{"id":72382,"date":"2020-03-05T07:32:23","date_gmt":"2020-03-05T06:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=72382"},"modified":"2020-03-03T11:36:03","modified_gmt":"2020-03-03T10:36:03","slug":"245-000-hektar-baumbestand-zerstoert-schaeden-in-deutschen-waeldern-massiver-als-angenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/245-000-hektar-baumbestand-zerstoert-schaeden-in-deutschen-waeldern-massiver-als-angenommen\/","title":{"rendered":"245.000 Hektar Baumbestand zerst\u00f6rt: Sch\u00e4den in deutschen W\u00e4ldern massiver als angenommen"},"content":{"rendered":"<p>Neue Daten des Landwirtschaftsministeriums zeigen: In den vergangenen Monaten wurde in Deutschland deutlich mehr Wald zerst\u00f6rt als angenommen. Laut Forstexperten steht das Schlimmste noch bevor.<\/p>\n<p>Der Borkenk\u00e4fer legte sich diesen Winter kaum zur Ruhe. Viel zu mild waren die vergangenen Monate, Frost gab es kaum, von Schnee ganz zu schweigen. Der gef\u00e4hrlichste Sch\u00e4dling f\u00fcr den deutschen Wald konnte sich so bis in den Sp\u00e4therbst unter der Rinde satt fressen. Und er ist wohl schon jetzt, in diesem fr\u00fchlingshaften Februar, dabei, sich zu vermehren: in geschw\u00e4chten B\u00e4umen, in von St\u00fcrmen umgehauenem Holz. Nach zwei D\u00fcrre- und Hitzejahren in Folge ist der deutsche Forst so geschw\u00e4cht, dass der Borkenk\u00e4fer geradezu paradiesische Zust\u00e4nde vorfindet.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den am deutschen Wald sind in diesen Monaten so schwer wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Am Mittwoch ver\u00f6ffentlichte das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) eine aktualisierte Bilanz. Noch im Herbst 2019 galten nach Sch\u00e4tzungen des BMEL rund 180.000 Hektar Wald als zerst\u00f6rt &#8211; aufgrund neuester Daten aus den Bundesl\u00e4ndern korrigiert das Haus von Julia Kl\u00f6ckner (CDU) die Schadensfl\u00e4che nun auf 245.000 Hektar nach oben. 160 Millionen Kubikmeter Schadholz seien angefallen.<\/p>\n<p>Besonders stark betroffen sind Nordrhein-Westfalen (68.000 Hektar), Th\u00fcringen (rund 30.000 Hektar), Niedersachsen (26.280 Hektar) sowie Hessen (26.100 Hektar).<\/p>\n<p>Die frisch befallenen B\u00e4ume m\u00fcssten so rasch wie m\u00f6glich aus dem Wald. Nur so l\u00e4sst sich die Vermehrung des Borkenk\u00e4fers eind\u00e4mmen. Doch mit den R\u00e4umungsarbeiten kommen die Forstleute kaum voran. D\u00fcrre, Waldbr\u00e4nde, Sch\u00e4dlingsbefall, dazu Orkane wie &#8220;Sabine&#8221;: &#8220;Wir sind seit zwei Jahren im Krisenmodus&#8221;, sagt Ulrich Dohle, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute (BDF). Dieser vertritt die Interessen von rund 10.000 Forstbesch\u00e4ftigten. &#8220;Alle sind vollauf besch\u00e4ftigt, Schadholz aus dem Wald zu holen.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Das Schlimmste steht noch bevor&#8221;<\/p>\n<p>Wenig deutet im Moment darauf hin, dass die Krise \u00fcberstanden ist. Ein Blick auf den D\u00fcrremonitor des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung zeigt warum: Die anhaltende Trockenheit ist l\u00e4ngst nicht vorbei. Weiterhin bestehen in den tiefen Bodenschichten bis 1,8 Meter und im Grundwasser gro\u00dfe Defizite, vor allem in Nord- und Ostdeutschland.<\/p>\n<p>Zwar ist der Februar relativ feucht ausgefallen. Doch den ausgebliebenen Niederschlag der vergangenen zwei Jahre kompensiert das nicht. Auch der Schnee fehlt, der ideal f\u00fcr die Grundwasserbildung w\u00e4re. Einige Wochen anhaltender Regen, das br\u00e4uchte es, um die Situation zu entspannen.<\/p>\n<p>Angesichts der prek\u00e4ren Lage warnt Ulrich Dohle: &#8220;Das Schlimmste steht uns noch bevor.&#8221; Der H\u00f6hepunkt der Borkenk\u00e4fer-Sch\u00e4den werde wohl erst 2021 erreicht sein. Das hei\u00dft: Viel Schadholz wird noch anfallen. Holz, f\u00fcr das man derzeit kaum Erl\u00f6se am Markt bekommt. &#8220;Das ist ein Zuschussgesch\u00e4ft mit langfristig nicht absehbaren Folgen f\u00fcr die Forstwirtschaft.&#8221;<\/p>\n<p>Dabei m\u00fcssten die Forstleute eigentlich l\u00e4ngst vollauf damit besch\u00e4ftigt sein, die kahl gewordenen Waldfl\u00e4chen wieder aufzuforsten. Die betroffenen W\u00e4lder sind meist Monokulturen aus Nadelb\u00e4umen. W\u00e4lder, die ohnehin anf\u00e4llig sind f\u00fcr die Folgen des Klimawandels. Die Fichten und Kiefern wurden aus historischen Gr\u00fcnden gepflanzt, weil sie schnell wuchsen und daher wirtschaftlich lukrativ waren. 55 Prozent der W\u00e4lder in Deutschland bestehen aus Nadelw\u00e4ldern. Die einst sinnvolle Strategie ist l\u00e4ngst ein Risikofaktor: Dem Klimawandel halten die Monokulturen offensichtlich nicht stand.<\/p>\n<p>Um sie f\u00fcr ein w\u00e4rmeres Klima widerstandsf\u00e4higer zu machen, m\u00fcssen sie umgebaut werden: in standortgerechte Laub- und Mischw\u00e4lder, bestehend aus mindestens drei Baumarten. Hier setzen die F\u00f6rster laut Ulrich Dohle auch auf die nat\u00fcrliche Wiederbewaldung. Dabei ben\u00f6tige man die Unterst\u00fctzung der J\u00e4ger, damit der \u00fcberh\u00f6hte Wildbestand die jungen B\u00e4ume nicht auffrisst. Dennoch m\u00fcsse man auf den Kahlfl\u00e4chen erg\u00e4nzend neu anpflanzen. &#8220;Wenn wir jetzt nicht bepflanzen, wachsen dort wieder Fichten und wir stehen in 30 Jahren vor demselben Problem.&#8221;<\/p>\n<p>Borkenk\u00e4fer bek\u00e4mpfen und gleichzeitig neu anpflanzen, f\u00fcr die F\u00f6rster ist dieser Spagat im Moment kaum zu schaffen: &#8220;Daf\u00fcr fehlt uns einfach das Personal&#8221;, sagt Dohle. Die Forstwirtschaft sei durch Sparma\u00dfnahmen personell ausgeblutet, habe ein hohes Durchschnittsalter von Mitte 50 und sei nicht krisensicher aufgestellt. 60 Prozent des Forstpersonals sei in 30 Jahren abgebaut worden. &#8220;Wir laufen im roten Bereich, sind eigentlich am Ende der Kr\u00e4fte.&#8221;<\/p>\n<p>Nothilfe kommt nur z\u00f6gerlich an<\/p>\n<p>Den Ernst der Lage hat die Politik erkannt: Bund und L\u00e4nder haben im Herbst 800 Millionen Euro Soforthilfe versprochen. Laut BMEL sei der Bundesanteil von 547 Millionen Euro ausbezahlt.<\/p>\n<p>Doch Ulrich Dohle kritisiert eine stockende Verteilung der Gelder an die Waldbesitzer. &#8220;Ich habe gro\u00dfe Sorge, dass das Geld nicht rechtzeitig in der Fl\u00e4che ankommt&#8221;, sagt er. Es w\u00e4re ein fatales Signal: Da habe man erfolgreich f\u00fcr F\u00f6rdermittel gek\u00e4mpft, aber am Ende scheitere die Auszahlung an der B\u00fcrokratie. In den bewilligenden Forstbeh\u00f6rden werde laut Dohle zu wenig Personal vorgehalten, um die Ma\u00dfnahmen zu pr\u00fcfen und das Geld schlie\u00dflich auszuzahlen. Er sieht vor allem die Bundesl\u00e4nder in der Pflicht, die nicht nachk\u00e4men beim Bearbeiten der F\u00f6rderantr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Wenn die Rettung des Waldes an der B\u00fcrokratie zu scheitern droht, sei das &#8220;eine Blamage, die mich w\u00fctend macht&#8221;, sagt der Pr\u00e4sident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck. &#8220;Wir haben Waldbesitzer, die alles verloren haben, wir m\u00fcssen jetzt investieren, um in zwei Generationen Ertr\u00e4ge zu haben.&#8221; Zwei Millionen private Waldbesitzer gibt es in Deutschland, die meisten sind verantwortlich f\u00fcr kleine Gebiete von weniger als 20 Hektar.<\/p>\n<p>Die Lage ist angespannt, weil der Erl\u00f6s aus dem Holzverkauf oft nicht einmal ausreiche, um die R\u00e4umungskosten zu tilgen. Geschweige denn, um Wiederaufforstungen zu bezahlen: Diese kosten pro Hektar Wald rund 7000 bis 10.000 Euro. Geld, das viele Waldbesitzer nicht haben. &#8220;Sie warten nur noch auf die F\u00f6rdermittel, um mit der Bepflanzung zu starten&#8221;, sagt Schirmbeck. Denn die m\u00fcsste eigentlich jetzt beginnen.<br \/>\nDie Weichen f\u00fcr den Wald der Zukunft stellen<\/p>\n<p>Eigentlich. Ja, eigentlich b\u00f6te sich derzeit ein gutes, kurzes Zeitfenster, um die Entwicklung des Waldes f\u00fcr die kommenden Generationen zu steuern. Auf den gro\u00dfen Fl\u00e4chen brachliegenden Waldes m\u00fcssten jetzt die Setzlinge f\u00fcr einen widerstandsf\u00e4higen Laub- und Mischwald in den Boden. Und zwar, bevor Str\u00e4ucher wie Brombeeren, Ginster oder anderes z\u00e4hes Unkraut den Raum einnimmt &#8211; oder schlicht wieder Nadelb\u00e4ume nachwachsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Daten des Landwirtschaftsministeriums zeigen: In den vergangenen Monaten wurde in Deutschland deutlich mehr Wald zerst\u00f6rt als angenommen. Laut Forstexperten steht das Schlimmste noch bevor. Der Borkenk\u00e4fer legte sich diesen Winter kaum zur Ruhe. Viel zu mild waren die vergangenen Monate, Frost gab es kaum, von Schnee ganz zu schweigen. 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