{"id":66605,"date":"2019-09-18T07:29:11","date_gmt":"2019-09-18T05:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=66605"},"modified":"2019-09-14T09:20:30","modified_gmt":"2019-09-14T07:20:30","slug":"insecta-mit-besucherrekord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/insecta-mit-besucherrekord\/","title":{"rendered":"INSECTA mit Besucherrekord"},"content":{"rendered":"<p>Die Fachkonferenz <a href=\"https:\/\/insecta-conference.com\/\" target=\"_blank\">INSECTA<\/a> w\u00e4chst weiter. Mehr als 270 Teilnehmer aus 40 verschiedenen L\u00e4ndern trafen sich am 5. und 6. September in Potsdam, um \u00fcber Mehl- und Buffalow\u00fcrmer, Grillen, Heuschrecken und Artgenossen zu sprechen. Die Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft treffen sich j\u00e4hrlich, um \u00fcber die aktuellsten technischen, rechtlichen, wirtschaftlichen, \u00f6kologischen und ethischen Entwicklungen bei der Produktion und Nutzung von Insekten als Futter- und Lebensmittel sowie f\u00fcr den Non-Food-Bereich zu diskutieren.<\/p>\n<p>Diesmal im Fokus: die Aufzucht und Haltung von Insekten, regulatorische H\u00fcrden sowie Aspekte wie Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Die INSECTA wird seit 2015 vom Leibniz-Institut f\u00fcr Agrartechnik und Bio\u00f6konomie (ATB) gemeinsam mit Pilot Pflanzen\u00f6ltechnologie Magdeburg e.V. in wechselnden deutschen St\u00e4dten organisiert.<\/p>\n<p>Die Insektenindustrie w\u00e4chst<br \/>\nAls Proteinquelle der Zukunft sind die Insekten zum Hoffnungstr\u00e4ger avanciert. \u201eDer Hype um die Nutzung von Insekten hat um 2015 herum begonnen und seitdem nicht mehr aufgeh\u00f6rt\u201c, sagte der niederl\u00e4ndische Forscher Arnold van Huis. Gro\u00dfe Unternehmen wie Hermetia aus Deutschland, Proti-Farm aus den Niederlanden oder das franz\u00f6sische Ynsect sind auf Wachstumskurs. Au\u00dferdem seien rund 270 neue Start-ups in den letzten Jahren weltweit entstanden. Sie wollen mit Insektenburgern, Energieriegeln und proteinreicher Pasta den Markt erobern.<\/p>\n<p>Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht: Laut Van Huis soll die Insektenindustrie bis 2030 auf 8 Mrd. US-Dollar anwachsen und dazu beitragen, den Fleischkonsum und somit CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und Landverbrauch zu reduzieren sowie eine proteinreiche Ern\u00e4hrung auch in \u00e4rmeren L\u00e4ndern zu erm\u00f6glichen. Auch den heimischen Speiseplan k\u00f6nnen sie, so van Huis, bereichern: \u201eInsekten enthalten mehr Antioxidantien als Orangensaft oder Oliven\u00f6l und Chitin, was das Immunsystem st\u00e4rkt\u201c, so der Insektenforscher.<\/p>\n<p>Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Futtermittelindustrie. Hier k\u00f6nnten zum Beispiel die Insektenlarven der Schwarzen Soldatenfliege dazu beitragen, die umweltsch\u00e4dlichen Soja-Importe \u2013 von denen Europa derzeit noch rund 30 Millionen Tonnen bezieht \u2013 langfristig zu ersetzen. Ein Vorreiter in diesem Gebiet ist Katz Biotech. Das mittelst\u00e4ndische Unternehmen konzentrierte sich lange vor allem auf Wespen und Fliegen f\u00fcr die biologische Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung \u2013 seit einigen Jahren gibt es auch eine Zuchtanlage f\u00fcr die Soldatenfliege. Und die insgesamt rund 300 Tonnen Larven-Futtermehl, die Katz Biotech derzeit produziert, finden offenbar rei\u00dfenden Absatz.<\/p>\n<p>Unsicherheitsfaktor Gesetzgebung<br \/>\nEine Herausforderung f\u00fcr den Sektor sind die regulatorischen H\u00fcrden und vor allem die Langsamkeit, mit der die notwendige Gesetze vorangetrieben werden. Dabei wird eine eindeutige Rechtsprechung f\u00fcr viele Investoren als Grundvoraussetzung f\u00fcr weitere Investitionen genannt.<\/p>\n<p>Insekten als Bestandteil der menschlichen Nahrung tauchen erstmals in der EU Rechtsvorschrift \u00fcber neuartige Lebensmittel (EU) 2015\/2283 auf. Seit dem 1. Januar 2018 gelten sie als neuartige Lebensmittel und brauchen eine Zulassung. Damit die neue Verordnung nicht zu einem zwischenzeitlichen Verbot von Erzeugnissen f\u00fchrt, gilt nun eine \u00dcbergangsfrist von zwei Jahren f\u00fcr alle Produkte, die nach dem alten Recht von 1997 nicht als neuartig gelten. Bis Anfang 2019 sollten alle Antr\u00e4ge eingereicht werden; der Antrag f\u00fcr die Zulassung von Mehlw\u00fcrmern liegt schon seit M\u00e4rz 2018 bei der Europ\u00e4ischen Kommission \u2013 beziehungsweise bei der Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) \u2013 eine Entscheidung wird demn\u00e4chst und sp\u00e4testens Anfang 2020 erwartet.<\/p>\n<p>Auch im Futtermittelbereich geht es langsam voran. Bisher sind Insekten nur als Futter f\u00fcr Heimtiere und f\u00fcr Fische zugelassen \u2013 f\u00fcr K\u00fche, Schweine oder Gefl\u00fcgel gibt es noch keine Genehmigung. Eine politische Herausforderung hierbei ist, dass es zwar einen europ\u00e4ischen Dachverband gibt \u2013 die International Platform of Insects for Food and Feed (IPIFF) \u2013, aber nicht in jedem europ\u00e4ischen Land einen Landesverband, der die Interessen der Unternehmen vertritt und vorantreibt. Laut Nicolas Carbonelle von Bird &amp; Bird, der in Br\u00fcssel die Rechtslage seit Jahren beobachtet, ist die Situation \u201eweit davon entfernt, einfach zu sein\u201c, obwohl sich \u201ein den letzten zwei Jahren viel getan hat.\u201c<\/p>\n<p>Knackpunkt Wirtschaftlichkeit<br \/>\nEin weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Wirtschaftlichkeit. W\u00e4hrend es schon einige Studien zu den Nachhaltigkeits- und Gesundheitsvorteilen gibt, wird der wirtschaftliche Erfolg auch davon abh\u00e4ngen, ob die Insektenprodukte beim Konsumenten ankommen und ob sich der Markt f\u00fcr Tierfutter erschlie\u00dfen l\u00e4sst. Hier gilt es noch einige H\u00fcrden zu \u00fcberwinden: durch steigende Produktion k\u00f6nnten Preise reduziert werden und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit steigen \u2013 dazu bedarf es aber an Investitionen und Rechtssicherheit. Die Aufzucht von Insekten ist umweltfreundlich und \u00f6konomisch sinnvoll, wenn Abf\u00e4lle, also zum Beispiel Nebenprodukte aus Lieferketten f\u00fcr Getreide, Obst, Gem\u00fcse sowie lokalen Lebensmittelverarbeiten verf\u00fcttert werden k\u00f6nnen. Bisher ist dies noch nicht erlaubt \u2013 hier wird eine Entscheidung ab Anfang 2020 erwartet.<\/p>\n<p>Wenn sich die INSECTA-Experten 2020 wieder zusammenfinden, werden auf europ\u00e4ischer Ebene viele Weichen neu gestellt sein. Bleibt abzuwarten, ob der Sektor sein dynamisches Wachstum fortsetzen kann \u2013 an Gespr\u00e4chsstoff wird es den Experten jedenfalls nicht mangeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fachkonferenz INSECTA w\u00e4chst weiter. Mehr als 270 Teilnehmer aus 40 verschiedenen L\u00e4ndern trafen sich am 5. und 6. September in Potsdam, um \u00fcber Mehl- und Buffalow\u00fcrmer, Grillen, Heuschrecken und Artgenossen zu sprechen. 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