{"id":7011,"date":"2004-06-07T00:00:00","date_gmt":"2004-06-06T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040607-11n"},"modified":"2004-06-07T00:00:00","modified_gmt":"2004-06-06T22:00:00","slug":"interview-mit-knast-landwirte-mssen-knftig-auch-energiewirte-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/interview-mit-knast-landwirte-mssen-knftig-auch-energiewirte-werden\/","title":{"rendered":"Interview mit K&uuml;nast: &#8220;Landwirte m&uuml;ssen k&uuml;nftig auch Energiewirte werden&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><b>Landwirtschaftsministerin Renate K\u00fcnast setzt bei der Suche nach Alternativen zum \u00d6l auch auf die Bauern. Der Markt f\u00fcr Energie aus Biomasse w\u00e4chst, sagt sie.<\/b><\/p>\n<p> <b>Frau K\u00fcnast, was f\u00fchrt eine Agrarministerin auf den Weltgipfel f\u00fcr erneuerbare Energien?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Wir sind ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, Technologien zu f\u00f6rdern, die Alternativen zum \u00d6l bieten. Das ist umwelt- und klimapolitisch wichtig. Das hilft aber auch unserer Landwirtschaft. Denn wenn nach den WTO-Verhandlungen der Agrarmarkt weiter liberalisiert wird, werden unsere Landwirte noch st\u00e4rker unter Konkurrenzdruck geraten. Da wird die zus\u00e4tzliche Einkommensquelle nachwachsende Rohstoffe noch wichtiger. Landwirte sollen k\u00fcnftig auch Energie- und Rohstoffwirte werden.<\/p>\n<p> <b>Was kann die deutsche Landwirtschaft auf der &#8220;Renewables&#8221; dem Ausland bieten?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Biomasse ist weltweit der wichtigste erneuerbare Energietr\u00e4ger, das gilt auch f\u00fcr Deutschland und Europa. Die deutsche Land- und Forstwirtschaft stellen \u00fcber 90 Prozent dieser Biomasse insbesondere \u00fcber nachwachsende Rohstoffe direkt bereit. Sie haben hoch entwickelte Techniken zur energetischen Nutzung von Biomasse etwa bei der Biogaserzeugung, aber auch bei der W\u00e4rmebereitstellung aus Holz. Ein Technologietransfer w\u00fcrde die Effizienz der Biomassenutzung deutlich verbessern.<\/p>\n<p> <b>Ein Exportgesch\u00e4ft f\u00fcr deutsche Anlagenbauer?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Als der chinesische Premier Wen Jiabao bei uns war &#8211; was hat er als Erstes besucht? Eine Biogasanlage! Edmund Stoiber hat ihn \u00fcbrigens stolz wie Bolle dahin gef\u00fchrt. Als ich das in der &#8220;Tagesschau&#8221; sah, bin ich fast aus dem Sessel gefallen: Schlie\u00dflich blockiert Herr Stoiber im Bundesrat das EEG.<\/p>\n<p> <b>Sie meinen: F\u00fcr Jiabao ist Biogas wertvoller als &#8211; sagen wir &#8211; der Transrapid?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> F\u00fcr die meisten Chinesen d\u00fcrfte die Biogasanlage als direkt anwendbare Technologie interessanter sein als der Transrapid. Aber Biomasse ist f\u00fcr alle L\u00e4nder attraktiv: Es gibt Schwellenl\u00e4nder wie Brasilien, die zum Beispiel im gro\u00dfen Stil Bioethanol produzieren. Die liefern heute schon in die Schweiz.<\/p>\n<p> <b>Welche Bedeutung hat Bioethanol?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Bei uns wird er aus Zuckerr\u00fcben, Weizen oder Roggen gewonnen. Drei Anlagen sind daf\u00fcr in den neuen Bundesl\u00e4ndern bereits im Bau. Bioethanol k\u00f6nnen sie verwenden, um die Oktanzahl von Benzin zu verbessern. Gleichzeitig kann damit ein Beitrag zur Reduzierung von sch\u00e4dlichen Klimagasen geleistet werden. Das Gute daran: Man kann Biomasse einsetzen, ohne parallele Strukturen zur Treibstoffversorgung aufbauen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p> <b>Deshalb hat die Europ\u00e4ische Union diese Beimengungen von der Mineral\u00f6lsteuer befreit?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Genau. Es geht aber noch um etwas anderes: Die EU hat mit &#8220;everything but arms&#8221; ein Angebot an die AKP-Staaten gemacht. Wenn der Weltmarkt f\u00fcr Zucker erst richtig ge\u00f6ffnet wird, haben diese mit der EU assoziierten L\u00e4nder Sorge, dass die Zuckerpreise ins Bodenlose fallen. Da ist Bioethanol ein Angebot zur Marktstabilisierung.<\/p>\n<p> <b>\u00dcber das EEG f\u00f6rdert der Bund eher Biogasanlagen und Holz-Heizwerke.<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Das stimmt. Auch daf\u00fcr gibt es einen Markt. Der derzeitige Verbrauch fossiler Energie muss bei der W\u00e4rmeversorgung, der Stromerzeugung und der Treibstoffversorgung nach und nach durch erneuerbare Energietr\u00e4ger abgel\u00f6st werden. Wir f\u00f6rdern W\u00e4rme, Strom und Treibstoffversorgung mit unterschiedlichen Instrumenten. Im Treibstoffsektor richten sich derzeit gro\u00dfe Hoffnungen auf die BtL-Technologie.<\/p>\n<p> <b>BtL &#8211; was ist das?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> &#8220;Biomass-to-Liquid&#8221; &#8211; das sind v\u00f6llig neue Verfahren, um aus Biomasse Kraftstoffe zu fertigen. Die stecken allerdings noch im Stadium von Forschung und Entwicklung. Diese Entwicklung wollen wir unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><b>Spielen die Autokonzerne mit?<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Ich denke schon: Die sp\u00fcren jetzt Druck, auch durch die steigenden Kraftstoff-Preise. Neue Trends, wie Toyotas Hybridmotor, wurden leider nicht in Deutschland entwickelt. Das sehen sie jetzt als Fehler.<\/p>\n<p> <b>Was ist mit den Bauern? Wollen die Energiewirte werden? Schon der \u00d6kolandbau expandierte am Ende nicht wie erwartet.<\/b><\/p>\n<p><b><i>Renate K\u00fcnast:<\/i><\/b> Einige Funktion\u00e4re klagen da auf hohem Niveau. Die jungen Bauern und die Frauen sind dagegen offen f\u00fcr Neues. Wenn wir im Juli die Agrarreform in deutsches Recht umsetzen, dann werden die Pr\u00e4mien nicht mehr an konkrete Produkte gekoppelt sein. Die Bauern k\u00f6nnen sich am Markt orientieren und wenn keine Subventionen mehr flie\u00dfen, finden sie Wachstum bei Energiepflanzen und Industrie-Rohstoffen. Denn der Markt f\u00fcr Energieprodukte ist ungeheuer gro\u00df. Im \u00dcbrigens: Auch der \u00d6kolandbau zeigt kr\u00e4ftige Wachstumsraten.<\/p>\n<p>\u00a9 taz 2004<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Landwirtschaftsministerin Renate K&uuml;nast setzt bei der Suche nach Alternativen zum &Ouml;l auch auf die Bauern. 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