{"id":66547,"date":"2019-09-13T07:32:08","date_gmt":"2019-09-13T05:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=66547"},"modified":"2019-09-11T11:53:13","modified_gmt":"2019-09-11T09:53:13","slug":"der-umwelt-zuliebe-bioplastik-aus-lignin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/der-umwelt-zuliebe-bioplastik-aus-lignin\/","title":{"rendered":"Der Umwelt zuliebe: Bioplastik aus Lignin"},"content":{"rendered":"<p>Wie nachhaltig Biokunststoffe sind, ist bisher fragw\u00fcrdig. Noch handelt es sich eher um Nischenprodukte. Die Wissenschaft macht auf der Suche nach Plastik-Alternativen aber gro\u00dfe Fortschritte &#8211; so auch in Hamburg. Drei Frauen und ein Mann entwickeln hier neuartige Biokunststoffe.<\/p>\n<p>Die Versuchshalle der Technischen Universit\u00e4t Hamburg: viele Leitungen, Druckkessel, Ventile und ein s\u00fc\u00dflich-muffiger Geruch. &#8220;Hier haben wir viele verschiedene Biomassen ausgetestet und auch einen Teil unserer Produkte entwickelt&#8221;, erz\u00e4hlt die Wissenschaftlerin Wienke Reynolds. &#8220;Das hier ist die Ideenschmiede.&#8221; Der Stoff, auf den es Reynolds und ihre drei Kollegen vom Projekt LignoPure abgesehen haben, ist Lignin. Lignin ist neben Zellulose einer der Hauptinhaltsstoffe von Holz. Es l\u00e4sst sich aber auch aus Chinaschilf oder Stroh gewinnen.<\/p>\n<p>Lignin-Gewinnung funktioniert \u00e4hnlich wie Kaffeekochen<br \/>\nHier l\u00e4uft das \u00fcber eine Anlage, die so gro\u00df wie eine Einbauk\u00fcche ist, und funktioniert in etwa\u00a0wie eine Espressomaschine. &#8220;Wir haben unseren Siebtr\u00e4ger, aber keinen Kaffee, sondern Stroh. Wir legen Wasser vor, das wird auf Druck gebracht, 40 Bar, dann aufgeheizt auf 200 Grad&#8221;, erkl\u00e4rt Reynolds. &#8220;Es wird durch die Biomasse gedr\u00fcckt wie beim Kaffeekochen und das Lignin ist dann im Kaffeesatz drin.&#8221;<\/p>\n<p>Abfallprodukt bei der Papierherstellung<br \/>\nDas Lignin f\u00e4llt auch in riesigen Mengen als Abfallprodukt bei der Papierherstellung an. Bisher dient es vor allem als Brennstoff. Dabei l\u00e4sst sich Lignin auch ganz anders und vor allem vielseitig einsetzen. Das zeigen die verschiedenen Materialproben. Auf einem Tisch im Konferenzraum liegen die Ergebnisse der jahrelangen Forschungsarbeit.<\/p>\n<p>Biobasierte und bioabbaubare Prototypen<br \/>\nDer Inhalt eines Glases gleicht auf den ersten Blick Kakaopulver. &#8220;Das ist unser Lignin. Das ist nicht besonders h\u00fcbsch, kein attraktives Produkt&#8221;, r\u00e4umt die Wissenschaftlerin ein. Aber daraus entwickelte das Team jede Menge Prototypen, wie beispielsweise braunes, flexibles, leder- oder gummiartiges Material. Das sei komplett biobasiert und bioabbaubar. Man k\u00f6nne es sich im industriellen Bereich aber auch im Modebereich vorstellen. Dieses Lignin-Material sieht aus wie dicke, braune Folie. Auch die anderen Prototypen sind eher dunkel, wie zum Beispiel ein kleiner Reifen oder Isoliersch\u00e4ume.<\/p>\n<p>Ligninperlen statt Mikroplastik in Kosmetika<br \/>\nDie Projektmitbegr\u00fcnderin Joana Gil zeigt ein mit Wasser gef\u00fclltes Probenglas. Darin schwimmen kleine braune Perlen. &#8220;Wir k\u00f6nnen das in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen herstellen f\u00fcr die Kosmetikindustrie. Die sind aus Lignin und aus einem anderen biobasiertem Material. Das m\u00f6chten wir zum Beispiel f\u00fcr Body-Scrubs oder Duschgel herstellen.&#8221; Diese Mikroperlen k\u00f6nnten aus ihrer Sicht Mikroplastik in Peelings oder Zahnpasta ersetzen. In der Kl\u00e4ranlage w\u00fcrden sie &#8211; anders als Mikroplastik &#8211; komplett abgebaut werden.<\/p>\n<p>CO2-Emission ist schwer zu bilanzieren<br \/>\nAndere Lignin-Verbindungen sind weniger umweltfreundlich. Durch die Kombination mit anderen Stoffen sind sie nicht abbaubar. Diese Mischungen lassen sich aber auch nicht recyceln. Ein Nachteil gegen\u00fcber Kunststoff aus Erd\u00f6l. Anders sieht es aus Sicht von Wissenschaftlerin Reynolds bei der CO2-Bilanz aus: &#8220;Es ist in manchen Punkten nat\u00fcrlich schwer: Wenn wir Lignin abnehmen aus den Papierm\u00fchlen, inwieweit m\u00fcssen wir die CO2-Emission der Papierhersteller mit einbeziehen? Die ist nat\u00fcrlich nicht ganz gering.&#8221; Das Lignin sei aber als Reststoff verf\u00fcgbar. Und wenn man vom Lignin an sich starte, dann seien die weiteren Veredelungsprozesse bei Weitem nicht mehr so energieintensiv wie beispielsweise die, um Erd\u00f6l aufzutrennen und dann aus den Bestandteilen wieder Kunststoffe herzustellen.<\/p>\n<p>Vom Forschungsprojekt zum Unternehmen<br \/>\nDas Forschungsteam von LignoPure gr\u00fcndet derzeit ein Unternehmen. Dann will es Lignin im gro\u00dfen Stil einkaufen, Kunststoffl\u00f6sungen f\u00fcr seine Kunden entwickeln oder vielleicht sogar selbst produzieren. Das Interesse ist da. Ein gro\u00dfer Klebebandhersteller ist bereits Projektpartner. Die Materialien aus Lignin k\u00f6nnten teilweise eine sinnvolle Alternative zu Plastik werden. Teilweise sind sie schlicht das kleinere \u00dcbel: &#8220;D\u00e4mmstoffe sind so ziemlich das Fieseste, was die Erd\u00f6lchemie zu bieten hat, was die Herstellprozesse, aber auch die Giftigkeit angeht. Und wenn wir da allein schon einen Teil des Materials zum Beispiel durch Lignin ersetzen k\u00f6nnen, haben wir schon viel geschafft.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie nachhaltig Biokunststoffe sind, ist bisher fragw\u00fcrdig. Noch handelt es sich eher um Nischenprodukte. Die Wissenschaft macht auf der Suche nach Plastik-Alternativen aber gro\u00dfe Fortschritte &#8211; so auch in Hamburg. Drei Frauen und ein Mann entwickeln hier neuartige Biokunststoffe. Die Versuchshalle der Technischen Universit\u00e4t Hamburg: viele Leitungen, Druckkessel, Ventile und ein s\u00fc\u00dflich-muffiger Geruch. &#8220;Hier haben [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12230,11828],"supplier":[15206,26859],"class_list":["post-66547","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biokunststoff","tag-lignin","supplier-lignopure","supplier-technische-universitat-hamburg-harburg-tuhh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66547"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66547\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66547"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66547"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=66547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}