{"id":6973,"date":"2004-04-13T00:00:00","date_gmt":"2004-04-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040413-05n"},"modified":"2004-04-13T00:00:00","modified_gmt":"2004-04-12T22:00:00","slug":"energiegeladen-biogas-mais-sorten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/energiegeladen-biogas-mais-sorten\/","title":{"rendered":"Energiegeladen: Biogas-Mais-Sorten"},"content":{"rendered":"<p>Beim Silomais konzentrierten sich Pflanzenbau und Pflanzenz\u00fcchtung bisher ausschlie\u00dflich auf die Optimierung der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung. Energiepflanzen hingegen haben andere und auch leichter zu erf\u00fcllende Anforderungen an Wachstum und Inhaltsstoffe: Es kommt nicht auf das letzte Prozent St\u00e4rke oder Zucker an. Entscheidend sind hohe Energiegehalte, Masseertr\u00e4ge und Methanausbeuten pro kg organischer Trockensubstanz (oTS) und eine gute Silier- und Lagerf\u00e4higkeit. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20040413-05\/SMBild1kl.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"SMBild1kl\"\/><i><b>Durch das Einkreuzen von Zuchtmaterial aus w\u00e4rmeren und tropischen Regionen k\u00f6nnen spezielle Sorten geschaffen werden<\/b><\/i><\/p>\n<p><b>Neue Kombinationen<\/b> <br \/>Diese Anforderungen erlauben den Z\u00fcchtern und Pflanzenbauern neue Kombinationen und M\u00f6glichkeiten. Es werden Pflanzenarten oder Fruchtfolgen interessant, die bis sp\u00e4t in den Herbst hinein noch wachsen und somit auch mehr Licht nutzen. Wie wenig dieses bisher ber\u00fccksichtigt wurde, zeigt sich daran, dass Fr\u00fcchte wie Raps oder Getreide im Juni, Juli, August \u2013 zu Zeiten der h\u00f6chsten Lichtintensit\u00e4t \u2013 geerntet werden. F\u00fcr die Energieproduktion sind sp\u00e4treife, hochw\u00fcchsige Sorten mit viel Trockenmasse und einer K\u00e4ltetoleranz von Vorteil. Die f\u00fcr den Gasertrag wichtigen Stoffgruppen sollten hohe Gehalte aufweisen. <\/p>\n<p>Am Institut f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtung der Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft in Freising wird seit zwei Jahren zusammen mit dem Institut f\u00fcr Agrartechnik, Hohenheim, und der KWS Saat AG, Einbeck, an der Entwicklung und \u00dcberpr\u00fcfung von speziellen Biogas- Mais-Sorten und Winterzwischenfr\u00fcchten als Energiepflanzen f\u00fcr die Biogasanlagen gearbeitet. Silomais als Hauptfrucht wurde aus mehreren Gr\u00fcnden gew\u00e4hlt: Nach wie vor erzielt dieser die h\u00f6chste Gasertragsleistung pro Hektar. Au\u00dferdem zeichnet Silomais sich durch eine hohe Massebildung aus. Nur Futterr\u00fcben liefern dem Silomais vergleichbare Fl\u00e4chenertr\u00e4ge. Sie passen sich aber nicht so gut dem betrieblichen Ablauf an wie Mais und sind schwierig zu lagern und zu verarbeiten. <\/p>\n<p>Ein weiterer Pluspunkt f\u00fcr Silomais ist die in der Regel im Betrieb vorhandene Produktionstechnik. Es muss f\u00fcr den Anbau keine neue aufw\u00e4ndige Technik angeschafft werden und auch die Lagerung und Konservierung sind einfach und die Verfahren bekannt. Mais ist au\u00dferdem gut silierf\u00e4hig; dies ist wichtig, da f\u00fcr die Biogaserzeugung das ganze Jahr Material ben\u00f6tigt wird. <\/p>\n<p>Mais ist als C4-Pflanze sehr n\u00e4hrstoff- und wassereffizient. Er kann die Blatt\u00f6ffnungen bei gro\u00dfer Hitze schlie\u00dfen und nachts bei angenehmeren Temperaturen wieder \u00f6ffnen. Dadurch spart Mais sehr viel Energie und erreicht auch bei hei\u00dfen Temperaturen hohe Zuw\u00e4chse. <\/p>\n<p><b>Steigerungsf\u00e4hig<\/b> <br \/>Rein z\u00fcchterisch betrachtet steht Mais vor gro\u00dfen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten. Durch das Einkreuzen von Zuchtmaterial aus w\u00e4rmeren und tropischen Regionen k\u00f6nnen spezielle Sorten geschaffen werden, die zwar nicht den Anforderungen der F\u00fctterung entsprechen, daf\u00fcr jedoch umso mehr Energie in die Biogasanlage bringen. Nach Meinung der Z\u00fcchter f\u00fchren Kombination aus Sorten mit hohem Masseanteil und deutschen Sorten, die die weltweit h\u00f6chste K\u00e4ltetoleranz aufweisen, zu Trockenmassezuw\u00e4chse von bis zu 100% gegen\u00fcber dem heutigen Niveau. <\/p>\n<p>In Anbauversuchen aus den Jahren 2002 und 2003 wurden in Bayern (Freising) und Weser Ems (Bersenbr\u00fcck und Wehnen) zw\u00f6lf verschiedene Sorten hinsichtlich ihrer Ertr\u00e4ge bei verschiedenen Standweiten, ihrer Inhaltsstoffe und Gasausbeute untersucht. Zus\u00e4tzlich wurde das Ertragsverhalten bei einer sp\u00e4teren Saat (Ernte der Winterzwischenfrucht) und bei vier verschiedenen Ernteterminen untersucht. <\/p>\n<p>Die Sorten zeichneten sich durch extreme Sp\u00e4treife mit FAO Zahlen von \u00fcber 400 bis 900 aus. Als Vergleich diente die deutsche Sorte Gavott mit einer g\u00e4ngigen Reifezahl von 250. Am Standort Bersenbr\u00fcck wurden im Mittel \u00fcber alle Sorten und Standweiten auf Grund der g\u00fcnstigen Wetterverh\u00e4ltnisse im Jahr 2002 um 20 dt (8,5%) mehr Trockenmasse (TM) pro ha geerntet. <\/p>\n<p>Der mittlere TM-Ertrag \u00fcber alle Sorten und Standweiten im Jahr 2002 lag bei 235,87 dt\/ha. Hybride 13 und Mikado erzielten die h\u00f6chsten Ertr\u00e4ge mit \u00fcber 250 dt\/ha. Innerhalb der verschiedenen Herk\u00fcnfte und Reifegruppen lieferten die italienischen Hybriden die h\u00f6chsten TM-Ertr\u00e4ge bei einem TS-Gehalt von unter 30%. <\/p>\n<p>Die sp\u00e4te Abreife dieser Genotypen bedingt bei g\u00fcnstigen Temperaturen einen weiteren Massezuwachs im Herbst, der bei fr\u00fcher abreifenden Sorten wie beispielsweise Gavott nicht gegeben ist. Auch die Kreuzungen aus italienischem und deutschem Material konnten \u00e4hnlich hohe Ertr\u00e4ge bei niedrigem TSGehalt erzielen. <\/p>\n<p>2002 wurden die h\u00f6chsten Ertr\u00e4ge bei Standweiten von zehn Pflanzen\/m<sup>2<\/sup> erzielt (<i>Abbildung 1<\/i>). Im Jahr 2003 hingegen wurde an beiden Standorten bedingt durch die extreme Trockenheit geringere Ertr\u00e4ge erzielt, und der Standort Freising erreichte im Mittel h\u00f6here Ertr\u00e4ge (<i>Abbildung 2<\/i>). <\/p>\n<p>Auch die optimale Standweite lag im Jahr 2003 nicht mehr f\u00fcr alle Sorten bei zehn Pflanzen pro m<sup>2<\/sup>, sondern reduzierte sich auf Grund des Wassermangels auf acht Pflanzen\/m<sup>2<\/sup>. Die Trockenmasseertr\u00e4ge bei zehn Pflanzen pro m<sup>2<\/sup> zeigen, dass die sp\u00e4treifen Sorten mit einer K\u00e4ltetoleranz deutlich \u00fcberlegen sind.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20040413-05\/SilomaisAb1.gif\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"SilomaisAb1\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Obwohl die Sorten unterschiedliche Inhaltsstoffe aufwiesen, die f\u00fcr die Methanausbeute wichtig sind, hatten diese keinen Einfluss auf die tats\u00e4chliche Gasausbeute. Sie war bei allen Sorten sehr \u00e4hnlich. Die Sorten erreichten im Durchschnitt eine Biogasbildung von 680 Normliter\/ kg oTS mit einem durchschnittlichen Methangehalt von 50,4%. Daraus ergibt sich eine Methanausbeute von 340 Normliter\/kg oTS. Bedeutende Einfl\u00fcsse auf den Gasertrag sind weder durch die Sorten noch die Standweiten gegeben. <\/p>\n<p>Eine geringere Verdaulichkeit der sp\u00e4treifen Hybriden f\u00fchrte nicht zu einer Verringerung der Methanbildung bezogen auf die organische Substanz. Dies bedeutet, dass ab einem bestimmten Niveau an N\u00e4hrstoffgehalten und Verdaulichkeit, die Bedeutung der einzelnen N\u00e4hrstoffgruppen f\u00fcr die Gasbildung abnimmt. Die Methanbildung je Hektar (<i>Abbildung 3<\/i>) war damit ausschlie\u00dflich von der Massebildung der Sorte abh\u00e4ngig. Diese wird wiederum vom Standort und der Standweite bestimmt.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20040413-05\/SMAbb2.gif\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"SilomaisAb2\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Sorten mit einem hohen Trockenmasseertrag wie die Hybride 13 oder Mikado erbrachten auch hohe Methan-Hektar-Ertr\u00e4ge. Daraus wird ersichtlich, dass die Trockenmasseproduktion den Haupteinfluss auf die Biogasbildung je Fl\u00e4cheneinheit hat. Je nach Sorte konnte im Vergleich zu derzeit \u00fcblichen Methan-Hektar-Ertr\u00e4gen eine Verdoppelung der Fl\u00e4chenleistung erzielt werden. <\/p>\n<p><b>Ausgewogene Fruchtfolge<\/b> <br \/>Aber Mais allein kann und soll es nicht sein. Ziel einer nachhaltigen Energiepflanzenproduktion ist es, eine ausgewogene Fruchtfolge zu entwickeln, die alle Aspekte des landwirtschaftlichen Anbaues ber\u00fccksichtigt \u2013 nicht nur die Energieproduktion. Anspruchslose Winterungen wie Winterroggen oder Stickstoff liefernde Leguminosen k\u00f6nnten interessant sein, aber auch frostunempfindliche Winterr\u00fcbsen mit einem hohen Masseertrag scheinen f\u00fcr die Verg\u00e4rung geeignet. <\/p>\n<p>Als Zwischenfr\u00fcchte vor Mais und nach Getreide wurden 2003 vier Winterungen (Winterroggen, Winterr\u00fcbsen, Wintererbsen, Welsches Weidegras) mit verschiedenen Aussaatterminen angebaut. Die Untersuchungen hierzu laufen noch. <\/p>\n<p>Neu bewertet werden muss bei der Energieerzeugung in landwirtschaftlichen Biogasanlagen die Stickstoffbegrenzung aus Wirtschaftsd\u00fcngern f\u00fcr Gr\u00fcnland und Acker. Denn bei der Verg\u00e4rung von Energiepflanzen bleiben die N\u00e4hrstoffe nahezu vollst\u00e4ndig im Substrat. Entzogen wird durch das Biogasgemisch im wesentlichen Kohlenstoff, der durch die Verbrennung wieder als lebensnotwendiges CO<sub>2<\/sub> den Pflanzen zur Verf\u00fcgung steht. <\/p>\n<p>Nicht nur der Stickstoff, alle N\u00e4hrstoffe, die durch die Energiepflanze aufgenommen wurden, bleiben im Kreislauf und f\u00fchren somit auch nicht zu einer Mehrbelastung des \u00d6kosystems. Deshalb sind Stickstoff-Obergrenzen hinf\u00e4llig.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20040413-05\/MaisAbb3.gif\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"MaisAbb3\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><\/p>\n<p><b>Wir halten fest:<\/b> <br \/>Der Anbau von Energiepflanzen f\u00fcr die Biogasproduktion wird an Bedeutung gewinnen. Eine Verdoppelung der Fl\u00e4chenleistung beim Silomais ist m\u00f6glich und die Rentabilit\u00e4t kann verbessert werden. Auch f\u00fcr kleinere Betriebe wird so die Energieproduktion interessant. <\/p>\n<p>Fruchtfolgen m\u00fcssen verst\u00e4rkt auf den Energiepflanzenanbau ausgerichtet werden. Mischfruchtanbausysteme, die schon l\u00e4ngst in Vergessenheit geraten sind, k\u00f6nnten wieder aktuell werden. Nach dem Motto: Die Erbse neben dem Mais liefert den Stickstoff f\u00fcr den Mais, zusammen liefern sie ein hoch verdauliches und massereiches Futtermittel f\u00fcr die Biogasanlage. Hierin liegt ein gro\u00dfes Potenzial, das es zu nutzen gilt.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biogas-der-landwirt-als-stromversorger\/\" >2003-11-19<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Silomais konzentrierten sich Pflanzenbau und Pflanzenz&uuml;chtung bisher ausschlie&szlig;lich auf die Optimierung der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung. 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