{"id":68129,"date":"2019-11-05T07:32:59","date_gmt":"2019-11-05T06:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=68129"},"modified":"2019-10-30T14:02:08","modified_gmt":"2019-10-30T13:02:08","slug":"forscher-entwickeln-faserplatten-aus-nachwachsenden-rohstoffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forscher-entwickeln-faserplatten-aus-nachwachsenden-rohstoffen\/","title":{"rendered":"Forscher entwickeln Faserplatten aus nachwachsenden Rohstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Hochdichte Faserplatten (HDF) mit einer Dichte von \u00fcber 800 Kilo pro Kubikmeter sind f\u00fcr die M\u00f6belindustrie und f\u00fcr den Innenausbau derzeit unverzichtbar. Allerdings sind sie mit zwei Problemen behaftet: Zum einen werden die Holzfasern bei der Herstellung in einem Trockenverfahren verpresst und daf\u00fcr mit k\u00fcnstlichen Harzen getr\u00e4nkt, die als nicht besonders umweltfreundlich gelten. Zum anderen sind die Platten nur wenig biegsam. Die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten sind also eingeschr\u00e4nkt. Forscher am Institut f\u00fcr Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) der Universit\u00e4t Stuttgart haben nun eine neue Faserplatte vorgestellt, die beide Probleme l\u00f6sen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die neue Faserplatte hei\u00dft \u201eBioflexi\u201c und wird aus schnell nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. F\u00fcr herk\u00f6mmliche Faserplatten werden in erster Linie Holz, S\u00e4genebenprodukte und Resth\u00f6lzer verwendet. Welche Platte daraus entsteht, h\u00e4ngt vom Herstellungsverfahren und der daraus resultierenden Dichte der Platte ab. Grunds\u00e4tzlich ist Holz zwar auch ein nat\u00fcrlicher Rohstoff, der jedoch im Vergleich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig langsam w\u00e4chst. Au\u00dferdem werden als Bindemittel in der Regel Harze eingesetzt, die Formaldehyd oder Isocyanate beinhalten. Beide Stoffe gelten als risikoreich f\u00fcr die Gesundheit. Eine normale Faserplatte kann daher zwar recycelt werden, sie ist aber nicht kompostierbar.<\/p>\n<p>Grundstoff der flexiblen Faserplatte ist Stroh<br \/>\nDas Team um die Professorin Hanaa Dahy hat hingegen hochdichte Faserplatten entwickelt, die zu 80% bis 90% aus Rohstoffen bestehen, die maximal innerhalb eines Jahres nachwachsen \u2013 und entsprechend g\u00fcnstig sind. Haupts\u00e4chlich experimentierten die Wissenschaftler mit Stroh. Sie pressten Weizen-, Mais-, Reis-, Hafer-, Gersten- und Roggenstrohfasern zu festen Platten.<\/p>\n<p>Die Platten werden mit etablierten Produktionsmethoden hergestellt: Das Stroh wird compoundiert, seine Eigenschaften also durch Additive ver\u00e4ndert. Anschlie\u00dfend wird es gepresst und durch Deckschichten in der gew\u00fcnschten Form fixiert. Dabei ver\u00e4ndert die verwendete Strohart zum Teil auch die Eigenschaften der sp\u00e4teren Platten: Faserplatten aus Reisstroh haben einen Silikat-Anteil, der bei bis zu 20% des Trockenfasergewichts liegen kann. Silikat wirkt auf nat\u00fcrliche Weise feuerhemmend, sodass die DIN 4102-B1 Materialklassifikation \u201eschwer entflammbar\u201c bereits durch den Zusatz rein mineralischer Additive erf\u00fcllt werden kann. Ein weiterer Vorteil der verschiedenen Strohsorten ist die hohe Verf\u00fcgbarkeit. Au\u00dferdem steht es in keinerlei Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, sondern entsteht dabei als Nebenprodukt.<\/p>\n<p>Die zweite Aufgabe der Forscher lautete, einen Ersatz f\u00fcr die gesundheitssch\u00e4dlichen Harze zu finden. Sie entschieden sich daf\u00fcr, ein umweltvertr\u00e4gliches thermoplastisches Elastomer als Bindemittel zu nutzen. Die Faserplatten sind daher nach Angabe der Wissenschaftler praktisch frei von Formaldehyd und Isocyanaten. Dadurch sei nicht nur das Endprodukt umweltfreundlicher und besser f\u00fcr die Gesundheit, auch im Herstellungsprozess sollen die gesundheitlichen Risiken f\u00fcr die Mitarbeiter in der Produktion geringer ausfallen.<\/p>\n<p>Bindemittel erm\u00f6glichen unterschiedliche Formbarkeit<br \/>\nDas Forscherteam hat zudem mit verschiedenen Bindemitteln experimentiert und auf diese Weise unterschiedliche Faserplatten hergestellt, die in Flexibilit\u00e4t und Stabilit\u00e4t voneinander abweichen. Eine Produktpalette f\u00fcr verschiedene Anwendungsbereiche w\u00e4re dementsprechend m\u00f6glich. Wasserfeste und farbige Laminierungen seien ebenfalls erfolgreich getestet worden.<\/p>\n<p>Besonders wichtig ist den Wissenschaftlern die Formbarkeit von Bioflexi, da sie unter anderem architektonische Freiform-Applikationen erm\u00f6gliche. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Herstellung von M\u00f6beln. Ein weiteres Beispiel sei die Produktion von Bodenbelag mit rutschhemmenden und schlagabsorbierenden Eigenschaften.<\/p>\n<p>Die Faserplatten sind vollst\u00e4ndig kompostierbar<br \/>\nDas Wichtigste ist aber: Die Faserplatten lassen sich nach Ansicht der Entwickler nicht nur recyceln, sondern auch gefahrlos kompostieren. Das Produkt ist sicherlich vor allem f\u00fcr Ingenieure interessant, die sich mit Innenausbauten befassen. Sie k\u00f6nnen vermutlich bald mit einer Markteinf\u00fchrung rechnen. Denn Patente f\u00fcr die flexible HDF-Faserplatte \u201eBioflexi\u201c wurden in den USA und in Europa bereits erteilt (validiert in DE, FR, GB &amp; NL). Auch in Malaysia l\u00e4uft eine Patentanmeldung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jobsuche f\u00fcr Ingenieure<\/p>\n<p>Mit der wirtschaftlichen Umsetzung hat die Universit\u00e4t Stuttgart die Technologie-Lizenz-B\u00fcro (TLB) GmbH beauftragt, die jetzt Industriepartner sucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochdichte Faserplatten (HDF) mit einer Dichte von \u00fcber 800 Kilo pro Kubikmeter sind f\u00fcr die M\u00f6belindustrie und f\u00fcr den Innenausbau derzeit unverzichtbar. Allerdings sind sie mit zwei Problemen behaftet: Zum einen werden die Holzfasern bei der Herstellung in einem Trockenverfahren verpresst und daf\u00fcr mit k\u00fcnstlichen Harzen getr\u00e4nkt, die als nicht besonders umweltfreundlich gelten. 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