{"id":70960,"date":"2020-01-29T07:23:50","date_gmt":"2020-01-29T06:23:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=70960"},"modified":"2021-09-09T21:22:40","modified_gmt":"2021-09-09T19:22:40","slug":"e-fuels-die-riskante-wette-auf-synthetische-kraftstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/e-fuels-die-riskante-wette-auf-synthetische-kraftstoffe\/","title":{"rendered":"E-Fuels &#8211; Die riskante Wette auf synthetische Kraftstoffe"},"content":{"rendered":"<p>So wichtig den Deutschen Klimaschutz in Umfragen auch sein mag &#8211; auf das Fahren dicker Autos k\u00f6nnen oder wollen sie nicht verzichten. Und das hat Folgen. Zuletzt stiegen die CO2-Emissionen im Verkehr, anders als in anderen Bereichen, sogar an, anstatt zu sinken. Der Ausweg aus dem Dilemma lautete bisher: mehr Elektroautos auf die Stra\u00dfen bringen, die Ladeinfrastruktur und Steuervorteile verbessern.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn sich die Zahl zugelassener E-Fahrzeuge in wenigen Jahren mehr als verzehnfachen w\u00fcrde, sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Dies geht aus einer <a href=\"http:\/\/image-src.bcg.com\/Images\/BCG-Prognos-Analyse-Klimapfade-Verkehr-2030_tcm58-212550.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neuen Studie von Boston Consulting<\/a> hervor. Demnach blieben sogar bei 10 Millionen Elektroautos auf deutschen Stra\u00dfen, 20 Prozent weniger Realverbrauch der Fahrzeuge und 60 Prozent mehr G\u00fcterverkehr auf der Schiene bis 2030 insgesamt 19 Millionen Tonnen CO2 zu viel. Um diesen Betrag w\u00fcrde das Klimaziel im Verkehrssektor f\u00fcr 2030 verfehlt.<\/p>\n<p>Eine L\u00f6sung k\u00f6nnten Verbrennermotoren sein, die statt mit Benzin und Diesel mit nachhaltigen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, betankt werden. In der Politik erfreut sich der Ansatz zunehmender Beliebtheit. \u201eWir gehen voll auf saubere Treibstoffe\u201c, jubilierte etwa Bundesverkehrsminister Scheuer. Auch die SPD &#8220;sieht in synthetischen Kraftstoffen gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr den Klimaschutz&#8221;, so S\u00f6ren Bartol von der SPD-Bundestagsfraktion. Oliver Luksic, FDP-Verkehrssprecher, sagt: &#8220;Gerade im Schwerlast-, Luft- und Seeverkehr k\u00f6nnen innovative synthetische Kraftstoffe bereits heute einen ma\u00dfgeblichen Anteil bei der CO2-Reduktion leisten, der durch die E-Mobilit\u00e4t alleine nicht zu realisieren ist.&#8221;<\/p>\n<p>E-Fuels brauchen in der Herstellung zwei Komponenten: Durch Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff und CO2. Die Mischung ergibt f\u00fcr Verbrennungsmotoren geeignete Kohlenwasserstoffe, die \u00e4hnliche Strukturen haben wie solche, die aus Erd\u00f6l hergestellt werden. Verwendet man zur Produktion Strom aus erneuerbaren Quellen, wird bei der Verbrennung der E-Fuels nur so viel CO2 ausgesto\u00dfen, wie ihnen im Produktionsprozess hinzugef\u00fcgt wurde. Ein klimaneutraler Kraftstoff also.<\/p>\n<p>Bis zu 10 Millionen Tonnen E-Fuels j\u00e4hrlich<\/p>\n<p>\u201eDie Herausforderung bei den E-Fuels ist, die f\u00fcr die Herstellung n\u00f6tige Energie aufzubringen. Wir reden derzeit von etwa drei bis zehn Millionen Tonnen Kraftstoff pro Jahr bis 2030, um die CO2-L\u00fccke zu schlie\u00dfen\u201c, sagt J\u00f6rg Sauer, Professor am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) in Bezug auf die aktuelle Studie von Boston Consulting. Die Voraussetzungen, eine derart gro\u00dfe Menge zu produzieren, sieht Sauer in Deutschland derzeit nicht gegeben. Zu hoch sei der Bedarf an erneuerbarer Energie f\u00fcr die Herstellung.<\/p>\n<p>Die Industrie k\u00f6nnte zus\u00e4tzlich auf k\u00fcnstliche Kraftstoffe zur\u00fcckgreifen, die in einer thermochemischen Umwandlung aus Reststoffen der Industrie sowie der Land- und Forstwirtschaft produziert werden &#8211; die sogenannten Bio-Fuels. So lie\u00dfe sich synthetischer Kraftstoff effizienter herstellen. Doch auch dieses Potenzial ist begrenzt. Hinzu kommt, dass die Energiedichte der Ausgangsstoffe, beispielsweise Stroh oder schnell wachsende H\u00f6lzer, im Vergleich zu fossilen Energietr\u00e4gern gering ist und man daher eine vergleichsweise gro\u00dfe Menge bei der Produktion aufwenden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Hoher Preis, geringer Wirkungsgrad<\/p>\n<p>\u201eSolange die eigenen regenerativen Energiequellen in Deutschland nicht ausreichen, k\u00f6nnte man fl\u00fcssige Energietr\u00e4ger wie Wasserstoff aus dem Ausland importieren, um daraus strombasierte Kraftstoffe zu produzieren\u201c, sagt KIT-Experte Sauer. Der Wasserstoff m\u00fcsse aber aus L\u00e4ndern kommen, die ihn mit erneuerbaren Energien produzieren, um einen positiven Klimaeffekt zu erzielen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem ist der generell noch geringe Wirkungsgrad von E-Fuels. Aufgrund der vielen Produktionsschritte kommen von der im Herstellungsprozess eingesetzten Energie in der sogenannten \u201eWell-to-Wheel-Betrachtung&#8221;, nur etwa 13 Prozent im Fahrzeug an. Laut Sauer k\u00f6nnte dieser Wert aufgrund verbesserter Verfahren aber auf bis zu 60 Prozent steigen. Zum Vergleich: Im Elektroauto treiben 70 bis 80 Prozent der Ausgangs-Energie die R\u00e4der vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde f\u00fcr mehr E-Fuels in deutschen Autotanks d\u00fcrfte aber ohnehin ihr Preis sein: Laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur kostet E-Fuel bis zu 4,50 Euro pro Liter Diesel\u00e4quivalent. Experte Sauer h\u00e4lt langfristig einen Preis von einem Euro pro Liter f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Umweltverb\u00e4nde fordern &#8220;echte&#8221; Verkehrswende<\/p>\n<p>Umweltverb\u00e4nde monieren, dass die Diskussion \u00fcber synthetische Kraftstoffe vom Projekt einer &#8220;echten&#8221; Verkehrswende ganz ohne Verbrennungsmotor ablenken w\u00fcrde. Man k\u00f6nnte per Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff beispielsweise auch direkt zum Antrieb von Brennstoffzellen-Fahrzeugen nutzen. Doch dies ist in Deutschland im gro\u00dfen Ma\u00dfstab noch Zukunftsmusik, es fehlt eine gro\u00dfe Lager- und Tankstellen-Infrastruktur.<\/p>\n<p>Langfristig seien synthetische Kraftstoffe daher eine wichtige Alternative, so Sauer. \u201eWenn man die CO2-Ziele der Bundesregierung erreichen will, wird man um die E-Fuels und den Import regenerativer Energietr\u00e4ger nicht herumkommen\u201c, so der KIT-Experte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wichtig den Deutschen Klimaschutz in Umfragen auch sein mag &#8211; auf das Fahren dicker Autos k\u00f6nnen oder wollen sie nicht verzichten. Und das hat Folgen. Zuletzt stiegen die CO2-Emissionen im Verkehr, anders als in anderen Bereichen, sogar an, anstatt zu sinken. 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