{"id":6936,"date":"2004-04-23T00:00:00","date_gmt":"2004-04-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040423-01n"},"modified":"2004-04-23T00:00:00","modified_gmt":"2004-04-22T22:00:00","slug":"bio-kunststoff-darf-noch-nicht-in-die-biotonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-kunststoff-darf-noch-nicht-in-die-biotonne\/","title":{"rendered":"Bio-Kunststoff darf noch nicht in die Biotonne"},"content":{"rendered":"<p><b>Bio-Kunststoffe sind nach Ansicht der Interessengemeinschaft biologisch abbaubarer Werkstoffe (IBAW) bereits reif f\u00fcr den Markt. W\u00e4hrend sie im Ausland vor allem bei kompostierbaren Verpackungen schon gut Fu\u00df fassen k\u00f6nnen, behindert in Deutschland aber noch ein Verordnungsbollwerk den Durchbruch f\u00fcr ihren Einsatz in konkurrenzf\u00e4higem Industriema\u00dfstab.<\/b><\/p>\n<p>Vor nicht einmal einem Jahr hat sich der niederl\u00e4ndische Ableger der Interessengemeinschaft biologisch abbaubarer Werkstoffe (IBAW), Berlin, gegr\u00fcndet. Und schon hat er die Regierung \u00fcberzeugt: ab 1. Mai d\u00fcrfen Niederl\u00e4nder Verpackungen aus Bio-Kunststoffen in die Biotonne werfen. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20040423-01\/HaraldKaebDemo.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"HaraldKaebDemo\"\/>Von derartiger Entscheidungsfreude kann der IBAW- Vorsitzende Dr. Harald K\u00e4b in Deutschland nur tr\u00e4umen. Denn Bund, L\u00e4nder und Kommunen k\u00f6nnen sich einfach nicht dazu durchringen, die Biotonnen f\u00fcr diese kompostierbaren Werkstoffe (BAW) zu \u00f6ffnen. Der Knackpunkt: um mit den Produkteigenschaften rein synthetischer Kunststoffe konkurrieren zu k\u00f6nnen, mischen die Hersteller auch den Kunststoffen auf St\u00e4rke-, Zucker- oder Pflanzen\u00f6lbasis noch bis zu 50 % synthetische Weichmacher bei. Doch Bioabfall und D\u00fcngemittelverordnung lassen in Deutschland f\u00fcr die Biotonne nur solche Verpackungsmaterialien zu, die einzig und allein nachwachsende Rohstoffe enthalten.<br style=\"clear:left;\"\/><br \/>&#8220;Der Gesetzgeber stellt sein Ziel, so viel nachwachsende Rohstoffe wie m\u00f6glich einzusetzen, an den Anfang des innovativen Prozesses, und f\u00fchrt ihn damit ad absurdum&#8221;, kritisiert K\u00e4b. Der IBAW-Vorsitzende schl\u00e4gt statt verfr\u00fchter Rohstoffquoten ein Zertifizierungsverfahren vor, das der von 30 Unternehmen getragene Branchenverband mit der unabh\u00e4ngigen Zertifizierungsstelle <a href=\"http:\/\/www.dincertco.de\/\" >DIN Certco<\/a> und verschiedenen Fachverb\u00e4nden entwickelt hat. Auf Grundlage diverser Pr\u00fcfnormen (DIN EN 13432, DIN V 54900) erhalten nur solche BAW das Zertifikat, die binnen zehn Wochen ohne kritische R\u00fcckst\u00e4nde verrotten.<\/p>\n<p>Diese Anforderung schaffen auch Kunststoffe mit synthetischen Anteilen. Die problemlose Verwendbarkeit des Komposts, der aus ihnen entsteht, hat laut den IBAW-Informationen ein <a href=\"http:\/\/www.modellprojekt-kassel.de\/\" >Modellprojekt in Kassel<\/a> bereits nachgewiesen. Weder in Laboranalysen noch bei einem landwirtschaftlichen Feldversuch seien Qualit\u00e4tseinbu\u00dfen festgestellt worden. &#8220;Man kann zertifizierte BAW also problemlos f\u00fcr die Biotonne zulassen und das w\u00fcrde die Markteinf\u00fchrung erheblich erleichtern&#8221;, ist K\u00e4b \u00fcberzeugt. <\/p>\n<p>Doch es gibt noch eine weitere Bremse f\u00fcr die Markteinf\u00fchrung von BAW-Produkten in der Bundesrepublik \u2013 die deutsche Verpackungsverordnung. Sie ist f\u00fcr J\u00f6ran Reske das &#8220;gravierendste Problem&#8221;. Denn bevor Unternehmen BAW-Verpackungen in den Handel bringen k\u00f6nnten, m\u00fcssten sie daf\u00fcr laut Verpackungsverordnung eine Fl\u00e4chen deckende R\u00fccknahme und Verwertung garantieren, wie der Projektleiter der K\u00f6lner Interseroh Entsorgungsdienstleistung Ende M\u00e4rz auf einer Informationsveranstaltung \u00fcber die Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Markteinf\u00fchrung von Bio-Kunststoffen in Berlin hervorhob. Normalerweise sei das eine Aufgabe von Entsorgungsdienstleistern. Doch die k\u00f6nnen bisher kein Fl\u00e4chen deckendes Recycling-System entwickeln. &#8220;Daf\u00fcr br\u00e4uchten wir mindestens in einem Bundesland Vertr\u00e4ge mit allen Kommunen, die ja die Hoheit \u00fcber die Biotonne haben&#8221;, so Reske. Die Kommunen lie\u00dfen sich aber nicht auf Vertragsgespr\u00e4che ein, solange kaum Bio-Kunststoffe auf dem Markt sind.<\/p>\n<p>Ohne Entsorgungssystem wiederum schrecken die potenziellen Anwender von BAW-Verpackungen \u2013 wie beispielsweise die gro\u00dfen Lebensmittelkonzerne \u2013 vor einem Einsatz zur\u00fcck. &#8220;Wir haben hier ein typisches Henne-Ei-Problem&#8221;, erkl\u00e4rte Reske. Um es zu l\u00f6sen, schl\u00e4gt der Interseroh-Experte eine befristete Ausnahmeregelung vor, die Bio-Kunststoffe vorerst vom Anspruch eines Fl\u00e4chen deckenden Entsorgungssystems befreit.<\/p>\n<p>Rheinland-Pfalz habe im Bundesrat gerade eine Initiative f\u00fcr eine Ausnahmeregelung gestartet, doch die Chancen daf\u00fcr st\u00fcnden schlecht. Denn wegen des Dosenpfand-Streits, so Reske, sei die anstehende Novelle der Verpackungsverordnung zwischen Bundestag und Bundesrat nachhaltig blockiert. Angesichts dieser Realit\u00e4t warf Reske einen sehns\u00fcchtigen Blick in die Niederlande: &#8220;Die politisch Verantwortlichen unterst\u00fctzen dort die schnelle Markeinf\u00fchrung, weil sie darin einen wichtigen Schritt zur nachhaltigen Umgestaltung der Chemieproduktion sehen&#8221;, argumentierte der BAW-Bef\u00fcrworter. Dass die Entsorgungsfrage noch nicht perfekt gel\u00f6st sei, spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>Laut K\u00e4b hat die Kunststoffindustrie weltweit inzwischen mehr als 1 Mrd. \u20ac in Forschung, Entwicklung und Produktionsanlagen f\u00fcr BAW investiert. Sie werde den eingeschlagenen Weg ganz sicher weiter verfolgen, die Frage sei nur, &#8220;welche Rolle Deutschland dabei spielen wird&#8221;, warnte der IBAW-Chef davor, das gro\u00dfe Innovationspotenzial dieser Werkstoffklasse durch unangepasste Rahmenbedingungen nicht nutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>BAW bleiben hierzulande in der \u00d6ko-Nische, warnte auch Dr. Ursula Seeliger. Damit, so die f\u00fcr Spezialkunststoffe zust\u00e4ndige Expertin der BASF, Ludwigshafen, drohe Deutschland den Anschluss zu verlieren, obwohl Grundlagenforschung, Zertifizierung und erste Modellversuche hier ihren Ursprung h\u00e4tten und dabei jeweils reichlich Steuergelder geflossen seien. Deutlich machte das Seeliger an einem Beispiel aus ihrem eigenen Gesch\u00e4ft: obwohl BASF den zertifizierten Biokunststoff &#8220;<a href=\"\" >Ecoflex<\/a>&#8221; in Deutschland produziere, verkaufe man davon in Japan neun Mal mehr als hier.<\/p>\n<p>Auch in Norditalien w\u00e4chst das Marktpotenzial der BAW. Stefano Facco, Leiter Technologie und neue Produkte bei <a href=\"http:\/\/www.materbi.it\/i_v\/news\/accordo.html\" >Novamont<\/a>, Novara, konnte berichten, dass sein Unternehmen bereits 70% der gesamten Produktpalette aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt. Ziel sei es, auf 100 % zu kommen. Die Absatzm\u00e4rkte findet Facco in der Schweiz, \u00d6sterreich, Gro\u00dfbritannien oder Italien, wo es bereits erste Produkte gebe, die nur noch aus kompostierbarem Material produziert werden d\u00fcrfen \u2013 zum Beispiel Wattest\u00e4bchen. Weil diese oft an den Filtern der Kl\u00e4ranlagen vorbei bis an die Str\u00e4nde gelangten, m\u00fcssten die Produzenten nun f\u00fcr den z\u00fcgigen nat\u00fcrlichen Verfall ihrer Produkte sorgen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20040423-01\/Biokunststoffe-VDI.pdf\" >Download des Original-Artikels im PDF-Format<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/markteinfuehrung-von-biokunststoffen-auf-dem-weg\/\" >2004-03-31<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biologisch-abbaubaren-werkstoffen-den-marktzugang-oeffnen\/\" >2004-01-28<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/berninger-bio-kunststoffe-haben-grosses-potenzial-fuer-die-landwirtschaft\/\" >2004-01-27<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Bio-Kunststoffe sind nach Ansicht der Interessengemeinschaft biologisch abbaubarer Werkstoffe (IBAW) bereits reif f&uuml;r den Markt. 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