{"id":6749,"date":"2004-02-13T00:00:00","date_gmt":"2004-02-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040213-02n"},"modified":"2004-02-13T00:00:00","modified_gmt":"2004-02-12T22:00:00","slug":"faerberwaid-heilen-und-gleichzeitig-blau-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/faerberwaid-heilen-und-gleichzeitig-blau-machen\/","title":{"rendered":"F\u00e4rberwaid: Heilen und gleichzeitig blau machen"},"content":{"rendered":"<p>Der &#8220;F\u00e4rberwaid&#8221;, eine im Mittelalter in Th\u00fcringen angebaute Nutzpflanze, hat einst Erfurt und anderen St\u00e4dten des Th\u00fcringer Beckens zu Reichtum verholfen. Denn der aus getrockneten Pflanzen gewonnene blaue Farbstoff (Indigo), der zum F\u00e4rben von Textilien benutzt wurde, brachte gutes Geld. Bisher war der Indigofarbstoff nur ein Nebenschauplatz der pharmazeutischen Forschung an der <a href=\"http:\/\/www.uni-jena.de\/\" >Universit\u00e4t Jena<\/a>. Die Pharmazeuten um Prof. Dr. Matthias Hamburger sind vielmehr den entz\u00fcndungshemmenden Stoffen der Waid auf der Spur. Denn die Pflanze galt schon in der Antike als Heilpflanze. Im Zuge dieser Forschung haben die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t nun das R\u00e4tsel um die Struktur der Vorstufen des Indigofarbstoffs aufgekl\u00e4rt und damit seit 30 Jahren geltende Aussagen \u00fcber diese \u00e4u\u00dferst instabilen Verbindungen korrigiert. Die <a href=\"http:\/\/www3.interscience.wiley.com\/cgi-bin\/abstract\/107608366\/ABSTRACT\" >Ergebnisse<\/a> sind jetzt in der Premierenausgabe der neuen internationalen Fachzeitschrift <a href=\"http:\/\/www.chembiodiv.ch\/\" >Chemistry &#038; Biodiversity<\/a> erschienen.<\/p>\n<p><b>Nach der Ernte blau machen<\/b><br \/>&#8220;Wie bei allen Indigopflanzen entsteht auch beim F\u00e4rberwaid der blaue Farbstoff erst durch die chemische Reaktion farbloser Vorstufen&#8221;, erkl\u00e4rt Prof. Hamburger. Diese Prozesse, an denen pflanzeneigene Katalysatoren (Enzyme) beteiligt sind, setzen bei der Ernte ein. &#8220;Hier finden Reaktionspartner zusammen, die in den intakten Pflanzenzellen normalerweise voneinander getrennt sind&#8221;, erl\u00e4utert der Jenaer Pharmazeut. Die Pflanze w\u00fcrde niemals von selbst &#8220;blau machen&#8221;. Die Farbe ist ein k\u00fcnstliches Produkt.<\/p>\n<p><b>Bisherige Strukturangaben inkorrekt<\/b><br \/>&#8220;Wir haben die saisonal bedingten Schwankungen der Entz\u00fcndungshemmer in den Pflanzen studiert und vermuteten, dass hier ein Zusammenhang mit den Indigovorstufen bestehen w\u00fcrde&#8221;, erkl\u00e4rt Hamburger das Interesse. Dabei stellten die Forscher rasch fest, dass bisherige Vorstellungen zur Struktur der Vorstufen nicht korrekt waren. Dem Team ist es nun gelungen, diese \u00e4u\u00dferst schnelllebigen Substanzen zu isolieren, die w\u00e4hrend der Trocknung rapide umgewandelt werden. &#8220;In der vorliegenden Arbeit kl\u00e4ren wir eindeutig die Struktur der Indigo-Vorstufen im F\u00e4rberwaid und stellen ihren Bezug zu bekannten Verbindungen her&#8221;, so der Jenaer Experte.<\/p>\n<p><b>Bedarf f\u00fcr nat\u00fcrliche Farbstoffe<\/b><br \/>Der Ausflug der Jenaer Pharmazeuten &#8220;ins Blaue&#8221; hat sich aus zweierlei Gr\u00fcnden gelohnt. Erstens gibt es sehr wohl einen biogenetischen Zusammenhang zwischen den nun korrekt identifizierten Indigovorstufen und den nat\u00fcrlichen Entz\u00fcndungshemmern. Zweitens nutzen die Erkenntnisse den Kooperationspartnern in der Th\u00fcringer Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft (TLL), die den Anbau der ehemals weit verbreiteten F\u00e4rberpflanze vorantreiben wollen. Denn f\u00fcr nat\u00fcrliche Farbstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gibt es wieder einen Markt. <i>&#8220;Da die Indigo-F\u00e4rbung mit Waid viel Geschick erfordert, ist es von gro\u00dfem Nutzen, die genauen Prozesse in der Pflanze zu kennen<\/i>&#8220;, ist sich Prof. Hamburger sicher.<\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Prof. Dr. Matthias Hamburger<br \/><a href=\"http:\/\/pinguin.biologie.uni-jena.de\/fakultaet\/pharmbiol\/index.html\" >Institut f\u00fcr Pharmazie der Universit\u00e4t Jena<\/a><br \/>Semmelweisstrasse 10, 07743 Jena<br \/>Tel.: 03641-949840<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:Matthias.Hamburger@uni-jena.de\">Matthias.Hamburger@uni-jena.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8220;F&auml;rberwaid&#8221;, eine im Mittelalter in Th&uuml;ringen angebaute Nutzpflanze, hat einst Erfurt und anderen St&auml;dten des Th&uuml;ringer Beckens zu Reichtum verholfen. 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