{"id":70515,"date":"2020-01-16T07:35:45","date_gmt":"2020-01-16T06:35:45","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=70515"},"modified":"2020-01-13T15:44:03","modified_gmt":"2020-01-13T14:44:03","slug":"plastik-zum-kompostieren-zum-beispiel-hundekotbeutel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/plastik-zum-kompostieren-zum-beispiel-hundekotbeutel\/","title":{"rendered":"Plastik zum Kompostieren: Zum Beispiel Hundekotbeutel"},"content":{"rendered":"<p>Den Plastikteller nach der Grillparty gleich mit dem Ketchup in die Biotonne, den Pflanztopf der neuen Stauden \u2013 schwuppdiwupp \u2013 auf den Kompost im Garten werfen, das klingt gut. Doch die f\u00fcr viele wunderbare Vision vom biologisch abbaubaren Plastik verliert schon l\u00e4nger an Glanz. Umweltverb\u00e4nde beziehen mittlerweile auch abbaubare Kunststoffe in ihre Grundsatzkritik am Plastikkonsum ein. Sie stellten f\u00fcr Kompostieranlagen \u201eSt\u00f6rstoffe dar, werden meist nicht normgerecht abgebaut und in den meisten F\u00e4llen aufwendig aussortiert und teuer entsorgt\u201c, formulierte etwa die Deutsche Umwelthilfe in einer Untersuchung.<\/p>\n<p>Auch Branchenverb\u00e4nde der Abfallwirtschaft stehen biologisch abbaubaren Kunststoffen ablehnend gegen\u00fcber. Ihre Kompostierung sei \u201ekeine hochwertige Verwertung und auch kein Recycling\u201c, hei\u00dft es in einem gemeinsamen Positionspapier der Organisationen. In der Kompostierung entfalteten sie keinen stofflichen Nutzen, auch ihr energetischer Wert bleibe ungenutzt, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>Michael Carus, Chef des auf biobasierte Rohstoffe spezialisierten Forschungs- und Beratungsunternehmens nova-Institut \u00e4rgert das schlechte Image von bioabbaubaren Kunststoffen. Daher hat er \u00addas Projekt \u201eBioSinn\u201c gestartet, in dem er zusammen mit dem Institut f\u00fcr Kunststofftechnik der Universit\u00e4t Stuttgart \u201eSteckbriefe sinnvoller biologisch abbaubarer Produkte\u201c erstellen m\u00f6chte. Gef\u00f6rdert wird das Projekt vom Bundeslandwirtschaftsministerium.<\/p>\n<p>Liste mit 25 Anwendungen<br \/>\nAm Ende soll eine Liste mit genauen Beschreibungen von 25 Anwendungen herauskommen, bei denen Kunststoffe \u201eweder eingesammelt noch verwertet werden k\u00f6nnen\u201c, so Carus, \u201eund die sich deshalb sinnvollerweise in der Natur abbauen\u201c.<\/p>\n<p>Auf einer Liste mit Vorschl\u00e4gen finden sich Beispiele wie Schutzh\u00fcllen f\u00fcr junge B\u00e4ume, Leichens\u00e4cke und Hundekotsammelbeutel, Pflanzt\u00f6pfe oder Bodennetze f\u00fcr Fischnetze. Die Rohstoffbasis dieser Plastikartikel k\u00f6nne dabei Erd\u00f6l oder auch pflanzlich sein, sagt Carus. In der Regel handele es sich aber um Biokunststoffe, etwa aus Mais oder Gr\u00e4sern.<\/p>\n<p>\u201eZwar schneiden Kunststoffe, die sich jeweils im Boden, in S\u00fc\u00df- oder Salzwasser abbauen, bei \u00d6kobilanzen schlecht ab\u201c, sagt Carus, \u201eweil man ihnen keine Gutschriften etwa f\u00fcr eingesparte Energierohstoffe anrechnen kann\u201c. Doch in der Realit\u00e4t w\u00fcrden viele recycelbare Kunststoffe eben nicht recycelt, kritisiert Carus, \u201esie landen in Gew\u00e4ssern oder B\u00f6den und richten dort f\u00fcr Jahrhunderte Schaden an\u201c.<\/p>\n<p>Henning Wilts, Experte f\u00fcr Kreislaufwirtschaft am Wuppertal-Institut, teilt zwar grunds\u00e4tzlich die Skepsis gegen\u00fcber biologisch abbaubaren Kunststoffen, die sich etwa bislang auch in der EU-Richtlinie f\u00fcr Einwegplastik findet. Man d\u00fcrfe niemandem ein Alibi geben, \u201eKonsum- oder Produktionsgewohnheiten beizubehalten, weil es ja den angeblich technischen Ausweg Bioplastik aus der Abfallmisere gibt\u201c, sagt Wilts.<\/p>\n<p>Gezielt sinnvolle Anwendungen f\u00fcr abbaubare Kunststoffe zu suchen sei aber \u201esehr sinnvoll\u201c. Das Projekt ziele ja speziell auf solche Kunststoffprodukte ab, die h\u00e4ufig nicht oder schlecht erfasst w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u201eUnvermeidbares Plastik recyceln\u201c<br \/>\nAuch f\u00fcr den Fraktionschef der Gr\u00fcnen im Bundestag sind abbaubare Kunststoffe \u201eTeil einer modernen Plastikstrategie\u201c. Plastik m\u00fcsse vermieden werden, \u201ewo immer es geht\u201c, sagt Anton Hofreiter. Daher sei das Verbot von Einwegplastik ein richtiger erster Schritt, reiche aber bei Weitem nicht aus. \u201eUnvermeidbares Plastik muss recycelt werden, denn ein wertvoller Rohstoff darf nicht leichtfertig verbrannt werden\u201c, so Hofreiter. Zudem m\u00fcssten Kunststoffe, die nicht vermieden werden k\u00f6nnen und die oft in der Natur landen, abbaubar sein.<\/p>\n<p>Konferenzen, auf denen konkrete Vorschl\u00e4ge diskutiert werden, sollen laut Carus im Januar stattfinden, eine Liste mit den Produktsteckbriefen im Fr\u00fchling vorliegen \u2013 rechtzeitig f\u00fcr die Diskussion \u00fcber die Ausgestaltung der Richtlinie zum Einweg-Plastikverbot der EU.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Plastikteller nach der Grillparty gleich mit dem Ketchup in die Biotonne, den Pflanztopf der neuen Stauden \u2013 schwuppdiwupp \u2013 auf den Kompost im Garten werfen, das klingt gut. Doch die f\u00fcr viele wunderbare Vision vom biologisch abbaubaren Plastik verliert schon l\u00e4nger an Glanz. 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