{"id":71843,"date":"2020-02-20T07:26:20","date_gmt":"2020-02-20T06:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=71843"},"modified":"2020-02-17T15:29:30","modified_gmt":"2020-02-17T14:29:30","slug":"wieso-biologisch-abbaubares-plastik-in-der-medizin-funktioniert-als-verpackung-aber-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wieso-biologisch-abbaubares-plastik-in-der-medizin-funktioniert-als-verpackung-aber-nicht\/","title":{"rendered":"Wieso biologisch abbaubares Plastik in der Medizin funktioniert, als Verpackung aber nicht"},"content":{"rendered":"<p>Von biologisch abbaubarem Plastik kann man sich als Verpackungsmaterial nicht viel erwarten, denn aus der Natur verschwindet es genau so wenig wie herk\u00f6mmlicher Kunststoff, erkl\u00e4rte der Materialchemiker Alexander Bismarck von der Uni Wien im Gespr\u00e4ch mit der APA. In der Medizin sieht er aber gro\u00dfes Potenzial, dass es Schrauben und Schienen aus Metall ersetzt und nachwachsendem Gewebe Form gibt.<\/p>\n<p>Sowohl aus Erd\u00f6l als auch aus nachwachsenden Rohstoffen kann man biologisch abbaubare Kunststoffe herstellen, sagte Bismarck, Vorstand des Instituts f\u00fcr Materialchemie der Universit\u00e4t Wien: &#8220;Zum Beispiel Geschirrsp\u00fcltabs sind in Polyvinylalkohol (PVAL) eingeschwei\u00dft, das ist ein synthetisches, aus Roh\u00f6l hergestelltes Polymer, das biologisch abbaubar ist&#8221;. Es g\u00e4be auch Polymere (Stoffe aus lauter gleichen, fest verbundenen Bausteinen) aus nachwachsenden Rohstoffen, wie etwa Polymilchs\u00e4ure (PLA). Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Bioplastik biologisch abbaubar ist, Erd\u00f6lplastik nicht. Tats\u00e4chlich kann man beides entweder kompostierbar oder umweltbest\u00e4ndig machen.<\/p>\n<p>Nicht geeignet f\u00fcr die Biotonne<\/p>\n<p>Kompostierbar sind biologisch abbaubare Kunststoffe aber nur in industriellen Anlagen, wo sie bei 65 Grad Celsius verrotten, daf\u00fcr aber doppelt so lange brauchen, wie herk\u00f6mmlicher Biom\u00fcll. &#8220;Innerhalb von drei Monaten ist typischerweise jedes Pflanzenmaterial verrottet, aber das Polymer nicht abgebaut&#8221;, so der Forscher. Wenn man den Kompost so lange in der Anlage l\u00e4sst, bis die &#8220;biologisch abbaubaren&#8221; Kunststoffe nicht mehr sichtbar sind, w\u00e4re der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich. Die Wiener Magistratsabteilung f\u00fcr Abfallwirtschaft (MA 48) deklariert Bioplastik-Verpackungen deswegen als nicht geeignet f\u00fcr die Biotonne, sagte er. Sie geh\u00f6ren demnach in den Restm\u00fcll und werden verbrannt.<\/p>\n<p>Kritisch sehe er auch, dass die Konsumenten durch die Beschriftungen &#8220;biologisch abbaubar&#8221;, &#8220;kompostierbar&#8221; und die daf\u00fcr stehenden Logos denken, dass man solches Plastik einfach in der Natur wegschmei\u00dfen k\u00f6nne. &#8220;Dann kommt es in den Wasserkreislauf und ins Meer, dort sind diese Polymere \u00fcberhaupt nicht abbaubar&#8221;, erkl\u00e4rte Bismarck.<\/p>\n<p>Sinnvoll k\u00f6nnte es hingegen sein, aus nachwachsendem Rohmaterial polymere Werkstoffe herzustellen, die langlebig sind. &#8220;Damit entfernt man CO2 aus der Umwelt&#8221;, erkl\u00e4rte er. Man sollte sie so lange erhalten und recyceln wie m\u00f6glich, und am Ende ihrer Lebensspanne dauerhaft deponieren. &#8220;Somit erzeugen wir so etwas wie k\u00fcnstliche Kohle, die in Zukunft hoffentlich nicht mehr anger\u00fchrt w\u00fcrde&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p>Gro\u00dfes Potenzial bei Knochenbr\u00fcchen<\/p>\n<p>Gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr biologisch abbaubare Kunststoffe ortet Bismarck jedoch in der Medizin. &#8220;Es ist wahrscheinlich viel sinnvoller, einen komplizierten Knochenbruch mit im K\u00f6rper abbaubaren Polymeren zu fixieren und zu reparieren, als mit Schrauben und Schienen aus Metall&#8221;, meint er. Das Polymer m\u00fcsste dann so beschaffen sein, dass es im gleichen Ma\u00df verschwindet wie die Knochen nachwachsen. Es k\u00f6nnte den Zellen als Ger\u00fcst dienen, damit das Knochengewebe mit genau jener Struktur wieder aufgebaut wird, die Lasten gut tr\u00e4gt. Bei einem offenen Bruch am Kopf k\u00f6nne man so die Sch\u00e4deldecke in der richtigen Form wiederherstellen, aber auch bei Knorpelgeweben wie dem Ohr, nachwachsender Haut und Nervenbahnen g\u00e4be es Anwendungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nBismarck <a href=\"https:\/\/www.postgraduatecenter.at\/university-extension\/offene-weiterbildung\/kaiserschild-lectures\/jahresthema-gruenes-plastik\/auftakt\/\" target=\"_blank\">spricht am 22. J\u00e4nner<\/a> bei den vom Postgraduate Center der Universit\u00e4t und der Kaiserschild-Stiftung ausgerichteten Veranstaltungsreihe &#8220;Kaiserschild Lectures&#8221; \u00fcber &#8220;Gr\u00fcnes Plastik zwischen Hype und Realit\u00e4t: Was wir von biologisch abbaubaren Kunststoffen erwarten d\u00fcrfen&#8221; in der Wirtschaftskammer Wien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von biologisch abbaubarem Plastik kann man sich als Verpackungsmaterial nicht viel erwarten, denn aus der Natur verschwindet es genau so wenig wie herk\u00f6mmlicher Kunststoff, erkl\u00e4rte der Materialchemiker Alexander Bismarck von der Uni Wien im Gespr\u00e4ch mit der APA. 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