{"id":69923,"date":"2020-01-06T07:29:56","date_gmt":"2020-01-06T06:29:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=69923"},"modified":"2021-09-09T21:23:35","modified_gmt":"2021-09-09T19:23:35","slug":"gruenes-benzin-bereits-marktreif","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gruenes-benzin-bereits-marktreif\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnes Benzin bereits marktreif"},"content":{"rendered":"<p><strong>Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) hat einen Prozess zur Erzeugung von gr\u00fcnem, sprich synthetischem, Benzin nur aus Kohlendioxid, Strom und Wasser entwickelt &#8211; ganz ohne fossile Brennstoffe. In der Demonstrationsanlage f\u00fcr die wichtigste Prozessstufe, der Umwandlung von Methanol zu Benzin, an der TU Bergakademie Freiberg wurden bereits zw\u00f6lf Tonnen des gr\u00fcnen Benzins produziert und Automobilherstellern zum Testen bereitgestellt.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSynthetische Kraftstoffe sind die Zukunft der Mobilit\u00e4t\u201c, ist Joachim Engelmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gesellschafter der CAC, \u00fcberzeugt. \u201eWir gehen davon aus, dass Autos in Zukunft verst\u00e4rkt mit synthetisch hergestelltem Benzin oder Diesel fahren werden\u201c. Bis 2030 soll laut Erneuerbarer-Energien-Richtlinie RED II (Renewable Energy Directive II) der EU der erneuerbare Anteil in Kraftstoffen bei 14 Prozent liegen \u2013 das ist doppelt so viel wie aktuell. \u201eDer gro\u00dfe Vorteil an synthetisch hergestelltem Benzin ist neben dem Hauptziel der Reduzierung von CO2-Emissionen, dass die Automobilhersteller damit ihre Verbrennungsmotoren weiter entwickeln k\u00f6nnen, dass das saubere Benzin abw\u00e4rtskompatibel f\u00fcr die Automobil-Bestandsflotte genutzt werden kann und dass es \u00fcber das bestehende Tankstellennetz auch fl\u00e4chendeckend zur Verf\u00fcgung steht\u201c, so Engelmann.<\/p>\n<p>Zwar forschen alle gro\u00dfen Automobilisten an Alternativen wie Elektroantrieben oder Brennstoffzellen, doch unterm Strich f\u00e4llt deren Treibhauspotenzial zurzeit h\u00f6her aus. Der Vorteil des CAC-Verfahrens besteht darin, dass sich Benzin fast CO<sub>2<\/sub>-neutral herstellen l\u00e4sst, da f\u00fcr die Herstellung nur CO<sub>2<\/sub>, Wasser und Strom \u2013 idealerweise aus erneuerbaren Quellen \u2013 ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p>\u201eInteressenten f\u00fcr unser Verfahren gibt es viele\u201c, sagt Joachim Engelmann, \u201ejedoch wurde bisher noch keine gro\u00dftechnische Anlage errichtet. Eine solche Anlage zu bauen ist unser gro\u00dfes Ziel, denn die Technologie ist marktreif\u201c, so Engelmann, der bereits in vielversprechenden Verhandlungen mit einer Raffinerie im Ausland dazu steht: \u201eDeutschland nimmt das Thema nicht ernst genug: Das neue Klimaschutzabkommen nimmt zwar Bezug auf die Flugindustrie oder LKW, aber die PKW wurden bei den synthetischen Kraftstoffen ausgespart. Die Politik hat sich in einem Ma\u00dfe auf das Elektro-Auto fixiert, wie es kaum erf\u00fcllt werden kann. Wenn der Staat synthetische Kraftstoffe nicht als strategisches Ziel anerkennt, m\u00fcssen wir als Anlagenbauer uns an anderen L\u00e4ndern orientieren, in denen diese Technologien Zukunft haben.\u201c<\/p>\n<p>Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden im Rahmen des Forschungsprojektes \u201eC3-Mobility\u201c vom Bund und dem Freistaat Sachsen gef\u00f6rdert. Dennoch stecken in dem Projekt auch mehr als 50 Prozent Eigenmittel der CAC.<\/p>\n<h3>Power-to-X<\/h3>\n<p>Allgemein ist die Thematik bekannt unter dem Namen Power-to-X \u2013 also sinngem\u00e4\u00df etwa \u201eaus Strom mach X\u201c. Das X kann dabei vieles sein: Neben Benzin lassen sich auch Diesel, Kerosin, Methanol, Ammoniak, Gas oder Fl\u00fcssiggas aus CO2 und Wasser herstellen. Alles, was man braucht, sind Strom und verschiedene Katalysatoren.<\/p>\n<p>Das CO<sub>2<\/sub>, das f\u00fcr die Herstellung der Kohlenwasserstoffe ben\u00f6tigt wird, stammt aus der Luft oder idealerweise sogar aus Industrieabgasen. Dort liegt der CO<sub>2<\/sub>-Gehalt beim bis zu 500-Fachen wie in \u201enormaler\u201c Luft. Wird das Kohlendioxid direkt aus einer Industrieanlage aufgefangen, entstehen dort nahezu keine Abgase. Das sogenannte Carbon Capture wird zur Win-Win-Situation sowohl f\u00fcr die Industrie als auch f\u00fcr die synthetische Kraftstoffherstellung, die genau dieses CO<sub>2<\/sub> braucht. Der notwendige Wasserstoff wird im Elektrolyseverfahren aus ganz normalem Wasser gewonnen. Dazu braucht man Strom \u2013 und wenn dieser noch dazu aus nachhaltigen Energiequellen stammt, werden CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verringert.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Modellprojekt hat die CAC zusammen mit Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe GmbH (MHPSE) eine komplette Prozesskette inklusive der Stromerzeugung aus Wasserkraft prozesstechnisch entwickelt und simuliert. Ziel des Projektes ist die Herstellung eines synthetisch hochoktanigen Kraftstoffes, welcher nahezu komplett CO2-neutral ist.<\/p>\n<p>\u201eKohlendioxid als Basis f\u00fcr die Herstellung von synthetischem Benzin zu verwenden ist ein Alleinstellungsmerkmal der CAC-Technologie\u201c, so Joachim Engelmann. \u201eEs gibt zwar weltweite Wettbewerber, die ebenfalls an synthetischen Kraftstoffen forschen bzw. auch Anlagen errichtet haben, doch sie k\u00f6nnen das CO<sub>2<\/sub> nicht direkt verarbeiten.\u201c Die Idee, \u00fcbersch\u00fcssiges CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr die Kraftstoffherstellung zu verwenden, macht aus einem unerw\u00fcnschten Nebenprodukt ein begehrtes Gut. Industrieunternehmen mit einem hohen CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df br\u00e4uchten das Kohlendioxid gar nicht erst in die Umwelt abzugeben, sondern k\u00f6nnten es gleich als Rohstoff in den Kreislauf zur Kraftstoffgewinnung einleiten.<\/p>\n<p>Die CO<sub>2<\/sub>-Einsparung k\u00f6nnte mit Emissionszertifikaten verrechnet werden. \u201eAllerdings sind die gesetzlichen Grundlagen noch nicht zu unseren Gunsten geregelt\u201c, sagt Joachim Engelmann und hofft, dass die Gesetzgebung die Vorteile des neuen Verfahrens bald anerkennt und das in der CAC-Demonstrationsanlage erzeugte synthetische Benzin als sauberen Kraftstoff klassifiziert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_69926\" aria-describedby=\"caption-attachment-69926\" style=\"width: 541px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69926\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/pm_cac_gruenes_Benzin.jpg\" alt=\"pm_cac_gruenes_Benzin\" width=\"541\" height=\"388\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/01\/pm_cac_gruenes_Benzin.jpg 740w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/01\/pm_cac_gruenes_Benzin-300x215.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/01\/pm_cac_gruenes_Benzin-600x431.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 541px) 100vw, 541px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-69926\" class=\"wp-caption-text\">Bereits zw\u00f6lf Tonnen des gr\u00fcnen Benzins wurden Automobilherstellern zum Testen bereitgestellt<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) hat einen Prozess zur Erzeugung von gr\u00fcnem, sprich synthetischem, Benzin nur aus Kohlendioxid, Strom und Wasser entwickelt &#8211; ganz ohne fossile Brennstoffe. 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