{"id":71213,"date":"2020-01-31T06:56:18","date_gmt":"2020-01-31T05:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=71213"},"modified":"2020-01-29T20:48:54","modified_gmt":"2020-01-29T19:48:54","slug":"deutschlands-neuer-plan-ist-biooekonomie-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutschlands-neuer-plan-ist-biooekonomie-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Deutschlands neuer Plan: Ist Bio\u00f6konomie die Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>Vor zwei Wochen hat das Bundeskabinett eine neue Bio\u00f6konomiestrategie verabschiedet. Kritiker bem\u00e4ngeln: Das Dokument gehe kaum auf eine Reform der Landwirtschaft ein, sondern setze vor allem auf Technologie und Optimierung.<\/p>\n<p>Deutschlands Landwirtschaftsministerin Julia Kl\u00f6ckner hat einen Traum. \u201eReifen aus L\u00f6wenzahn, Autot\u00fcren aus Hanffasern oder Gummistiefel aus Mais\u201c sollen eines Tages im weiten Umlauf sein. Kl\u00f6ckner beschreibt mit diesen Worten die neue deutsche Bio\u00f6konomiestrategie, welche das Bundeskabinett vorvergangene Woche, am 15. Januar beschlossen hat. Die Strategie ist die dritte ihrer Art und aktualisiert somit die Vorg\u00e4ngerversionen von 2010 und 2013.<\/p>\n<p>Die Logik der Initiative klingt bestechend einfach: Die Wirtschaft soll zunehmend auf erneuerbare Rohstoffe umgestellt, also unabh\u00e4ngig von Kohle, \u00d6l und Gas werden. W\u00e4hrend wir viele fossile Rohstoffe importieren m\u00fcssen, wachsen die erneuerbaren bei uns um die Ecke: Auf unseren Wiesen, \u00c4ckern und in den W\u00e4ldern, so Kl\u00f6ckner. Die breit angelegte Strategie, die ihr Haus zusammen mit dem Forschungsministerium erstellt hat, beruht auf zwei S\u00e4ulen. Zum einen setzt man stark auf Biotechnologie und Forschung. Gleichzeitig sollen der Industrie mehr biogene Rohstoffe bereitgestellt werden. Einige der Grundmaterialien bio\u00f6konomischer Produkte sind zum Beispiel Pflanzen, Mikroorganismen, Algen oder etwa Pilze.<\/p>\n<p>Deutschland ist mit seiner Bio\u00f6konomiestrategie kein Einzellfall, rund 60 L\u00e4nder auf der Welt haben solche Strategien entwickeln und sich darin vorgenommen, ihre Wirtschaft auf Nachhaltigkeit und geschlossene Kreisl\u00e4ufe umzustellen. F\u00fcr Forschungsministerin Anja Karliczek liegen darin ganz klar auch wirtschaftliche Chancen, denn eine nachhaltige Wirtschaft sichere Deutschland \u201elangfristig eine Spitzenposition auf den M\u00e4rkten der Zukunft.\u201c<\/p>\n<p>Strategie geht nicht auf GAP ein<\/p>\n<p>Soweit sei die Strategie sehr vorausschauend, loben Experten. Dennoch gibt es Kritik an dem Papier mit den wohlklingenden Pl\u00e4nen. Ausgerechnet der Naturschutzbund (Nabu) bem\u00e4ngelt in einer ausf\u00fchrlichen Bewertung der Strategie, der Fokus liege zu stark auf der Biologie und es mangele an sozialen Aspekten: \u201eEine nachhaltige Entwicklung erfordert jedoch ebenso kulturelle, \u00f6konomische und institutionelle \u00c4nderungen, die nicht ohne Widerst\u00e4nde und Konflikten verlaufen werden\u201c, warnen die Umweltsch\u00fctzer.<\/p>\n<p>Institutionelle \u00c4nderungen \u2013 damit ist auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU gemeint \u2013 tauchen in der Strategie schlichtweg nicht auf, kritisiert die Umweltschutzorganisation. In der Bio\u00f6konomiestrategie der EU, welche die Kommission im Oktober 2018 vorgestellt hatte, ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von Farmern und Fischern als klares Ziel genannt, das auch als eines der neun Ziele der GAP gelistet wird.<\/p>\n<p>Doch weder die GAP, noch ihre anderen Ziele wie eine Umstrukturierung der Lebensmittelketten, der Erhalt von Landschaften oder die Sicherung von gesunden Lebensmitteln werden in der deutschen Bio\u00f6konomiestrategie erw\u00e4hnt. Stattdessen, kritisiert der Nabu, setze man mit einer digital optimierten Intensivierungsstrategie viel zu sehr auf Technik und die Optimierung einzelner Pflanzen.<\/p>\n<p>Bio\u00f6konomie vs. Lebensmittelproduktion?<\/p>\n<p>Die Opposition argumentiert genau das Gegenteil. Der neuen Strategie fehle es nicht nur an definierten und evaluierbaren Zielen, findet die technikaffine FDP, sondern es mangele mit Blick auf die Landwirtschaft an \u201eeinem positiven Bekenntnis zu den Chancen der Gentechnik.\u201c Um die Chancen der Bio\u00f6konomie f\u00fcr Deutschland nutzen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse das 20 Jahre alte deutsche Gentechnikgesetz reformiert und an neue Z\u00fcchtungsmethoden angepasst werden, schreibt der technologiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Mario Brandenburg. Seine Partei hat dazu einen entsprechenden Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht.<\/p>\n<p>Wie weit tr\u00e4gt die Bio\u00f6konomie also zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion bei und wo hemmt sie diese auch? Schlie\u00dflich bedeutet der gro\u00dffl\u00e4chige Anbau regenerativer Stoffe f\u00fcr die Wirtschaft gleichzeitig weniger Platz f\u00fcr die Lebensmittelproduktion auf dem Feld. Um solche Grenzen und Zielkonflikte der Bio\u00f6konomie zu diskutieren, soll der bereits bestehende Bio\u00f6konomierat der Bundesregierung unter der neuen Strategie erweitert werden. Vertreter aus Industrie und Gesellschaft sollen darin unter anderem dar\u00fcber diskutieren, wie eine bio\u00f6komische Ausrichtung die Lebensmittelsicherheit garantieren kann.Dieses Dilemma lasse sich nicht allein durch neue Technologien l\u00f6sen, wie es die Bundesregierung suggeriere, meint Nabu-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Leif Miller. Die Bundesregierung m\u00fcsse allen Beteiligten reinen Wein einschenken: \u201eDie Transformation der Wirtschaft wird nur gelingen, wenn wir weniger verbrauchen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Wochen hat das Bundeskabinett eine neue Bio\u00f6konomiestrategie verabschiedet. Kritiker bem\u00e4ngeln: Das Dokument gehe kaum auf eine Reform der Landwirtschaft ein, sondern setze vor allem auf Technologie und Optimierung. 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