{"id":70832,"date":"2020-01-27T07:26:01","date_gmt":"2020-01-27T06:26:01","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=70832"},"modified":"2020-01-22T13:10:03","modified_gmt":"2020-01-22T12:10:03","slug":"polen-trotz-biooekonomie-hype-den-schutz-der-biodiversitaet-nicht-gefaehrden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/polen-trotz-biooekonomie-hype-den-schutz-der-biodiversitaet-nicht-gefaehrden\/","title":{"rendered":"Polen: Trotz Bio\u00f6konomie-Hype den Schutz der Biodiversit\u00e4t nicht gef\u00e4hrden"},"content":{"rendered":"<p>Polen k\u00f6nnte einen wichtigen Beitrag f\u00fcr die Bio\u00f6konomie der EU leisten, die Wissenschaft mahnt dabei aber eine m\u00f6glichst nachhaltige Nutzung der Waldressourcen bei der Energieerzeugung an. EURACTIV Polen berichtet.<\/p>\n<p>Es scheint beschlossene Sache: Die Bio\u00f6konomie wird eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaneutralit\u00e4t in der Europ\u00e4ischen Union spielen. Von den neun Zielen der k\u00fcnftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU f\u00fcr den Zeitraum 2021-2027 bezieht sich \u00fcber die H\u00e4lfte direkt auf die Bio\u00f6konomie.<\/p>\n<p>Die Nutzung erneuerbarer und mineralischer Ressourcen d\u00fcrfte auf dem Weg der EU zum Ziel \u201eKlimaneutralit\u00e4t bis 2050\u201c eine wichtige Rolle spielen. Viele Expertinnen und Experten sind sich in dieser Hinsicht einig, dass die mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder, gerade Polen, in diesem Bereich gro\u00dfes Potenzial bieten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es in Polen relativ viel Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Umstieg von Kohle auf Energie aus Biomasse. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen jedoch vor irreversiblen Sch\u00e4den an der biologischen Vielfalt, wenn Biomasse aus den W\u00e4ldern als erneuerbare Energiequelle genutzt wird.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz will die EU-Kommission derweil eine aktualisierte Biodiversit\u00e4tsstrategie vorlegen, die \u201equantitative Ziele f\u00fcr die Vergr\u00f6\u00dferung der Fl\u00e4che von Land- und Meeresschutzgebieten mit reicher biologischer Vielfalt\u201c enthalten soll. Das Bewusstsein f\u00fcr die Rolle der \u00d6kosysteme hat in den letzten Jahren zugenommen \u2013 daher die Bem\u00fchungen um ihre Erhaltung.<\/p>\n<p>Zbigniew Karaczun von der Warsaw School of Life Sciences argumentierte k\u00fcrzlich im Gespr\u00e4ch mit EURACTIV Polen, der Transfer eines Teils der Mittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik in den neuen europ\u00e4ischen Green Deal k\u00f6nne f\u00fcr die Landwirtschaft letztendlich von Vorteil sein. Schlie\u00dflich sei die Branche zunehmend vom Klimawandel betroffen, der sich in Form von D\u00fcrren oder starken Regenf\u00e4llen manifestiert \u2013 was wiederum dazu f\u00fchre, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher h\u00f6here Preise f\u00fcr landwirtschaftliche Produkte zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u201eDie Agrarwirtschaft ist dem Klimawandel gegen\u00fcber am anf\u00e4lligsten. Wenn er zu weit voranschreitet, k\u00f6nnte dies f\u00fcr die europ\u00e4ische Landwirtschaft katastrophale Folgen haben,\u201c sagte Karaczun.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang werde beispielsweise auch die neue EU-Forststrategie in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle spielen. Wichtig sei eine effektive Aufforstung, der Schutz und die Rekultivierung der W\u00e4lder in Europa.<\/p>\n<p>Der Gedanke dahinter: Durch gr\u00f6\u00dfere und ges\u00fcndere W\u00e4lder wird die Kohlenstoffbindung erh\u00f6ht, Waldbr\u00e4nde werden reduziert \u2013 und die Bio\u00f6konomie unter Beachtung \u00f6kologischer Grunds\u00e4tze wirksam gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck hat die EU die einzelnen EU-Mitgliedstaaten beauftragt, im Rahmen der GAP nationale Strategiepl\u00e4ne f\u00fcr geeignete Ma\u00dfnahmen zur Waldbewirtschaftung zu erstellen.<\/p>\n<p>Polen als Chance<\/p>\n<p>Ein Bericht des Bio-based Industries Consortium (BIC) aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Polen das Potenzial hat, zu einem der europ\u00e4ischen Vorreiter in der Bio\u00f6konomie zu werden. Laut der Studie ist es dazu aber vor allem notwendig, eine entsprechende Strategie auszuarbeiten, Bildungsaktivit\u00e4ten durchzuf\u00fchren und Innovationen zu initiieren.<\/p>\n<p>Eine Chance f\u00fcr die polnische Heizindustrie und die Energieversorger, um die deutlich h\u00f6heren Strompreise f\u00fcr Privathaushalte (die Anfang 2020 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen sind) zu bew\u00e4ltigen, k\u00f6nnte nach Ansicht der Expertinnen und Experten die verst\u00e4rkte Nutzung von Biomasse als Ersatz f\u00fcr Energie aus Kohle sein.<\/p>\n<p>Ebenfalls im Jahr 2018 argumentierte Hanna Bartoszewicz-Burczy in einer weiteren Analyse, dass Polen einen hohen Anteil an landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen und W\u00e4ldern hat, was sich also in einem hohen Biomassepotenzial niederschlagen sollte. Sie und andere Bef\u00fcrworter argumentieren, dass die Verbrennung von Biomasse wie Holz- oder Ernteabf\u00e4llen weniger umweltsch\u00e4dlich sei und dar\u00fcber hinaus auch nicht in den Geltungsbereich der mit den CO2-Emissionen verbundenen Mechanismen falle.<\/p>\n<p>In Europa ist das Klima f\u00fcr die Energiegewinnung durch die Verbrennung von Biomasse grunds\u00e4tzlich recht g\u00fcnstig. F\u00fcr L\u00e4nder wie Polen ist es au\u00dferdem offenbar w\u00fcnschenswert, den nationalen Strom- und W\u00e4rmesektor auch auf nationale Ressourcen zu st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch Schwierigkeiten. Zun\u00e4chst einmal fehlt es noch an einer systemischen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Institutionen, die Energie aus Biomasse erzeugen wollen.<\/p>\n<p>Die Klima-Problematik<\/p>\n<p>Das weitaus gr\u00f6\u00dfere Thema ist allerdings die Umwelt- und Klimaproblematik. Im November 2019 wurden in Polen neue Lizenzen f\u00fcr die Produktion von erneuerbaren Energien vergeben. Vorgesehen waren auch 20 Milliarden Zloty f\u00fcr den Bereich Biomasse. Die Unsicherheit hinsichtlich der EU-Haltung zur Energiegewinnung durch Biomasse hat die polnische Regierung jedoch dazu veranlasst, die meisten Pl\u00e4ne zum Ersatz von Kohlekraftwerken durch Biomasse-Anlagen (vorerst) nicht aufzugreifen.<\/p>\n<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Umwelt- und Klima-Themen besch\u00e4ftigen, haben derweil in einem Brief an die Regierung und an das Parlament eine begrenzte Nutzung von Wald-Biomasse zur Energieerzeugung als potenzielle Alternative bezeichnet.<\/p>\n<p>Sie betonen in ihrem Schreiben allerdings auch, die beste Strategie im globalen Kampf gegen den Klimawandel liege im Schutz der W\u00e4lder und in der Wiederaufforstung \u2013 nicht in ihrer Abholzung und Verbrennung: \u201eEs ist klar, dass das Verbrennen von Holz aus den W\u00e4ldern im gro\u00dfen Stil viel mehr die Biodiversit\u00e4t bedroht und weitere [negative] Auswirkungen auf den Klimawandel hat.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Ansicht schlie\u00dft sich auch der europ\u00e4ische Think-Tank Sandbag an: Im Dezember vergangenen Jahres ver\u00f6ffentlichte dieser einen Bericht mit dem Titel \u201eSpiel mit dem Feuer\u201c. Darin wird aufgezeigt, dass eine verst\u00e4rkte Nutzung der \u201eerneuerbaren\u201c Energiequelle Biomasse durchaus zu negativen Klimaver\u00e4nderungen beitragen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Polen k\u00f6nnte einen wichtigen Beitrag f\u00fcr die Bio\u00f6konomie der EU leisten, die Wissenschaft mahnt dabei aber eine m\u00f6glichst nachhaltige Nutzung der Waldressourcen bei der Energieerzeugung an. EURACTIV Polen berichtet. Es scheint beschlossene Sache: Die Bio\u00f6konomie wird eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaneutralit\u00e4t in der Europ\u00e4ischen Union spielen. 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