{"id":70139,"date":"2020-01-07T06:42:52","date_gmt":"2020-01-07T05:42:52","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fbiowissenschaften-chemie%2Fkleidung-und-verpackungen-aus-pilzen.html"},"modified":"2020-01-04T12:45:05","modified_gmt":"2020-01-04T11:45:05","slug":"die-pilz-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-pilz-revolution\/","title":{"rendered":"Die Pilz-Revolution"},"content":{"rendered":"<p><strong>Biotechnolog*innen der TU Berlin wollen Kleidung, Verpackungen und Baustoffe aus Pilzkulturen herstellen. B\u00fcrger*innen helfen mit im Citizen-Science-Projekt \u201eMind the Fungi!\u201d \u2013 Ausstellung im \u201eFuturium\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWeltweit gibt es gesch\u00e4tzt rund sechs Millionen verschiedene Arten von Pilzen, alle mit spezifischen Eigenschaften. Einige davon bieten uns heute die Chance, unsere erd\u00f6lbasierte Wirtschaft in eine biobasierte umzuwandeln\u201c, sagt Prof. Dr. Vera Meyer, Leiterin des Fachgebietes Angewandte und Molekulare Mikrobiologie an der TU Berlin. \u201eDen Pilzen kommt dabei sogar eine Pionierfunktion zu.\u201c Mit ihrem Team modifiziert sie Pilzkulturen so, dass man aus ihnen Textilien, Verpackungen und selbst Kleidung herstellen kann. \u201eEine Pilz-Revolution steht uns bevor\u201c titelte k\u00fcrzlich sogar die \u201aScientific American\u2018.<\/p>\n<p>Wir sind es gewohnt, Pilze zu uns zu nehmen: Brot, K\u00e4se, Wein und Bier werden mit Hilfe von Pilzen hergestellt. So auch eine Vielzahl unserer Medikamente. Aber k\u00f6nnen wir uns auch vorstellen, auf M\u00f6beln aus Pilzen zu sitzen, in H\u00e4usern aus ihnen zu wohnen oder Kleidung aus Pilzen zu tragen? Die TU-Biotechnologin ist als Wissenschaftlerin und als K\u00fcnstlerin von Pilzen fasziniert. Mit \u201eMind the Fungi!\u201c hat sie ein Citizen-Science-Projekt ins Leben gerufen, in dem auch B\u00fcrger*innen beteiligt sind, um unter anderem herauszufinden, wie gro\u00df die Akzeptanz solcher Stoffe f\u00fcr den allt\u00e4glichen Gebrauch w\u00e4re.<\/p>\n<p>Das Team um die Biotechnologin experimentiert mit verschiedenen, vielseitigen und n\u00fctzlichen Pilzen. Auf nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen produziert der eine Pilz Enzyme und Zitronens\u00e4ure, der andere Nahrungsmittel, ein dritter arbeitet als kleine Chemiefabrik bei der Produktion von Medikamenten. Nun werden jene Pilze erforscht, mit denen man Textilien, M\u00f6bel oder Verpackungen herstellen kann: der ideale Ersatz f\u00fcr erd\u00f6lbasierte Materialien wie Plastik und Kunststoffe, f\u00fcr tierisches Leder und sogar f\u00fcr Baustoffe wie Rigips.<\/p>\n<h3>M\u00f6bel aus Pilzen? Wie w\u00fcrden Sie entscheiden? B\u00fcrger*innen k\u00f6nnen mitmachen<\/h3>\n<p>In den Bioreaktoren des Labors auf dem TIB-Gel\u00e4nde der TU Berlin im Wedding werden die Pilze kultiviert. An dieser Forschung ist auch das TU-Labor f\u00fcr Bioverfahrenstechnik von Prof. Dr. Peter Neubauer beteiligt. Die Wissenschaftler*innen untersuchen das Erbgut der Pilze, analysieren deren Genome, die jeweils aus rund 10 000 verschiedenen Genen bestehen, und ver\u00e4ndern diese gezielt durch gentechnische Methoden. Eine besondere Rolle spielen bei den Citizen-Science-Projekten aber auch die Expertise, Ideen, Visionen, Gedanken und Bedenken von Wissenschaftler*innen aus ganz anderen Disziplinen, von K\u00fcnstler*innen, Designer*innen und von interessierten B\u00fcrger*innen. Um die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr eine Mitarbeit zu motivieren, halten die Forscher*innen \u00f6ffentliche Vortr\u00e4ge, veranstalten Diskussionsrunden, Workshops und Ausstellungen.<\/p>\n<h3>Nachhaltige Produktion: Die Herstellung von einem Kilo Baumwolle verbraucht 10.000 Liter Wasser, die gleiche Menge Textilien aus Pilzen ben\u00f6tigt nur 100 Liter<\/h3>\n<p>\u201eIn der Region Berlin-Brandenburg haben wir in \u00f6ffentlichen Pilzsammelaktionen im Wald bereits mehr als 70 verschiedene Baumpilzarten sammeln und dann im Labor identifizieren k\u00f6nnen\u201c, so Vera Meyer. \u201eDenn f\u00fcr viele Anwendungsm\u00f6glichkeiten, die wir hier erforschen, spielt der regionale Aspekt auch aus Nachhaltigkeits- und Kostengr\u00fcnden eine gro\u00dfe Rolle.\u201c Die Pilze werden auf Pflanzenabf\u00e4llen und Biomasse wie Stroh, Holzsp\u00e4nen oder Flachs kultiviert. Daraus bildet sich dann im Lauf der Zeit ein fester Verbundstoff \u2013 ein reines Biomaterial, aus dem man Kleidung entwickeln, M\u00f6bel oder H\u00e4userw\u00e4nde bauen kann. Diese emittieren beim Verbrennen weniger CO<sub>2<\/sub>, sind zudem noch weniger entflammbar und nach Gebrauch kompostierbar. Und auch die Herstellung ist nachhaltig: Circa 10 000 Liter Wasser verbraucht die Produktion von einem Kilo Baumwolle. Die gleiche Menge Textil aus Pilzen ben\u00f6tigt theoretisch nur 100 Liter. Ob pilzbasierte Materialien tats\u00e4chlich nachhaltig hergestellt werden k\u00f6nnen und \u00fcber einen besseren CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck verf\u00fcgen als herk\u00f6mmliche Materialen und Produkte, analysiert das TU-Fachgebiet \u201eSustainable Engineering\u201c von Prof. Dr. Matthias Finkbeiner, das neben vielen anderen Fachgebieten der TU-Fakult\u00e4t III Prozesswissenschaften ebenfalls mit im Boot ist.<\/p>\n<h3>\u201eMind the Fungi!\u201c zeigt Potenzial im \u201eFuturium\u201c, dem Haus der Zuk\u00fcnfte in Berlin<\/h3>\n<p>Das Potenzial der Pilzbiotechnologie machen die Wissenschaftler*innen, K\u00fcnstler*innen und Designer*innen derzeit auch im Haus der Zuk\u00fcnfte, im \u201eFuturium\u201c am Alexanderufer in Berlin, \u00f6ffentlich. Hier zeigen sie Beispiele, wie Pilze auf pflanzlichen Reststoffen wachsen \u2013 auf Holz oder Stroh \u2013 und sich mit ihnen zu einem festen Material verbinden, geeignet sogar zum Bauen. Dort sind auch bio-basierte Gebrauchsgegenst\u00e4nde zu sehen, die Studierende der Biotechnologie der TU Berlin gemeinsam mit Kommiliton*innen des Produktdesigns der Kunsthochschule Wei\u00dfensee im Rahmen des \u201eGreenlab 8.0\u201c im vergangenen Sommersemester sechs Wochen lang aus Textilabf\u00e4llen entwickelt haben. Sie stellten Verbundstoffe aus Baumpilzen her oder transformierten die Abf\u00e4llt durch die Pilzfermentation in stabile dreidimensionale Objekte wie zum Beispiel Lampenschirme und f\u00e4rbten sie mit mikrobiellen Pigmenten ein.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/futurium.de\/de\/feature-art-lab#geheimnisvolle-allesk%C3%B6nner\" target=\"_blank\">https:\/\/futurium.de\/de\/feature-art-lab#geheimnisvolle-allesk%C3%B6nner<\/a><\/p>\n<h3>Pilze als Kunstobjekte \u2013 Ausstellung im Januar 2020<\/h3>\n<p>Doch hinter \u201eMind the Fungi!\u201c steckt noch eine andere Dimension. Vera Meyer, die k\u00fcrzlich auch in die Mitgliederrunde der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften \u201eacatech\u201c aufgenommen wurde, fasziniert ebenso die optische und haptische \u00c4sthetik des Pilzes, dessen filigrane Strukturen sie oft durch das Mikroskop betrachtet. Unter dem Namen \u201eV. meer\u201c ist die Biotechnologin auch als K\u00fcnstlerin aktiv, malt und stellt Skulpturen aus Baumpilzen her. Dass heute so stark zwischen Wissenschaft und Kunst getrennt wird, ist aus ihrer Sicht hinderlich f\u00fcr innovative Ideen und damit f\u00fcr die L\u00f6sung von Menschheitsproblemen.<\/p>\n<p>\u201eLeonardo da Vinci war noch gleichzeitig K\u00fcnstler, Erfinder, Ingenieur und Anatom. Der Naturwissenschaftler und Entdecker Alexander von Humboldt tauschte sich mit dem Dichter und Wissenschaftler Johann Wolfgang von Goethe und dem Philosophen, Historiker und Mediziner Friedrich Schiller aus\u201c, z\u00e4hlt sie auf. Der k\u00fcnstlerische Blick auf ein Objekt oder einen Organismus, k\u00f6nne Wissenschaftler*innen auch heute auf unerwartete Ideen bringen, sich ihrem Forschungsgegenstand aus einer ganz anderen Perspektive zu n\u00e4hern. Daher ist als Verbindung zur Kunst- und Designszene auch das Art Laboratory Berlin Teil des Projektteams \u201eMind the Fungi!\u201c. Vom 23.1. \u2013 14.2.2020 wird \u201eV. meer\u201c ihre erste gro\u00dfe Ausstellung in der Pankower Degewo-Galerie \u201eRemise\u201c, in der Pankgrafenstra\u00dfe 1 zeigen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.degewo.de\/wohnen-service\/termine\/degewo-galerie-remise\/\" target=\"_blank\">www.degewo.de\/wohnen-service\/termine\/degewo-galerie-remise\/, www.v-meer.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mikrobiologie.tu-berlin.de\/menue\/forschung\/mind_the_fungi\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.mikrobiologie.tu-berlin.de\/menue\/forschung\/mind_the_fungi\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biotechnolog*innen der TU Berlin wollen Kleidung, Verpackungen und Baustoffe aus Pilzkulturen herstellen. B\u00fcrger*innen helfen mit im Citizen-Science-Projekt \u201eMind the Fungi!\u201d \u2013 Ausstellung im \u201eFuturium\u201c \u201eWeltweit gibt es gesch\u00e4tzt rund sechs Millionen verschiedene Arten von Pilzen, alle mit spezifischen Eigenschaften. 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