{"id":72574,"date":"2020-03-13T06:51:28","date_gmt":"2020-03-13T05:51:28","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fumwelt-naturschutz%2Frecycling-von-rotorblaettern-balsaholz-intelligent-zurueckgewinnen-und-wiederverwerten.html"},"modified":"2020-12-31T11:13:14","modified_gmt":"2020-12-31T10:13:14","slug":"recycling-von-rotorblaettern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/recycling-von-rotorblaettern\/","title":{"rendered":"Recycling von Rotorbl\u00e4ttern"},"content":{"rendered":"<p><strong>30 000 Windenergier\u00e4der drehen sich in Deutschland. Viele von ihnen kommen langsam in die Jahre. 2019 mussten 2000 Rotorbl\u00e4tter entsorgt werden, 2024 werden es schon 15 000 sein. Doch wohin mit den bis zu 90 Meter langen und rund 15 Tonnen schweren Unget\u00fcmen? Eine L\u00f6sung haben Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI parat: Mithilfe einer neuen Recyclingtechnik ist es ihnen gelungen, das in den Rotorbl\u00e4ttern enthaltene Balsaholz zur\u00fcckzugewinnen und etwa zu D\u00e4mmstoffmatten f\u00fcr Geb\u00e4ude zu verarbeiten.<\/strong><\/p>\n<p>Alte Windkraftanlagen m\u00fcssen entsorgt werden \u2013 wegen Materialerm\u00fcdung oder einfach, weil sie noch gr\u00f6\u00dferen und effizienteren Anlagen weichen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Chemische Technologie ICT prognostiziert: Zu den 15 000 Rotorbl\u00e4ttern, die 2024 aussortiert werden m\u00fcssen, kommen in den folgenden drei Jahren 72 000 hinzu. F\u00fcr den in den Windkraftanlagen verbauten Stahl oder Beton gibt es bereits umweltvertr\u00e4gliche Entsorgungsverfahren, schwierig bleibt das Recycling der Rotorbl\u00e4tter.<\/p>\n<h3>Fest verklebt und kaum zu trennen<\/h3>\n<p>Rotorbl\u00e4tter bestehen nicht aus Stahl. \u00bbDas w\u00e4re zu schwer und unbeweglich. Sie sind gr\u00f6\u00dftenteils aus mit Glasfasern verst\u00e4rktem Kunststoff (GfK) und Balsaholz, das mit Epoxid- oder Polyesterharz verklebt ist\u00ab, sagt Projektleiter Peter Meinlschmidt vom Fraunhofer WKI in Braunschweig. Die Klebeverbindung ist extrem fest. Das muss sie auch sein \u2013 die Rotorbl\u00e4tter erreichen Spitzengeschwindigkeiten von \u00fcber 250 Kilometern pro Stunde, die Krafteinwirkung ist enorm. F\u00fcr ein sortenreines Recycling ist jedoch genau das das Problem: Die einzelnen Bestandteile des Materialverbundes sind nur schwer voneinander zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>In einem Rotorblatt stecken rund 15 Kubikmeter Balsaholz, das nicht nur eines der leichtesten H\u00f6lzer der Welt ist, sondern auch extrem druckfest. \u00bbDas ist der entscheidende Vorteil von Balsaholz gegen\u00fcber den meisten Kunststoffsch\u00e4umen\u00ab, erkl\u00e4rt Meinlschmidt. Bisher gab es keine M\u00f6glichkeit, es bei der Entsorgung der alten Rotorbl\u00e4tter zur\u00fcckzugewinnen. \u00bbObwohl es kaum einen Brennwert hat, wird es im Materialverbund verbrannt, meistens in Zementfabriken. Die Zementrohstoffe m\u00fcssen auf etwa 1500 Grad erhitzt werden, bis sie miteinander verschmelzen und Zementklinker entsteht. Die Fabriken haben deshalb einen hohen Energiebedarf. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die geschmolzenen Glasfasern und die Asche sp\u00e4ter dem Zement beigemischt werden und Teile des Quarzsandes ersetzen, der dem Prozess sonst zugef\u00fchrt werden m\u00fcsste.\u00ab Doch die Zahl der Zementwerke in Deutschland ist mit insgesamt 53 \u00fcberschaubar, ihr Bedarf an Rotorbl\u00e4ttern als Brennmaterial ebenfalls.<\/p>\n<h3>Rotorbl\u00e4tter mit der Wasserstrahllanze zerlegen<\/h3>\n<p>Es gibt aber Hoffnung, der drohenden Rotorblattflut Herr zu werden: Meinlschmidt hat mit seinem Team, den Kollegen vom Fraunhofer ICT und Partnern aus der Industrie eine neue Recyclingtechnik entwickelt. Damit man das Balsaholz aus den Rotorbl\u00e4ttern zur\u00fcckgewinnen und wiederverwerten kann, werden die abgenommenen Bl\u00e4tter noch an ihrem Standort zerlegt. \u00bbKlassischerweise wird das Rotorblatt mit einer Bands\u00e4ge gedrittelt oder geviertelt, was jedoch relativ aufwendig ist. Wir sind daher auf die Idee gekommen, es stattdessen mit einer Wasserstrahllanze zu probieren. Und siehe da: Es ging deutlich schneller und besser\u00ab, erz\u00e4hlt Meinlschmidt. Die Lanze kann an einem speziellen Fahrzeug befestigt und von dort aus gesteuert werden. \u00bbMit der Hand k\u00f6nnten wir sie aufgrund des gewaltigen R\u00fccksto\u00dfes nur schwer f\u00fchren.\u00ab Die zehn bis zwanzig Meter gro\u00dfen Rotorblattst\u00fccke werden dann noch vor Ort in eine mobile Zerkleinerungsmaschine gepackt, die sie in etwa handtellergro\u00dfe St\u00fccke bricht.<\/p>\n<p>Mithilfe einer sogenannten Prallm\u00fchle gelingt es dem Forscherteam schlie\u00dflich, diese St\u00fccke in ihre einzelnen Bestandteile zu trennen. Daf\u00fcr werden sie in Drehungen versetzt und mit hoher Geschwindigkeit auf Metall geschleudert. Meinlschmidt erkl\u00e4rt: \u00bbDas Verbundmaterial bricht dann auseinander, weil das Holz z\u00e4helastisch ist, w\u00e4hrend Glasfaser und Harz sehr hart sind.\u00ab<\/p>\n<h3>D\u00e4mmen mit Rotorbl\u00e4ttern<\/h3>\n<p>Die Balsaholzst\u00fccke werden am Fraunhofer WKI unter anderem zu extrem leichten Holzfaser-D\u00e4mmstoffmatten verarbeitet. \u00bbBei den Geb\u00e4ude-D\u00e4mmstoffen sind zurzeit etwa zehn Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen \u2013 da ist noch Luft nach oben.\u00ab Die Matten sind mit einer Dichte von unter 20 Kilo pro Kubikmeter bisher einzigartig auf dem Markt und bieten eine \u00e4hnlich gute D\u00e4mmung wie g\u00e4ngige Materialien aus Styropor.<\/p>\n<p>Auch ein neuartiger, elastischer Holzschaum l\u00e4sst sich aus dem recycelten Balsaholz herstellen. Daf\u00fcr wird es sehr fein gemahlen und mit Schaummittel versetzt. Die Festigkeit des Schaums entsteht durch holzeigene Bindekr\u00e4fte, die den Einsatz von synthetischen Klebstoffen \u00fcberfl\u00fcssig machen. Der Schaum eignet sich als umweltfreundliches D\u00e4mm-, aber auch als Verpackungsmaterial, das einfach im Altpapier-Container entsorgt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30 000 Windenergier\u00e4der drehen sich in Deutschland. Viele von ihnen kommen langsam in die Jahre. 2019 mussten 2000 Rotorbl\u00e4tter entsorgt werden, 2024 werden es schon 15 000 sein. Doch wohin mit den bis zu 90 Meter langen und rund 15 Tonnen schweren Unget\u00fcmen? 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