{"id":71069,"date":"2020-01-30T06:55:42","date_gmt":"2020-01-30T05:55:42","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=71069"},"modified":"2020-01-27T21:02:36","modified_gmt":"2020-01-27T20:02:36","slug":"kreislaufwirtschaft-mit-spanischer-guelle-nichts-verkommen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kreislaufwirtschaft-mit-spanischer-guelle-nichts-verkommen-lassen\/","title":{"rendered":"Kreislaufwirtschaft mit spanischer G\u00fclle: Nichts verkommen lassen"},"content":{"rendered":"<p>This article is part of our special report Die \u201eneun Ziele\u201c der GAP und die Bio\u00f6konomie.<\/p>\n<p>Der spanische Agrar- und Nahrungsmittelsektor will im Wettlauf um die F\u00fchrungsposition in der Kreislaufwirtschaft \u2013 in der alles, selbst die kleinsten Abf\u00e4lle aus Anbau und Industrie, einen Mehrwert haben und zur wirtschaftlichen, \u00f6kologischen und sozialen Nachhaltigkeit beitragen k\u00f6nnen \u2013 nicht hinterherhinken und bringt sich auf kreative Weise ein. EURACTIVs Partner EFEAGRO berichtet.<\/p>\n<p>\u201eVom Schwein k\u00f6nnen wir alles nutzen, vermutlich sogar das \u201aOink&#8217;\u201c, so ein spanischer Landwirt mit Verweis darauf, dass alle K\u00f6rperteile des Tieres verwertbar seien. Dies ist, kurz zusammengefasst, das Prinzip der Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p>Und die spanische Schweineindustrie geriert sich als einer der Aktivposten in dieser Entwicklung.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist sogar Schweinekot ein Nebenprodukt der Viehzucht, das in diesem Rennen an vorderster Front steht (bzw. liegt): Bei guter Verarbeitung kann er beispielsweise als D\u00fcnger oder f\u00fcr die Erzeugung von Biogas verwendet werden.<\/p>\n<p>Die in Lorca in der Region Murcia gegr\u00fcndete Viehzuchtgenossenschaft Jisap verfolgt diese Philosophie: Die Kooperative verwendet G\u00fclle als organischen D\u00fcnger, weil dieser sowohl Fl\u00fcssigkeit als auch Mikro- und Makron\u00e4hrstoffe f\u00fcr Nutzpflanzen liefert \u2013 vorausgesetzt, er wird in der richtigen Konzentration und sinnvoll eingesetzt.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber EFEAGRO teilte die Genossenschaft mit, viel Betriebe verf\u00fcgten sowohl in den Produktions- als auch in den Kl\u00e4ranlagen \u00fcber integrierte Managementsysteme: Zun\u00e4chst trennen sie den festen Teil von der Schweineg\u00fclle ab und erhalten Mist, der mit dem aus K\u00e4lbermastbetrieben vermischt wird, so dass \u201ehochwertiger\u201c Mist f\u00fcr die Landwirtschaft entsteht. Der fl\u00fcssige Teil hingegen wird chemischen Prozessen unterworfen und sp\u00e4ter durch biologische Filter geleitet. So wird eine angereicherte Fl\u00fcssigkeit extrahiert, die als D\u00fcnger verwendet werden kann.<\/p>\n<p>Diese Fl\u00fcssigkeit wiederum wird nur auf B\u00f6den ausgebracht, die sich in unmittelbarer N\u00e4he der Anlagen befinden, in denen die G\u00fclle behandelt wird. Dort werden Getreide, \u00d6lpflanzen und Zitrusfr\u00fcchte angebaut.<\/p>\n<p>Im Endergebnis wird somit nicht nur die Schweineg\u00fclle weiter genutzt, sondern auch Bio-D\u00fcnger geschaffen, die den B\u00f6den helfen, sich zu erholen. Au\u00dferdem werden die durch die F\u00e4kalien verursachten Treibhausgasemissionen reduziert.<\/p>\n<p>Forscher des Katalanischen Instituts f\u00fcr Agrarlebensmittelforschung und -technologie (IRTA) nehmen damit inzwischen an einem europ\u00e4ische Projekt mit dem Namen \u201eCircular Agronomics\u201c teil. Das Projekt zielt darauf ab, die R\u00fcckgewinnung und das Recycling von N\u00e4hrstoffen in der gesamten Agrarlebensmittelkette zu gew\u00e4hrleisten. Forschungszentren und Universit\u00e4ten aus zehn verschiedenen L\u00e4ndern sind daran beteiligt.<\/p>\n<p>IRTA baut auf dem Wissen der Schweinebauern auf und soll so eine \u201eValorisierung\u201c von G\u00fclle erreichen \u2013 nicht nur als Bio-D\u00fcnger, sondern auch als Biogas und zur Erzeugung sauberer Energie.<\/p>\n<p>Beispielsweise k\u00f6nne die G\u00fclle per anaerober Verg\u00e4rung behandelt werden, um so Methangas zu gewinnen, das wiederum als Energiequelle genutzt werden kann, erkl\u00e4rt IRTA-Forscher V\u00edctor Riau.<\/p>\n<p>Die Ziele der Kreislaufwirtschaft sind im spanischen Agrarsektor nichts komplett Neues. Es gibt Bereiche, in denen solche Praktiken bereits allt\u00e4glich geworden sind, wie zum Beispiel im Oliven\u00f6lsektor, in dem Spanien weltweit f\u00fchrend ist.<\/p>\n<p>So werden beispielsweise in der andalusischen Olivengenossenschaft El Tejar 30-35 Prozent des \u201ealperujo\u201c [der z\u00e4hfl\u00fcssige Abfall, der beim Pressen entsteht] recycelt.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident von El Tejar, Francisco Serrano, erkl\u00e4rt, der \u201ealperujo\u201c werde einem Zentrifugierungs- und Trocknungsprozess unterzogen, um konzentriertere Stoffe zu erhalten, die dann an Kraftwerke geliefert werden, die sie zur Erzeugung von elektrischer Energie durch Verbrennung verwenden k\u00f6nnen. Bei diesem Vorgang erh\u00e4lt man wiederum Asche, die als landwirtschaftlicher D\u00fcnger wiederverwendet wird, da sie reich an Kalium und Mikroelementen ist.<\/p>\n<p>Die Genossenschaft hat auch Weiterverwertungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Olivenkerne \u2013 die beispielsweise als Brennstoff verwendet werden \u2013 und Olivenbl\u00e4tter gefunden. Letztere haben aufgrund des hohen Anteils an Polyphenolen einen gewissen pharmazeutischen Wert.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Vorg\u00e4nge gibt es auch bei anderen Produkten. Ein Beispiel ist die Kaki-Frucht: Deren spanische Erzeugergemeinschaft hat erst k\u00fcrzlich ein Abkommen mit der Firma Genia Global Energy, die sich auf Biogasanlagen spezialisiert, unterzeichnet. So soll aus den 18.000 Tonnen \u201eminderwertiger\u201c Fr\u00fcchte, die jedes Jahr aus Qualit\u00e4tsgr\u00fcnden nicht auf den Markte gelangen, neue Energie gewonnen werden.<\/p>\n<p>Das erzeugte Biogas wird in das Verteilungsnetz eingespeist oder in erneuerbare Energie umgewandelt, die gespeichert und als W\u00e4rme, Strom und Kraftstoff genutzt werden kann.<\/p>\n<p>Neben der spanischen Landwirtschaft ist auch die Industrie ein wichtiger Partner auf dem Weg zu einer verbesserten Kreislaufwirtschaft. So hat die Firma Cerealto Siro Foods mit ihrem Partner Tuero eine neue Anlage in Venta de Ba\u00f1os (Palencia) zur Produktion von Biogas und organischem D\u00fcnger in Betrieb genommen.<\/p>\n<p>Auf diese Weise soll es gelingen, die Transporte auf Deponien oder in Abfallbehandlungszentren um 30.000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren \u2013 was zu einer erheblichen Verringerung der Emissionen f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Weitere Vorteile ergeben sich nicht nur aus dem m\u00f6glichen Verkauf von Biogas oder D\u00fcnger, sondern auch aus den Einsparungen beim Energieverbrauch, wie das Unternehmen betont.<\/p>\n<p>Ob in der Landwirtschaft oder in der Industrie: Recycling und Null-Emissionen sind die Endziele all dieser Praktiken. Unsere Wahrnehmung des Agrarlebensmittelsektors haben sie bereits heute ver\u00e4ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This article is part of our special report Die \u201eneun Ziele\u201c der GAP und die Bio\u00f6konomie. 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