{"id":70041,"date":"2019-09-19T07:22:29","date_gmt":"2019-09-19T05:22:29","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=70041"},"modified":"2019-12-22T15:23:43","modified_gmt":"2019-12-22T14:23:43","slug":"nachhaltiges-plastik-lego-bald-erdoelfrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltiges-plastik-lego-bald-erdoelfrei\/","title":{"rendered":"Nachhaltiges Plastik &#8211; Lego bald erd\u00f6lfrei?"},"content":{"rendered":"<p>Schluss mit der Abh\u00e4ngigkeit vom Erd\u00f6l. Das beschloss der d\u00e4nische Spielzeugkonzern Lego schon 2015. Man gr\u00fcndete das Forschungszentrum \u201eLego Sustainable Materials Centre\u201c und setzte sich zum Ziel, bis 2030 \u201eklimaneutral\u201c zu werden.<\/p>\n<p>Davon scheint man noch ein ganzes St\u00fcck entfernt zu sein. Denn die meisten Lego-Kl\u00f6tze werden seit den 1960er Jahren aus dem erd\u00f6lbasierten Kunststoff \u201eAcrylnitril-Butadien-Styrol\u201c (ABS) gefertigt. Das ist ein besonders stabiles Plastikmaterial, das auch f\u00fcr viele Haushaltsgegenst\u00e4nde gebr\u00e4uchlich ist. Es ist anderen Alternativen \u00fcberlegen, was Passgenauigkeit, Sto\u00dffestigkeit und Farbbest\u00e4ndigkeit angeht. Mit ABS wurde daher das Cellulose-Acetat abgel\u00f6st, aus dem die Kl\u00f6tze urspr\u00fcnglich hergestellt worden waren.<\/p>\n<p>Ein Zur\u00fcck zu diesem Biokunststoff soll es nicht geben, berichtet Maria Rosenberger Petersen, Lebenszyklusforscherin bei Lego: \u201eAber alles Plastik, das gebraucht wird, um die mehr als 4.000 unterschiedlichen Plastikteile herzustellen, wollen wir aus nachhaltigerem Material als Erd\u00f6l, m\u00f6glichst aus Pflanzenmaterialen herstellen.\u201c Kompromisse bez\u00fcglich Qualit\u00e4t, Haltbarkeit und Benutzerfreundlichkeit soll es keine \u00adgeben: Die Bausteine sollen sich fest zusammenf\u00fcgen, aber auch von Kinderh\u00e4nden leicht wieder voneinander l\u00f6sen lassen. Die bisherigen Resultate sind \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p>Die Produktion von Lego-Teilen beruht derzeit auf rund 20 verschiedenen Plastiksorten, einzelne der Teile sind gleich aus mehreren Sorten zusammengesetzt. Immerhin wurde mittlerweile ein nachhaltiges Material bis zur Produktreife entwickelt und konnte im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht werden: Die biegsamen Elemente wie beispielsweise f\u00fcr B\u00e4ume, B\u00fcsche und Bl\u00e4tter werden jetzt aus pflanzlichem Kunststoff hergestellt, der aus Zuckerrohr gewonnen wird. Das war nicht allzu kompliziert, sagt Rosenberger Petersen: Technisch gesehen sei das aus Erd\u00f6l gewonnene konven\u00adtionelle Polyethylen, das man bislang verwendet hatte, mit dem auf Pflanzenbasis identisch. Im Prinzip sei nur das Rohmaterial ausgewechselt worden. Der gro\u00dfe Durchbruch war das allerdings noch nicht: Nur 1\u20132 Prozent der Lego-Produktion beruht auf Polyethylen.<\/p>\n<p>Unverw\u00fcstliches Plastiksteine<br \/>\nSchon bei der Umstellung von konventionellem auf Zuckerrohr-Polyethylen sei es aber keineswegs nur um das Finden eines passenden Pflanzenmaterials gegangen, betont Rosenberger Petersen. Man habe ganz konkret die gesamte Umwelt- und Klimabelastung analysiert, die bis zur Fertigstellung der Kl\u00f6tze und weiter bis zu ihrer Entsorgung entstehe. Das schlie\u00dfe auch m\u00f6gliche k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung beim Zuckerrohranbau, D\u00fcnger- und Pestizideinsatz auf den Plantagen und die CO2-Bilanz der Ernte mit ein. Das von Lego bisher verwendete Zuckerrohr komme aus Brasilien, nehme aber keinen nennenswerten Teil des Ackerlands in Beschlag, das ansonsten f\u00fcr die Lebensmittelproduktion zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrde. Man habe auch keine Korrelation zwischen der Rodung von Regenwald und dem Zuckerrohranbau gefunden.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt des Konzerns hin zu mehr Nachhaltigkeit wird das Verpackungsmaterial sein: Hier will Lego die Umstellung bis 2025 vollzogen haben. Allgemein habe Lego sich von Anfang an bem\u00fcht, kein Wegwerfprodukt herzustellen, das schnell wieder im Abfall lande, sagt die Lego-Produktmanagerin Bistra Andersen. Und tats\u00e4chlich h\u00e4tten Legos einen hohen Gebrauchswert: Auch vor 60 Jahren hergestellte Teile w\u00fcrden noch perfekt funktionieren, seien mit der aktuellen Produktion kompatibel und w\u00fcrden daher oft \u201eweitervererbt\u201c. An diesem Ansatz wolle man auch bei der Suche nach erdd\u00f6lfreien Ersatzmaterialien festhalten.<\/p>\n<p>Daher h\u00e4lt Lego einen biologisch abbaubaren Kunststoff nicht f\u00fcr einen Teil der L\u00f6sung: \u201eDas vermittelt den falschen Eindruck, man k\u00f6nne die Sachen dann einfach in die Natur werfen.\u201c<\/p>\n<p>Nach Alternativen zum erd\u00f6lbasierten Kunststoff ABS sucht Lego aber weiter. Kl\u00f6tze auf Mais- und Weizenbasis hatten sich als weniger geeignet erwiesen, die j\u00e4hrlich produzierten 60 Milliarden Lego-Teile \u201eklimaneutral\u201c ersetzen zu k\u00f6nnen. Entweder mangelte es an Festigkeit oder Farbbest\u00e4ndigkeit. Versuche mit Kunststoffen auf Basis von Industriehanf scheinen indes erfolgversprechender zu verlaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schluss mit der Abh\u00e4ngigkeit vom Erd\u00f6l. Das beschloss der d\u00e4nische Spielzeugkonzern Lego schon 2015. 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