{"id":66491,"date":"2019-09-12T07:26:03","date_gmt":"2019-09-12T05:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=66491"},"modified":"2019-09-10T13:11:39","modified_gmt":"2019-09-10T11:11:39","slug":"schaum-fuer-die-wunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schaum-fuer-die-wunde\/","title":{"rendered":"Schaum f\u00fcr die Wunde"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schlecht heilende Wunden und starke Vernarbungen sind mehr als nur ein kosmetisches Problem; sie k\u00f6nnen die Beweglichkeit und Gesundheit eines Menschen deutlich beeintr\u00e4chtigen. Empa-Forschende haben nun einen Schaumstoff entwickelt, der \u00fcberm\u00e4ssige Narbenbildung verhindern und der Wundheilung auf die Spr\u00fcnge helfen soll. Eine essenzielle Zutat: Kurkuma, der gelbe Ingwer.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_66488\" aria-describedby=\"caption-attachment-66488\" style=\"width: 558px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66488\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Wundschaum-EQ65-Stopperbild-unsplash.jpg\" alt=\"Wundschaum EQ65 Stopperbild unsplash\" width=\"558\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Wundschaum-EQ65-Stopperbild-unsplash.jpg 869w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Wundschaum-EQ65-Stopperbild-unsplash-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Wundschaum-EQ65-Stopperbild-unsplash-600x338.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-66488\" class=\"wp-caption-text\">Wundschaum (Bild: Unsplash)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Narbe am Ellbogen, die bei jeder Bewegung spannt, oder ein Fuss, an dem sich eine Wunde einfach nicht schliessen will \u2013 schlecht heilende Verletzungen sind eine verbreitete Ursache von gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen. Und obwohl Millionen von Menschen in ihrem Alltag betroffen sind, ist der komplexe Prozess der Wundheilung noch nicht vollst\u00e4ndig verstanden oder gar steuerbar. Empa-Forschende haben daher einen Schaumstoff entwickelt, der in Hautwunden platziert wird und den nat\u00fcrlichen Heilungsprozess optimiert. Mit dem Projekt \u00abScaravoid\u00bb haben Markus Rottmar und sein Team im \u00ab<a href=\"https:\/\/www.empa.ch\/web\/s404\" target=\"_blank\">Biointerfaces\u00bb-Labor<\/a> der Empa in St. Gallen einen Schritt in eine neue Richtung gewagt. \u00abTraditionelle Behandlungen zielen auf einzelne Faktoren der Wundheilung, etwa die Sauerstoffversorgung oder die Feuchtigkeitsregulation, ab und erzeugen lediglich eine unzureichende Gewebeantwort\u00bb, erkl\u00e4rt Rottmar. Innerhalb von \u00abScaravoid\u00bb, das von der Stiftung Gebert R\u00fcf gef\u00f6rdert wird, soll der Heilungsprozess indes umfassender verstanden und unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<h3>Perfektes Zusammenspiel<\/h3>\n<p>Klar ist bisher, dass ein perfekt orchestriertes Zusammenspiel vieler Faktoren im K\u00f6rper n\u00f6tig ist, um eine Verletzung der Haut wieder zu schliessen und in gesundes Gewebe umzuformen. Zellen m\u00fcssen angelockt werden, damit eine wohldosierte Entz\u00fcndung die Wunde reinigt. Damit sich der ges\u00e4uberte Defekt schliesst, w\u00e4chst neues Gewebe heran, das schliesslich zu funktionsf\u00e4higer Haut umgebaut wird. So erstaunlich die Selbstheilungskr\u00e4fte des K\u00f6rpers im Idealfall wirken, so empfindlich kann jedoch auch eine Fehlfunktion das Gleichgewicht st\u00f6ren und zu \u00fcberschiessender Narbenbildung oder unzureichendem Wundverschluss f\u00fchren. Bei \u00e4lteren Menschen oder Diabetikern beispielsweise ist das Risiko erh\u00f6ht, dass die komplexe Kaskade beeintr\u00e4chtigt wird.<\/p>\n<p>Mit \u00abScaravoid\u00bb greift das Empa-Team nun mit einem bereits f\u00fcr die medizinische Anwendung zugelassenen biologischen Polymerger\u00fcst gleich an mehreren Stellen unterst\u00fctzend in den Vorgang ein. In einem Hochdruckreaktor wird das Polymer mittels superkritischem Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) aufgesch\u00e4umt, wobei die Porengr\u00f6sse mit Hilfe von Druck und Temperatur fein gesteuert werden kann. Einmal in eine Verletzung platziert, soll das Polymerger\u00fcst mit seiner Arbeit beginnen: Einwandernden Zellen bietet es mit seiner offenporigen Architektur ein geeignetes Ger\u00fcst, um sich anzusiedeln. Da der Schaumstoff bioabbaubar ist, gestalten die Zellen die angebotene Polymerstruktur nach ihren Bed\u00fcrfnissen um und bilden ein neues, funktionst\u00fcchtiges Gewebe aus.<\/p>\n<figure id=\"attachment_66487\" aria-describedby=\"caption-attachment-66487\" style=\"width: 554px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-66487\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Zellleim-EQ65.jpg\" alt=\"Zellleim EQ65\" width=\"554\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Zellleim-EQ65.jpg 869w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Zellleim-EQ65-300x110.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Zellleim-EQ65-600x220.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-66487\" class=\"wp-caption-text\">Der Schaumstoff kann in eine Hautwunde platziert werden und den nat\u00fcrlichen Heilungsprozess opti-mieren (rechts). Im Ger\u00fcst des Polymerschaums finden Zellen Halt, um neues Hautgewebe aufzubauen (links). Image: Empa<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Nat\u00fcrliche Balance st\u00e4rken<\/h3>\n<p>Damit es dabei jedoch nicht zu unerw\u00fcnschter Narbenbildung kommt, ist das Polymerger\u00fcst mit einer bioaktiven Substanz ausger\u00fcstet, die die Narbenbildung hemmen soll. Hier haben sich die Forscher in der Natur bedient und einen Stoff verwendet, den wir eher aus der K\u00fcche kennen als aus dem Spital: Curcumin. Das Pulver der Kur kuma-Wurzel, gelber Ingwer genannt, f\u00e4rbt als Zusatzstoff E100 bestimmte Lebensmittel wie Senf oder Margarine und tr\u00e4gt im Currypulver zum Aroma bei. Als pharmakologische Komponente ist Curcumin hingegen wegen seiner entz\u00fcndungshemmenden Eigenschaften interessant. Die Empa-Forscher versetzten Zellkulturen mit Curcumin und fanden heraus, dass die Produktion von Biomarkern, die typischerweise in Narben vorkommen, deutlich hinunterreguliert wird.<\/p>\n<p>Ins Ger\u00fcst des Schaumstoffs eingebunden ist Curcumin, das nach und nach freigesetzt wird. Es steuert das Verhalten und die Funktion der Zellen, die in das Ger\u00fcst einwandern, und soll so die nat\u00fcrliche Balance der Wundheilung unterst\u00fctzen. Was derzeit in Labortests in Form von kleinen Polymerscheiben analysiert wird, soll in der klinischen Anwendung in Form von gr\u00f6sseren Polymermembranen eingesetzt werden. Die Membranen k\u00f6nnen dann vom Arzt passend zugeschnitten und im Wundbett platziert werden. Vor allem bei schwerwiegenden Verletzungen, etwa nach Verkehrsunf\u00e4llen oder starken Verbrennungen, sollen die Membranen die Wundheilung optimieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlecht heilende Wunden und starke Vernarbungen sind mehr als nur ein kosmetisches Problem; sie k\u00f6nnen die Beweglichkeit und Gesundheit eines Menschen deutlich beeintr\u00e4chtigen. Empa-Forschende haben nun einen Schaumstoff entwickelt, der \u00fcberm\u00e4ssige Narbenbildung verhindern und der Wundheilung auf die Spr\u00fcnge helfen soll. Eine essenzielle Zutat: Kurkuma, der gelbe Ingwer. 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