{"id":6824,"date":"2004-03-26T00:00:00","date_gmt":"2004-03-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040326-06n"},"modified":"2004-03-26T00:00:00","modified_gmt":"2004-03-25T22:00:00","slug":"wwf-macht-zum-fruehlingsbeginn-auf-die-bedrohung-von-heilpflanzen-aufmerksam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wwf-macht-zum-fruehlingsbeginn-auf-die-bedrohung-von-heilpflanzen-aufmerksam\/","title":{"rendered":"WWF macht zum Fr\u00fchlingsbeginn auf die Bedrohung von Heilpflanzen aufmerksam"},"content":{"rendered":"<p><b>Viele wilde Arzneipflanzen sind vom Aussterben bedroht!<\/b><\/p>\n<p>Noch schlummern die meisten Gr\u00e4ser, Kr\u00e4uter und Knospen &#8211; doch in K\u00fcrze werden sie alle aus ihrem &#8220;Winterschlaf&#8221; erwachen und uns mit ihrem saftigen Gr\u00fcn und ihren farbenfrohen Bl\u00fcten erfreuen. Viele Pflanzen waren schon in fr\u00fchen Zeiten als Heilpflanzen von gro\u00dfer Bedeutung. Der WWF weist zum Fr\u00fchlingsbeginn darauf hin, dass auch heute noch weltweit rund 40.000 Arten als Heilkr\u00e4uter in Arzneien, Kosmetikprodukten und Tees genutzt werden. Ein Viertel davon ist bedroht. 80 Prozent aller verwendeten Pflanzen stammen aus Wildsammlungen. Der WWF warnt davor, Heilpflanzen zu \u00fcbernutzen, und entwickelt Strategien, um die Best\u00e4nde wild wachsender Pflanzen zu sch\u00fctzen. <\/p>\n<p>&#8220;Wer mehr Pflanzen erntet als wieder nachwachsen, entzieht sich selbst die Grundlage f\u00fcr sein Einkommen&#8221;, warnt Susanne Honnef, Heilpflanzenexpertin des WWF. Der WWF bef\u00fcrwortet die kontrollierte und nachhaltige Sammlung wild wachsender Pflanzen. Ein G\u00fctesiegel f\u00fcr sozial vertr\u00e4glich und nachhaltig bewirtschaftete Heilpflanzen k\u00f6nnte die Best\u00e4nde in ihren nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4umen langfristig erhalten. &#8220;Einkommensschwache Bev\u00f6lkerungsgruppen, zum Beispiel in Osteuropa, k\u00f6nnen mit der Sammlung von Heilpflanzen ihren Lebensunterhalt sichern und setzen gleichzeitig die Umwelt, in der sie leben, in Wert. Beim Sammeln sollen sie aber bestimmte Vorgaben beachten&#8221;, beschreibt Susanne Honnef die Vorteile f\u00fcr die Natur. <\/p>\n<p>Der Heilpflanzen-Markt ist enorm: Jedes Jahr werden weltweit rund 400.000 Tonnen Heilpflanzen mit einem Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar gehandelt. Rein rechnerisch verwenden vier von f\u00fcnf Menschen Heilstoffe aus der Natur. Vor allem f\u00fcr Menschen in \u00e4rmeren Regionen gibt es oft keine Alternative zur &#8220;Apotheke Natur.&#8221; Aber auch in den Industriel\u00e4ndern legen immer mehr Menschen Wert auf nat\u00fcrliche Heilmittel. Ein Drittel des weltweiten Verbrauchs entf\u00e4llt auf Europa. Hier werden rund 2.000 verschiedene Pflanzenarten kommerziell genutzt. Mehr als die H\u00e4lfte davon sind hier heimisch. Deutschland ist innerhalb Europas mit einem Verbrauch von 45.000 Tonnen Rohmaterial pro Jahr Spitzenreiter (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aufwind-fuer-deutschlands-arzneipflanzen\/\" >2003-02-28<\/a>). Die Einsatzm\u00f6glichkeiten von Heilpflanzen sind vielf\u00e4ltig: <\/p>\n<p>&#8211; Schl\u00fcsselblumen helfen bei Erkrankungen der Atemwege. <br \/>&#8211; Das Fr\u00fchlings-Adonisr\u00f6schen wird als Herzmittel eingesetzt. <br \/>&#8211; Huflattich hilft gegen Husten. <br \/>&#8211; B\u00e4rentraube lindert entz\u00fcndliche Erkrankungen der Harnwege. <br \/>&#8211; Gelber Enzian heilt Magenbeschwerden und Verdauungsst\u00f6rungen. <\/p>\n<p><b>Adonisr\u00f6schen-Schlaf ist beendet<\/b><\/p>\n<p>Doch viele der aufgef\u00fchrten Pflanzen sind bedroht: Der Handel mit dem Fr\u00fchlings-Adonisr\u00f6schen wird bereits seit 2000 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen international kontrolliert. Die Schl\u00fcsselblume ist vor allem in Osteuropa durch unkontrollierte Nutzung sowie durch den Verlust des Lebensraumes &#8211; unter anderem durch intensive Landwirtschaft \u2013 in ihrem Bestand gef\u00e4hrdet. Der WWF entwickelt M\u00f6glichkeiten zur Zertifizierung von Heilmitteln, deren Zutaten aus \u00f6kologisch vertr\u00e4glicher Wildsammlung stammen. So k\u00f6nnen die Verbraucher die Sicherung gesunder Heilpflanzen-Best\u00e4nde k\u00fcnftig direkt beeinflussen.<\/p>\n<p>Ein WWF-Beitrag im <a href=\"http:\/\/www.newscientist.com\/news\/news.jsp?id=ns99994538\" >New Scientist<\/a> weist darauf hin, dass bis zu 20 Prozent der 50.000 Arten aussterben k\u00f6nnten, wenn so weiter gesammelt wird wie bisher. Hierf\u00fcr wurde eine Studie von Alan Hamilton heran gezogen, die der Pflanzenexperte des WWF International inzwischen im Fachblatt <a href=\"http:\/\/www.kluweronline.com\/issn\/0960-3115\" >Biodiversity and Conservation<\/a> ver\u00f6ffentlicht hat. <\/p>\n<p>Besonders gef\u00e4hrdet sind nach Angaben der Oranisation <a href=\"http:\/\/www.plantlife.org.uk\/index.htm\" >Plantlife<\/a> exotische Arten wie Tetu Lakha (<i>Nothapodytes foetida<\/i>), ein Baum in den Regenw\u00e4ldern S\u00fcdindiens und Sri Lankas, der f\u00fcr europ\u00e4ische Krebsmittel geerntet wird, Costus bzw. Kusta (<i>Saussurea lappa<\/i>), ein indisches Kraut, dessen Wurzel chronische Hauterkrankungen lindert, und die chinesische lilienartige Fritillaria cirrhosa, die gegen Atemwegsinfektionen eingesetzt wird. Die Populationen der Afrikanischen Kirsche (Stinkholz, <i>Prunus africana<\/i>) sind sogar schon zusammengebrochen, Prostatamittel aus ihrer Rinde wird es nicht mehr geben. Aufgrund steigender Nachfrage waren die B\u00e4ume zuletzt vollst\u00e4ndig &#8211; nicht teilweise, wie fr\u00fcher \u00fcblich &#8211; abgesch\u00e4lt worden.<\/p>\n<p>Der Markt f\u00fcr Medizinalpflanzen in Nordamerika und Europa ist in den vergangenen zehn Jahren j\u00e4hrlich um zehn Prozent gewachsen und setzt heute weltweit rund 16 Mrd. EUR um. Doch weder die verarbeitenden Industrien, noch die vermeintlich umweltbewussteren Anwender pflanzlicher Pr\u00e4parate machen sich gedanken \u00fcber die Folgen. Susanne Honnef vom WWF verweist hier auf die besondere Verantwortung Deutschlands in diesem Markt: &#8220;Wir sind weltweit der viertgr\u00f6\u00dfte Importeur von Heilpflanzen und stehen innerhalb der EU auf Platz eins bei Handel und Verbrauch.&#8221;<\/p>\n<p>Hierzu sei auch der Online-Beitrag der <a href=\"http:\/\/www.aerztezeitung.de\/docs\/2004\/02\/19\/031a1501.asp?cat=\/medizin\/naturheilkunde\" >\u00c4rzte Zeitung<\/a> zitiert:<\/p>\n<p><b>Offenbach, 19.02.2004<\/b> &#8211; Ginseng &#8211; dieser ostasiatischen Pflanze werden ganz besondere Heilkr\u00e4fte zugeschrieben. Seit Jahrtausenden wird die Ginseng-Wurzel in der chinesischen Medizin eingesetzt zur Steigerung von Abwehrkr\u00e4ften und Leistungsf\u00e4higkeit. <\/p>\n<p>Und auch hierzulande ist sie \u00e4u\u00dferst beliebt, der Wurzelextrakt von Panax ginseng wird selbst als Tees und Kosmetika angeboten. Diese Beliebtheit hat Konsequenzen: Es gibt immer weniger wilden Ginseng. <b>Die Pflanze ist vom Aussterben bedroht.<\/b> <\/p>\n<p>\u00c4hnlich kritisch ist die Situation etwa f\u00fcr den amerikanischen Ginseng (Panax quinquefolius), Echinacea-Gew\u00e4chse, Kanadischen Gelbwurz und Kava Kava: Sie und viele andere Arzneipflanzen geh\u00f6ren zu den bedrohten Spezies, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). <\/p>\n<p>In der letzten Woche hat die WHO deshalb Richtlinien zu korrektem Anbau und Sammeln von Heilpflanzen erlassen. Sie richten sich an die Regierungen. Sie sollen verst\u00e4rkt auf Qualit\u00e4t, Sicherheit und Nachhaltigkeit bei der Phytomedizin achten zum Wohle von Patienten und Umwelt. Immerhin sind pflanzliche Therapeutika nicht nur weltweit beliebt, sondern auch ein Riesen-Markt. Die WHO beziffert den Gesamt-Umsatz auf \u00fcber 60 Milliarden US-Dollar. <\/p>\n<p>Es muss auch nicht sein, dass wilde Heilpflanzen mit Stumpf und Stil ausgerissen werden. Oft kann kontrollierter Anbau etwa das Sammeln von Wildpflanzen ersetzen. Die WHO nennt das rosabl\u00fchende Madagaskar-Immergr\u00fcn (<i>Catharanthus roseus<\/i>), das eingesetzt wird gegen Leuk\u00e4mie bei Kindern, als positives Beispiel: Die Pflanze wird inzwischen in gro\u00dfem Stil in Spanien und in den USA angebaut. Dazu muss man allerdings sagen: Das schont zwar den nat\u00fcrlichen Bestand in Madagaskars Regenw\u00e4ldern, doch das arme Land hat nicht viel davon. Es w\u00e4re sinnvoller gewesen, das Immergr\u00fcn direkt in Madagaskar anzubauen. <\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel ist die Teufelskralle (Harpagophytum proumbens), die in den sandigen Steppenregionen der Kalahariw\u00fcste lebt und deren Wurzel bei Rheuma hilft. Auch die wilde Teufelskralle ist inzwischen gef\u00e4hrdet und k\u00f6nnte aussterben, wenn sie weiter so r\u00fccksichtslos gesammelt werde, so die WHO. Hauptexporteur ist Namibia. <\/p>\n<p>Zwischen Januar und August 2000 hat das Land knapp 200 Tonnen Teufelskrallen-Wurzel exportiert. Zwischen 10.000 und 15.000 Menschen in Nambia leben vom Sammeln der Pflanze. Das geschieht ohne R\u00fccksicht, so dass nicht nur der Pflanzenbestand gef\u00e4hrdet ist, sondern diese Menschen deshalb ihren Broterwerb verlieren. <\/p>\n<p>1998 hat eine namibische Farm aber ein Nachhaltigkeits-Projekt gestartet: Die Pflanzen werden nicht radikal geerntet, sondern sie werden gepflegt. So \u00fcberleben die Pflanzen, und die Menschen profitieren langfristig davon. Gleich im ersten Jahr wurden hier \u00fcber 10.000 Kilo garantiert organischer Teufelskrallen-Wurzel produziert. Und dieses Projekt zieht inzwischen Kreise. So geht es also auch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Viele wilde Arzneipflanzen sind vom Aussterben bedroht!<\/b><\/p>\n<p>Noch schlummern die meisten Gr&auml;ser, Kr&auml;uter und Knospen &#8211; doch in K&uuml;rze werden sie alle aus ihrem<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-6824","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6824"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6824\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6824"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6824"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6824"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=6824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}