{"id":73242,"date":"2020-03-27T07:23:05","date_gmt":"2020-03-27T06:23:05","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=73242"},"modified":"2020-03-24T13:18:06","modified_gmt":"2020-03-24T12:18:06","slug":"ein-partydrink-aus-kohlendioxid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ein-partydrink-aus-kohlendioxid\/","title":{"rendered":"Ein Partydrink aus Kohlendioxid"},"content":{"rendered":"<p>Kohlendioxid ist n\u00fctzlich \u2013 was vor Jahren noch als Slogan von Klimaskeptikern galt, ist mittlerweile ein Gesch\u00e4ftsmodell. F\u00fcr die Ehrung als \u201eBeste CO2-Nutzung\u201c nominierten der Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro und das Nova-Institut in H\u00fcrth in diesem Jahr etwa sechs Projekte. Darunter sind bekannte Technologien wie synthetische Kraftstoffe aus CO2 und Luft, der Einbau von CO2 in Chemikalien und Kunststoffe, aber auch eine Armbanduhr mit angeblich CO2-speicherndem Betonziffernblatt sowie der \u201eAir Vodka\u201c.<\/p>\n<p>Ein US-Unternehmen preist die Spirituose als ersten kohlenstoffnegativen Alkohol der Welt an. Dieser Wodka wird nicht wie \u00fcblich aus Getreide gewonnen, sondern aus Kohlendioxid, Wasser und \u00d6kostrom. Solange der \u201eAir Vodka\u201c in der Flasche bleibt, ist das CO2 in dem Getr\u00e4nk gespeichert. Das Problem beginnt, wenn der Wodka getrunken wird, der Organismus den Alkohol \u00fcber mehrere Stufen wieder in Wasser und Kohlendioxid umwandelt und beides irgendwann ausscheidet. Der \u201eAir Vodka\u201c ist damit von der CO2-Bilanz her h\u00f6chstens ein Nullsummenspiel.<\/p>\n<p>Das Problem, dass das Klimagas nicht lange eingeschlossen bleibt, besteht bei den meisten Arten von CO2-Nutzung. Die Klimawissenschaftlerin Sabine Fuss vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin sieht denn auch den Boom beim Nutzen von CO2 kritisch. Zum einen sei das meist mit einem hohen Energieaufwand verbunden \u2013 und derzeit sei die Energieversorgung noch lange nicht CO2-frei. Zum anderen werde das CO2 meist recht schnell wieder freigesetzt, wie bei den synthetischen Brennstoffen.<\/p>\n<p>Fuss und andere Klimaforscher raten deshalb in einem unl\u00e4ngst in der Zeitschrift \u201eNature\u201c erschienenen Beitrag davon ab, das Nutzen von CO2 politisch zu f\u00f6rdern. Stattdessen solle man sich auf die Vermeidung von CO2 konzentrieren \u2013 oder auf die Speicherung.<\/p>\n<p>F\u00fcr Millionen Jahre gelagert<br \/>\nIm Unterschied zur Nutzung kann die geologische Lagerung von CO2 \u2013 derzeit am besten unter der Abk\u00fcrzung CCS als Verpressung in unterirdischen Speichern bekannt \u2013 nach Ansicht von Fuss das CO2 tats\u00e4chlich \u00fcber sehr lange Zeit \u201ewegsperren\u201c. \u201eIn der Geologie ist \u201asehr lange\u2018 wirklich lange\u201c, sagt Fuss. \u201eNat\u00fcrliche Erdgasvorkommen zeigen, dass Gase f\u00fcr Millionen Jahre geologisch eingeschlossen werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Am weitesten gediehen ist die Idee, CO2 in inzwischen leergef\u00f6rderten Erdgasfeldern unter der Nordsee einzulagern. Technisch ist das schon erprobt: Die Norweger speichern seit fast 25 Jahren im Sleipner-Feld CO2 \u2013 momentan eine Million Tonnen pro Jahr. Mitte der 2020er Jahre wollen die Niederl\u00e4nder mit einem \u00e4hnlichen Projekt nachziehen.<\/p>\n<p>Bislang gibt es allerdings nur wenige Berechnungen dazu, wie sich der Aufwand f\u00fcr solche Vorhaben zum Nutzen f\u00fcr das Klima verh\u00e4lt, wie Sabine Fuss sagt. \u201eGenerell kann davon ausgegangen werden, dass die eingelagerten Mengen an CO2 immer noch gro\u00df genug sind, um den Aufwand zu rechtfertigen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wissenschaftlerin deuten die Szenarien f\u00fcr die fortschreitende Erderw\u00e4rmung des Weltklimarats darauf hin, dass es \u201eohne substanzielle CO2-Entnahmen\u201c nicht m\u00f6glich sein wird, anspruchsvolle Klimaziele zu erreichen. Zusammen mit ihren Mitautoren listet Fuss in der \u201eNature\u201c-Publikation zehn M\u00f6glichkeiten auf, wie Kohlendioxid genutzt und der Atmosph\u00e4re entzogen werden k\u00f6nnte. Jede Methode k\u00f6nnte dabei j\u00e4hrlich bis zu 500 Millionen Tonnen CO2 nutzen.<\/p>\n<p>Derzeit werden allerdings rund 37 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr ausgesto\u00dfen. Mit dem Nutzen von CO2 l\u00e4sst sich also das Klimaproblem nicht l\u00f6sen. Nicht zuletzt befinden sich die meisten Technologien noch in der Testphase. Bis sie in gro\u00dfem Ma\u00dfe CO2 einsparen k\u00f6nnen, werden noch einige Jahre vergehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kohlendioxid ist n\u00fctzlich \u2013 was vor Jahren noch als Slogan von Klimaskeptikern galt, ist mittlerweile ein Gesch\u00e4ftsmodell. F\u00fcr die Ehrung als \u201eBeste CO2-Nutzung\u201c nominierten der Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro und das Nova-Institut in H\u00fcrth in diesem Jahr etwa sechs Projekte. 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