{"id":67005,"date":"2019-09-30T06:45:07","date_gmt":"2019-09-30T04:45:07","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=https%3A%2F%2Fwww.chemie.de%2Fnews%2F1162929%2Fbioplastik-aus-abfallfetten.html%3FWT.mc_id%3Dca0065%26pk_campaign%3Dca0065"},"modified":"2019-09-28T16:55:36","modified_gmt":"2019-09-28T14:55:36","slug":"bioplastik-aus-abfallfetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bioplastik-aus-abfallfetten\/","title":{"rendered":"Bioplastik aus Abfallfetten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Forscher der TU Berlin Sebastian L. Riedel und Stefan Junne forschen daran, Kunststoffe aus Erd\u00f6l zu ersetzen \u2013 mit Hilfe von Bakterien<\/strong><\/p>\n<p>J\u00e4hrlich werden 450 Millionen Tonnen Plastik weltweit produziert. Ein zaghafter Ansatz, der Plastikplage Herr zu werden, ist PHA. Die drei Buchstaben stehen f\u00fcr Polyhydroxyalkanoate. Es sind Biopolymere und werden als Bioplastik bezeichnet, weil PHA \u00e4hnlich thermoplastisch verformbar ist wie Plastik aus fossilen Rohstoffen. \u201eAber das war es dann auch schon an Gemeinsamkeiten\u201c, sagt Dr.-Ing. Sebastian L. Riedel, der zusammen mit Dr.-Ing. Stefan Junne an der Herstellung von PHA forscht. Und auch Bioplastik ist nicht gleich Bioplastik. \u201eDie H\u00e4lfte der zwei Millionen Tonnen Bioplastik, die derzeit pro Jahr weltweit produziert werden, ist biologisch nicht abbaubar und die andere H\u00e4lfte teilweise nur schwer\u201c, wei\u00df Riedel. Da ist PHA aus anderem \u201eSchrot und Korn\u201c. Es wird im Wasser und Boden vollst\u00e4ndig zu Kohlenstoffdioxid und Wasser abgebaut und ist f\u00fcr die Gesundheit mit keinem Risiko verbunden.<\/p>\n<p>Die Substanz kann aus vielen Stoffen gewonnen werden \u2013 aus Mais, Zucker, Glycerin oder Palm\u00f6l. Sebastian L. Riedel und Stefan Junne jedoch schwebte ein Ausgangsprodukt vor, dass das Klima nicht belastet und kein Nahrungs- oder Futtermittel ist wie zum Beispiel Mais. Denn auch einen solchen Ausgangsstoff halten sie f\u00fcr problematisch. Auf der Suche nach einer Alternative entschieden sie sich unter anderem f\u00fcr Abfallfette, die unter anderem in der Landwirtschaft (Tierkadaver), in der Gastronomie oder bei der Weiterverarbeitung von Lebensmittelabf\u00e4llen anfallen. Abfall also, Reste. F\u00fcr sie jedoch wertvolle Rohstoffe.<\/p>\n<h3>Knallgas-Bakterien nutzen \u00fcbersch\u00fcssigen Kohlenstoff im Abfallfett als Energiereserve<\/h3>\n<p>Wie aber wird aus stinkendem braunem Fett jenes PHA, das einmal wie feinstes wei\u00df schimmerndes Seidenpapier daherkommt oder die Konsistenz von Waschpulver oder Popcorn haben kann?<\/p>\n<p>\u201eDas bewerkstelligen Bakterien namens Ralstonia eutropha beziehungsweise Cupriavidus necator, auch als Knallgas-Bakterien bekannt. Die lassen wir f\u00fcr uns \u201amalochen\u2018\u201c, lacht Riedel. \u201eWir setzen sie in eine Mineralsalzl\u00f6sung, f\u00fcttern sie mit Stickstoff, Phosphor, Sauerstoff und Kohlenstoff. Den Kohlenstoff geben wir in Form von Abfallfetten hinzu. Dann lassen wir sie wachsen. Nach einer bestimmten Zeit entziehen wir den Bakterien den Stickstoff. Auf diesen Mangel reagieren sie, indem sie den nun \u00fcbersch\u00fcssigen Kohlenstoff im Abfallfett als Energiereserve in ihren Zellen anlegen und in PHA umwandeln.<\/p>\n<p>W\u00fcrden wir nach einer gewissen Zeit Stickstoff wieder hinzugeben, w\u00fcrden die Bakterien erst einmal das intrazellul\u00e4r gespeicherte PHA als Energiequelle nutzen. Das machen wir nat\u00fcrlich nicht, denn wir wollen das in den Zellen produzierte PHA ja gewinnen, also extrahieren wir es mit L\u00f6sungsmitteln, die teilweise nach dem Prozess wieder zur\u00fcckgewonnen werden k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Riedel. Die Forscher arbeiten an alternativen Aufarbeitungsmethoden, die den Prozess langfristig kosteng\u00fcnstiger und noch nachhaltiger machen sollen.<\/p>\n<h3>Verzicht auf Forschung mit Palm\u00f6l<\/h3>\n<p>Dr.-Ing. Sebastian L. Riedel \u00fcbrigens hatte seine Forschungen an PHA vor zehn Jahren in den USA am Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit Palm\u00f6l begonnen. \u201eDas ist ein super unkomplizierter Ausgangsstoff f\u00fcr die Produktion der Substanz\u201c, so Riedel. Aber die Palm\u00f6lplantagen r\u00fccken dem Regenwald zu Leibe. Als er 2012 an die TU Berlin kam, stellte er seine Forschungen mit Palm\u00f6l ein. \u201eErsatz f\u00fcr Plastik gefunden, Regenwald abgeholzt \u2013 das kann ja nicht das Ergebnis von Forschung sein\u201c, begr\u00fcndet Riedel seine Entscheidung. Seit 2017 baut Riedel seine PHA-Forschung mit biogenen Reststoffen am Fachgebiet Bioverfahrenstechnik aus, das sich der Entwicklung nachhaltiger Bioprozesse verschrieben hat.<\/p>\n<h3>Video \u201eBioplastik aus Abfall\u201c<\/h3>\n<div class=\"BorlabsCookie _brlbs-cb-youtube\"><div class=\"_brlbs-content-blocker\"> <div class=\"_brlbs-embed _brlbs-video-youtube\"> <img class=\"_brlbs-thumbnail\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/plugins\/borlabs-cookie\/assets\/images\/cb-no-thumbnail.png\" alt=\"YouTube\"> <div class=\"_brlbs-caption\"> <p>By loading the video, you agree to YouTube's privacy policy.<br><a href=\"https:\/\/policies.google.com\/privacy?hl=en&amp;gl=en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Learn more<\/a><\/p> <p><a class=\"_brlbs-btn _brlbs-icon-play-white\" href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Load video<\/a><\/p> <p><label><input type=\"checkbox\" name=\"unblockAll\" value=\"1\" checked> <small>Always unblock YouTube<\/small><\/label><\/p> <\/div> <\/div> <\/div><div class=\"borlabs-hide\" data-borlabs-cookie-type=\"content-blocker\" data-borlabs-cookie-id=\"youtube\"><script type=\"text\/template\">PHA+PGlmcmFtZSBsb2FkaW5nPSJsYXp5IiBzcmM9Imh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUtbm9jb29raWUuY29tL2VtYmVkL291TG15UVlQYmxBIiB3aWR0aD0iNTYwIiBoZWlnaHQ9IjMxNSIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj0iYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuIj48L2lmcmFtZT48L3A+<\/script><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der TU Berlin Sebastian L. 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