{"id":66394,"date":"2019-09-11T07:29:41","date_gmt":"2019-09-11T05:29:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=66394"},"modified":"2019-09-06T14:46:07","modified_gmt":"2019-09-06T12:46:07","slug":"biokunststoffe-bringen-eine-co2-einsparung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokunststoffe-bringen-eine-co2-einsparung\/","title":{"rendered":"Biokunststoffe bringen eine CO<sub>2<\/sub>-Einsparung"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-66396 alignright\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bildschirmfoto-2019-09-06-um-14.30.48-300x176.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2019-09-06 um 14.30.48\" width=\"266\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Bildschirmfoto-2019-09-06-um-14.30.48-300x176.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2019\/09\/Bildschirmfoto-2019-09-06-um-14.30.48.png 407w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/>Teil 13 unserer Interviewserie zur Circular Economy: Im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Hans-Josef Endres, Leiter des IKK Institut f\u00fcr Kunststoff- und Kreislauftechnik an der Leibniz-Universit\u00e4t Hannover.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Schlechtes Kunststoff-Image \u00fcbertr\u00e4gt sich auf Biokunststoffe\u00a0\u00a0 <\/strong><\/li>\n<li><strong>Bio-basierte Kunststoffe sind klimaneutral\u00a0\u00a0 <\/strong><\/li>\n<li><strong>Biokunststoffe k\u00f6nnen problemlos recycelt werden<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h3>Kunststoffe haben ein schlechtes Image. K\u00f6nnen Biokunststoffe da zu einem Stimmungswandel beitragen?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Hans-Josef Endres:<\/strong> Bio-Kunststoffe k\u00f6nnten beim Image etwas bewirken, weil sie sowohl auf der Rohstoffseite, als auch auf der Entsorgungsseite Vorteile mit sich bringen. Kunststoffe haben ihr schlechtes Image nicht nur, weil sie an der Petrochemie h\u00e4ngen, sondern auch wegen ihrer Langlebigkeit. Die ist aus Produktsicht vorteilhaft, im Fall des M\u00fclls wird sie aber als Nachteil gesehen. Tats\u00e4chlich ist es aber nicht so, dass Biokunststoffe profitieren. Im Gegenteil: In der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbertr\u00e4gt sich meist das Negativimage des petrobasierten Kunststoffes auch auf Biokunststoffe, obwohl sie Vorteile wie die Kompostierbarkeit haben und ebenfalls recycelt werden k\u00f6nnen. Der Verbraucher differenziert nicht.<\/p>\n<h3>Bei biobasierten Kunststoffen wird auch kritisiert, dass sie Nahrungsmittelressourcen verbrauchen.<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Die Kritik ist sehr pauschal. Der Treibhauseffekt verbraucht auch Anbaufl\u00e4che, und wir setzen ja auch nachwachsende Rohstoffe im Energiebereich ein. Au\u00dferdem reden wir bei den Rohstoffen der biobasierten Kunststoffe nicht nur von solchen, die Basis f\u00fcr Nahrungsmittel sind, sondern auch von Baumwolle, Kautschuk oder Linoleum sowie zunehmend auch von landwirtschaftlichen Abfallstoffen. Aber lassen wir die einmal beiseite. Wenn man die 350 Millionen Tonnen Kunststoff, die derzeit j\u00e4hrlich auf der Welt produziert werden, vollst\u00e4ndig \u00fcber biobasierte Kunststoffe darstellen w\u00fcrde, dann brauchte man etwa 5 Prozent der zur Verf\u00fcgung stehenden Ackerfl\u00e4che.<\/p>\n<h3>Es gibt biobasierte Kunststoffe und biologisch abbaubare. Was ist besser?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Das h\u00e4ngt von der Anwendung ab. Biobasiert beschreibt ausschlie\u00dflich den Rohstoffursprung zur Polymerherstellung. Bioabbaubar sind Kunststoffe, wenn Mikroorganismen die Polymerstruktur durch biologische Prozesse verstoffwechseln k\u00f6nnen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Rohstoffursprung. So kann man aus Erd\u00f6l auch bioabbaubare und aus nachwachsenden Rohstoffen auch best\u00e4ndige Kunststoffe machen. Die allerersten Kunststoffe, die wir hatten waren alle biobasiert, da hatte man einfach noch kein Erd\u00f6l.<\/p>\n<h3>Wozu sollte man einen biobasierten Kunststoff herstellen, wenn er nicht biologisch abbaubar ist?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Da k\u00f6nnte man auch fragen, wozu man einen biobasierten Kraftstoff braucht, wenn man ihn auch petrochemisch machen kann. Der Vorteil ist eine Einsparung an CO<sub>2<\/sub>. Jeder Kunststoff wird ganz am Ende seiner Lebenszeit entsorgt \u2013 durch Verbrennung oder, wie bei vielen Biokunststoffen, auch durch Kompostierung. Biobasierte Kunststoffe sind klimaneutral, denn jede Pflanze nimmt w\u00e4hrend ihrer Lebenszeit genauso viel CO<sub>2<\/sub> auf, wie sie bei ihrer Verbrennung oder Zersetzung wieder abgibt. Hinzu kommt, dass der Kunststoffbedarf zunimmt. Wir werden bald nicht mehr 5, sondern vielleicht 10 Prozent des Erd\u00f6ls f\u00fcr Kunststoff ben\u00f6tigen. Die Mineral\u00f6lindustrie k\u00e4me daher eher ohne die Kunststoffe als Abnehmer zurecht als umgekehrt, die Kunststoffe ben\u00f6tigen derzeit noch die petrochemischen Rohstoffe.<\/p>\n<h3>Was steht aktuell im Fokus der Forschung bei Biokunststoffen?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Ein wichtiges Forschungsfeld ist die Entwicklung sogenannter Drop-ins. Darunter versteht man biobasierte Kunststoffe, die strukturgleich zu den petrochemischen Pendants sind, wie etwa aus Bioalkohol hergestelltes Polyethylen oder PET. Sie bieten technisch dieselben Eigenschaften wie herk\u00f6mmliche Kunststoffe, sind aber \u00f6kologisch besser, da sie biobasiert, also nachwachsend sind.<\/p>\n<h3>Die EU legt in ihrer Kunststoffstrategie den Fokus auf das Recycling. Ist das f\u00fcr Biokunststoffe ein Problem?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Auch Biokunststoffe k\u00f6nnen im Abfallstrom getrennt, recycelt und in neue Produkte gebracht werden. Werden Sie am Ende kompostiert oder gar verbrannt, handelt es sich dennoch um ein nat\u00fcrliches Recycling des Kohlenstoffs \u00fcber die Photosynthese. Wenn man die petrochemischen Kunststoffe recycelt, ist das ein technisches Recyceln des Kohlenstoffs. Auch die Drop-ins lassen sich problemlos zusammen mit ihren petrochemischen Pendants recyceln. Daneben haben wir die neuartigen Biokunststoffe, wie das PLA. PLA muss \u2013 so wie alle anderen Kunststoffe auch \u2013 aus dem Abfallstrom separiert werden. Da steht und f\u00e4llt die Rezyklierbarkeit schlicht und einfach mit der Menge. PLA ist im Abfallstrom problemlos identifizierbar, man kann es recyceln, aber aufgrund der geringen Menge lohnt es sich derzeit nicht, hier eine extra Sortierstufe f\u00fcr PLA in eine Abfallsortierung einzuziehen. Das Recycling von PET hat sich allerdings auch erst \u00fcber die PET-Menge entwickelt.<\/p>\n<h3>Es wird auch an Bioverbundkunststoffen geforscht. Was k\u00f6nnen sie besser als andere Materialverbunde?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Bei der Carbonfaser zeigt sich das Dilemma der Verbundwerkstoffe. CFK wurde \u00fcber viele Jahre optimiert, aber man hat das Ende des Lebenszyklusses nicht auf dem Radar gehabt. Die Carbonfasermaterialien haben sehr gute Gebrauchseigenschaften, sind aber schwierig in der Entsorgung. Eine Carbonfaser ist dazu noch sehr energieintensiv in der Herstellung. Ein Auto aus CFK-Bauteilen wiegt zwar weniger und verbraucht dadurch weniger Treibstoff oder Energie. Bis man aber das CO<sub>2<\/sub> dadurch eingespart hat, dass bei der Produktion der Fasern entstanden ist, muss das Auto circa 150.000 Kilometer fahren. Bei CFK verschiebt man die Umweltbelastungen in die Phase der Faserherstellung und\u00a0 ungekl\u00e4rte Entsorgungssituation. Hier kommen jetzt die Vorteile der Bioverbundwerkstoffe ins Spiel. Damit kann man auch Leichtbauwerkstoffe herstellen. Aber hier haben wir wieder eine Materialkomponente mit einem biobasierten Rohstoffursprung. Gleichzeitig kann eine Naturfaser deutlich einfacher verbrannt werden, CO<sub>2<\/sub> neutral. Hier sieht es am Ende des Lebenszyklus deutlich besser aus, als bei den Carbonfasern.<\/p>\n<h3>Wie sehen sie die deutsche Kreislaufwirtschaft\u00a0 im internationalen Kontext?<\/h3>\n<p><strong>Prof. Endres:<\/strong> Einige andere L\u00e4nder schlagen hier eine \u00e4hnliche Richtung ein. In Kanada, zum Beispiel, denkt man auch zunehmend in Form einer Kreislaufwirtschaft und m\u00f6chte beispielsweise die Vielfalt der zugelassenen Verpackungskunststoffe reduzieren. Aber dort ist die Abfalllogistik teilweise noch nicht so stark entwickelt. Auch in einigen L\u00e4ndern Asiens steigt das Bewusstsein f\u00fcr Kreislaufwirtschaft. In den USA wird dagegen noch immer der meiste Kunststoffabfall deponiert. Einige L\u00e4nder in Europa und auch Deutschland nehmen bei Recycling von Kunststoffverpackungen eine gewisse Vorreiterrolle ein. Die dualen Systeme wurden in Deutschland bereits vor mehr als 20 Jahren eingef\u00fchrt. Deutschland hat hier einen Technologievorsprung, hat aber daraus bislang zu wenig gemacht. Erst jetzt mit viel politischem und gesellschaftlichem Druck kommt Bewegung in die Branche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 13 unserer Interviewserie zur Circular Economy: Im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Hans-Josef Endres, Leiter des IKK Institut f\u00fcr Kunststoff- und Kreislauftechnik an der Leibniz-Universit\u00e4t Hannover. Schlechtes Kunststoff-Image \u00fcbertr\u00e4gt sich auf Biokunststoffe\u00a0\u00a0 Bio-basierte Kunststoffe sind klimaneutral\u00a0\u00a0 Biokunststoffe k\u00f6nnen problemlos recycelt werden Kunststoffe haben ein schlechtes Image. K\u00f6nnen Biokunststoffe da zu einem Stimmungswandel beitragen? Prof. Hans-Josef [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10763,10416,10453,12998],"supplier":[15591,903],"class_list":["post-66394","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biokunststoffe","tag-circulareconomy","tag-recycling","tag-verbundwerkstoffe","supplier-leibniz-universitaet-hannover","supplier-verband-deutscher-maschinen-und-anlagenbau-ev-vdma"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66394"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66394\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66394"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=66394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}