{"id":65942,"date":"2019-08-28T07:29:27","date_gmt":"2019-08-28T05:29:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=65942"},"modified":"2019-08-23T14:07:44","modified_gmt":"2019-08-23T12:07:44","slug":"labor-statt-wal-darm-duftstoff-ambrein-erstmals-natuerlich-erzeugt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/labor-statt-wal-darm-duftstoff-ambrein-erstmals-natuerlich-erzeugt\/","title":{"rendered":"Labor statt Wal-Darm \u2013 Duftstoff Ambrein erstmals nat\u00fcrlich erzeugt"},"content":{"rendered":"<p><strong>ForscherInnen des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und der Technischen Universit\u00e4t Graz haben zusammen mit Firmenpartner ACS International den Duftstoff Ambrein erstmals biosynthetisch hergestellt. Ambrein kommt im weltweit seltensten und teuersten tierischen Duftstoff namens Ambra vor, der im Verdauungstrakt von Pottwalen gebildet wird. Der neue Prozess k\u00f6nnte herk\u00f6mmliche, umweltsch\u00e4dliche und ineffizientere Synthesewege ersetzen und zuk\u00fcnftig eine umweltfreundliche Kehrtwende in der Parfumherstellung einleiten.<\/strong><\/p>\n<p>Ambra \u2013 auch Amber, Ambrox oder Ambergris genannt \u2013 gilt als seltenster und teuerster tierischer Duftstoff; je nach Qualit\u00e4t bis zu 50.000\u20ac pro kg. Aufgrund seines besonderen, als aphrodisierend, holzig und balsamisch beschriebenen Aromas und der F\u00e4higkeit, D\u00fcfte l\u00e4nger haltbar zu machen, wird er von der Parfumindustrie hei\u00df begehrt. \u201eAls Hauptquelle von Ambra dient Ambrein. Dieser Triterpenalkohol wird als Stoffwechselprodukt im Darm von weniger als f\u00fcnf Prozent der Pottwale gebildet\u201c, erkl\u00e4rt Harald Pichler, acib-Forscher und Professor am Institut f\u00fcr Molekulare Biotechnologie an der TU Graz.<\/p>\n<p>Diese meist graue, wachs\u00e4hnliche Substanz gelangt vermutlich durch Erbrechen aus den \u201eUntiefen\u201c der S\u00e4ugetiere ins Meer, wo sie nicht selten Jahrzehnte treibt, bevor sie als Strandgut an Land gesp\u00fclt wird. Erst durch den Kontakt mit Salzwasser, Sonnenlicht und Luft entstehen aus Ambrein durch Oxidation die Geruchsstoffe Ambrox und Ambrinol, die f\u00fcr den ausgewogenen Duft verantwortlich sind. Aufgrund der nat\u00fcrlichen Limitierung von Ambra, der hohen industriellen Nachfrage und dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA), das Handel mit Pottwalprodukten verbietet, wird Ambra seit den sp\u00e4ten 1930er Jahren synthetisch erzeugt.<\/p>\n<h3>Bisherige Synthese ineffizient, teuer und umweltsch\u00e4dlich<\/h3>\n<p>Die meisten chemischen Synthesewege verwenden aus Pflanzen gewonnene Diterpenoide als Ausgangsstoffe, wie etwa Sclareol aus <em>S. sclarea<\/em>, auch Muskatellersalbei genannt. Diese Methode hat zwei Nachteile: Zum einen ist die korrekte Synthese dieser komplexen Molek\u00fcle bisher \u00e4u\u00dferst teuer und aufw\u00e4ndig. \u201eViele einzelne, aufw\u00e4ndige Ma\u00dfnahmen sind notwendig, um lediglich ca. 4% Ausbeute zu erzielen. Au\u00dferdem ben\u00f6tigen die meisten Produktionsschritte den umstrittenen Einsatz umweltsch\u00e4dlicher Chemikalien und hohe Umsetzungstemperaturen sowie -dr\u00fccke\u201c, erkl\u00e4rt Sandra Moser, die in ihrer Dissertation an dem Thema forscht. Zum anderen fehlt dem synthetischen Duft die nat\u00fcrliche, komplexe und reichhaltige Duftmischung \u2013 weshalb in qualitativ hochwertigen Parfums nicht selten nach wie vor auf nat\u00fcrlichen Ambra zur\u00fcckgegriffen wird.<\/p>\n<h3>Nat\u00fcrlich effizient<\/h3>\n<p>Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) hat in Zusammenarbeit mit der Technischen Universit\u00e4t Graz und Industriepartner ACS International erstmals einen zur G\u00e4nze nat\u00fcrlichen Biosyntheseweg entwickelt, welcher der herk\u00f6mmlichen, industriellen Herstellung eine Nasenl\u00e4nge voraus ist: \u201eWir haben einen Weg gefunden, Ambrein, den nat\u00fcrlichen Vorl\u00e4uferstoff von Ambra, biosynthetisch durch einen neuen Stoffwechselweg in der Hefe <em>Pichia pastoris <\/em>herzustellen. Das bedeutet, dass wir zum ersten Mal das gesamte Duftspektrum, wie es auch im Pottwal nat\u00fcrlich vorkommt, auf biosynthetischem Wege abbilden k\u00f6nnen\u201c, so Pichler. Und das preisg\u00fcnstig, in bisher ungeahnter Qualit\u00e4t und in gr\u00f6\u00dferen Mengen: \u201eWir k\u00f6nnen aus einer einfachen Kohlenstoffquelle wie Glycerol oder Zucker mithilfe eines optimierten Enzyms eine siebenfach h\u00f6here Ausbeute erzielen, verglichen mit bisherigen enzymatischen Prozessen\u201c, freut sich Moser.<\/p>\n<p>Die zum Patent angemeldete Innovation wird in n\u00e4chster Zukunft auf Industriegr\u00f6\u00dfe und damit Marktrelevanz gebracht. Wann es soweit ist, l\u00e4sst sich noch nicht absch\u00e4tzen. Wenn es jedoch soweit ist, bes\u00e4\u00dfe der Prozess das Potenzial, eine umweltfreundliche Kehrtwende in der weltweiten Parfumherstellung einzuleiten und sogar Alltagsprodukten &#8220;olfaktorische Komplexizit\u00e4t&#8221; zu verleihen.<\/p>\n<h3>\u00dcber acib<\/h3>\n<p>Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) entwickelt neue, umweltfreundlichere und \u00f6konomischere Prozesse f\u00fcr die Industrie (Biotech, Chemie, Pharma) und verwendet daf\u00fcr die Methoden der Natur als Vorbild und die Werkzeuge der Natur als Hilfsmittel. Das acib, eine Non-Profit-Organisation, ist ein internationales Forschungszentrum f\u00fcr industrielle Biotechnologie mit Standorten in Graz, Innsbruck, Tulln, Wien (A), Bielefeld, Heidelberg und Hamburg (D) sowie Pavia (I), Canterbury (AUS), Neuseeland (NZL) und Taiwan und versteht sich als Partnerschaft von 150+ Universit\u00e4ten und Unternehmen. Darunter bekannte Namen wie BASF, DSM, Sandoz, Boehringer Ingelheim RCV, Jungbunzlauer oder VTU Technology.<\/p>\n<p>Am acib forschen und arbeiten derzeit 250+ Besch\u00e4ftigte an mehr als 175 Forschungsprojekten.<\/p>\n<p>Eigent\u00fcmer des acib sind die Universit\u00e4ten Innsbruck und Graz, die TU Graz, die Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur Wien sowie Joanneum Research. Gef\u00f6rdert wird das K2-Zentrum im Rahmen von COMET \u2013 Competence Centers for Excellent Technologies durch das BMVIT, BMWFW sowie die L\u00e4nder Steiermark, Wien, Nieder\u00f6sterreich und Tirol. Das COMET-Programm wird durch die FFG abgewickelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakte<\/h3>\n<p>Assoc.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Harald Pichler<br \/>\nacib-Key-Researcher und Professor am Institut f\u00fcr Molekulare Biotechnologie (TU Graz)<br \/>\nPhone: +43 316 873 4089<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:harald.pichler@acib.at\" target=\"_blank\">harald.pichler@acib.at<\/a><\/p>\n<p>Sandra Moser, MSc<br \/>\nacib-Scientist<br \/>\nPhone: +43 664 3736581<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:sandra.moser@acib.at\" target=\"_blank\">sandra.moser@acib.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ForscherInnen des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und der Technischen Universit\u00e4t Graz haben zusammen mit Firmenpartner ACS International den Duftstoff Ambrein erstmals biosynthetisch hergestellt. Ambrein kommt im weltweit seltensten und teuersten tierischen Duftstoff namens Ambra vor, der im Verdauungstrakt von Pottwalen gebildet wird. 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