{"id":69724,"date":"2019-12-18T07:20:20","date_gmt":"2019-12-18T06:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=69724"},"modified":"2019-12-13T13:16:59","modified_gmt":"2019-12-13T12:16:59","slug":"oeffentliche-beschaffung-von-biobasierten-produkten-potenziale-nicht-ausgeschoepft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oeffentliche-beschaffung-von-biobasierten-produkten-potenziale-nicht-ausgeschoepft\/","title":{"rendered":"\u00d6ffentliche Beschaffung von biobasierten Produkten: Potenziale nicht ausgesch\u00f6pft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_69726\" aria-describedby=\"caption-attachment-69726\" style=\"width: 263px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/fileadmin\/news\/fnr\/2019\/PM_2019-44_Studie_Uni_W%C3%BCrzburg_%C3%96ff._Beschaffung_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-69726 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/csm_PM_2019-44_Studie_Uni_Wu--rzburg_O--ff._Beschaffung_klein_6dc5cb8078.jpg\" alt=\"csm_PM_2019-44_Studie_Uni_Wu\u0308rzburg_O\u0308ff._Beschaffung_klein_6dc5cb8078\" width=\"263\" height=\"175\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-69726\" class=\"wp-caption-text\">Zwei Ergebnisse der Umfragen lauten: \u201eDie Bedeutung der \u00f6kologischen Nachhaltigkeit wird lediglich von knapp 30 Prozent der befragten \u00f6ffentlichen Verwaltungen als bedeutend eingesch\u00e4tzt.\u201c \u201eUm die \u00f6ffentliche Beschaffung biobasierter Produkte voran zu bringen, w\u00e4ren u.a. verbindliche rechtliche oder verwaltungsinterne Vorgaben eine besonders wirksame Ma\u00dfnahme.\u201c Foto: FNR\/Michael Schnurr<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u201eAuch nach Projektende ist die umweltfreundliche Beschaffung im Allgemeinen und insbesondere von biobasierten Produkten noch lange nicht \u00fcberall in der Praxis angekommen. Grunds\u00e4tzlich genie\u00dfen biobasierte Produkte ein positives Image bei vielen Beschaffern, aber durch die extrem verbreitete und recht einseitige Fokussierung auf den Einstandspreis kommen sie selten zum Zuge\u201c, erkl\u00e4rt Professor Ronald Bogaschewsky von der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg.\u00a0 Das Team um den Wirtschaftswissenschaftler befragte im Rahmen eines Projektes zur biobasierten \u00f6ffentlichen Beschaffung Eink\u00e4ufer der \u00f6ffentlichen Hand sowie Anbieter biobasierter Produkte. In diesem Rahmen wurde auch die Onlineplattform \u201eExpertengruppe Biobasierte Produkte\u201c innerhalb des Verwaltungs- und Beschaffernetzwerks <a href=\"https:\/\/www.vubn.de\/\" target=\"_blank\">www.VuBN.de<\/a> realisiert, auf der sich Beschaffer und Anbieter biobasierter Produkte vernetzen und informieren k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Das vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) \u00fcber den Projekttr\u00e4ger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gef\u00f6rderte Projekt endete am 30.11.2019. Informationen stehen auf fnr.de unter dem F\u00f6rderkennzeichen <a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/index.php?id=11150&amp;fkz=22027215\" target=\"_blank\">22027215<\/a> zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Auftraggeber fragen biobasierte Produkte nach wie vor nur in relativ geringem Umfang nach. An der Identifikation der Ursachen und deren Behebung arbeiten Forscher der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg um Professor Ronald Bogaschewsky. Zur Analyse der Ist-Situation wurden umfangreiche deutschlandweite Befragungen durchgef\u00fchrt, an denen sich in den vergangenen drei Jahren insgesamt 2.627 \u00f6ffentliche Auftraggeber und 547 Anbieterunternehmen beteiligten. Damit beide Seiten gemeinsam unter wissenschaftlicher Begleitung am Abbau der bestehenden Probleme arbeiten k\u00f6nnen, hat das Team zudem eine kostenfreie, einfach nutzbare und komfortable Kommunikationsplattform entwickelt: \u00d6ffentliche Eink\u00e4ufer und Anbieter biobasierter Produkte k\u00f6nnen sich innerhalb des bereits etablierten Verwaltungs- und Beschaffernetzwerks <a href=\"https:\/\/www.vubn.de\/\" target=\"_blank\">www.VuBN.de<\/a> an der \u201eExpertengruppe Biobasierte Produkte\u201c beteiligen und austauschen. Unter anderem sind dort Materialien zu \u201eBest-Practices\u201c und \u201eLessons Learned\u201c vorhanden. Interessenten k\u00f6nnen sich <a href=\"https:\/\/www.vubn.de\/anmeldung\/experten-bio-produkte\" target=\"_blank\">hier<\/a> (Beschaffer) bzw. <a href=\"https:\/\/www.vubn.de\/anbieter\/anmeldung\/experten-bio-produkte\" target=\"_blank\">hier<\/a> (Anbieter) registrieren.<\/p>\n<p>Als Ergebnis der in den letzten drei Jahren durchgef\u00fchrten Befragungen stellten sich folgende H\u00fcrden als besonders relevant heraus:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Einstandspreis der biobasierten bzw. \u00f6kologisch nachhaltigen Produkte wird als zu hoch empfunden.<\/li>\n<li>Die starke Fokussierung der Verwaltungen auf den Einstandspreis steht einer verst\u00e4rkten Beschaffung biobasierter\/nachhaltiger Produkte im Wege.<\/li>\n<li>Es bestehen weiterhin Zweifel an der ad\u00e4quaten Qualit\u00e4t, Leistung und\/oder Technik von biobasierten\/nachhaltigen Produkten.<\/li>\n<li>Es wird als schwierig empfunden, die Bedarfsspezifikation inhaltlich auf biobasierte Produkte zuzuschneiden. Eine direkte Forderung der Materialeigenschaft \u201ebiobasiert\u201c ist vergaberechtlich nicht m\u00f6glich. H\u00e4ufige Praxis ist die Forderung nach Umweltzertifikaten, diese heben aber nur selten direkt auf biobasierte Rohstoffe ab.<\/li>\n<li>Anbieter biobasierter\/nachhaltiger Produkte sind f\u00fcr \u00f6ffentliche Beschaffer nur schwer zu identifizieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Anbieter biobasierter Produkte nehmen zus\u00e4tzlich den b\u00fcrokratischen Aufwand und die Pflicht zur elektronischen Angebotsabgabe als Hemmnisse wahr. Nach wie vor besteht bei ihnen der Wunsch nach Hilfestellungen bei Ausschreibungen und Angebotserstellung.<\/p>\n<p>Zu den H\u00fcrden, die nach Meinung der \u00f6ffentlichen Verwaltungen im Laufe der Jahre am st\u00e4rksten abgenommen haben, z\u00e4hlen ein mangelndes Bewusstsein f\u00fcr die zunehmende Knappheit\/Endlichkeit von Ressourcen, ein eher gering ausgepr\u00e4gter Wille zur Beschaffung biobasierter\/nachhaltiger Produkte und etwaige Zweifel an ad\u00e4quater Qualit\u00e4t, Leistung und Technik dieser Produkte.<\/p>\n<p>Bei den Anbieterunternehmen hat sich die negative Sichtweise der \u00f6ffentlichen Beschaffung der eigenen Produkte im Laufe der letzten drei Jahre eher noch verst\u00e4rkt. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in der im Laufe der Jahre stetig gesunkenen Anzahl \u00f6ffentlicher Ausschreibungen wider, um die sich die Anbieterunternehmen beworben haben. Zu den H\u00fcrden, die aus ihrer Sicht vergleichsweise am meisten im Laufe der Jahre zunahmen, z\u00e4hlen die B\u00fcrokratie der Beschaffungsprozesse, die sehr starke Fokussierung der \u00f6ffentlichen Verwaltungen auf den Preis und die Pflicht zur elektronischen Angebotsabgabe.<\/p>\n<p>Obwohl \u00f6ffentlichkeitswirksame Diskussionen um die nachhaltige Ausrichtung der Gesellschaft zugenommen haben, sind die Beschaffungsaktivit\u00e4ten der \u00f6ffentlichen Hand gr\u00f6\u00dftenteils unver\u00e4ndert geblieben und insgesamt nur geringf\u00fcgig auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Um die beschriebene Realisierungsl\u00fccke zu verringern, m\u00fcssen vor allem vom Gesetzgeber sowie von den jeweiligen Verwaltungen konkrete Zielsetzungen entwickelt und vorgegeben sowie ad\u00e4quate Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden, um die Beschaffung biobasierter Produkte weiter voranzutreiben.<\/p>\n<p>Die Vollversionen der Studien der letzten drei Jahre k\u00f6nnen Sie hier herunterladen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vubn.de\/studienergebnisse\" target=\"_blank\">Studien \u00f6ffentliche Auftraggeber und Anbieterunternehmen<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Hintergrund<\/h3>\n<p>Mit einem finanziellen Volumen von 250 bis 400 Mrd. Euro kommt der \u00f6ffentlichen Beschaffung in Deutschland eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden \u00f6ffentliche Auftraggeber vielfach in der Pflicht gesehen, eine Vorbildfunktion einzunehmen und nachhaltig zu beschaffen.<\/p>\n<p>Biobasierte Produkte sind Produkte, die anteilig oder vollst\u00e4ndig aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und damit in der Regel als \u00f6kologisch nachhaltig gelten. Sie tragen zur Versorgungssicherheit bei, da sie Produkte aus endlichen Ressourcen wie Erd\u00f6l ersetzen. Au\u00dferdem weisen sie h\u00e4ufig Umweltvorteile auf, etwa bei der Entsorgung: Ihre Verbrennung oder Verg\u00e4rung ist weniger oder kaum klimasch\u00e4dlich, da aus dem Produkt selbst nur die Menge CO<sub>2<\/sub> freigesetzt wird, die die Pflanzen zuvor im Wachstum gebunden haben. Hinzuzurechnen und einem Vergleich zu unterziehen ist dabei der Herstellungs- und Bereitstellungsaufwand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAuch nach Projektende ist die umweltfreundliche Beschaffung im Allgemeinen und insbesondere von biobasierten Produkten noch lange nicht \u00fcberall in der Praxis angekommen. 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