{"id":66726,"date":"2019-09-20T07:20:22","date_gmt":"2019-09-20T05:20:22","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=66726"},"modified":"2021-09-09T21:27:06","modified_gmt":"2021-09-09T19:27:06","slug":"gruener-wasserstoff-ist-weltweit-auf-dem-vormarsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gruener-wasserstoff-ist-weltweit-auf-dem-vormarsch\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcner Wasserstoff ist weltweit auf dem Vormarsch"},"content":{"rendered":"<p>Wasserstoff ist nicht nur in Deutschland gerade das Thema der Stunde, auch die internationale Energiebranche diskutiert auf der Weltenergiekonferenz in Abu Dhabi \u00fcber die Bedeutung der\u00a0molekularen Speicher der Zukunft. \u201eGr\u00fcner Wasserstoff wird 2030 auf dem Kostenniveau von Fl\u00fcssigerdgas (LNG) sein und bis 2050 mit 0,80 Cent pro Kilogramm sogar g\u00fcnstiger als fossile Kraftstoffe werden\u201c, ist Frank Wouters, Direktor des Clean Energy Networks, \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Dass die Energiewende ohne den Einsatz von gr\u00fcnem Wasserstoff nicht zu bew\u00e4ltigen ist,\u00a0stellt auf dem gr\u00f6\u00dften und wichtigsten Treffen der Energiewelt fast niemand mehr in Frage. \u201eWenn wir wirklich von den fossilen Energien wegkommen wollen, brauchen wir eine gro\u00dfe industrielle Speicherm\u00f6glichkeit f\u00fcr die Erneuerbaren, und da kommen wir an dem Thema molekulare Medien nicht vorbei\u201c, meint auch Willi Meixner, Vorsitzender der Siemens-Sparte Power Generation and Operations. \u201eDie Wirtschaftlichkeit ist noch einen Riesensprung weit weg, aber der Bedarf ist doch heute schon da\u201c, sagt der Manager in Abu Dhabi.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend lange die Rede von einer \u201eAll electric\u201c, also einer komplett elektrifizierten Gesellschaft war, halten die meisten heute einen Mix aus verschiedenen Energieformen f\u00fcr sinnvoll. Und dabei soll die vielversprechende Power-to-X-Technologie eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Rolle spielen. \u201eGr\u00fcner Wasserstoff k\u00f6nnte einen wirklichen Unterschied f\u00fcr die Energiewende machen\u201c, ist Energieexperte Dieter Helm, Gr\u00fcnder des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research, \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Der molekulare Energiespeicher hat viele Vorteile. Gr\u00fcner Wasserstoff entsteht mit dem altbekannten Verfahren der Elektrolyse und erzeugt durch Wasser und \u2013 in diesem Fall erneuerbaren Strom \u2013 klimaneutralen Wasserstoff. In Strom umgewandelt kann er bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden und so als saisonaler Speicher f\u00fcr Wind- und Solarenergie dienen.<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Wasserstoff kann aber auch zu synthetischen Kraftstoffen, zum Beispiel E-Fuels oder Methan-Ersatz, gewandelt werden, oder am effizientesten direkt\u00a0zum Einsatz kommen \u2013 beispielsweise in der Industrie. Experten des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) attestieren Power to X ein Marktpotenzial bis zu einer Billion Dollar im Jahr 2050.<\/p>\n<p>Noch hat es die Technologie zwar nicht aus ihrer Nische geschafft, aber immer mehr Vertreter der Energiebranche glauben an den gr\u00fcnen Wasserstoff. \u201eWir glauben, dass es beim Thema Wasserstoff eine \u00e4hnliche Kostenentwicklung geben wird wie bei Solar- und Windenergie. In den n\u00e4chsten Jahren werden wir hier auch zu wirtschaftlichen Preisen kommen\u201c, ist auch Siemens-Manager Meixner \u00fcberzeugt. So sehr, dass alle von Siemens hergestellten Turbinen ab dem n\u00e4chsten Jahr schon 20 Prozent Wasserstoff verbrennen k\u00f6nnen und ab 2030 dann 100 Prozent.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Energiekonzern Engie geht sogar noch einen ganzen Schritt weiter. Schon 2030 k\u00f6nne man gr\u00fcnen\u00a0Wasserstoff zu denselben Kosten herstellen\u00a0wie den bislang eingesetzten Wasserstoff aus fossilen Energien, ist Damien Sage \u00fcberzeugt, der sich bei dem Versorger um\u00a0die Entwicklung von Wasserstoff-Projekten im Mittleren Osten und Asien k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Auch der Chef des norddeutschen Energieversorgers EWE sieht in gr\u00fcnem Wasserstoff wichtiges Pufferpotenzial, vor allem f\u00fcr \u00fcbersch\u00fcssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen. \u201eWir haben in unserem Netz schon 92 Prozent Erneuerbare gehabt und damit sehr viele \u00dcbersch\u00fcsse. Wir brauchen die Power-to-X-Technologie und haben auch genug Abnehmer f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff \u2013 zum Beispiel in der Stahlerzeugung\u201c, sagte Stefan Dohler. Auch EWE hat schon das ein oder andere Pilotprojekt gestartet, aber mit dem gro\u00dfen Durchbruch rechnet aber auch er nicht\u00a0vor mindestens f\u00fcnf\u00a0bis zehn Jahren.<\/p>\n<p>Klar ist allerdings schon heute: Setzt Deutschland in gro\u00dfem Ausma\u00df auf gr\u00fcnen Wasserstoff, geht das nicht alleine. Der Weltenergierat hat sogar einen Fahrplan f\u00fcr gr\u00fcne, synthetische Kraftstoffe entworfen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Experten ist klar, dass langfristig gro\u00dfe Mengen Strom aus dem Ausland kommen m\u00fcssen. Zum Beispiel aus Australien, Chile, Argentinien oder dem s\u00fcdlichen\u00a0Afrika, aber auch aus sonnenreichen Staaten wie Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>In den meisten arabischen L\u00e4ndern ist die neue Technologie allerdings noch lange kein\u00a0Thema, das die Massen begeistert. \u201eTats\u00e4chlich sieht man das hier sehr differenziert. Noch treiben die Einnahmen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft Staaten wie die Emirate oder Saudi-Arabien an\u201c, beobachtet\u00a0Meixner. Die Zur\u00fcckhaltung sei vergleichbar mit jener der Autoindustrie in Bezug auf die Elektromobilit\u00e4t vor f\u00fcnf Jahren, aber: \u201eDas kommt noch\u201c, ist er \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Bis dahin schaut sich Siemens auch schon mal in anderen L\u00e4ndern um. Vor allem in Lateinamerika, Australien und China. \u201eBei dem China-Besuch der Bundeskanzlerin hat Siemens-CEO Joe Kaeser eine Vereinbarung mit der chinesischen State Power\u00a0Investment\u00a0Corporation unterschrieben. Wir wollen gemeinsam herausfinden, welche Rolle Wasserstoff in der Mobilit\u00e4t in China spielen kann\u201c, sagt Meixner. Deutschland d\u00fcrfe jetzt nicht den Fehler machen wieder zu langsam, oder zu isoliert vorzugehen, schlie\u00dflich stehe man bislang beim Thema Power to X ziemlich gut da.<\/p>\n<p>Den Grundstein daf\u00fcr hat die Bundesregierung bereits gelegt.\u00a0Das Wirtschaftsministerium unter Minister Peter Altmaier (CDU) arbeitet bereits an einem Konzept\u00a0f\u00fcr den Einsatz von gr\u00fcnem Wasserstoff in Deutschland. \u201eGasf\u00f6rmige Energietr\u00e4ger sind fester und langfristiger Bestandteil der Energiewende\u201c, hei\u00dft es in einem internen Ministeriumspapier.<\/p>\n<p>Strombasierte Gase wie Wasserstoff w\u00fcrden Erdgas \u201ekontinuierlich substituieren, insbesondere nach 2030\u201c. Erste offizielle Eckpunkte will\u00a0Altmaier\u00a0im Oktober vorlegen. Die Industrie zumindest hofft auf die richtigen Anreize. \u201eDer Zwang, in diese Technologie zu gehen, ist sehr gro\u00df. Wir m\u00fcssen umdenken, uns bleibt gar nichts anderes \u00fcbrig als massiv auf Power to X zu setzen\u201c, sagt Meixner.<\/p>\n<p>Mehr:\u00a0Die Energiewende ist ein sehr deutsches Thema. Doch die einzige Chance, das Klima zu sch\u00fctzen, liegt in einer weltweiten Zusammenarbeit, meint Handelsblatt-Reporterin Kathrin Witsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wasserstoff ist nicht nur in Deutschland gerade das Thema der Stunde, auch die internationale Energiebranche diskutiert auf der Weltenergiekonferenz in Abu Dhabi \u00fcber die Bedeutung der\u00a0molekularen Speicher der Zukunft. \u201eGr\u00fcner Wasserstoff wird 2030 auf dem Kostenniveau von Fl\u00fcssigerdgas (LNG) sein und bis 2050 mit 0,80 Cent pro Kilogramm sogar g\u00fcnstiger als fossile Kraftstoffe werden\u201c, ist [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,5571],"tags":[14051,15938,10743,13255],"supplier":[6352,5979,13412,16145,7395,608],"class_list":["post-66726","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-co2-based","tag-energie","tag-powertox","tag-useco2","tag-wasserstoff","supplier-bundesministerium-wirtschaft-energie","supplier-cdu-deutschland","supplier-engie-services","supplier-eu-gcc-clean-energy-network","supplier-ewe-ag","supplier-siemens-ag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66726\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66726"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=66726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}