{"id":66783,"date":"2019-09-24T07:26:12","date_gmt":"2019-09-24T05:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=66783"},"modified":"2021-09-09T21:27:02","modified_gmt":"2021-09-09T19:27:02","slug":"in-der-endrunde-fuer-den-deutschen-zukunftspreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/in-der-endrunde-fuer-den-deutschen-zukunftspreis\/","title":{"rendered":"In der Endrunde f\u00fcr den Deutschen Zukunftspreis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sie haben der chemischen Industrie einen neuen Rohstoff erschlossen. Und ausgerechnet mit dem Treibhausgas CO<sub>2<\/sub> l\u00e4sst sich dank der Arbeit von Walter Leitner, Christoph G\u00fcrtler und Berit Stange jetzt ein Teil des Erd\u00f6ls ersetzen, aus dem Komponenten unter anderem f\u00fcr Schaum- und Klebstoffe gewonnen werden. Das katalytische Verfahren und die ersten Produkte, die damit erzeugt werden, wurden von der Jury fu\u0308r die Endrunde des Deutschen Zukunftspreises 2019 ausgew\u00e4hlt. Walter Leitner ist Direktor am Max-Planck-Institut fu\u0308r Chemische Energiekonversion und Professor der RWTH Aachen, Christoph G\u00fcrtler leitet den Bereich Neue Verfahren und Produkte bei Covestro, und Berit Stange ist dort Leiterin Kreislaufwirtschaft Polyurethane. Die Finalisten pr\u00e4sentieren ihre Innovation heute im Deutschen Museum in M\u00fcnchen. Die Entscheidung, wer das Rennen um den Preis des Bundespr\u00e4sidenten fu\u0308r Technik und Innovation machen wird, f\u00e4llt Ende November.<\/strong><\/p>\n<p>Auf CO<sub>2<\/sub> gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen: Die meisten sehen darin vor allem ein Gas, das dem Klima einheizt. F\u00fcr Walter Leitner, Christoph G\u00fcrtler und Berit Stange ist CO<sub>2<\/sub> jedoch auch eine Quelle f\u00fcr Kohlenstoff, ein essentieller Baustein der meisten Kunst- und Treibstoffe, und \u00fcberhaupt von Produkten der chemischen Industrie. So ersetzen die Forscher mit dem Treibhausgas, das Erd\u00f6l und andere fossile Rohstoffe mehr denn je in Verruf bringt, einen Teil des Erd\u00f6ls fu\u0308r die chemische Produktion. Sie haben einen Prozess entwickelt, mit dem die Covestro AG in einer Pilotanlage j\u00e4hrlich bis zu 5.000 Tonnen Polyol herstellen kann. Diese Substanz verarbeiten andere Unternehmen zu Polyurethanen weiter, die bereits als Schaumstoffe in Matratzen oder als Klebstoffe in Sportb\u00f6den Verwendung finden. Fu\u0308r Polyurethane gibt es jedoch zahllose weitere Anwendungen: etwa als Weichsch\u00e4ume in Autositzen oder in Form von Hartsch\u00e4umen in D\u00e4mmmaterialien. Allein fu\u0308r Weichsch\u00e4ume werden j\u00e4hrlich knapp vier Millionen Tonnen Polyole ben\u00f6tigt.<\/p>\n<h3>Der richtige Katalysator bringt CO<sub>2<\/sub> auf Trab<\/h3>\n<p>Von der Innovation der drei Chemiker war die Jury des Deutschen Zukunftspreises so beeindruckt, dass sie die Forscher in die Endrunde der letzten drei Teams gew\u00e4hlt hat. Die Jury des Deutschen Zukunftspreises bestimmt in einer letzten Sitzung am 27. November das Preistr\u00e4gerteam. Der Preis wird von Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier am Abend an das Siegerteam u\u0308bergeben. \u201eSchon die Nominierung fu\u0308r den Deutschen Zukunftspreis best\u00e4tigt uns in unserem Ansatz, durch eine enge Kooperation von akademischer und industrieller Forschung zukunftsf\u00e4hige Techniken und Produkte zu entwickeln, auch wenn wir dabei anfangs einigen Hindernissen gegenu\u0308ber stehen\u201c, sagt Walter Leitner.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich mussten die Forscher auf dem Weg zu Kunststoffen, die teilweise aus CO<sub>2<\/sub> hergestellt werden, einige H\u00fcrden nehmen. Das fing bei den Eigenschaften von CO<sub>2<\/sub> an: Das Gas ist chemisch sehr tr\u00e4ge, nicht von ungef\u00e4hr wird es in Feuerl\u00f6schern eingesetzt. So l\u00e4sst es sich gew\u00f6hnlich nur mit hohem Energieaufwand dazu bringen, Partnerschaften mit anderen Substanzen einzugehen. Abhilfe schafft da der richtige Katalysator. Ein solcher chemischer Partnervermittler bringt Reaktionspartner auf Trab, indem er die Aktivierungsenergie f\u00fcr die Umwandlung senkt und diese in eine gew\u00fcnschte Richtung steuert. F\u00fcr den Einbau von CO<sub>2<\/sub> in das Polyol haben die Forscher am Catalytic Center CAT, einer gemeinsamen Einrichtung der RWTH Aachen und der Covestro AG, sowie bei Covestro den geeigneten Katalysator gefunden. Und weil sie die Erkl\u00e4rung, wie er wirkt, mitgeliefert haben, konnten sie auch das Produktionsverfahren fu\u0308r die Polyole optimieren. Dabei ging es ihnen unter anderem darum, genau steuern zu ko\u0308nnen, wieviel CO<sub>2<\/sub> in das Polyol eingebaut wird. \u201eWir haben damit die Voraussetzung fu\u0308r einen chemischen Prozess geschaffen, mit dem wir industriell die neuen CO<sub>2<\/sub>-Polyole herstellen k\u00f6nnen\u201c, sagt Christoph G\u00fcrtler.<\/p>\n<h3>Ein Muster, um weitere chemische Prozesse zu defossilisieren<\/h3>\n<p>Mit vielen aufw\u00e4ndigen Detailentwicklungen gelang es Walter Leitner, Christoph G\u00fcrtler und Berit Stange, das Verfahren zum einen nachhaltiger zu gestalten. Das wiesen Fachleute der Covestro, aber auch externe Gutachter durch Analysen der \u00f6kologischen Bilanz nach. Zum anderen lassen sich durch den dosierten Einbau von CO<sub>2<\/sub> sogar die Eigenschaften des Produktes verbessern. \u201eSo ergibt die Innovation nicht nur \u00f6kologisch, sondern auch \u00f6konomisch Sinn\u201c, sagt Berit Stange.<\/p>\n<p>Das CO<sub>2<\/sub>-basierte Produktionsverfahren fu\u0308r Polyole er\u00f6ffnet auch eine Perspektive \u00fcber die Herstellung dieser Substanzen und die daraus erzeugten Polyurethane hinaus. \u201eWir haben gezeigt, dass es m\u00f6glich ist, CO<sub>2<\/sub> als Rohstoff zu nutzen und damit den CO<sub>2<\/sub>&#8211; Fu\u00dfabdruck der chemischen Industrie zu reduzieren\u201c, sagt Walter Leitner. \u201eDamit wollen wir nach diesem Muster weitere chemische Prozesse defossilisieren, also unabh\u00e4ngiger von fossilen Rohstoffen machen. Dieses Ziel spornt uns zu weiterer Grundlagenforschung auf dem Gebiet der katalytischen CO<sub>2<\/sub>-Umwandlung an.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>BU:<\/p>\n<p>1) Walter Leitner (r.) und Christoph G\u00fcrtler, \u00a9 Deutscher Zukunftspreis\/Ansgar Pudenz<\/p>\n<p>2) Dr. Berit Stange, Dr. Christoph G\u00fcrtler (beide Covestro AG), Prof. Dr. Walter Leitner (MPI CEC), \u00a9 Deutscher Zukunftspreis\/Ansgar Pudenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie haben der chemischen Industrie einen neuen Rohstoff erschlossen. Und ausgerechnet mit dem Treibhausgas CO2 l\u00e4sst sich dank der Arbeit von Walter Leitner, Christoph G\u00fcrtler und Berit Stange jetzt ein Teil des Erd\u00f6ls ersetzen, aus dem Komponenten unter anderem f\u00fcr Schaum- und Klebstoffe gewonnen werden. Das katalytische Verfahren und die ersten Produkte, die damit erzeugt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,5571],"tags":[10744,15021,10743],"supplier":[10858,5225,98],"class_list":["post-66783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-co2-based","tag-carboncapture","tag-polyole","tag-useco2","supplier-covestro-group","supplier-max-planck-institut-fuer-chemische-energiekonversion","supplier-rheinisch-westfaelische-technische-hochschule-aachen-rwth"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66783"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66783\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66783"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=66783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}