{"id":69042,"date":"2019-11-29T06:45:18","date_gmt":"2019-11-29T05:45:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=69042"},"modified":"2019-11-26T18:04:36","modified_gmt":"2019-11-26T17:04:36","slug":"weniger-direktzahlungen-fuer-landwirte-dann-muesste-ich-sofort-insolvenz-anmelden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/weniger-direktzahlungen-fuer-landwirte-dann-muesste-ich-sofort-insolvenz-anmelden\/","title":{"rendered":"Weniger Direktzahlungen f\u00fcr Landwirte? \u201eDann m\u00fcsste ich sofort Insolvenz anmelden\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ab 2021 soll die neue GAP enger an Umweltauflagen gebunden werden. Auch eine Kappung der Direktzahlungen ab 100.000 Euro ist im Gespr\u00e4ch. Das stellt besonders gro\u00dfe, konventionelle Landwirtschaftsbetriebe vor existentielle Probleme. Denn der Schritt hin zu mehr Umweltschutz ist nicht immer einfach.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft ist ein hartes Gesch\u00e4ft geworden, nicht nur f\u00fcr kleine oder \u00f6kologische Betriebe. L\u00e4ngst machen viel zu niedrige Preise f\u00fcr Lebensmittel, die Abh\u00e4ngigkeit von gro\u00dfen Zulieferern, D\u00fcrren und steigende Landpreise auch konventionellen Gro\u00dfbetrieben stark zu schaffen. \u201eMan hangelt sich von Krise zu Krise. Unser t\u00e4glich Brot ist die Hoffnung\u201c, erz\u00e4hlt der Landwirt Benjamin Meise im B\u00fcro seines Betriebes. Ungef\u00e4hr 3.500 Hektar Land bewirtschaftet der gelernte Betriebswirt in der Region M\u00e4rkisch-Oderland in Brandenburg. Dazu kommt die Haltung von 700 K\u00fchen und 20.000 Legehennen. Schon jetzt sei das Gesch\u00e4ft ein sehr schwierig, sagt Meise, in den letzten acht Jahren habe der Betrieb allein drei Milchkrisen \u00fcberstehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine weitere Krise k\u00f6nnte sich momentan in Br\u00fcssel zusammenbrauen, wo derzeit die GAP ab 2021 verhandelt wird. Dort hat die EU-Kommission in ihrem Vorschlag vorgesehen, die Fl\u00e4chenpremien f\u00fcr Landwirte ab 60.000 Euro pro Betrieb zu reduzieren und ab 100.000 Euro ganz zu kappen. F\u00fcr Benjamin Meise w\u00e4re das eine Katastrophe, wie f\u00fcr fast alle Landwirte machen die Direktzahlungen aus Br\u00fcssel f\u00fcr ihn einen Gro\u00dfteil seiner Einnahmen aus. Von der eigenen Ernte lebt schon lange kein Farmer mehr. \u201eOhne Direktzahlungen sind wir nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig\u201c, so Meise. Sollten die Personalkosten der Betriebe nicht, wie von der Kommission vorgeschlagen, separat angerechnet werden, \u201edann m\u00fcsste ich sofort Insolvenz anmelden.\u201c<\/p>\n<p>EU-Minister uneinig \u00fcber GAP-Pl\u00e4ne<\/p>\n<p>Ob und wie es zu einer Kappung kommt, steht noch lange nicht fest. Zwar hat sich der angehende Agrarkommissar Janusz Wojciechowski f\u00fcr die Idee ausgesprochen. Aber einige Minister im EU-Rat halten weiterhin an den unbegrenzten Fl\u00e4chenpremien fest. Eine von ihnen ist die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Kl\u00f6ckner (CDU). Sie hat bereits angek\u00fcndigt, die Idee nicht zu unterst\u00fctzen. Stattdessen fordert sie, die Auszahlung der Direktzahlungen an konkrete Zielen f\u00fcr mehr Umwelt-, Klimaschutz und Biodiversit\u00e4t zu koppeln.<\/p>\n<p>Diese sogenannten eco-schemes sollen das bisherige Greening ersetzen, 20 Prozent aller Direktzahlungen sollen darauf verwendet werden. Zus\u00e4tzlich sollen Mitgliedsstaaten die M\u00f6glichkeit bekommen, bis zu 30 Prozent ihrer Fl\u00e4chenpremien in die zweite S\u00e4ule der GAP umzulenken. Zusammengenommen hei\u00dft das: Auch ab 2021 wird es noch Direktzahlungen pro Hektar geben, doch sie k\u00f6nnten deutlich st\u00e4rker an bestimmte Umweltauflagen gekn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr viele Umweltsch\u00fctzer nur ein schwacher Ansatz ist, um von einer intensiven und auf Fl\u00e4che ausgelegten Landwirtschaft wegzukommen, k\u00f6nnte f\u00fcr Landwirte wie Benjamin Meise ein ernsthaftes Problem darstellen. Gerne m\u00f6chte er sein Land m\u00f6glichst umweltfreundlich bewirtschaften, doch die Umsetzung ist nicht einfach und erfordert teilweise hohe Investitionen f\u00fcr Umr\u00fcstungen. \u201eVon uns konventionellen Landwirten werden immer mehr \u00f6kologische Vorschriften verlangt. Aber der Preis auf dem Weltmarkt steht nun einmal und wir konkurrieren mit anderen Regionen, w\u00e4hrend sich unsere Produkte dadurch verteuern\u201c, sagt Meise.<\/p>\n<p>Wohin mit so viel Biomilch?<\/p>\n<p>Prinzipiell k\u00f6nnte Benjamin Meise sich auch vorstellen, von konventioneller auf \u00f6kologische Landwirtschaft umzusteigen. Er k\u00f6nnte einige seiner Fl\u00e4chen zwei Jahre lang brach liegen lassen und darauf dann Biofutter f\u00fcr seine K\u00fche anbauen. Doch bei 700 K\u00fchen mangelt es an Abnehmern f\u00fcr so viel Biomilch. Das macht den Schritt weg von der konventionellen Landwirtschaft gerade f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Betriebe wie den seinen nicht einfach. \u201eAu\u00dferdem ist der Biomarkt schon \u00fcberflutet. Die Nachfrage ist begrenzt, denn es gibt viele Leute, die jeden Cent umdrehen m\u00fcssen und sich Bio einfach nicht leisten k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>Und besonders bei Milch ist jeder Cent entscheidend. Derzeit erh\u00e4lt Meise im Schnitt 33 Cent pro Liter. \u201eWenn wir 45 erhalten w\u00fcrden, br\u00e4uchten wir uns keine Sorgen zu machen\u201c. Um sich unabh\u00e4ngiger vom niedrigen Milchpreis zu machen, hat der Landwirt vor einiger Zeit eine gr\u00f6\u00dfere Investition get\u00e4tigt: 16 Milchstationen hat er in der Region Berlin und Brandenburg aufgebaut. Dort k\u00f6nnen Kunden seine Milch direkt kaufen, ohne dass ein Gro\u00dfteil des Preises an einen Zwischenh\u00e4ndler geht.<\/p>\n<p>Die Sorge, dass die Direktzahlungen aus Br\u00fcssel in Zukunft gekappt werden k\u00f6nnten, bleibt trotzdem. Die Unsicherheit besteht weiterhin, denn bis sich Parlament und Rat einig werden, wird es wohl noch Monate dauern. Derzeit pr\u00fcfen die Aussch\u00fcsse des neuen EU-Parlaments, ob sie die Positionen ihrer Vorg\u00e4nger zur neuen GAP mittragen und ins Plenum bringen wollen. Besonders beim Finanzrahmen und der strategischen Planung k\u00f6nnte weiter gefeilt werden. Auch im EU-Rat wird weiter in den Fachgremien beraten. Im Fr\u00fchling, so hofft man, k\u00f6nnten dann die Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament und Rat beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab 2021 soll die neue GAP enger an Umweltauflagen gebunden werden. Auch eine Kappung der Direktzahlungen ab 100.000 Euro ist im Gespr\u00e4ch. Das stellt besonders gro\u00dfe, konventionelle Landwirtschaftsbetriebe vor existentielle Probleme. Denn der Schritt hin zu mehr Umweltschutz ist nicht immer einfach. 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