{"id":6729,"date":"2004-02-24T00:00:00","date_gmt":"2004-02-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20040224-08n"},"modified":"2004-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2004-02-23T22:00:00","slug":"wissenschaftler-entdecken-warum-baldrian-beruhigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wissenschaftler-entdecken-warum-baldrian-beruhigt\/","title":{"rendered":"Wissenschaftler entdecken, warum Baldrian beruhigt"},"content":{"rendered":"<p><b>Bonn, 10.02.2004<\/b> &#8211; Schon Hippokrates wusste: Baldrian beruhigt und f\u00f6rdert den Schlaf. Bislang war aber nicht bekannt, wie die Heilpflanze genau wirkt. Pharmazeuten der Universit\u00e4t Bonn haben nun einen Inhaltsstoff identifiziert, der wahrscheinlich f\u00fcr den sedierenden Effekt mit verantwortlich ist. Die Substanz aus der Gruppe der Lignane bindet an bestimmte Rezeptoren im Gehirn, die den Wach-Schlaf-Rhythmus steuern. Koffein wirkt auf den selben Rezeptortyp, bewirkt allerdings das Gegenteil. Die Forscher versuchen nun, den Wirkstoff in vereinfachter Form chemisch nachzubauen und dabei noch effektiver zu machen. <\/p>\n<p>Im Gehirn wirken verschiedene M\u00fcdemacher; einer davon ist der Botenstoff GABA. Bislang vermutete man, dass Baldrian irgendwie in den GABA-Regelkreis eingreift. Dabei gibt es auch noch ein ganz anderes &#8221;M\u00fcdigkeits-Molek\u00fcl&#8221;, das Adenosin: &#8221;Adenosin induziert Schlaf&#8221;, sagt Christa M\u00fcller, Professorin f\u00fcr Pharmazeutische Chemie in Bonn. &#8221;Wenn man Tiere dauerhaft wach h\u00e4lt, h\u00e4uft es sich in ihrem Gehirn mehr und mehr an.&#8221; Das Molek\u00fcl bindet an bestimmte Nervenzell-Rezeptoren, die Adenosin-Rezeptoren vom Typ A1. Damit setzt es eine Kettenreaktion in Gang und macht letztlich schl\u00e4frig. Sein Gegenspieler Koffein kann an dieselben Rezeptoren andocken. \u00c4hnlich wie ein falsches Puzzleteil nicht zum richtigen Bild f\u00fchrt, blockiert Koffein jedoch lediglich A1-Rezeptoren, bewirkt dort aber keine Reaktion. Folge f\u00fcr den Kaffeetrinker: Er wird wach. <\/p>\n<p> &#8221;Entspannte&#8221; Hirnstr\u00f6me <\/p>\n<p>Als Professor M\u00fcller auf eine Publikation stie\u00df, in der beschrieben wurde, dass Baldrian-Extrakt an Adenosin-Rezeptoren binden kann, wurde sie daher hellh\u00f6rig. &#8221;Wir wiederholten die Versuche und konnten best\u00e4tigen, dass w\u00e4ssrig-alkoholische Vollextrakte aus der Baldrianwurzel zumindest im Gehirn von Ratten an den A1-Rezeptor binden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem konnten wir erstmals zeigen, dass der Extrakt die Rezeptoren aktiviert, \u00e4hnlich wie Adenosin. Versuche mit gentechnisch produzierten menschlichen Rezeptoren ergaben ein \u00e4hnliches Ergebnis.&#8221; Nun zeigte sich auch die Schweizer Pharma-Firma Zeller interessiert. In einer klinischen Studie ma\u00dfen Zeller-Forscher die Hirnstr\u00f6me von knapp 50 Versuchspersonen. Nach Koffeingabe verflachten die Alpha-Wellen, die Entspannung signalisieren; die Beta-Wellen, Anzeichen f\u00fcr Nervosit\u00e4t, wurden im Gegenzug ausgepr\u00e4gter. Die Einnahme von Baldrianextrakt neutralisierte diesen Effekt &#8211; ein weiterer Hinweis, dass die Pflanze tats\u00e4chlich auf den A1-Rezeptor wirkt. <\/p>\n<p>Welcher Inhaltsstoff an die Rezeptoren andockt, wussten die Bonner damit aber noch nicht. Kontakte zu einer Marburger Arbeitsgruppe brachten sie schlie\u00dflich auf die richtige Spur. Die Forscher von der Lahn hatten nachgewiesen, dass Baldrian verschiedene Verbindungen aus der Gruppe der Lignane enth\u00e4lt. Lignane sind Naturstoffe, die in vielen h\u00f6heren Pflanzen vorkommen. Zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Dr. Britta Schumacher dr\u00f6selte M\u00fcller die Lignan-Fraktionen weiter auf. &#8221;Dabei entdeckten wir eine bislang unbekannte Verbindung, die an den A1-Rezeptor andocken kann und dort eine \u00e4hnliche Reaktion hervorruft wie Adenosin.&#8221; <\/p>\n<p> Adenosin ist schlecht f\u00fcr&#8217;s Herz <\/p>\n<p>Adenosin selbst eignet sich nicht als Beruhigungsmittel, denn es wird innerhalb von Sekunden abgebaut. Stabile Adenosin-Derivate sind ebenfalls problematisch: Da es im Herzmuskel auch A1-Rezeptoren gibt, allerdings viel weniger als im Gehirn, k\u00f6nnen sie zu einer Herzmuskell\u00e4hmung f\u00fchren. &#8221;Unser Lignan ist dagegen ein partieller Agonist, das hei\u00dft, es entfaltet nur bei der hohen Rezeptordichte im Gehirn seine Wirkung&#8221;, erkl\u00e4rt die Professorin. Spezielle Transportmolek\u00fcle scheinen zudem daf\u00fcr zu sorgen, dass das Lignan besonders gut ins Gehirn gelangt. <\/p>\n<p>Warum sich das Lignan \u00fcberhaupt mit dem A1-Rezeptor vertr\u00e4gt, ist noch v\u00f6llig unklar &#8211; die Substanz hat kaum \u00c4hnlichkeit mit Adenosin. Die Bonner Forscher wollen nun versuchen, das Molek\u00fcl so zu verkleinern, dass nur der f\u00fcr die Wirkung wesentliche Teil \u00fcbrig bleibt. &#8221;Dann k\u00f6nnen wir daran gehen, diesen Rest im Labor nachzubauen und eventuell so zu ver\u00e4ndern, dass er noch wirksamer wird.&#8221; <\/p>\n<p>Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt&#8217;s im Internet unter <a href=\"http:\/\/www.uni-bonn.de\/Aktuelles\/Presseinformationen\/\" >http:\/\/www.uni-bonn.de\/Aktuelles\/Presseinformationen<\/a>. <\/p>\n<p><b>Ansprechpartnerin:<\/b> <br \/> Professor Dr. Christa M\u00fcller <br \/> Pharmazeutisches Institut der Universit\u00e4t Bonn <br \/> Tel.n: 0228-73-2301 <br \/> E-Mail: <a href=\"mailto:christa.mueller@uni-bonn.de\">christa.mueller@uni-bonn.de<\/a> <br \/> Internet: <a href=\"http:\/\/www.pharma.uni-bonn.de\/pharmchem\/\" >http:\/\/www.pharma.uni-bonn.de\/pharmchem\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Bonn, 10.02.2004<\/b> &#8211; Schon Hippokrates wusste: Baldrian beruhigt und f&ouml;rdert den Schlaf. 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