{"id":6694,"date":"2003-12-22T00:00:00","date_gmt":"2003-12-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20031222-02n"},"modified":"2003-12-22T00:00:00","modified_gmt":"2003-12-21T22:00:00","slug":"zeitenwende-in-der-landwirtschaft-der-grosse-streit-kommt-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zeitenwende-in-der-landwirtschaft-der-grosse-streit-kommt-2004\/","title":{"rendered":"Zeitenwende in der Landwirtschaft: Der gro\u00dfe Streit kommt 2004"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Die neue \u00c4ra f\u00fcr die deutsche Landwirtschaft begann in Luxemburg. Am Morgen des 26. Juni beschlossen die EU-Agrarminister dort den Systemwechsel bei den Milliarden-Subventionen. Doch nur langsam scheint deutschen Bauern, Parteien und Verb\u00e4nden zu d\u00e4mmern, dass in einigen Jahren im Agrarsektor nichts mehr so sein wird wie es war. Ziemlich bang blicken die Landwirte in die Zukunft. Protest regte sich nur leise. Der gro\u00dfe Streit, wie die Luxemburger Beschl\u00fcsse zur Entkopplung der F\u00f6rderung von der Produktion umgesetzt werden, steht Deutschland im ersten Halbjahr 2004 bevor. <\/p>\n<p>Experten sind sich einig, dass es heftig krachen wird. Schlie\u00dflich geht es um die Neuverteilung der Br\u00fcsseler Gelder in H\u00f6he von rund 6 Milliarden Euro pro Jahr. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Im Landwirtschaftsministerium in der Berliner Wilhelmstra\u00dfe hat man schon einmal die Deutschland-Karte eingef\u00e4rbt. Sinnigerweise sind die Verlierer-Landkreise rot und die Gewinner gr\u00fcn eingetragen. Ziemlich gr\u00fcn sind die Bundesl\u00e4nder Baden-W\u00fcrttemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Brandenburg, kr\u00e4ftig rot Nordrhein-Westfalen, Schleswig- Holstein und Sachsen. Der Rest: durchwachsen. <\/p>\n<p>Das gr\u00fcn gef\u00fchrte Agrarministerium frohlockt: \u00abAls wir angefangen haben, h\u00e4tten wir uns nicht tr\u00e4umen lassen, so weit zu kommen\u00bb, sagt Staatssekret\u00e4r Matthias Berninger. Die \u00f6kologische Agrarwende von Ministerin Renate K\u00fcnast schien schon im Sande zu verlaufen, da kam EU-Kommissar Franz Fischler zur Hilfe. Fischler hatte erkannt, dass Steuerzahlern und Verbrauchern der Irrwitz von subventionierter Produktion, subventioniertem Verkauf und schlimmstenfalls subventionierter Vernichtung von Agrarprodukten nicht l\u00e4nger zu vermitteln ist. <\/p>\n<p>Die Luxemburger Beschl\u00fcsse er\u00f6ffnen pl\u00f6tzlich Chancen f\u00fcr gr\u00fcne Politik: Weg von der \u00dcberproduktion, weg von intensiver Landwirtschaft mit massivem Einsatz von Chemie, hin zu Gr\u00fcnlandwirtschaft und Landschaftspflege. \u00abDie Agrarwende in Deutschland bekommt eine neue Dynamik\u00bb, sagt K\u00fcnast. Doch bis dahin muss sie sich mit den L\u00e4ndern einigen. <\/p>\n<p>Bis zum 1. August hat der Bundesrat zu entscheiden, sonst wird in Deutschland automatisch das so genannte Betriebsmodell der F\u00f6rderung eingef\u00fchrt, das die EU eigentlich vorgesehen hat. Die Subventionen werden nicht mehr f\u00fcr die Produktion gezahlt, sondern auf die Betriebe umgelegt, unabh\u00e4ngig davon, was und wie viel sie produzieren. K\u00fcnast und die Mehrheit der L\u00e4nder wollen dagegen ein regionales Fl\u00e4chenmodell. Gezahlt wird pro Hektar. \u00abWir brauchen 35 Stimmen im Bundesrat\u00bb, sagt Berninger und blickt auf die rot-gr\u00fcne Deutschlandkarte. <\/p>\n<p>Die Fronten ziehen sich quer durch die politischen Lager. Schlie\u00dflich geht es um viel Geld. Pikanterweise w\u00fcrden ausgerechnet die Gr\u00fcnen-Landwirtschaftsminister in D\u00fcsseldorf und Kiel erkl\u00e4ren m\u00fcssen, warum sie ein Modell unterst\u00fctzen, das ihren L\u00e4ndern finanzielle Einbu\u00dfen bringt. Das Verhalten der L\u00e4nder ist also in h\u00f6chstem Ma\u00dfe ungewiss, auch wenn sie sich am 27. November in Berlin <br \/>\u00fcberraschend deutlich auf das Fl\u00e4chenmodell verst\u00e4ndigt haben. Der Deutsche Bauernverband (DBV) mag sich auf Grund der un\u00fcbersichtlichen Interessenlage seiner Mitglieder auch nicht richtig festlegen. \u00abEs wird kein optimales Entkopplungsmodell geben\u00bb, sagt DBV- Generalsekret\u00e4r Helmut Born. <\/p>\n<p>Die neue Zeit kommt, so oder so. Von 2005 bis 2012 sollen \u00dcbergangsregeln f\u00fcr die F\u00f6rderung gelten, bis am Ende die reine Fl\u00e4chen-Beihilfe steht. Die Zahl der 400.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wird bis dahin um mindestens ein Viertel zur\u00fcckgehen &#8211; \u00abso oder so\u00bb, hei\u00dft es im Ministerium. \u00abDie alte EU- Agrarpolitik ist unter den Bedingungen des Welthandels und der Globalisierung nicht mehr haltbar\u00bb, sagt K\u00fcnast. Doch wie genau die neue aussehen soll, kann auch niemand vorhersagen. \u00abMehr Markt, mehr Gerechtigkeit, mehr Umweltschutz\u00bb, sagt Berninger. Es ist ein Experiment. \u00abEs wird viele Betriebe geben, die etwas hinzugewinnen, und einige, die erheblich verlieren.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Die neue &Auml;ra f&uuml;r die deutsche Landwirtschaft begann in Luxemburg. Am Morgen des 26. 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