{"id":68526,"date":"2019-11-18T07:32:04","date_gmt":"2019-11-18T06:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=68526"},"modified":"2019-11-13T16:10:29","modified_gmt":"2019-11-13T15:10:29","slug":"biobasierte-zukunft-im-futurium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biobasierte-zukunft-im-futurium\/","title":{"rendered":"Biobasierte Zukunft im Futurium"},"content":{"rendered":"<p>Im September hat das <a href=\"https:\/\/futurium.de\/de\/presse\/bereits-100000-zukunftsentdeckerinnen-im-futuirum\" target=\"_blank\">Futurium in Berlin<\/a> seine Pforten ge\u00f6ffnet \u2013 und sich zum Publikumsmagneten entwickelt. Die Ausstellungsmacherinnen Rosalina Babourkova und Jasmin Minges erz\u00e4hlen im Doppelinterview, wo es in der Zukunftsschau um Bio\u00f6konomie und biobasierte Innovationen geht und welche Exponate zu ihren pers\u00f6nlichen Favoriten z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nDas Futurium hat seit September 2019 ge\u00f6ffnet. Wie kommen das Haus und die Ausstellung bei den Besucherinnen und Besuchern an?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nRosalina Babourkova: Die Ausstellung und das gesamte Haus werden \u00fcberwiegend sehr positiv von den Besucher*innen aufgenommen. Wir freuen uns, dass innerhalb eines Monats \u00fcber 100.000 Menschen im Futurium waren. Die Veranstaltungen sind sehr gut besucht und wir merken, dass die Themen gro\u00dfen Anklang finden. Wir bekommen aber auch sehr viele Fragen und Anregungen, die wir kontinuierlich sammeln und auswerten werden.<\/p>\n<p>Jasmin Minges: Wir freuen uns besonders dar\u00fcber, dass die Besucher*innen in der Ausstellung miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen. Dass unsere Exponate sie dazu anregen, sich \u00fcber eine m\u00f6glich Zuk\u00fcnfte auszutauschen und zu diskutieren \u2013 untereinander, aber auch mit uns. Das ist ein wichtiges Ziel der Ausstellung, das wir erreichen wollten.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nDas Thema Bio\u00f6konomie nimmt im Futurium einen gro\u00dfen Platz ein. Welche Exponate weisen den Weg in eine biobasierte Zukunft?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nJM: Es gibt zum Beispiel viele spannende Exponate, die zeigen, wie es uns gelingen k\u00f6nnte, in Zukunft in einer Welt ohne M\u00fcll zu leben. Die Besucher*innen k\u00f6nnen neue Materialien entdecken, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden und auch vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar sind, oder es k\u00fcnftig sein sollen. Flip-Flops aus Algen zum Beispiel, eine kompostierbare Lampe oder biologisch abbaubare Kunststoffe aus Orangenschalen. Man kann aber auch einen Blick in eine ideale Kreislauffabrik werfen und schauen, wie dort die Herstellungsprozesse so organisiert werden k\u00f6nnen, dass in der Industrie weniger Abf\u00e4lle entstehen.<\/p>\n<p>RB: Auch Baustoffe k\u00f6nnten in Zukunft nachwachsend sein. Wir zeigen den Prototyp einer tragenden Struktur, dessen Bauelemente aus Myzelium \u2013 den Wurzeln von Pilzen \u2013 und pflanzlichen Abf\u00e4llen gewachsen sind. Dazwischen befinden sich kleinere Elemente aus Bambus, die die Struktur verst\u00e4rken. Bambus w\u00e4chst sehr schnell, bindet dabei viel CO2 und kommt in vielen Teilen der Welt vor. Als Baumaterial ist Bambus zugleich stark und flexibel. Forscher*innen testen gerade, wie sich Bambus als Bewehrungsmaterial f\u00fcr Beton eignen k\u00f6nnte, um Stahl zu ersetzen.<\/p>\n<p>Jasmin Minges ist ebenfalls Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ausstellungsteam des Futuriums. Sie studierte europ\u00e4ische Ethnologie, neuere und neueste Geschichte und Kultur, Kommunikation &amp; Management.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nWelche Ideen m\u00f6chten Sie mit diesem Bereich transportieren?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nJM: In einem Teil der Ausstellung fragen wir, wie wir die Natur neu denken k\u00f6nnen. Wir schaden der Umwelt und dem Klima im Moment massiv. Dass der Mensch auch weiterhin in die Umwelt eingreifen wird, ist sicher. Aber wie schaffen wir es, unsere Bed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen, ohne die Natur noch mehr zu zerst\u00f6ren? Wir stellen Beispiele vor, wie wir zu neuen L\u00f6sungen kommen, wenn wir die Natur erhalten und sie erforschen, zu nachhaltigeren L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>RB: Und es gibt noch eine wichtige Botschaft: Es gibt schon viele verschiedene L\u00f6sungen. Forscher*innen, Designer*innen oder Unternehmer *innen arbeiten schon jetzt daran, wie wir Ressourcen schonen und die M\u00fcllberge verringern k\u00f6nnen. Es gibt aber auch noch H\u00fcrden zu \u00fcberwinden. Wir m\u00fcssen uns zum Beispiel dar\u00fcber Gedanken machen, welche nachwachsenden Rohstoffe wir nutzen sollten und welche zu gro\u00dfe Ackerfl\u00e4chen ben\u00f6tigen w\u00fcrden, auf denen wir besser Nahrungsmittel herstellen k\u00f6nnten, oder ob wir weiter so gro\u00dfe Mengen Verpackungsmaterial ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nWelches biobasierte Ausstellungselement ist Ihr pers\u00f6nlicher Favorit und warum?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nRB: Mein Favorit hat wieder was mit dem Thema Bauen zu tun. Es gibt ein spannendes Modell von einem Haus: Eine Testwohnung, an der auch gerade geforscht wird \u2013 das \u201eNEST-Unit Urban Mining &amp; Recycling (UMAR)\u201c. Die Testwohnung ist ein Projekt von Werner Sobek mit Dirk Hebel und Felix Heisel und befindet sich im Forschungsgeb\u00e4ude der Eidgen\u00f6ssischen Forschungs- und Materialpr\u00fcfanstalt (Empa) in der Schweiz. Wir haben es in unserem Modell im Futurium auseinandergenommen und zeigen die unterschiedlichen Materialschichten. Es gibt zum Beispiel eine D\u00e4mmschicht aus Jeans oder Getr\u00e4nkekartons. Das UMAR ist ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, wie Baustoffe aus alten Bauwerken und Gebrauchsgegenst\u00e4nden in dem Neubau einflie\u00dfen k\u00f6nnen. Auch sind alle Teile der Wohnung so miteinander verbunden, dass sie vollst\u00e4ndig und sortenrein zur\u00fcckgewonnen und wiederverwendet oder verwertet werden k\u00f6nnen. Nach diesem Prinzip k\u00f6nnen auch komplexe Produkte wie ein ganzes Haus kreislauff\u00e4hig gestaltet werden.<\/p>\n<p>JM: Die gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/artcom.de\/project\/neo-natur\/\" target=\"_blank\">Skulptur im Denkraum Natur<\/a>. Im Gegensatz zu der Testwohnung UMAR ist sie ein abstraktes Kunstwerk. Sie gibt mir ein Gef\u00fchl davon, wie spannend es sein kann, sich von den Formen der Natur inspirieren zu lassen. Und sie l\u00e4dt zum Tr\u00e4umen ein, wie unsere Umwelt in Zukunft aussehen k\u00f6nnte. Die Planung und der Aufbau der Installation waren technologisch hochkomplex. Die Form wurde von einem Algorithmus berechnet, so dass aus nur elf verschiedenen Holzbauteilen eine faszinierende Form entstanden ist. Die Handwerker*innen haben eine Augmented-Reality-Brille genutzt, um die \u00fcber 13.000 Teile an der richtigen Stelle zu platzieren.<\/p>\n<p>Frage<br \/>\nWie sieht Ihre pers\u00f6nliche biobasierte nachhaltige Zukunft aus?<\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nRB: Alles, was ich im Alltag an Produkten konsumiere \u2013 die Kleidung, die ich trage, die Kosmetik, die ich nutze \u2013 besteht aus biologisch abbaubaren Materialien. Verpackungen sind auf das Notwendigste reduziert. Und wenn ein Produkt eine Verpackung braucht, dann ist sie auch biologisch abbaubar. Haushaltsger\u00e4te sind so konstruiert, dass sie nach Gebrauch wieder ganz leicht in ihre Bestandteilen auseinandergenommen werden k\u00f6nnen. Und die einzelnen Materialien kehren wieder in ihren Produktionskreislauf zur\u00fcck. Die ganze Industrie ist logistisch so organisiert, dass man komplexere Produkte ganz leicht an die Hersteller zur\u00fcckschicken kann, die sie dann sortenrein auseinandernehmen und wiederverwerten. Verschiedene Hersteller und Industrien sind in ihren Produktionsprozessen miteinander vernetzt. So k\u00f6nnen sie schnell und einfach wiederverwertete Rohstoffe untereinander beziehen und tauschen und wertvolle Rohstoffe wie Metalle oder Sand m\u00fcssen nicht mehr in der Natur abgebaut werden.<\/p>\n<p>JM: So viele Dinge wie m\u00f6glich werden nachhaltig und fair produziert sein. Ich denke aber auch, wir werden nicht drum herumkommen, unseren Verbrauch zu \u00fcberdenken und unseren Konsum zu reduzieren. Und ich glaube, dass dies nicht unbedingt bedeuten muss, dass es uns wirklich schlechter geht, wenn wir mit weniger auskommen. Die Dinge, die wir benutzen, werden zum Beispiel langlebiger sein, wir werden sie \u00f6fter reparieren oder untereinander tauschen. Die meisten von uns ben\u00f6tigen zum Beispiel nicht 365 Tage im Jahr eine Bohrmaschine. In der Ausstellung zeigen wir viele Projekte und Initiativen, die daf\u00fcr neue und \u00fcberraschende Wege zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nWeitere Informationen<br \/>\nVideo: <a href=\"https:\/\/biooekonomie.de\/node\/104680\" target=\"_blank\">Futurium &#8211; Wie wollen wir leben?<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im September hat das Futurium in Berlin seine Pforten ge\u00f6ffnet \u2013 und sich zum Publikumsmagneten entwickelt. Die Ausstellungsmacherinnen Rosalina Babourkova und Jasmin Minges erz\u00e4hlen im Doppelinterview, wo es in der Zukunftsschau um Bio\u00f6konomie und biobasierte Innovationen geht und welche Exponate zu ihren pers\u00f6nlichen Favoriten z\u00e4hlen. Frage Das Futurium hat seit September 2019 ge\u00f6ffnet. 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