{"id":65566,"date":"2019-08-13T07:46:56","date_gmt":"2019-08-13T05:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=65566"},"modified":"2019-08-08T09:25:48","modified_gmt":"2019-08-08T07:25:48","slug":"bambus-becher-sondern-melamin-und-formaldehyd-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bambus-becher-sondern-melamin-und-formaldehyd-ab\/","title":{"rendered":"Bambus-Becher sondern Melamin und Formaldehyd ab"},"content":{"rendered":"<p>Bambus gilt in vielen Bereichen als das alternative, umweltfreundliche Material schlechthin. Stabil, schnell nachwachsend und komplett \u201ebio\u201c. Doch das Problem ist, wie auch in anderen Bereichen und bei anderen Materialien, dass von den Alternativen dann auch erwartet wird, genau die gleichen oder gar bessere Eigenschaften als das Althergebrachte zu haben. Daf\u00fcr muss die Industrie dann doch meist ein wenig nachhelfen, etwa mit allerhand Zus\u00e4tzen, Klebern, Beschichtungen, Lacken. Die Stiftung Warentest hat jetzt wiederverwendbare Kaffeebecher aus Bambus getestet. Das Ergebnis liegt weit jenseits von jeglichem Verw\u00f6hn-Aroma.<br \/>\nBambusbecher: Selbst nach h\u00e4ufigem Gebrauch noch Problemstoffe im Getr\u00e4nk<\/p>\n<p>Viele der untersuchten Becher setzten in Tests mit hei\u00dfen und leicht sauren Testfl\u00fcssigkeiten, wie es Kaffee in der Regel auch ist, potenziell ungesunde Abbauprodukte frei. Und sie taten das nicht nur, wenn sie fabrikneu waren, sondern oft auch noch nach mehreren Gebrauchszyklen, mit dann teilweise dann sogar h\u00f6heren Problemstoffwerten.<\/p>\n<p>Es sind zwei Substanzen, die im Kaffee, aber auch in anderen in hei\u00dfem Zustand abgef\u00fcllten Getr\u00e4nken landen k\u00f6nnen: Einerseits fand sich das Gewebereizungen ausl\u00f6sende und unter Verdacht, Krebs zu erzeugen, stehende L\u00f6sungsmittel Formaldehyd. Dazu kam Melamin. Diese organische Substanz ist auch Grundstoff vieler Kunststoffe. In Tierversuchen hat sie Nieren- und Blasenerkrankungen hervorgerufen. Beide stammen aus dem Melaminharz, das mit dem Bambuspulver vermischt wird, bevor die Becher gepresst werden. Und der Anteil von Melaminharz in den Endprodukten ist hoch. Damit ein Becher stabil bleibt, muss er nach Tagesspiegel-Informationen bei mindestens 30 Prozent liegen. Das bedeutet also, dass selbst die Bambusbecher mit dem niedrigsten Anteil synthetischer Zusatzstoffe nur zu maximal gut zwei Dritteln auch wirklich aus dem Naturmaterial bestehen.<\/p>\n<p>Dass es m\u00f6glich ist, Bambusbecher \u2013 oder eben ehrlicher formuliert: Mischbecher aus Bambus und Melaminharz \u2013 herzustellen, bei denen diese Probleme nicht auftauchen, zeigt der Testsieger. Auch hier allerdings die Einschr\u00e4nkung: Die Substanzen werden bei ihm und noch bei vier weiteren Produkten anderer Marken, die ebenfalls gut oder befriedigend abschnitten, auch aus dem Material gel\u00f6st, aber in weit geringeren und als unproblematisch geltenden Mengen.<\/p>\n<p>Jene beste Note bei der Stiftung Warentest bekam der \u201eChic Mic Cup\u201c, vertrieben von einem Frankfurter Unternehmen. Er schnitt bei den Schadstofftests mit der Note 2,2 als \u201egut\u201c ab.<br \/>\nAuch teure Bambusbecher schnitten schlecht ab<\/p>\n<p>Dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Alireza Khadem Hossini f\u00fchrt dies auf die Qualit\u00e4t des verwendeten Melaminharzes und langj\u00e4hrige Erfahrungen mit den Produktionsprozessen zur\u00fcck. Seine Firma, so Khadem Hossini gegen\u00fcber dem Tagesspiegel, lasse die Becher in China produzieren, allerdings mit einem in Taiwan eingekauften Melaminharz, das \u201eviermal so teuer\u201c sei wie Produkte gleichen Namens von anderen Herstellern. Zudem verf\u00fcge die Zulieferfirma in Taiwan \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrungen mit Produkten aus Melaminharz und Bambus.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gilt dies f\u00fcr andere Hersteller offenbar nicht. Viele produzieren Bambusgeschirr erst, seit 2017 die Nachfrage massiv anstieg. Die Produktionsst\u00e4tten liegen durchweg in Asien, weil dort einerseits eben Bambus w\u00e4chst, andererseits die Herstellungskosten deutlich geringer sind als etwa in Deutschland.<\/p>\n<p>Die Becher, die hinsichtlich der Schadstoffe gut oder zumindest befriedigend abgeschnitten haben, geh\u00f6ren durchweg zu den teureren auf dem Markt. Doch auch unter denen mit der Note \u201emangelhaft\u201c ist nicht nur der 1,99-Euro-Becher von Aldi Nord, sondern auch etwa ein mit 17 Euro zu Buche schlagendes Gef\u00e4\u00df namens \u201ePremium Cup Bamboo to go\u201c. Auf Anfrage teilte Aldi Nord mit, das von dem Discounter gef\u00fchrte Produkt erf\u00fclle alle gesetzlichen Normen. Man nehme die Diskussion aber sehr ernst. Khadem Hossini sagt auf Nachfrage, er habe seinen Becher 2017 vom T\u00fcv Rheinland auf eigene Kosten pr\u00fcfen lassen.<br \/>\n\u00d6ko-Image mit Fragezeichen<\/p>\n<p>Die Stiftung Warentest bem\u00e4ngelt bei den Bechern aber nicht nur die sich im Kaffee l\u00f6senden, wom\u00f6glich problematischen Stoffe, sondern auch die Kennzeichnungspraxis der Unternehmen. Hier geht es nicht etwa um Warnungen vor Formaldehyd zum Fr\u00fchst\u00fcck unterwegs. Vielmehr ist das gern transportierte Image von der biologisch abbaubaren umwelt- und klimafreundlichen Alternative zum kunststoffbeschichteten Einwegpappbecher das Problem. Denn das Bambus-Melamin-Produkt verrottet auf einem Komposthaufen nicht viel schneller als eines aus reinem Plastik. Und \u00e4hnlich wie bei so ziemlich allen Verbundmaterialien ist auch die Recyclingf\u00e4higkeit mangelhaft. Bambus, Melamin und Formaldehyd lassen sich \u2013 ironischerweise offenbar au\u00dfer durch hei\u00dfen Kaffee \u2013 nicht wieder von einander trennen und wiederverwerten. Sachgerechte Entsorgung bedeutet bei Bambusbechern immer \u201ethermische Verwertung\u201c, also Verbrennung in der M\u00fcllverbrennungsanlage. Sie sind Restm\u00fcll.<\/p>\n<p>\u00d6kologisch sinnvoll sind sie also dann, wenn sie lange halten, oft wiederbef\u00fcllt und am Ende sachgerecht entsorgt werden. Wie es dann mit der Schadstoffproblematik aussieht, hat die Stiftung an jenen Waren aber gar nicht getestet. Es ist also m\u00f6glich, dass Melamin und Formaldehyd mit der Zeit weniger freigesetzt werden. Aber auch, dass \u00fcber viele Verwendungszyklen und mit zunehmender Abnutzung des Materials die Werte sogar steigen k\u00f6nnten, ist nicht auszuschlie\u00dfen. Wer seinen Becher schon 50 Mal verwendet hat, wei\u00df \u2013 wenn man dem von der Stiftung Warenteste als \u00d6kobilanz-Experten zitierten Benedikt Kauertz vom ifeu-Institut in Heidelberg glaubt \u2013, dass er oder sie Umwelt und Klima einen Dienst erwiesen hat. Aber jene umweltbewusste Person wei\u00df nicht, was sie jeden Morgen mittrinkt.<br \/>\nMelamin und Formaldehyd in gemessenen Konzentrationen nicht gef\u00e4hrlich<\/p>\n<p>Alternativen zu Melamin-Bambus sind etwa Isoliergef\u00e4\u00dfe mit Glas, Keramik und Edelstahl als mit der Fl\u00fcssigkeit in Ber\u00fchrung kommenden Materialien. Sie sind aber in der Herstellung aufwendiger als Bambusprodukte und brauchen, um in der \u00d6ko- und Klimabilanz die Sinnschwelle zu \u00fcberschreiten, noch mehr Verwendungszyklen.<\/p>\n<p>Die einigerma\u00dfen gute Nachricht ist: Sowohl Melamin als auch Formaldehyd geh\u00f6ren nicht zu den als hochgef\u00e4hrlich eingestuften Stoffen, jedenfalls nicht in den Konzentrationen, die im Kaffee m\u00f6glich sind, so der aktuelle toxikologische Wissensstand. Auch die Becher, die bei der Stiftung Warentest schlecht abgeschnitten haben, geben bei Temperaturen unter 70 Grad deutlich weniger davon ab. Die etwas traurige, aber sichere L\u00f6sung f\u00fcr den Besitzer eines nicht so hochwertigen Bambusbechers lautet also: kalter Kaffee.<\/p>\n<p>Testbericht: https:\/\/www.test.de\/Bambusbecher-im-Test-Die-meisten-setzen-hohe-Mengen-an-Schadstoffen-frei-5496265-5496826\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Test stellt Mehrwegtassen aus Bambus ein schlechtes Zeugnis aus: Aus manchen l\u00f6sen sich bedenkliche Stoffe in den Kaffee. Doch es geht offenbar auch anders<\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[11777,10527,11567],"supplier":[1272],"class_list":["post-65566","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-nachhaltig","tag-nachhaltigkeit","tag-umwelt","supplier-stiftung-warentest"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65566"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65566\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65566"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=65566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}