{"id":68376,"date":"2019-11-13T07:26:13","date_gmt":"2019-11-13T06:26:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=68376"},"modified":"2021-09-09T21:26:05","modified_gmt":"2021-09-09T19:26:05","slug":"nationale-wasserstoffstrategie-bedarf-an-gruenem-und-blauem-wasserstoff-aus-dem-in-und-ausland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nationale-wasserstoffstrategie-bedarf-an-gruenem-und-blauem-wasserstoff-aus-dem-in-und-ausland\/","title":{"rendered":"Nationale Wasserstoffstrategie: Bedarf an gr\u00fcnem und blauem Wasserstoff aus dem In- und Ausland"},"content":{"rendered":"<p>Bis zum Jahresende will die Bundesregierung eine nationale Wasserstoffstrategie erarbeiten. Vier Minister ver\u00f6ffentlichten auf einer Konferenz ihr Papier, dass die Richtung der Ausgestaltung wohl schon deutlich vorgibt.<\/p>\n<p>\u201eGasf\u00f6rmige Energietr\u00e4ger, vor allem Wasserstoff, werden ein Schl\u00fcsselrohstoff einer langfristig erfolgreichen Energiewende sein. Gleichzeitig bietet die Herstellung von CO2-freiem und CO2-neutralem Wasserstoff gro\u00dfe industriepolitische Chancen. Diese m\u00fcssen wir nutzen und bereits heute die Weichen daf\u00fcr stellen, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird.\u201c<\/p>\n<p>Dies erkl\u00e4rte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf einer Veranstaltung am Dienstag, auf der rund 700 Teilnehmer \u00fcber eine Nationale Wasserstoffstrategie diskutierten. Die Bundesregierung will eine solche bis zum Jahresende erarbeiten. Zu der Konferenz hatte nicht nur das Bundeswirtschaftsministerium, sondern auch das Verkehrs- und das Bildungsministerium sowie das Ministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit eingeladen. Dies zeigt, welch weitreichender Einfluss des Wasserstoffs gesehen wird. Die vier Minister ver\u00f6ffentlichten zugleich ein Papier, dass als Diskussionsbeitrag f\u00fcr die Nationale Wasserstoffstrategie gedacht ist.<\/p>\n<p>Darin wird betont, dass Wasserstoff \u201eein wichtiges Element f\u00fcr die Energiewende\u201c sei und die Baustein Energieeffizienz und erneuerbare Energien erg\u00e4nzen m\u00fcsse. Dies gelte speziell f\u00fcr \u201eCO2-freien\u201c-Wasserstoff. Dabei wird der Wasserstoff aus Elektrolyseanlagen gewonnen, die erneuerbare Energien nutzen. Allerdings subsummieren die Minister in ihrem Papier unter \u201eCO2-frei\u201c auch \u201eCO2-neutrale Energietr\u00e4ger\u201c, worunter etwa die Erzeugung von Wasserstoff aus Erdgas in Kombination mit CCS-Technologien fielen oder auch kohlenstoffhaltige Energietr\u00e4ger, bei deren Nutzung zwar CO2-Emissionen entstehen, deren Kohlenstoffanteil aber vorher bei der Erzeugung der Atmosph\u00e4re entzogen wurde oder hierf\u00fcr andere Emissionen verhindert wurden. Nach Ansicht der Minister braucht es f\u00fcr die Energiewende \u201emittel- bis langfristig CO2-freien Wasserstoff in der ganzen Bandbreite seiner M\u00f6glichkeiten\u201c. Dies reiche als Energietr\u00e4ger f\u00fcr die chemische Industrie bis hin zur Dekarbonisierung des Schwerlast- und Schiffsverkehrs.<\/p>\n<p>In dem Papier hei\u00dft es weiter: \u201eWasserstoff ist kein neues Thema, es wird seit Jahrzehnten erforscht und erprobt. Deshalb k\u00f6nnen wir nun im gro\u00dfen Stil auf diese Technologien setzen. In Kombination mit den weltweit fallenden Erzeugungskosten f\u00fcr Strom aus erneuerbaren Energien kann CO2-freier Wasserstoff jetzt zu einem wichtigen Baustein der globalen Energiewende werden.\u201c Dabei sehen die Minister gro\u00dfe Chancen f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland. \u201eDie deutsche Wirtschaft ist bereits heute internationaler Vorreiter bei der Entwicklung und dem Export von Wasserstoff- und Power-to-X-Technologien. Diese Rolle wollen wir beim bevorstehenden Markthochlauf von Produktion und Abnahme behaupten. Als Grundlage f\u00fcr unsere internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit setzen wir auf Forschung und Innovation\u201c, hei\u00dft es. Mit der Herstellung der Komponenten sowie Erzeugung und Versorgung mit Wasserstoff werde die regionale Wertsch\u00f6pfung erh\u00f6ht, und es k\u00f6nnten zukunftsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze entstehen.<\/p>\n<p>Import von von gr\u00fcnem und blauem Wasserstoff wird notwendig sein<\/p>\n<p>Zugleich gehen die Minister in ihrem Diskussionsbeitrag nicht davon aus, dass der Bedarf an gr\u00fcnem Wasserstoff komplett in Deutschland erzeugt werden kann. \u201eMittel- und langfristig wird Deutschland CO2-freien Wasserstoff in gr\u00f6\u00dferem Umfang importieren m\u00fcssen. Denn aufgrund der begrenzten Verf\u00fcgbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien und der offenen Frage der Akzeptanz von CCS in Deutschland sind der heimischen Produktion von CO2-freiem Wasserstoff Grenzen gesetzt. Deutschland muss deshalb neben der inl\u00e4ndischen Wasserstoffindustrie parallel auch Importstrukturen f\u00fcr CO2-freien Wasserstoff entwickeln und aufbauen \u2013 je fr\u00fcher, desto besser\u201c, schreiben die Minister in ihrem Papier. Dabei setzen sie besonders auf dem Beitrag des \u201eblauen\u201c Wasserstoffs. W\u00e4hrend der gr\u00fcne Wasserstoff aus Strom aus Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen gewonnen wird, entsteht der blaue auf Basis von Erdgas und CCS-Technologien, die zum Abscheiden und unterirdischen Verpressen des CO2 gebraucht werden. Gro\u00dfes Potenzial sieht die Bundesregierung im Import von gr\u00fcnem und blauen Wasserstoff aus Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Unter der Frage \u201eWas wollen wir?\u201c erkl\u00e4ren die Minister, sie wollten einen \u201esoliden Heimatmarkt\u201c aufbauen, da dieser im internationalen Wettbewerb unverzichtbar sei. Zugleich sei die Erzeugung und Nutzung CO2-freier Energietr\u00e4ger noch nicht wirtschaftlich, so dass die Weiterentwicklung der Technologie vorangetrieben werden solle, um eine z\u00fcgige Kostenreduktion zu erreichen. \u201eNeben einer wettbewerbsf\u00e4higen Produktion von CO2-freiem Wasserstoff braucht es auch einen korrespondierenden Absatzmarkt. Wir wollen daher die Nutzung von Wasserstoff als Energietr\u00e4ger oder als Grundstoff f\u00fcr die stoffliche Verwertung in priorit\u00e4ren Anwendungsbereichen bef\u00f6rdern.\u201c Dazu z\u00e4hlen die Minister Anwendungen in der Industrie und im Verkehr.<\/p>\n<p>In der nationalen Wasserstoffstrategie sollen Aktivit\u00e4ten verzahnt und geb\u00fcndelt werden, um die Erzeugung, den Import und die Nutzung von CO2-freiem Wasserstoff zu einer wichtigen Rolle f\u00fcr die deutsche Wirtschaft zu machen. \u201eDamit schaffen wir einen Rahmen, der die industrie-, energie-, klima-, innovations- und entwicklungspolitischen Chancen von Wasserstoff vereint.\u201c Mit der Strategie soll auch ein Aktionsplan erarbeitet werden, der die notwendigen Schritte aufzeigt.<\/p>\n<p>Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft merkt man zu dem Treffen an: \u201eUnsere sehr gut ausgebaute Gasinfrastruktur aus Fernleitungs- und Verteilnetzen sowie Speichern ist die optimale Basis f\u00fcr den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.\u201c F\u00fcr den Durchbruch von gr\u00fcnem Wasserstoff bed\u00fcrfe es allerdings dringend einer Senkung der Steuer- und Abgabenlast beim Strom. \u201eDie von der Bundesregierung geplante hom\u00f6opathische Senkung der EEG-Umlage reicht bei Weitem nicht aus\u201c, erkl\u00e4rte die neue BDEW-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Kerstin Andreae. \u201eEine weitere zentrale Voraussetzung f\u00fcr die k\u00fcnftige Produktion erneuerbaren Wasserstoffs ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Hemmnisse beim Erneuerbaren-Zubau sind automatisch auch Hemmnisse f\u00fcr die Erschlie\u00dfung der Potenziale von Wasserstoff.\u201c F\u00fcr importierten Wasserstoff forderte Andreae ein \u201etransparentes, unb\u00fcrokratisches Nachweissystem f\u00fcr die Herkunft und Nachhaltigkeit\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zum Jahresende will die Bundesregierung eine nationale Wasserstoffstrategie erarbeiten. Vier Minister ver\u00f6ffentlichten auf einer Konferenz ihr Papier, dass die Richtung der Ausgestaltung wohl schon deutlich vorgibt. \u201eGasf\u00f6rmige Energietr\u00e4ger, vor allem Wasserstoff, werden ein Schl\u00fcsselrohstoff einer langfristig erfolgreichen Energiewende sein. Gleichzeitig bietet die Herstellung von CO2-freiem und CO2-neutralem Wasserstoff gro\u00dfe industriepolitische Chancen. 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