{"id":6690,"date":"2003-12-23T00:00:00","date_gmt":"2003-12-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20031223-01n"},"modified":"2003-12-23T00:00:00","modified_gmt":"2003-12-22T22:00:00","slug":"zuckerkrieg-rohr-gegen-ruebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zuckerkrieg-rohr-gegen-ruebe\/","title":{"rendered":"Zuckerkrieg: Rohr gegen R\u00fcbe"},"content":{"rendered":"<p>Jan Kirsch f\u00fcr einen rheinischen Karnevalisten zu halten, nur weil ihn manche als personifizierte R\u00fcbe bezeichnen, w\u00e4re ein etwas vorschnelles Urteil. Der Landwirt aus Kerpen bei K\u00f6ln geh\u00f6rt ganz im Gegenteil zu den Weisen seiner Zunft. Schlie\u00dflich hat er schon vor vielen Jahren erkannt, dass die Zuckerr\u00fcbe nicht nur gehegt und gepflegt werden will, wenn sie den Bauern zu einem ordentlichen Einkommen verhelfen soll; Kirsch wei\u00df auch genau, dass die kegelf\u00f6rmige Frucht nur dann auf deutschen und anderen europ\u00e4ischen \u00c4ckern gedeiht, wenn sie vor billigem Zuckerrohr gesch\u00fctzt wird, das in vielen tropischen L\u00e4ndern heranreift. Dem R\u00fcbenschutz hat sich der hoch gewachsene 63-J\u00e4hrige deshalb ebenso verschrieben wie der R\u00fcbenzucht auf seinen eigenen \u00c4ckern.<\/p>\n<p>Eine kleine Stube auf seinem inmitten von R\u00fcbenfeldern gelegenen Hof, ausgestattet unter anderem mit einem handgemalten R\u00fcbenbildnis und einer Flasche R\u00fcbenschnaps, dient Kirsch als Denkzentrale. Von dort st\u00fcrzt sich der Verbandschef aller rheinischen R\u00fcbenbauern, der Vorsitzende des Vereins s\u00e4mtlicher f\u00fcnf deutschen R\u00fcbenanbauerverb\u00e4nde und Vizepr\u00e4sident des Internationalen Verbandes Europ\u00e4ischer R\u00fcbenbauern in den globalen Kampf, der um die &#8220;K\u00f6nigin der Feldfr\u00fcchte&#8221;, wie Kirsch gern sagt, entbrannt ist. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat es die R\u00fcbe zum Zankapfel der gro\u00dfen Politik gebracht. Genauer ist es eine Rechtsakte aus Br\u00fcssel, die Anlass hitziger Debatten rund um den Globus ist; sie tr\u00e4gt die Nummer 1260\/2001 und hei\u00dft &#8220;Gemeinsame Marktorganisation f\u00fcr Zucker&#8221;. Um dieses 31-seitige Gesetz nebst sieben Anh\u00e4ngen tobt Streit zwischen reichen R\u00fcbenl\u00e4ndern und armen Rohrnationen, zwischen Zuckerproduzenten und Zuckerverbrauchern, zwischen Leuten wie Jan Kirsch und beispielsweise Tobias Bachm\u00fcller, dem Chef von Katjes. Ebenso wie die Hersteller von Limonade, Schokoweihnachtsm\u00e4nnern oder Printen w\u00fcrde er den Zucker f\u00fcr seine Fruchtgummis und Lakritzk\u00e4tzchen gern billig einkaufen, was ihm das europ\u00e4ische R\u00fcbenreglement aber verwehrt. Statt f\u00fcr rund 180 Euro, den Weltmarktpreis f\u00fcr eine Tonne Zucker, muss Bachm\u00fcller das s\u00fc\u00dfe Zeug deshalb f\u00fcr 720 Euro einkaufen. Bachm\u00fcller findet, das sei ein Skandal \u2013 genauso wie die brasilianischen Zuckerhersteller, die ihren Stoff gern billig an ihn verkaufen w\u00fcrden. De facto werden sie ihren Zucker in Europa aber nicht los. <\/p>\n<p>Schuld daran sind Quoten und Mindestpreise, Produktionsabgaben und Erg\u00e4nzungsabgaben, Ausfuhrerstattungen und Exportverpflichtungen, Z\u00f6lle und Sonderz\u00f6lle, Pr\u00e4ferenzregeln und Sonderpr\u00e4ferenzregeln \u2013 ein filigranes Geflecht von Bestimmungen, mit denen Europas Agrarpolitiker hiesige R\u00fcbenbauern und Zuckerfabrikanten vor Konkurrenz verschonen. Sogar die R\u00fcbe selbst, <i>Beta vulgaris<\/i>, haben sie der Logik ihrer Marktordnung geopfert; die gemeine R\u00fcbe kennt das Regelwerk nicht einmal. Stattdessen wachsen in Europa laut Zuckermarktordnung ausschlie\u00dflich A-, B- und C-R\u00fcben. Biologisch sind sie identisch, \u00f6konomisch betrachtet vollkommen verschieden. <\/p>\n<p><b>Selbst mancher R\u00fcbenbauer findet, das sei &#8220;der helle Wahnsinn&#8221;.<\/b> <br \/>Wahnsinn im Dienst der R\u00fcbe: A-R\u00fcben werden zu A-Zucker, dessen Absatz Europa zu hohen Preisen garantiert; daf\u00fcr m\u00fcssen die Zuckerfabriken A-R\u00fcben teuer einkaufen. B-Zucker ist mit einer weniger gro\u00dfz\u00fcgigen Preisgarantie ausgestattet; entsprechend billiger sind B-R\u00fcben. Zucker und R\u00fcben, die weder der Kategorie A noch B angeh\u00f6ren, tragen das Initial C. C-Zucker setzt die Zuckermarktordnung gnadenlos der Konkurrenz des Rohrzuckers aus. Ohne Staatsst\u00fctze muss er exportiert werden \u2013 w\u00e4hrend der Export jener Chargen A- und B-Zuckers, die in Europa keinen K\u00e4ufer finden, subventioniert wird. Mit der Welthandelsorganisation WTO haben die hiesigen Zuckerpolitiker bis auf die Stelle hinterm Komma vereinbart, wie viel des teuren Vorzugszuckers sie ausf\u00fchren \u2013 und wie viel sie sich das kosten lassen d\u00fcrfen: maximal 499,1 Millionen Euro pro Jahr. Vor fremdem Zucker sch\u00fctzen sich die Europ\u00e4er derweil mit Z\u00f6llen in H\u00f6he von mehr als 500 Euro pro Tonne. Alles klar? <\/p>\n<p>Das ABC der R\u00fcben machte teuren europ\u00e4ischen Zucker jedenfalls zu einem Exportschlager \u2013 und 56 Zuckerunternehmen sowie rund 270.000 R\u00fcbenbauern reich. Das Einkommen dieser Minderheit, 4 Prozent aller Landwirte, liegt um das 1,7fache \u00fcber dem der \u00fcbrigen Betriebe. Wer keine Lizenz zum R\u00fcbenanbau hat, blickt deshalb neidisch auf die Kollegen R\u00fcbenbauern. <\/p>\n<p><b>Selbstverst\u00e4ndlich war es nicht<\/b> <br \/>Napoleon Bonaparte, der die ebenso perfekten wie profanen R\u00fcbenschutzregeln ersann. Gewisserma\u00dfen hat der franz\u00f6sische Kaiser und Artillerieoffizier vor fast 200 Jahren aber doch die Grundlage daf\u00fcr gelegt, als er 1806 seine gegen England gerichtete Handelsblockade, die Kontinentalsperre, verh\u00e4ngte. Bis dahin war Zucker Gegenstand eines traurig-ber\u00fchmten Dreieckhandels: Engl\u00e4nder und Spanier versilberten in Afrika Waffen und Glasperlen, um mit dem Erl\u00f6s Sklaven zu kaufen. Die tauschten sie in Westindien gegen Rohrzucker. Damit und mit Rum bepackt, kehrten ihre Schiffe nach Europa zur\u00fcck, wo sich beg\u00fcterte B\u00fcrger an den Kolonialwaren labten. Als wegen Napoleons Kontinentalsperre pl\u00f6tzlich der Zuckernachschub fehlte, schlug die Stunde der R\u00fcbe. Gl\u00fccklicherweise war es kurz zuvor dem Berliner Naturforscher Franz Carl Achard gelungen, der Knolle das wei\u00dfe Gold abzugewinnen. Fortan wuchs und gedieh die R\u00fcbe in Europa meist unter staatlicher Obhut \u2013 dank des Wirkens ihrer Lobby bis heute. <\/p>\n<p>&#8220;Wir sind die Besten.&#8221; Jan Kirsch, der Oberlobbyist, ist durchaus zufrieden mit sich und seinen Mitstreitern. Ein Beamter der Br\u00fcsseler EU-Kommission best\u00e4tigt deren Leistung. &#8220;Die stehen jeden Tag bei uns auf der Matte&#8221;, sagt er. <\/p>\n<p><b>Im Landwirtschaftsministerium<\/b> an der Bonner Rochusstra\u00dfe sitzt Cord Husemeyer. Zwar weist er den Titel Zuckerpapst weit von sich. Es ist aber kein Geheimnis, dass sich nur wenige so gut mit der Marktordnung auskennen wie er. Husemeyer, der in den vergangenen Jahren mit ansehen musste, wie der Schutz f\u00fcr Getreidebauern oder Rindfleischerzeuger St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck dem Glaubensbekenntnis des freien Welthandels geopfert wurde, ist sogar richtig stolz auf sie. Und er h\u00e4lt das f\u00fcr Laien schwer verdauliche Regelwerk f\u00fcr simple Materie. <\/p>\n<p>Immerhin, auch um die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens muss sich jemand k\u00fcmmern \u2013 und das tut der Ministerialrat gemeinsam mit seinen Kollegen aus den anderen europ\u00e4ischen Agrarministerien und mit Monsieur Gazagnes, der bei der EU-Kommission in Br\u00fcssel Dienst f\u00fcr die R\u00fcbe schiebt. W\u00e4hrend sich Millionen Europ\u00e4er morgens nichtsahnend ein paar L\u00f6ffel Zucker in ihren Kaffee sch\u00fctten, drehen Husemeyer &#038; Co also wom\u00f6glich schon an den Stellschrauben der Zuckermarktordnung: deklarieren ein paar hundert Tonnen A- und B-Zucker zu C-Zucker um und machen sich Gedanken \u00fcber die H\u00f6he der B- und der so genannten Erg\u00e4nzungsabgabe. Die treiben sie bei der Zuckerindustrie und bei den R\u00fcbenbauern ein, um mit dem Geld den Export des teuren europ\u00e4ischen Zuckers, Sorte A und B, zu f\u00f6rdern. Husemeyer findet \u00fcbrigens, das sei eine besonders geniale Facette der Zuckermarktordnung: Die Steuerzahler koste sie keinen Cent. <\/p>\n<p>Das Finanzgebaren der EU pr\u00fcft der Europ\u00e4ische Rechnungshof. Zum Leidwesen der Agrarpolitiker lassen es sich die Luxemburger Pr\u00fcfer nicht nehmen, ab und zu auch jene Vorschriften zu begutachten, welche die Br\u00fcsseler Kommission f\u00fcr allerlei sehr spezielle Produkte ersonnen hat: f\u00fcr Bananen beispielsweise, f\u00fcr Trockenfutter, f\u00fcr Kartoffelst\u00e4rke \u2013 und eben auch f\u00fcr Zucker. Die Zuckermarktordnung pr\u00fcften die Rechnungspr\u00fcfer zuletzt Anfang 2001 ausf\u00fchrlich, mit einem niederschmetternden Ergebnis. Sie mache Europa \u00e4rmer, steht in ihrem Bericht. Und zwar um 6,5 Milliarden Euro pro Jahr, \u00fcberschl\u00e4gig gerechnet. So viel k\u00f6nnten Europas Verbraucher sparen, wenn die Zuckermarktordnung sie nicht zum Kauf des teuren europ\u00e4ischen Zuckers zw\u00e4nge. <\/p>\n<p><b>Jan Kirsch hat das Kalk\u00fcl<\/b> des Rechnungshofes mit einigem Unbehagen zur Kenntnis genommen. Jahrelang war die Zuckermarktordnung eine Bastion, wagte niemand, an ihren Grundfesten zu r\u00fctteln. Nun aber drohen jene die Oberhand zu gewinnen, die sie respektlos auf den M\u00fcllhaufen der Geschichte werfen, &#8220;zerst\u00f6ren&#8221; wollen, wie Kirsch sagt: Coca-Cola und Konsorten, Zuckerbarone aus Brasilien und S\u00fcdafrika, ahnungslose Freihandelstheoretiker. Ihr Verlangen hat selbst den europ\u00e4ischen Agrarkommissar Franz Fischler infiziert, der die Zuckerwirtschaft bisher vor allen Agrarreformen verschonte \u2013 nun aber \u00fcber die Lockerung der Marktordnung mit sich reden lassen will. Die europ\u00e4ische Zuckerwirtschaft, hat er wissen lassen, m\u00fcsse bald &#8220;zu einem gro\u00dfen Teil auf Ausfuhrerstattungen und hohe interne St\u00fctzung verzichten&#8221;. <\/p>\n<p>Um das Schlimmste zu verhindern, sucht Kirsch neuerdings h\u00e4ufiger noch als sonst den Kontakt zu dem \u00f6sterreichischen Kommissar. Ebenso wie zu dem Franzosen Joseph Daul, dem Vorsitzenden des Agrarausschusses des Europ\u00e4ischen Parlaments, der gl\u00fccklicherweise im Elsass selbst R\u00fcben anbaut und deshalb viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Kirschs Sorgen hat. &#8220;Einige gute Gespr\u00e4che&#8221;, sagt Kirsch, habe er auch schon mit Matthias Berninger gef\u00fchrt, dem Staatssekret\u00e4r im hiesigen Landwirtschaftsministerium. B\u00e4rbel H\u00f6hn, die nordrhein-westf\u00e4lische Landwirtschaftsministerin, z\u00e4hlt er ebenfalls zu seinen Verb\u00fcndeten. Der Gr\u00fcnen imponiere, dass europ\u00e4ischer R\u00fcbenzucker, im Gegensatz zu Rohrzucker, nicht umweltbelastend um die halbe Welt gekarrt wird, bevor er beim Verbraucher landet. <\/p>\n<p><b>G\u00e4be es in Europa<\/b> einen Zuckerbaron, er hie\u00dfe Theo Spettmann, lenkt er doch die Geschicke des gr\u00f6\u00dften Zuckerimperiums der Welt: der Mannheimer S\u00fcdzucker AG. Weil es Zuckerbarone aber nur anderswo gibt, ist Spettmann einfach nur Vorstandssprecher eines Konzerns, dem 54 Zuckerfabriken geh\u00f6ren, dessen Aktien mehrheitlich im Besitz von R\u00fcbenbauern sind und der \u00fcber die Lizenz verf\u00fcgt, mehr als ein F\u00fcnftel allen europ\u00e4ischen Quotenzuckers zu erzeugen. Wenn Spettmann sagt, Zucker sei &#8220;ein St\u00fcck Lebensqualit\u00e4t&#8221;, k\u00f6nnte das durchaus missverstanden werden. <\/p>\n<p>Wie der R\u00fcbenbauer Kirsch kennt auch der Manager Spettmann selbstverst\u00e4ndlich s\u00e4mtliche Einw\u00e4nde gegen die Zuckermarktordnung \u2013 und glaubt, sie alle entkr\u00e4ften zu k\u00f6nnen. Billigerer Zucker? Sechs, sieben Kilo kauft jeder Deutsche, pro P\u00e4ckchen oft f\u00fcr weniger als einen Euro. Soll doch niemand glauben, auch nur ein einziger Verbraucher w\u00fcrde gl\u00fccklich, k\u00f6nnte er Zucker billiger erstehen. Billigere Limo, billigere Lakritzkatzen? Soll doch niemand glauben, Cola &#038; Co reichten g\u00fcnstigere Zuckerpreise an die Kundschaft weiter. Spettmann fand sogar wohl reputierte Gutachter, die ihm das bescheinigten. Auf nicht mehr als zwei Cent pro EU-B\u00fcrger belaufe sich der von der Marktordnung verursachte Wohlfahrtsverlust, hei\u00dft es in der druckfrischen Expertise, die das Mannheimer Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung f\u00fcr Spettmann anfertigte. Zwei Cent! <\/p>\n<p><b>Tief im S\u00fcden<\/b> des Indischen Ozeans liegt der kleine Inselstaat Mauritius. Die 1,2 Millionen Mauritier leben von der Textilindustrie, vom Tourismus \u2013 und vom Zuckerrohr. Ein Viertel seiner Deviseneinnahmen verdient das Land mit dem Export von Zucker, ausgerechnet auf den so perfekt abgeschotteten europ\u00e4ischen Markt. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20031223-01\/zuckerproduzenten_256.gif\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"grafik\"\/>Tats\u00e4chlich l\u00e4sst Europa eine Hand voll Staaten, ehemalige Kolonien, an den Segnungen seiner Zuckermarktordnung teilhaben. Insgesamt 1,3 Millionen Tonnen Rohrzucker d\u00fcrfen Mauritius, die Fidschi-Inseln, Jamaika, Swasiland und ein paar andere L\u00e4nder Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (so genannte AKP-Staaten) in der Europ\u00e4ischen Union verkaufen \u2013 zu den hohen europ\u00e4ischen Garantiepreisen. Ein sch\u00f6nes Gesch\u00e4ft. Weil es in Europa aber schon genug eigenen R\u00fcbenzucker gibt, f\u00fchren die Europ\u00e4er den teuer eingekauften AKP-Zucker gleich wieder aus. Das gelingt ihnen allerdings nur, wenn sie den Reexport subventionieren. J\u00e4hrlich rund 800 Millionen Euro kostet das Gesch\u00e4ft \u00fcber Bande, das die AKP-L\u00e4nder zu Verb\u00fcndeten der hiesigen R\u00fcbenbauern und der Zuckermarktordnung machte \u2013 dank der speziellen Variante von Entwicklungshilfe. <\/p>\n<p>Jan Kirsch findet das vollkommen in Ordnung. Weniger Verst\u00e4ndnis hat er allerdings daf\u00fcr, dass die europ\u00e4ischen Entwicklungspolitiker es mittlerweile 49 besonders armen L\u00e4ndern, den Least Developed Countries (LDC), erlauben, nach und nach immer mehr Zucker zollfrei nach Europa zu liefern \u2013 bis von 2009 an s\u00e4mtliche H\u00fcrden schwinden sollen. Obendrein d\u00fcrfen die Balkannationen schon heute ihren Zucker auf dem EU-Markt zollfrei verkaufen; nur weil die europ\u00e4ische Betrugsbek\u00e4mpfungsbeh\u00f6rde namens OLAF einem merkw\u00fcrdigen Karusselhandel auf die Spur kam, m\u00fcssen Serbien und Montenegro vorerst auf das lukrative Gesch\u00e4fte verzichten. Die beiden L\u00e4nder sollen billigen Zucker auf dem Weltmarkt besorgt und ihn teuer in der EU verkauft haben. <\/p>\n<p>Irgendwann jedoch wird der Bann \u00fcber den Balkanzucker wieder fallen. Gemeinsam mit dem LDC-Zucker wird er der hiesigen R\u00fcbe dann zusetzen. &#8220;Jede Tonne, die reinkommt, verdr\u00e4ngt unseren Zucker&#8221;, sagt Kirsch. Ihm dr\u00e4ut bereits das &#8220;Ende der europ\u00e4ischen Zuckerwirtschaft&#8221; \u2013 weshalb er darauf dr\u00e4ngt, den Import von jedem Kilogramm Zucker mengenm\u00e4\u00dfig zu begrenzen: &#8220;Quoten f\u00fcr alle.&#8221; Ein Weltzuckerregime. <\/p>\n<p><b>Mit gro\u00dfem Interesse<\/b> beobachtet der brasilianische Pr\u00e4sident Luiz In\u00e1cio Lula da Silva, was in Europa \u00fcber den Zucker gedacht und geredet wird. Nirgendwo auf der Erde wird so viel Zucker so billig hergestellt wie in Brasilien \u2013 in Europa ist er jedoch unerw\u00fcnscht: Keine Pr\u00e4ferenz, keine Sonderpr\u00e4ferenz. Dem Rohr falle der Urwald zum Opfer, hei\u00dft es, das Rohr werde von Kinderhand geschnitten. Falsch ist das nicht. Und dennoch schmerzen die Importhindernisse jemanden wie Lula, der angetreten ist, Armut und Hunger in dem s\u00fcdamerikanischen Land zu bek\u00e4mpfen. Mehr Zuckererl\u00f6se w\u00fcrden ihm dabei helfen. <\/p>\n<p>Nun hat sich Lula entschlossen, die europ\u00e4ische Zuckermarktordnung zu beklagen, nicht deren Kern zwar, aber doch zwei wichtige Details: Den subventionierten Export des AKP-Zucker soll die Welthandelsorganisation f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4ren \u2013 ebenso wie die nicht-subventionierte Ausfuhr europ\u00e4ischen C-Zuckers. Die sei den Zuckerunternehmen nur m\u00f6glich, weil sie am A- und B-Zucker pr\u00e4chtig verdienten. <\/p>\n<p>Jan Kirsch beschleichen \u00fcbrigens mulmige Gef\u00fchle, wenn er an die brasilianische Beschwerde denkt. Scheint so, als w\u00fcrde die R\u00fcbe \u2013 700 Gramm, vier F\u00fcnftel Wasser \u2013 noch f\u00fcr viel Streit sorgen. Schon bald.<\/p>\n<p>\u00a9 Die Zeit 2003<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/brasilien-moniert-eu-subventionen-fuer-zuckerrueben\/\" >2003-07-22<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Kirsch f&uuml;r einen rheinischen Karnevalisten zu halten, nur weil ihn manche als personifizierte R&uuml;be bezeichnen, w&auml;re ein etwas vorschnelles Urteil. 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