{"id":67968,"date":"2019-10-31T07:26:48","date_gmt":"2019-10-31T06:26:48","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=67968"},"modified":"2019-10-28T12:32:19","modified_gmt":"2019-10-28T11:32:19","slug":"studie-zur-aufforstung-in-der-kritik-nur-wald-ist-auch-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/studie-zur-aufforstung-in-der-kritik-nur-wald-ist-auch-keine-loesung\/","title":{"rendered":"Studie zur Aufforstung in der Kritik: Nur Wald ist auch keine L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p>Auch beim Klimaschutz wachsen die B\u00e4ume nicht so einfach in den Himmel. Eine <a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/365\/6448\/76\" target=\"_blank\">wissenschaftliche Studie<\/a>, die im Juli f\u00fcr Aufsehen sorgte, weil sie in der Aufforstung von W\u00e4ldern ein probates Mittel zur globalen CO<sub>2<\/sub>-Reduktion versprach, wird nun von anderen Wissenschaftlern heftig kritisiert.<\/p>\n<p>Die Untersuchung der ETH Z\u00fcrich, die von ihren Autoren unter dem Titel \u201eWie B\u00e4ume das Klima retten k\u00f6nnten\u201c beworben wurde, \u00fcbersch\u00e4tze das CO<sub>2<\/sub>-Reduktionspotenzial um das F\u00fcnffache, vernachl\u00e4ssige die Speicherung von Kohlenstoff in den B\u00f6den und verkenne die Tatsache, dass nicht alle B\u00e4ume das Klima k\u00fchlten, so die Kritik, die in einem aktuellen <a href=\"https:\/\/www.sciencedaily.com\/releases\/2019\/10\/191021135029.htm\" target=\"_blank\">Aufsatz in der Zeitschrift Science<\/a> von einer internationalen Forschergruppe ge\u00e4u\u00dfert wurde. Die Autoren der urspr\u00fcnglichen Studie verteidigen dagegen ihre Arbeit.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Studie zeigt deutlich, dass Fl\u00e4chen zu bewalden derzeit die beste verf\u00fcgbare L\u00f6sung gegen den Klimawandel ist\u201c, hatte der Co-Autor der Studie und ETH-Professor Tom Crowther gesagt. Auf knapp einer Milliarde Hektar, der Gr\u00f6\u00dfe der USA, sei derzeit weltweit genug Platz, um B\u00e4ume zu pflanzen. Diese k\u00f6nnten durch ihr Wachstum etwa 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff der Luft entziehen, zwei Drittel der Menge, die seit der industriellen Revolution in die Luft geblasen wurden.<\/p>\n<p>Crowthers Arbeitsgruppe an der ETH Z\u00fcrich wird unter anderem vom Bundesministerium f\u00fcr Entwicklung (BMZ) mitfinanziert. Die Studie wurde als Argument genutzt, Klimawandel, l\u00e4ndliche Entwicklung und Bewahrung der Artenvielfalt zusammen voranzubringen.<\/p>\n<p>Der Wald ist nur ein \u00d6kosystem von vielen<\/p>\n<p>Schon damals gab es vereinzelt Kritik an den Annahmen der Studie. Nun kommt von einer Forschungsgruppe rund um Joseph Veldman von der Texas A&amp;M Universit\u00e4t eine echte Breitseite: \u201eDie Annahmen zum Kohlenstoffspeicher sind etwa f\u00fcnfmal zu gro\u00df\u201c, schreiben sie. Denn die Autoren h\u00e4tten untersch\u00e4tzt, wie viel Kohlenstoff auch in Grasland und Mooren gespeichert werde, wenn dort keine B\u00e4ume stehen.<\/p>\n<p>Manchmal sei das sogar mehr als in W\u00e4ldern. Savannen und Grasland seien keine minderwertigen \u00d6kosysteme, die man durch Aufforstungen \u201ewiederherstellen\u201c m\u00fcsse, sondern uralte und wichtige Bestandteile der nat\u00fcrlichen Vegetation.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem, so die Kritik, vernachl\u00e4ssigten die Forscher, dass B\u00e4ume nicht \u00fcberall zur Abk\u00fchlung des Planeten beitragen: In den n\u00f6rdlichen Gebieten oder in Bergregionen tr\u00fcgen B\u00e4ume sogar zur Erw\u00e4rmung bei: Nadelb\u00e4ume sind das ganze Jahr \u00fcber dunkler als der schneebedeckte Boden im Winter, daher bleibe mehr W\u00e4rmeenergie an der Oberfl\u00e4che und werde nicht abgestrahlt.<\/p>\n<p>Die Gruppe unterst\u00fctzt grunds\u00e4tzlich die Idee, mit Aufforstung zum Klimaschutz beizutragen: Neue B\u00e4ume k\u00f6nnten immerhin 42 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern, etwa soviel wie vier Jahre der globalen Emissionen auf heutigem Niveau. Es m\u00fcsse aber auch klar sein, \u201edass sie kein Ersatz daf\u00fcr sind, die meisten Emissionen aus fossilen Brennstoffen zu beenden.\u201c<\/p>\n<p>Die Autoren der urspr\u00fcnglichen Studie haben einger\u00e4umt, der Hunger nach Weideland k\u00f6nne in der Zukunft weniger Regionen zur Aufforstung lassen. Dennoch beharren sie auf ihren Grundaussagen und darauf, den verf\u00fcgbaren Platz konservativ berechnet zu haben. Ihre Kritiker bleiben trotzdem dabei: die Grundaussage sei gewesen, dass Aufforstung \u201eweltweit die beste L\u00f6sung f\u00fcr die Eind\u00e4mmung des Klimawandels\u201c w\u00e4re. \u201eWir wissen jetzt, dass diese Annahme falsch war.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch beim Klimaschutz wachsen die B\u00e4ume nicht so einfach in den Himmel. 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