{"id":7088,"date":"2004-05-13T00:00:00","date_gmt":"2004-05-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040513-07n"},"modified":"2004-05-13T00:00:00","modified_gmt":"2004-05-12T22:00:00","slug":"ledergerbung-ko-schuhe-fr-den-sommerbr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ledergerbung-ko-schuhe-fr-den-sommerbr\/","title":{"rendered":"Ledergerbung: &Ouml;ko-Schuhe f&uuml;r den Sommer&lt;br \/&gt;"},"content":{"rendered":"<p><b>Fast alle Geheimnisse des legend\u00e4ren, am \u00d6tztaler Gletscher entdeckten Steinzeitmenschen konnte die Wissenschaft bisher l\u00fcften. Nun scheint man auch zu wissen, woher der &#8220;\u00d6tzi&#8221; stammte. Ein Blick auf sein Schuhwerk \u00f6ffnete Tiroler Hobbyforschern n\u00e4mlich die Augen: &#8220;\u00d6tzi&#8221; mu\u00df ein Deutscher gewesen sein. &#8220;Denn&#8221;, sagen sie, &#8220;wer sonst geht mit Sandalen auf Gletschertour?&#8221;<\/b> <\/p>\n<p>Spa\u00df beiseite. Sandalen sind wahrscheinlich die \u00e4lteste Form des Schuhs. Schon vor \u00d6tzi trugen Menschen eine solche Fu\u00dfbekleidung, die vor allem im Sommer bis heute ihre Vorteile hat. Doch wie die Funde auf dem \u00d6tztaler Gletscher zeigen, kann man mit ihnen ebenso in k\u00e4ltere Zonen vordringen, was auch die R\u00f6mer bewiesen. Schlie\u00dflich trugen die r\u00f6mischen Legion\u00e4re vor rund 2000 Jahren gleichfalls Sandalen und eroberten damit, quasi Schritt f\u00fcr Schritt selbst jenseits der Alpen ein Land nach dem anderen.<\/p>\n<p>\u00d6tzis Steinzeitsandalen bestanden im Wesentlichen aus einem Innengeflecht aus gezwirnten und gedrehten Schn\u00fcren. Als Isolationsschicht verwendeten die Steinzeitschuhmacher Gras. Das Oberleder war aus Hirschfell und die Sohle aus Rindsleder gefertigt. Nat\u00fcrlich waren alle Lederst\u00fccke mit pflanzlichen Mitteln gegerbt, womit \u00d6tzis &#8220;Jesuslatschen&#8221; eindeutig als erste \u00d6ko-Sandalen zu bezeichnen sind. Die r\u00f6mischen Gegenst\u00fccke waren im Vergleich dazu freilich eleganter, aber nicht weniger \u00f6kologisch. Chemische Farben aus der Petrochemie und chemische Gerbverfahren gab es auch vor 2000 Jahren noch nicht. <\/p>\n<p>Bis heute hat sich die Grundform der Sandale in etwa erhalten. Dabei gibt es zahlreiche Variationen besonders f\u00fcr die Frauenwelt. Inzwischen gibt es sogar spezielle Wandersandalen f\u00fcr moderne Globetrotter. Gerade in der w\u00e4rmeren Jahreszeit sind bequeme Sandalen allemal ges\u00fcnder f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe als die geschlossen und schwei\u00dftreibenden Marken-Turnschuhe aus den Sonderwirtschaftszonen Ostasiens. Gutes, gesundes Schuhwerk ist aus \u00f6kologischen Rohstoffen gefertigt. Heute kommt aber leider bei konventionellen Produkten meist chemisch mit Chrom gegerbtes Leder zum Einsatz. Chrom gilt als Allergieausl\u00f6ser, und die Herstellung ist stark umweltgef\u00e4hrdend. Manchmal k\u00f6nnen auch noch Reste des eingesetzten Chroms aus dem Leder freigesetzt werden. Da man aber meist barfu\u00df in den Sandalen geht, sind deshalb die F\u00fc\u00dfe dem Leder und damit auch dem m\u00f6glicherweise darin enthaltenen Chrom direkt ausgesetzt. Deutlich ges\u00fcnder und umweltfreundlicher sind Sandalen aus pflanzlich gegerbten Leder, die es vor allem von Bio-Schuh-Herstellern gibt. <\/p>\n<p>Bei der pflanzlichen Gerbung reifen die Tierh\u00e4ute langsam und schonend in einer Lauge aus Pflanzenextrakten, Kastanien-, Eichen- und Fichtenrinde, der so genanten &#8220;Lohe&#8221;. Der Reifeprozess dauert bis zu 12 Monaten und damit wesentlich l\u00e4nger als die \u00fcbliche Chromgerbung, weshalb pflanzlich gegerbtes Leder auch teuerer ist. Aber Qualit\u00e4t, Gesundheit und Umweltschutz haben eben ihren Preis. Pflanzliche Gerbstoffe kann man problemlos wieder aus dem f\u00fcr die Lederherstellung notwendigen Wasser filtern und bauen sich auch wieder ab. Chromsalze aber nicht. Schuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder lassen sich wieder dem nat\u00fcrlichen Kreislauf zur\u00fcckf\u00fchren. Chromleder hingegen ist eigentlich Sonderm\u00fcll. Wie die Stiftung Warentest vor einiger Zeit beklagte, werde bei Stichproben in Lederwaren \u00fcberdies noch immer vereinzelt verbotenes Pentachlorphenol nachgewiesen. Das Konservierungsmittel k\u00f6nne nach Meinung der Warentester aber die Gesundheit gef\u00e4hrden. Dabei k\u00f6nnten Kunden schadstoffarme Produkte leider schlecht erkennen. Es fehle einfach an \u00d6kolabels f\u00fcr Schuhe. So sei das Zeichen \u00d6kotex-Standard 100 zwar auf Textilien, nicht jedoch auf Leder in Kleidung oder Schuhen zu finden. <\/p>\n<p>Etwas Schutz vor Chrom in konventionellen Ledersandalen k\u00f6nnten zwar dicke Socken bieten. Doch modebewussten Menschen, vor allem Frauen stehen allein schon bei dem Gedanken daran die Haare zu Berge. So ist es kein Wunder, da\u00df es gerade in der r\u00f6mischen Modewelt zu erheblichem Entsetzen kam, als im vergangenen Jahr Arch\u00e4ologen im englischen Southwark bei Ausgrabungen eine r\u00f6mische, lebensgro\u00dfe Bronzestatue entdeckten. Bisher waren die Wissenschaft wie auch die Modewelt davon ausgegangen, da\u00df R\u00f6mer grunds\u00e4tzlich immer barf\u00fc\u00dfig in ihren Sandalen steckten. Seit dem Fund in Southwark allerdings mu\u00df nun die Geschichte in diesem Punkt umgeschrieben werden. Die Statue des R\u00f6mers trug n\u00e4mlich Socken. Shocking! Es wird ihnen halt zu kalt gewesen sein, mutma\u00dfen die britischen Arch\u00e4ologen und f\u00fchlen sich dabei auch innerlich best\u00e4tigt. Wie Kenner der Arch\u00e4ologenszene Gro\u00dfbritanniens berichten, tragen n\u00e4mlich die professionellen Ausgr\u00e4ber und Geschichtsprofessoren seit jeher gerne Socken in den Sandalen. <\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/flachs-im-modernen-auto\/\" >2001-09-05<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rhabarberwurzeln-gerben-leder\/\" >2000-07-24<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Fast alle Geheimnisse des legend&auml;ren, am &Ouml;tztaler Gletscher entdeckten Steinzeitmenschen konnte die Wissenschaft bisher l&uuml;ften. Nun scheint man auch zu wissen, woher der &#8220;&Ouml;tzi&#8221; stammte.<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-7088","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7088"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7088\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7088"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=7088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}