{"id":7132,"date":"2004-07-01T00:00:00","date_gmt":"2004-06-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040701-16n"},"modified":"2004-07-01T00:00:00","modified_gmt":"2004-06-30T22:00:00","slug":"zukunftssound-des-biodiesel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zukunftssound-des-biodiesel\/","title":{"rendered":"Zukunftssound des Biodiesel"},"content":{"rendered":"<p><b>Biodiesel ist billiger als Diesel. Das machen sich viele Spediteure und Verkehrsbetriebe zu Nutze. \u00d6lkonzerne finanzieren \u00fcber den Preisvorteil die Infrastruktur, um normalem Diesel bis zu f\u00fcnf Prozent Biodiesel beizumischen. Gewinner sind vor allem Landwirte. F\u00fcr Biokraftstoffe hat die Politik die T\u00fcr zum Kraftstoffmarkt weit aufgesto\u00dfen. Hierzulande sind sie vorerst bis 2009 von der Mineral\u00f6lsteuer befreit und laut einer EU-F\u00f6rderrichtlinie sollen sie im Jahr 2010 schon 5,75 Prozent des europ\u00e4ischen Kraftstoffbedarfs decken. Eine Hauptrolle wird dabei Rapsmethylesther (RME oder landl\u00e4ufig Biodiesel) spielen, der einzige kurzfristig verf\u00fcgbare biogene Kraftstoff.<\/b><\/p>\n<p><b>F\u00f6rderung zeigt Wirkung<\/b><\/p>\n<p>Wegen der Steuerbefreiung k\u00f6nnen Tankstellen RME trotz h\u00f6herer Herstellungskosten bis zu 20 ct\/l billiger anbieten als fossilen Diesel, den der Staat mit 0,47 EUR\/l besteuert. Das macht Biodiesel auch f\u00fcr Spediteure und Verkehrsbet riebe interessant. Denn ein LKW mit 120.000 km j\u00e4hrlicher Fahrleistung spart im RME-Betrieb 2.000 bis 3.000 EUR, h\u00e4ufigere \u00d6lwechsel und Wartung eingerechnet. Das Sparpotential hat sich herumgesprochen: Vergangenes Jahr lieferte die deutsche Biodiesel-Branche zwei Drittel ihrer Gesamtproduktion von 850.000 t direkt an Speditionen und andere Flottenbetreiber. Der Rest ging an 1.800 Tankstellen, die hierzulande RME vertreiben.<\/p>\n<p> J\u00fcngst ist noch ein weiterer Gro\u00dfabnehmer hinzugekommen: die Mineral\u00f6lindustrie. Bis auf Esso, die erst 2005 nachziehen, mischen seit einiger Zeit alle gro\u00dfen Tankstellenketten ihrem Diesel bis zu f\u00fcnf Prozent RME bei. Bis zu dieser Grenze akzeptiert die Autoindustrie die Beimischung ohne Murren. Dagegen d\u00fcrfen Dieselfahrer reinen RME k\u00fcnftig nur noch mit Sonderausstattung tanken. Selbst VW, der bisher biodieselfreundlichste Autokonzern, erteilt keine generellen Freigaben mehr, sondern bietet f\u00fcr neue Modelle ein Biodieselpaket an. Darin sorgt ein spezielles Motormanagement daf\u00fcr, dass die gesetzlichen Abgasnormen auch beim Wechsel zwischen RME und mineralischem Diesel eingehalten werden. Das Paket kostet ca. 200 EUR Aufpreis.<\/p>\n<p>Wie der Biodieselmarkt auf die Neuerung reagiert, ist unklar. Zwar amortisieren sich die Mehrkosten schnell. Doch wer bisher nur gelegentlich RME tankte, muss sich nun festlegen &#8211; Pluspunkt f\u00fcr die Beimischung.  In seiner aktuellen PKW-Studie geht Shell davon aus, dass RME und Bioethanol in 15 Jahren ein Zehntel des Kraftstoffbedarfs decken werden &#8211; in beigemischter Form.<\/p>\n<p>Doch das ist Zukunftsmusik. Denn noch k\u00f6nnen die \u00d6lkonzerne nur in wenigen Regionen beimischen, weil zu wenig RME verf\u00fcgbar ist. Die Biodiesel-Hersteller wollen ihre treue Kundschaft halten. So bleiben gegenw\u00e4rtig nur 250.000 t von den insgesam t 1,1 Mio. t Jahreskapazit\u00e4t der Branche zum Beimischen. Kaum mehr als ein Tropfen in das \u00fcber 28 Mio. t fassende Dieselfass, das in Deutschland j\u00e4hrlich geleert wird.<\/p>\n<p>Um normalem Diesel wie beabsichtigt f\u00fcnf Prozent RME beimischen zu k\u00f6nnen, br\u00e4uchten die Mineral\u00f6lfirmen das F\u00fcnffache der derzeit lieferbaren Menge. Branchenkenner wie Reinhard Dreimann, beklagen bereits die Verknappung am Markt: &#8220;Seit die gro\u00dfen Konzerne beimischen, ist die Ware sehr knapp&#8221;, sagt der Prokurist der Firma Diersch &#038; Schr\u00f6der Minderal\u00f6l.<\/p>\n<p>Indem Shell, BP und Total Elf Fina trotz der Lieferengp\u00e4sse schon beimischen, wollen sie verhindern, dass die EU ihre weiche F\u00f6rderrichtlinie in ein starres Gesetz gie\u00dft. Die Investitionen in die Beimisch-Infrastruktur soll Br\u00fcssel signalisie ren, dass man Biokraftstoffen durchaus gewogen ist &#8211; sofern sie lieferbar sind. Diese Geste f\u00e4llt den \u00d6lkonzernen um so leichter, als sie den Preisvorteil von RME in Tanks, Rohrleitungen und Mischer investieren, statt ihn an ihre Kunden weiterzugeben. Zwar wird man die neue Infrastruktur kaum auslasten k\u00f6nnen, solange RME der einzige pflanzliche Sprit am Markt bleibt. Doch schon bald sollen hierzulande erste Anlagen Bioethanol produzieren. Und der wird ebenfalls zu herk\u00f6mmlichem Kraftstoff gemischt.<\/p>\n<p><b>EU-Pl\u00e4ne scheinen utopisch<\/b><\/p>\n<p>Bisher hinkt die Realit\u00e4t den EU-Pl\u00e4nen allerdings weit hinterher. Einzig in Deutschland reichen die Produktionskapazit\u00e4ten ann\u00e4hernd, um n\u00e4chstes Jahr (wie geplant) zwei Prozent des Kraftstoffbedarfs aus Pflanzen zu erzeugen. Doch hierzulande wird mehr RME produziert als im gesamten Rest der EU. Und auch der teils schon verf\u00fcgbare Bioethanol kann die L\u00fccke zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht schlie\u00dfen. Vor diesem Hintergrund mutet das f\u00fcr 2010 gesetzte Ziel von 5,75 Prozent biogenem Anteil am Kraftstoffmarkt utopisch an. Selbst die hiesige Branche m\u00fcsste ihre Anlagenkapazit\u00e4t binnen f\u00fcnf Jahren verdreifachen: von j\u00e4hrlich 1,1 Mio. auf ca. 3,2 Mio. t RME (oder auch Bioethanol).<\/p>\n<p><b>Biodiesel im profitablen Kreislauf<\/b><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, ob die ehrgeizigen EU-Ziele erreicht werden, bietet der wachsende Markt Landwirten vielf\u00e4ltige Chancen. So profitiert etwa die Agro B\u00f6rdegr\u00fcn GmbH (BG), eine ehemalige LPG aus Niederndodeleben bei Magdeburg, bei jedem Schritt der Biodiesel-Produktion. In der Fruchtfolge alternierend baut Agro st\u00e4ndig \u00fcber 500 ha Raps an, presst ihn in der eigenen \u00d6lm\u00fchle und liefert das \u00d6l ans Bio-\u00d6lwerk Magdeburg. An dieser Veresterungsanlage, die seit M\u00e4rz 2003 t\u00e4glich 190.000 l RME produziert, h\u00e4lt die BG Anteile. Dazu verkauft sie dort produzierten Biodiesel an einer betriebseigenen \u00f6ffentlichen Tankstelle. Und selbstverst\u00e4ndlich tanken die Trecker und Schlepper ebenfalls Biodiesel &#8211; und schlie\u00dfen damit den wirtschaftlichen Kreislauf. <\/p>\n<p>In diesem Kreislauf fallen zudem diverse Nebenprodukte an, die ebenfalls landwirtschaftlich genutzt werden. So bleiben in der \u00d6lpresse des \u00d6lwerkes t\u00e4glich 135 t Rapskuchen \u00fcbrig, die als Futtermittel etwa 130 EUR\/t einbringen. Und bei der Veresterung entstehen t\u00e4glich 1,5 t Fetts\u00e4uregemisch, die ebenfalls zu Tierfutter verarbeitet werden.<\/p>\n<p>Das Biodiesel-Gesch\u00e4ft hat allerdings auch f\u00fcr Landwirte eine Grenze. Derzeit bl\u00fcht der Raps auf 1,3 Mio. ha Ackerfl\u00e4che. Laut der <a href=\"http:\/\/www.ufop.de\/\" >Union zur F\u00f6rderung von \u00d6l- und Proteinpflanzen<\/a> sollten in Deutschland nicht mehr als 1,8 Mio. ha Acker mit Raps bepflanzt werden. Das sei die Grenze des \u00f6kologisch Vertretbaren.<\/p>\n<p><b>Quellen: Union zur F\u00f6rderung von \u00d6l- und Proteinpflanzen, Reinhardstr. 18, D-10117 Berlin, Fon 030\/31904202, Fax 030\/31904485, E-mail <a href=\"mailto:ufop@bauernverband.net\">ufop@bauernverband.net<\/a>, Internet <a href=\"http:\/\/www.ufop.de\/\" >www.ufop.de<\/a> &#8211; AGRO B\u00f6rdegr\u00fcn GmbH, Ronald Westphal, Bahnhofstra\u00dfe 1, D-39167 Niederndodeleben, Fon 039204\/8590, Fax 039204\/85923, E-mail <a href=\"mailto:BG-Dulz@t-online.de\">BG-Dulz@t-online.de<\/a>, Internet <a href=\"http:\/\/www.agro-boerdegruen.de\/\" >www.agro-boerdegruen.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biodiesel ist billiger als Diesel. 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