{"id":72690,"date":"2020-03-13T07:26:22","date_gmt":"2020-03-13T06:26:22","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=72690"},"modified":"2020-03-10T13:21:59","modified_gmt":"2020-03-10T12:21:59","slug":"sind-popcorn-und-stroh-die-besseren-daemmstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/sind-popcorn-und-stroh-die-besseren-daemmstoffe\/","title":{"rendered":"Sind Popcorn und Stroh die besseren D\u00e4mmstoffe?"},"content":{"rendered":"<p>Die Klimadebatte macht vor dem Baugewerbe nicht halt. Nachhaltigere Baustoffe wie Lehm, Holz und Stroh r\u00fccken damit wieder in den Fokus, auch wenn sie genau genommen ein alter Hut sind. Schlie\u00dflich werden sie bereits seit Jahrhunderten genutzt. Zudem findet die Forschung heute zum Teil ungew\u00f6hnliche Ans\u00e4tze f\u00fcr das nachhaltige Bauen der Zukunft. Ausgereift sind die allerdings noch nicht immer. Eine Auswahl.<\/p>\n<p>Aus dem Meer in die Hauswand: Seegras ist ein marktreifer nachwachsender W\u00e4rmed\u00e4mmstoff &#8211; und es bietet nach Einsch\u00e4tzung von Ren\u00e9 G\u00f6rnhardt viele Vorteile. &#8220;Man muss es nicht anbauen, denn es w\u00e4chst auf dem Meeresgrund&#8221;, sagt der Baustoffexperte der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Seegras habe einen hohen Salzgehalt und brenne dadurch nicht so leicht, so G\u00f6rnhardt. Es lasse sich einfach verarbeiten. Der D\u00e4mmwert sei mit einer konventionellen D\u00e4mmmatte vergleichbar. Dazukommt: Die Faser kann relativ viel Feuchte aufnehmen, ohne dass sie an D\u00e4mmwirkung und Massenvolumen verliert, w\u00e4hrend sich viele der herk\u00f6mmlichen Stoffe vollsaugen und zusammensacken &#8211; die Folge sind Hohlstellen, die schlimmstenfalls zu Schimmel f\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine Wand aus Rohrkolben: Schilf und Rohrkolben (Typha) wirken nicht gerade stabil. Doch verarbeitet als Platten halten sie durch ihre Kammerform &#8211; sie sind innen hohl &#8211; Lasten aus. &#8220;Sie k\u00f6nnen in tragenden Innenw\u00e4nden verbaut werden oder als Matte f\u00fcr die D\u00e4mmung genutzt werden&#8221;, erkl\u00e4rt G\u00f6rnhardt. Durch die Wiedervern\u00e4ssung der Moore, so hofft er, k\u00f6nnten die Pflanzen wieder in gr\u00f6\u00dferen Massen regional angebaut werden. Die Pflanzen an sich gebe es am Bau schon l\u00e4nger, nur durchgesetzt haben sie sich bislang nicht. &#8220;Das gro\u00dfe Problem ist, dass sich viele Firmen str\u00e4uben, innovativen Entwicklungen im Baubereich eine Chance zu geben&#8221;, bem\u00e4ngelt G\u00f6rnhardt.<\/p>\n<p>Trennw\u00e4nde aus Popcorn: Popcorn zum Beispiel. Da geht es nicht um Kinofeeling auf der Baustelle, sondern um Spanplatten, die zu rund zwei Dritteln aus Holzsp\u00e4nen und zu rund einem Drittel aus Popcorngranulat bestehen, also aus verarbeitetem Mais. Sie sind seit 2011 unter dem Namen &#8220;BalanceBoard&#8221; auf dem Markt und wesentlich leichter als \u00fcbliche Spanplatten. Entwickelt wurde der Werkstoff an der Uni G\u00f6ttingen.<\/p>\n<p>Und das Forscherteam um Prof. Alireza Kharazipour will noch weiter gehen. Es arbeitet daran, Produkte aus 100 Prozent Popcorngranulat herzustellen. Das wird beleimt und kann anschlie\u00dfend in Form gepresst werden, zum Beispiel zu St\u00fchlen, Platten oder Verpackungsboxen, also zu nat\u00fcrlichem Styropor-Ersatz. &#8220;Es funktioniert auch als D\u00e4mmstoff oder f\u00fcr Trennw\u00e4nde in B\u00fcros&#8221;, erg\u00e4nzt Kharazipour. Die Produkte k\u00f6nnten bald auf den Markt kommen. Es liefen Gespr\u00e4che zwischen der Universit\u00e4t und mehreren Firmen \u00fcber Lizensierungen, so der Wissenschaftler. &#8220;Wir sind schon sehr weit.&#8221; Er hofft darauf, dass sie dieses oder n\u00e4chstes Jahr kommerziell produziert werden.<\/p>\n<p>Flachs als Bewehrung im Beton: Klassischerweise wird Beton durch Stahlstreben verst\u00e4rkt. Modernere Bewehrungen bestehen aus Carbon oder Kunststoff. K\u00fcnftig aber k\u00f6nnten sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, zum Beispiel Flachs. Das hoffen die Forscher am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Holzforschung in Braunschweig, die daran arbeiten. Der Stoff sei korrosionsfrei, lange haltbar und habe die gleichen statischen Eigenschaften wie Stahlbeton, hei\u00dft es. Er soll g\u00fcnstiger in der Produktion sein und habe eine bessere CO2-Bilanz. Au\u00dferdem sei Flachs vielseitig einsetzbar: Da sich die Bewehrung aus Textil fast allen Formen anpasse, seien auch filigrane Bauten m\u00f6glich. Allerdings ist der Textilbeton noch nicht am Bau verf\u00fcgbar. &#8220;Leider ist der Stoff noch nicht ausgereift&#8221;, sagt Baustoffexperte G\u00f6rnhardt.<\/p>\n<p>Memory Steel: Stahl, der sich erinnert \u2013 so k\u00f6nnte man den Namen des Baustoffs Memory Steel \u00fcbersetzen. Er kommt etwa zum Einsatz, um Bauwerke zu verst\u00e4rken \u2013 und soll sich vor allem bei der Erhaltung alter Geb\u00e4ude bew\u00e4hren. Das Prinzip: Wenn Memory Steel verbaut ist, wird er zum Beispiel mit Strom erhitzt. Die Legierung auf Eisenbasis zieht sich daraufhin zusammen und spannt die Tragstruktur damit vor.<\/p>\n<p>Das gehe viel einfacher als die weitverbreitete hydraulische Vorspannung, sagt Christoph Czaderski, der den Baustoff mit einem Team an der Eidgen\u00f6ssischen Materialpr\u00fcfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im Schweizer D\u00fcbendorf jahrelang erforscht und zur Serienreife gebracht hat. Czaderski sieht den Einsatzzweck vor allem bei Umbauten kleinerer und gr\u00f6\u00dferer H\u00e4user. Diese m\u00fcssten dann nicht abgerissen werden. \u201eEs ist nachhaltiger zu erhalten, was man hat\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>In der Schweiz ist Memory Steel, das vom Unternehmen refer vertrieben wird, seit 2017 auf dem Markt. Auch in Frankreich wurde es bereits genutzt. F\u00fcr Deutschland wiederum steht die bauaufsichtliche Zulassung noch aus. Diese sei in Bearbeitung, sagt Czaderski.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Klimadebatte macht vor dem Baugewerbe nicht halt. Nachhaltigere Baustoffe wie Lehm, Holz und Stroh r\u00fccken damit wieder in den Fokus, auch wenn sie genau genommen ein alter Hut sind. Schlie\u00dflich werden sie bereits seit Jahrhunderten genutzt. Zudem findet die Forschung heute zum Teil ungew\u00f6hnliche Ans\u00e4tze f\u00fcr das nachhaltige Bauen der Zukunft. 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