in eine noch st\u00e4rkere Bio\u00f6konomie soll die 2017 verabschiedete Bio\u00f6konomiestrategie weisen. Als \u201eData-driven Nation\u201c ist Lettland zudem Vorreiter bei der Digitalisierung.<\/p>\n<p>Rechtliche und politische Grundlagen<br \/>\nFederf\u00fchrend in der politischen Steuerung der Bio\u00f6konomie ist in Lettland das Landwirtschaftsministerium. Beteiligt sind au\u00dferdem die Ministerien f\u00fcr Forschung und f\u00fcr Wirtschaft.<\/p>\n<p>Bereits 2007 verabschiedete die lettische Regierung ein \u201eProgramm f\u00fcr die l\u00e4ndliche Entwicklung Lettlands 2007\u20132013\u201c . Zwar wurde darin die Bio\u00f6konomie noch nicht explizit benannt, doch zielte das Programm darauf ab, die heimische Land- und Forstwirtschaft voranzubringen und gleichzeitig Lebens- und Umweltqualit\u00e4t im l\u00e4ndlichen Raum zu verbessern. Strukturwandel, Modernisierung und Innovation haben dabei zentrale Bedeutung. Im Ergebnis ist die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4che um ein F\u00fcnftel gewachsen, es gibt weniger Betriebe, die daf\u00fcr im Durchschnitt gr\u00f6\u00dfer sind, aber in Folge von Effizienzgewinnen ein F\u00fcnftel weniger Arbeitspl\u00e4tze bieten als noch 2007.<\/p>\n<p>Ein Anschlussprogramm von 2014\u20132020 setzt einen F\u00f6rderrahmen von 1,5 Mrd. Euro \u00f6ffentlichen Mitteln (davon rund eine Mrd. Euro von der EU). Unter anderem sollen damit mindestens 3.600 landwirtschaftliche Betriebe bei der Restrukturierung und Modernisierung unterst\u00fctzt werden. Eine wichtige Rolle kommt zudem der Aus- und Weiterbildung zu, da acht von neun Menschen in der Landwirtschaft keine formale Qualifikation neben ihrer Arbeitserfahrung besitzen. Au\u00dferdem soll der Fl\u00e4chenanteil der Landwirtschaft ausgeweitet werden, der \u00f6kologisch bewirtschaftet wird. Dazu wurden Vertr\u00e4ge entworfen, die f\u00fcr 14% der Fl\u00e4che ein Biodiversit\u00e4tsmanagement vorsehen, f\u00fcr 17% ein Wassermanagement und f\u00fcr 17% ein Bodenmanagement.<\/p>\n<p>Im Jahr 2010 wurde die \u201eStrategie f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung Lettlands bis 2030\u201c, deren Hauptziel der Aufbau einer innovativen und \u00f6ko-effizienten Wirtschaft ist. Natur wird dabei als wichtiges Kapital gesehen, weshalb die Strategie auf finanzielle Anreize f\u00fcr den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung von \u00d6kosystemen setzt. Bei der Wertsch\u00f6pfung stehen hochwertige Lebensmittel im Fokus. Biomasse wird als Teil eines diversifizierten Energiemixes aus erneuerbaren Quellen gesehen, soll vorrangig jedoch nur dort produziert werden, wo der Anbau anderer Agrarprodukte unattraktiv ist.<\/p>\n<p>Auch der \u201eNationale Entwicklungsplan f\u00fcr Lettland f\u00fcr 2014\u20132020\u201c greift im Bereich Wirtschaft die Bio\u00f6konomie auf: Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei sollen sowohl produktiver als auch nachhaltiger werden. Der Erhalt biologischer Vielfalt und Ressourcen wird als wichtig herausgestellt, einhergehend mit deren nachhaltiger Nutzung. Produkte sollen energieeffizient und umweltfreundlich hergestellt werden.<\/p>\n<p>Aus dem Entwicklungsplan ging die \u201eSmarte Spezialisierungsstrategie\u201c hervor, die f\u00fcnf wesentliche wirtschaftliche Branchen definiert, darunter die wissensbasierte Bio\u00f6konomie. Eine eigenst\u00e4ndige \u201eLettische Bio\u00f6konomiestrategie 2030\u201c ver\u00f6ffentlichte die Regierung schlie\u00dflich als erster baltischer Staat im Jahr 2017. Sie ist gepr\u00e4gt davon, \u00f6konomische Interessen mit dem Erhalt der nat\u00fcrlichen Ressourcen in Einklang zu bringen. Eingeflossen sind die EU-Strategie f\u00fcr die Ostseeregion \u201eBio\u00f6konomie \u2013 Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei\u201c sowie das Paket zur Kreislaufwirtschaft der Europ\u00e4ischen Kommission von 2015.<\/p>\n<p>Die Bio\u00f6konomiestrategie hat f\u00fcnf Aktionsfelder:<\/p>\n<p>attraktive Rahmenbedingungen f\u00fcr Unternehmer im Bereich Bio\u00f6konomie,<br \/>\neffizientes und nachhaltiges Ressourcenmanagement,<br \/>\nF\u00f6rderung der bio\u00f6konomischen Produktion,<br \/>\nsozial verantwortliche und nachhaltige Entwicklung<br \/>\nsowie \u00fcbergeordnet der Aufbau von Wissen und Innovationen im Bereich Bio\u00f6konomie.<\/p>\n<p>Hervorzuheben ist im Bereich Wissen der Plan, ein europ\u00e4isches Exzellenzcenter f\u00fcr Bio\u00f6konomieforschung aufzubauen. Ein weiteres Ziel der Strategie ist es, Bio\u00f6konomie vom l\u00e4ndlichen Raum auf die St\u00e4dte auszuweiten.<\/p>\n<p>Konkrete Ma\u00dfnahmen umfassen beispielsweise eine verl\u00e4ssliche Steuerpolitik f\u00fcr den Sektor, die Schaffung neuer Handelsoptionen f\u00fcr kleinere Produzenten im Agrifood-Sektor, Investitionen in nachhaltiges Forstmanagement sowie die Bevorzugung von Produkten aus erneuerbaren Ressourcen bei \u00f6ffentlichen Beschaffungen. Biomasse soll in Kaskaden genutzt werden und am Ende der Energiegewinnung dienen, au\u00dferdem sollen die Treibhausgasemissionen der Branche sinken.<\/p>\n<p>Die Bio\u00f6konomiestrategie definiert auch quantitative Ziele. So sollen bis 2030 mindestens 128.000 Menschen in bio\u00f6okonomischen Sektoren besch\u00e4ftigt sein \u2013 und damit \u00e4hnlich viele wie in den vergangenen Jahren. Denn durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und effizientere Produktionsprozesse ist die Zahl der Besch\u00e4ftigten in der Bio\u00f6konomie in Lettland seit 2002 stark r\u00fcckl\u00e4ufig, ein Trend, den die Regierung stoppen m\u00f6chte. Die Wertsch\u00f6pfung durch Bio\u00f6konomieprodukte soll mindestens 3,8 Mrd. Euro betragen (von 1,92 Mrd. im Jahr 2015) und die Exporte sollen einen Wert von mindestens 9 Mrd. Euro aufweisen \u2013 mehr als eine Verdoppelung gegen\u00fcber 2016.<\/p>\n<p>2018 trat Lettland au\u00dferdem der BIOEAST-Initiative bei, in der L\u00e4nder in Zentral- und Osteuropa gemeinsam daran arbeiten, eine wissensbasierte Bio\u00f6konomie zu entwickeln. Zentrales Ziel der Initiative ist eine zirkul\u00e4re Nutzung der Biomasse, um Abf\u00e4lle zu vermeiden und neue biobasierte Wertsch\u00f6pfungsketten zu generieren. Nicht zuletzt soll der l\u00e4ndliche Raum lebenswert erhalten und ihm Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels verliehen werden.<\/p>\n<p>Unternehmenslandschaft<\/p>\n<p>Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei<br \/>\nSchon heute stammen mehr als 50% aller Exporte Lettlands aus der Bio\u00f6konomie. Den gr\u00f6\u00dften Anteil daran hat die Holzwirtschaft, gefolgt von der Lebensmittelproduktion. Weltweit ist der baltische Staat drittgr\u00f6\u00dfter Exporteur von Holzpellets und neuntgr\u00f6\u00dfter Exporteur von Weichholzs\u00e4gematerial. Aber auch im Inland spielt Holz eine gro\u00dfe Rolle in der W\u00e4rmeerzeugung. Viele Sektoren konkurrieren in Lettland um den Rohstoff Holz, der jedoch nicht knapp ist: Die Waldbest\u00e4nde umfassten 2018 668 Millionen Kubikmeter, von denen j\u00e4hrlich rund 11 Millionen Kubikmeter geerntet werden. Gro\u00dfe Akteure unter den mehreren Hundert Unternehmen sind beispielsweise Latvia Timber International, AKZ oder Osukalns.<\/p>\n<p>In der Landwirtschaft sieht es anders aus: Lediglich jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb arbeitet marktorientiert. Mehr als die H\u00e4lfte aller Landwirte sind zumindest teilweise auf Subsistenzwirtschaft angewiesen und haben nicht die n\u00f6tigen Mittel, ihre Betriebe zu modernisieren.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist die Situation in der K\u00fcstenfischerei, wo mehr als 90% der Boote Familienbetrieben geh\u00f6ren, die zu gro\u00dfen Teilen f\u00fcr den lokalen und den Eigenbedarf fischen. 97% des lettischen Fischfangs erfolgt jedoch fern der K\u00fcsten durch wenige gro\u00dfe Schiffe, die H\u00e4lfte davon durch neun Hochseeschiffe im Atlantik. Der inl\u00e4ndische Fischfang ist stark r\u00fcckl\u00e4ufig und betrug 2017 nur noch 226 Tonnen. Er wird durch die in Lettland recht neuen Aquafarmen abgel\u00f6st, die 2017 in 88 Farmen 808 Tonnen Fisch erzeugten.<\/p>\n<p>Lebensmittelindustrie<br \/>\nEin besonders hohes Wachstum weisen der Export von \u00f6kologisch produzierten Lebensmitteln mit hohem N\u00e4hrwert sowie von innovativen Lebensmittelzus\u00e4tzen auf. Einer der gr\u00f6\u00dften Lebensmittelhersteller des Landes ist Food Union. Bei seinen Milchprodukten setzt das Unternehmen stark auf probiotische Bakterien. Daneben existieren rund ein Dutzend weiterer gro\u00dfer Unternehmen wie Cesvaines Piens, Latvijas Balzams oder Orkla Foods Latvija.<\/p>\n<p>Viele kleinere Unternehmen dr\u00e4ngen derzeit mit forschungsintensiven Nischenprodukten in den Markt, darunter besonders n\u00e4hrstoffreiche M\u00fcslis, Snacks auf Basis von H\u00fclsenfr\u00fcchten, Bienenbrot, Birnenchips oder das Kr\u00e4uter-Fruchtsaft-Mischgetr\u00e4nk des Start-ups Dabas Dots und der proteinreiche Erbsendrink von Nature Foods. In der Entwicklung befinden sich zudem Produkte auf Basis von essbaren W\u00fcrmern und spezielle Fischmasseprodukte. Als Interessenvertretung der Branche agiert der Verband Latvijas P\u0101rtikas uz\u0146\u0113mumu feder\u0101cija.<\/p>\n<p>Chemische Industrie<br \/>\nDie chemische Industrie hat in Lettland eine \u00e4hnliche Gr\u00f6\u00dfe wie die Elektronikindustrie. Der gr\u00f6\u00dfte Teil entf\u00e4llt auf Spezial- und Bulkchemikalien, gefolgt von Gummi- und Kunststoffprodukten. Durch den hohen Anteil der Herstellung von Holzkohle und Tall\u00f6l hat Lettland in der EU den zweith\u00f6chsten Anteil biobasierter Rohstoffe in der chemischen Industrie. Internationales Interesse erregte j\u00fcngst das Start-up PolyLabs, das Bio-Polyole f\u00fcr die Polyurethanindustrie entwickelt und mehrere Innovations- und Start-up-Preise gewann.<\/p>\n<p>Die Pharmabranche ist der drittgr\u00f6\u00dfte Teilbereich der chemischen Industrie in Lettland und erzielt derzeit 0,35% der gesamten volkswirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung. Sie gilt als der wichtigste, weil am st\u00e4rksten wachsende Sektor der chemischen Industrie. 33\u00a0Unternehmen besch\u00e4ftigen sich mit der Herstellung pharmazeutischer Produkte und erzielten 2017 einen Umsatz von etwas mehr als 200 Mio. Euro. Rund 180 Mio. Euro entfallen dabei auf die beiden b\u00f6rsennotierten Arzneimittelhersteller Grindeks und Olainfarm, die zusammen 95% der Erwerbst\u00e4tigen der Branche besch\u00e4ftigen. Mit deutlich weniger Umsatz folgen die Unternehmen Pharmidea, Kalceks und Silvanols. Die Branche konzentriert sich geografisch zwischen Riga und Olaine und entwickelt mit Ausnahme von Grindeks vor allem Generika. Die chemische und pharmazeutische Industrie ist im Verband Latvijas \u0136\u012bmijas un farm\u0101cijas uz\u0146\u0113m\u0113ju asoci\u0101cija organisiert.<\/p>\n<p>Biotechnologie<br \/>\nDie Biotechnologie hat in Lettland eine lange Tradition, musste aber im Zuge der wirtschaftlichen Umbr\u00fcche nach der Trennung von der Sowjetunion starke Einbr\u00fcche hinnehmen. Heute gibt es etwa zehn Unternehmen die in der Biotechnologie aktiv sind. In der medizinischen Biotechnologie sind das Anima Lab, Asla-Biotech, Pharmidea, Biolat, GenEra und Silvanols. Zur Umweltbiotechnologie z\u00e4hlen sich Bioefekts, BAO und Eko osta, die mikrobielle Boden- und Wassersanierungen sowie Abfallbehandlung betreiben. Jaunpagasts Plus produziert fermentativ Bioethanol und alkoholische Getr\u00e4nke, Latvijas Balzams erzeugt in Bioreaktoren Hefe-Biomasse und alkoholische Getr\u00e4nke. Au\u00dferdem gibt es vier Hersteller biotechnologischer Anlagen und Ger\u00e4te: Biosan, Biotehniskais centrs, Biotechnomica und Elmi. Sie generieren die h\u00f6chste Wertsch\u00f6pfung des Sektors. Organisiert ist die Branche im Verband Latvijas Biotehnolo\u0123ijas asoci\u0101cija. Bioraffinerien gibt es bislang nicht, allerdings wird das Potenzial einer Bioraffinerie auf Basis von Makroalgen untersucht, und lettische Forscher sind an der Entwicklung eine Bioraffinerie auf Grundlage von Lignin in Finnland beteiligt..<\/p>\n<p>Energiewirtschaft<br \/>\nInsgesamt deckte Bioenergie in Lettland 2015 31% des nationalen Energiebedarfs von rund 4.000 ktoe. In der Stromerzeugung spielt die Bio\u00f6konomie bislang keine gro\u00dfe Rolle: \u00dcber ein Drittel des erzeugten Stroms in Lettland stammt aus Wasserkraft, der Rest \u00fcberwiegend aus zwei gro\u00dfen Gaskraftwerken. Bei der W\u00e4rmeerzeugung kommt neben den wichtigen Holzpellets landeseigener Torf zum Einsatz, dar\u00fcber hinaus vor allem importierte fossile Brennstoffe. Viele kleine Erzeuger produzieren rund 60 MW Energie aus Biogas.<\/p>\n<p>Informationstechnik<br \/>\nAls \u201eData-driven Nation\u201c ist Lettland in der Ostseeregion Vorreiter in Sachen Digitalisierung \u2013 sowohl in technischen Infrastruktur mit fl\u00e4chendeckenden Internetversorgung als auch in der \u00f6ffentlichen Verwaltung. Das schafft ideale Grundlagen f\u00fcr digitale Landwirtschaft und Pr\u00e4zisionslandwirtschaft.<\/p>\n<p>Forschungslandschaft<\/p>\n<p>Forschung gilt in Lettland als chronisch unterfinanziert, da dieser Bereich beim \u00dcbergang zur Marktwirtschaft stark eingebrochen ist. Entsprechend gro\u00dfe Bedeutung haben EU-F\u00f6rdermittel. Die lettische Innovationsleistung ist, gemessen an Patenten und Forschungsausgaben, daher im internationalen Vergleich gering. In der Biotechnologie dominiert die medizinische Biotechnologie, wenngleich die Umweltbiotechnologie seit dem EU-Beitritt ihre Bedeutung ausbaut. Kritisch bewertet die lettische Bev\u00f6lkerung den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft, weshalb entsprechende Forschung praktisch nicht stattfindet. Es gibt aber auch Positivbeispiele: Auf der Grundlage langj\u00e4hriger Forschungsarbeiten an der Rigaer Technischen Universit\u00e4t hat die Ausgr\u00fcndung Conelum eine Technologie entwickelt, die Schimmelpilze in Lebensmitteln vollautomatisch und vor Ort in nur zwei Stunden nachweisen kann.<\/p>\n<p>Universit\u00e4re Forschung<br \/>\nAn den wenigen Hochschulen des Landes finden sich immer auch Fachbereiche, die sich mit Themen der Bio\u00f6konomie befassen. So betreibt die Universit\u00e4t von Lettland ein Institut f\u00fcr Mikrobiologie und Biotechnologie. An der Lettischen Universit\u00e4t f\u00fcr Lebenswissenschaften und Technologie erforschen Wissenschaftler die Lebensmittelbiotechnologie, die Systembiotechnologie und die Biogasherstellung. Die Wald-Fakult\u00e4t entwickelt Methoden, die \u00f6kologische und \u00f6konomische Kriterien der Waldbewirtschaftung zusammenf\u00fchren. Daneben gibt es auch eine landwirtschaftliche Fakult\u00e4t. Das gesamte Themenspektrum der Landwirtschaft erforscht die Lettische Universit\u00e4t f\u00fcr Landwirtschaft. Themen des Gartenbaus bearbeitet dort das Institut f\u00fcr Gartenbau. Die Technische Universit\u00e4t Riga besch\u00e4ftigt sich unter anderem mit nachhaltigen Technologien, Umweltbiotechnologie und Biomaterialien sowie Pharmaforschung und Biomedizin. An der Universit\u00e4t D\u00fcnaburg untersucht das Institut f\u00fcr Lebenswissenschaften und Technologie auch Fragen der Biodiversit\u00e4t. Umwelttechnologien und das Management erneuerbarer Ressourcen sind Themen der Universit\u00e4t Libau.<\/p>\n<p>Au\u00dferuniversit\u00e4re Forschung<br \/>\nAu\u00dferuniversit\u00e4re Forschung findet in Lettland an mehreren Instituten statt. Das Staatliche Waldforschungsinstitut Silava befasst sich mit dem gesamten Spektrum Wald \u2013 von der Genetik bis zur Forst\u00f6konomik. Die abfallfreie, umweltfreundliche Nutzung h\u00f6lzerner Biomasse f\u00fcr wettbewerbsf\u00e4hige Materialien und Produkte wird am Staatliche Institut f\u00fcr Holzchemie erforscht. Das Forschungs- und Entwicklungsinstitut f\u00fcr Wald und Holzprodukte konzentriert sich auf Materialforschung und Produkttests sowie die Ausbildung im Forstsektor.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf der Z\u00fcchtungsforschung bestimmt die Arbeit des Instituts f\u00fcr landwirtschaftliche Ressourcen und \u00d6konomik. Speziell die modernen Methoden das Pflanzenschutzes erforscht das lettische Pflanzenschutz-Forschungszentrum. Das Lettische Institut f\u00fcr Gew\u00e4sser\u00f6kologie ist unter anderem an Projekten beteiligt, die darauf zielen, die Blue Economy voranzutreiben. Au\u00dferdem gibt es ein Lettisches Fischereiforschungsinstitut, dessen Name dort Programm ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lettland ist mit rund zwei Millionen Einwohnern ein eher d\u00fcnn besiedeltes Land in der Mitte des Baltikums. Die gr\u00f6\u00dfte bio\u00f6konomische Bedeutung haben daher Land- und Forstwirtschaft: 54% der Landfl\u00e4che sind bewaldet, weitere 30% werden landwirtschaftlich genutzt. W\u00e4lder und fruchtbare B\u00f6den bieten ein weit gr\u00f6\u00dferes Potenzial als bislang wirtschaftlich erschlossen ist. 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