{"id":72527,"date":"2020-03-10T07:26:54","date_gmt":"2020-03-10T06:26:54","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=72527"},"modified":"2020-03-05T16:05:53","modified_gmt":"2020-03-05T15:05:53","slug":"muell-das-war-frueher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/muell-das-war-frueher\/","title":{"rendered":"M\u00fcll \u2013 das war fr\u00fcher"},"content":{"rendered":"<p>In keinem anderen EU-Land wird pro Kopf mehr Verpackungsm\u00fcll produziert als in Deutschland. Die Gr\u00fcnen legen ein Konzept f\u00fcr eine &#8220;ressourcenleichte, giftfreie und klimaneutrale Kreislaufwirtschaft&#8221; vor.<\/p>\n<p>Jeder kennt das. Das Smartphone ist zwei Jahre alt, funktioniert noch tadellos, aber dem Akku geht die Puste aus. Der Batterietausch im Laden ist teuer, Selbermachen zu kompliziert, und so entscheiden sich viele doch gleich zum Kauf eines neuen Modells.<\/p>\n<p>Folge: Der Elektroschrott-Berg w\u00e4chst wieder ein bisschen. Geht es nach den Gr\u00fcnen, ist das bald Vergangenheit. Ihr neues <a href=\"https:\/\/www.bettina-hoffmann.info\/de\/2020_02_27_Bettina_Hoffmann_Diskussionspapier_Kreislaufwirtschaft.pdf\" target=\"_blank\">Konzept <\/a>f\u00fcr eine &#8220;ressourcenleichte, giftfreie und klimaneutrale Kreislaufwirtschaft&#8221; sieht unter anderem vor, dass Produkte bereits beim Design auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit getrimmt werden.<\/p>\n<p>Beispiel Smartphone-Akku: Der Austausch lie\u00dfe sich ganz einfach ohne Aufschrauben des Ger\u00e4ts bewerkstelligen \u2013 wie fr\u00fcher bei den Handys und heute beim Alternativmodell <a href=\"http:\/\/www.movum.info\/themen\/ressourcen-und-macht\/394-telefon-fuer-weltverbesserer\" target=\"_blank\">Fairphone<\/a> \u00fcblich.<\/p>\n<p>&#8220;Denkbar ist auch, dass f\u00fcr die Verbraucher \u00fcberhaupt keine Kosten anfallen, weil sie das Telefon nicht besitzen, sondern nur das gekauft haben, was sie eigentlich wollen: Mobil telefonieren, surfen und Fotos machen&#8221; \u2013 so steht es in einem Papier zum Thema, das die Gr\u00fcnen-Umweltexpertin <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bhoffmann_mdb\" target=\"_blank\">Bettina Hoffmann<\/a> formuliert hat und das am heutigen Freitag <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/termine\/gruener-wirtschaftskongress-gemeinsam-den-wohlstand-von-morgen-sichern\" target=\"_blank\">auf einem Kongress<\/a> mit \u00fcber 1.000 Teilnehmern in Berlin diskutiert wird.<br \/>\nDie Hersteller w\u00e4ren nach diesem &#8220;Nutzen statt besitzen&#8221;-Modell daf\u00fcr verantwortlich, dass die Kunden immer ein funktionierendes Produkt zur Verf\u00fcgung haben \u2013 inklusive n\u00f6tiger Reparaturen und der m\u00f6glichst kompletten Wiederverwertung des Ger\u00e4ts am Ende der Lebensdauer.<\/p>\n<p>Rohstoffverbrauch muss auf ein Viertel sinken<br \/>\nDie Deutschen als Erfinder des &#8220;Gr\u00fcnen Punkts&#8221; und zumeist eifrige M\u00fcllsortierer sehen sich selbst als \u00d6ko-Weltmeister. Doch die Realit\u00e4t ist eine andere. Sie sind tats\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/finanzen-wirtschaft\/die-muellberge-wachsen\" target=\"_blank\">Europameister beim Abfall <\/a>\u2013 in keinem anderen EU-Land wird pro Kopf mehr Verpackungsm\u00fcll produziert.<\/p>\n<p>Der meiste Siedlungsabfall wird verbrannt, wobei Treibhausgase entstehen und hochgiftige Filterst\u00e4ube und Schlacken \u00fcbrigbleiben, die in der Regel in Bergwerkstollen verf\u00fcllt werden. In den letzten zehn Jahren sind die M\u00fcllverbrennungskapazit\u00e4ten um ein Viertel gestiegen und weitere Anlagen sind in Planung.<\/p>\n<p>&#8220;Dabei k\u00f6nnte allein schon der konsequente Vollzug bestehender Gesetze bei M\u00fclltrennung und -sortierung die Menge der zu verbrennenden Abf\u00e4lle um ein F\u00fcnftel reduzieren&#8221;, hei\u00dft es im Konzept der Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Schaut man sich die <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/3521\/publikationen\/deuress18_de_bericht_web_f.pdf\" target=\"_blank\">Zahlen <\/a>zum Ressourcenverbrauch in Deutschland an, ist es mit der Kreislaufwirtschaft tats\u00e4chlich nicht weit her. Obwohl es bereits seit 1994 ein &#8220;Kreislaufwirtschaftsgesetz&#8221; gibt, werden nur 14 Prozent der Produktion durch recycelte Rohstoffe gedeckt.<\/p>\n<p>Insgesamt betr\u00e4gt der Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen etwa 16 Tonnen pro Jahr. Z\u00e4hlt man die Ressourcen hinzu, die im Ausland f\u00fcr in Deutschland konsumierte Produkte eingesetzt werden \u2013 zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von Textilien, Plastikprodukten oder Elektronik \u2013, sind es sogar 43 Tonnen. Umweltexperten halten maximal einen Verbrauch von zehn Tonnen pro Kopf f\u00fcr nachhaltig.<\/p>\n<p>Weitere Probleme sind, dass viele unerw\u00fcnschte Stoffe in der Umwelt oder sogar im menschlichen K\u00f6rper landen \u2013 Stichwort <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/erdsystem\/auch-plastik-heizt-dem-klima-ein\" target=\"_blank\">Mikroplastik<\/a>, Pestizid- und Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nde \u2013 und ein nicht unerheblicher Teil der Abf\u00e4lle ins Ausland geschafft wird.<\/p>\n<p>&#8220;Teilweise sind es legale Exporte, deutscher M\u00fcll wurde aber auch auf illegalen Deponien in Polen oder Malaysia gefunden&#8221;, kritisiert Hoffmann. Und obwohl der Export von Elektroschrott aus Europa verboten sei, lande er doch immer wieder in L\u00e4ndern wie Ghana, wo er unter <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/gesellschaft\/sie-sollten-noch-mehr-schicken\" target=\"_blank\">menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen<\/a> verwertet wird.<\/p>\n<p>Schrottprodukte verbieten, Plastik-Subventionen streichen<br \/>\nIn dem Konzept schlagen die Gr\u00fcnen verschiedene Ma\u00dfnahmen vor, um die Kreislaufgesellschaft konkret voranzubringen. So fordert die \u00d6kopartei eine generelle Verl\u00e4ngerung der Mindest-Garantiefristen f\u00fcr Produkte von derzeit zwei auf vier Jahre, bei langlebigen Produkten wie Waschmaschinen sogar auf rund 15 Jahre. Gr\u00fcnen-Expertin Hoffmann sieht darin einen &#8220;zentralen Hebel, um die Langlebigkeit von G\u00fctern zu f\u00f6rdern&#8221;.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem soll eine Produktrahmenrichtlinie mit gesetzlichen Mindeststandards f\u00fcr Langlebigkeit und Reparierbarkeit eingef\u00fchrt werden. Und ein staatlich anerkanntes &#8220;Kreislauf-Label&#8221; soll es Konsumenten und Eink\u00e4ufern von Unternehmen und Beh\u00f6rden erm\u00f6glichen, Produkte auszuw\u00e4hlen, die nach \u00d6ko-Designprinzipien gefertigt sind \u2013 ankn\u00fcpfend an bestehende Initiativen wie &#8220;<a href=\"http:\/\/www.klimaretter.info\/meinungen\/rezension\/14902-wiederverwertung-als-erfolgsrezept\" target=\"_blank\">Cradle to Cradle<\/a>&#8221; oder das <a href=\"https:\/\/www.bvse.de\/gut-informiert-kunststoffrecycling\/nachrichten-recycling\/3701-neues-ral-guetzezeichen-fuer-rezyklate-aus-dem-gelben-sack.html\" target=\"_blank\">RAL-G\u00fctezeichen<\/a> f\u00fcr &#8220;Rezyklate aus haushaltsnahen Wertstoffsammlungen&#8221;.<\/p>\n<p>Weiter fordern die Gr\u00fcnen, eine Ressourcenabgabe einzuf\u00fchren und die Subventionen f\u00fcr die Plastikherstellung zu streichen, die nach ihren Angaben <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/europawahl\/wahlwatch\/faktencheck-gruene-plastik-subventionen-deutschland-100.html\" target=\"_blank\">780 Millionen Euro j\u00e4hrlich betragen<\/a> \u2013 f\u00fcr die Nutzung von Erd\u00f6l oder Erdgas in diesem Bereich wird keine Energiesteuer erhoben.<\/p>\n<p>F\u00fcr besonders &#8220;kreislauffreundliche&#8221; Produkte soll im Gegenzug ein Steuerbonus gezahlt werden. Hoffmann kann sich auch ein &#8220;Pfand auf alles&#8221; vorstellen, um sicherzustellen, dass alle in Verkehr gebrachten Produkte nach Ende der Lebensdauer wieder an die Hersteller zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Zudem schl\u00e4gt die \u00d6kopartei die Einf\u00fchrung von elektronischen Produkt- und Materialp\u00e4ssen vor, in denen die jeweiligen Inhaltsstoffe dokumentiert sind \u2013 vom Smartphone bis zum Haus. &#8220;Das sind entscheidende Instrumente f\u00fcr eine Kreislaufwirtschaft&#8221;, sagt Hoffmann. Die P\u00e4sse lieferten wesentliche Informationen zur Erschlie\u00dfung der &#8220;wertvollen Rohstofflager&#8221;, die die Altprodukte dann tats\u00e4chlich seien.<\/p>\n<p>Die Transparenz erm\u00f6gliche es auch, Strategien zum wirksamen Schutz von Umwelt und Gesundheit zu entwickeln, so Hoffmann. &#8220;Welche Materialien sind am besten geeignet? Welche Schadstoffe k\u00f6nnen wir vermeiden? Gibt es unsch\u00e4dliche Alternativen?&#8221;<\/p>\n<p>Weniger Ressourcenkosten, weniger CO2<br \/>\n\u00d6konomisch und \u00f6kologisch w\u00fcrde sich eine weitgehend abfallfreie Kreislaufwirtschaft in jedem Fall lohnen. Laut der Unternehmensberatung McKinsey k\u00f6nnten Europas produzierende Unternehmen dadurch pro Jahr rund 600 Milliarden Euro an Ressourcenkosten <a href=\"https:\/\/www.mckinsey.com\/business-functions\/sustainability\/our-insights\/europes-circular-economy-opportunity\" target=\"_blank\">einsparen<\/a>.<\/p>\n<p>Und die britische Ellen-MacArthur-Stiftung <a href=\"https:\/\/www.ellenmacarthurfoundation.org\/assets\/downloads\/news\/20160125_Growth-Within_Germany_final.pdf\" target=\"_blank\">hat errechnet<\/a>, dass durch den \u00dcbergang auf diese Wirtschaftsweise bis zu 50 Prozent der CO2-Emissionen in materialintensiven Industrien und Wertsch\u00f6pfungsketten reduziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf EU-Ebene spielt die Kreislaufwirtschaft eine zunehmend wichtige Rolle. F\u00fcr den M\u00e4rz hat die Europ\u00e4ische Kommission einen neuen Aktionsplan angek\u00fcndigt, ein erster Entwurf ist <a href=\"https:\/\/www.dnr.de\/eu-koordination\/eu-umweltnews\/2020-abfall\/geleakter-aktionsplan-fuer-die-kreislaufwirtschaft-eu-will-bis-2030-abfaelle-halbieren\/\" target=\"_blank\">schon bekannt geworden<\/a>. Ziele sind hier unter anderem, den Siedlungsabfall bis 2030 um die H\u00e4lfte reduzieren und ein &#8220;Recht auf Reparatur&#8221; in der Verbraucherschutz-Gesetzgebung zu verankern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In keinem anderen EU-Land wird pro Kopf mehr Verpackungsm\u00fcll produziert als in Deutschland. Die Gr\u00fcnen legen ein Konzept f\u00fcr eine &#8220;ressourcenleichte, giftfreie und klimaneutrale Kreislaufwirtschaft&#8221; vor. Jeder kennt das. Das Smartphone ist zwei Jahre alt, funktioniert noch tadellos, aber dem Akku geht die Puste aus. 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