{"id":65469,"date":"2019-08-09T06:41:36","date_gmt":"2019-08-09T04:41:36","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=65469"},"modified":"2019-08-04T19:12:49","modified_gmt":"2019-08-04T17:12:49","slug":"verbot-wegen-mikroplastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/verbot-wegen-mikroplastik\/","title":{"rendered":"Verbot wegen Mikroplastik?"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Union sorgt f\u00fcr Entsetzen bei kleinen Fu\u00dfball-Vereinen. Ab 2022 soll eine Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik in Kraft treten &#8211; und pl\u00f6tzlich sind Kunstrasenpl\u00e4tze bedroht. In die hitzige Debatte um eine umstrittene Studie schaltet sich sogar Innenminister Horst Seehofer ein.<\/p>\n<p>Ferdinand Rath ist einigerma\u00dfen perplex. Z\u00e4he zw\u00f6lf Jahre hatten sie beim K\u00f6lner Kreisligisten SV Adler Dellbr\u00fcck um ihren Kunstrasenplatz gek\u00e4mpft, endlich nahm das Abwandern der Spieler zu den umliegenden Vereinen ein Ende &#8211; und dann kommt die Europ\u00e4ische Union daher. &#8220;Jetzt legen wir f\u00fcr die Umwelt 5000 Pl\u00e4tze still, und der gesamte Spielbetrieb bricht zusammen?&#8221;, sagte Rath: &#8220;Das kann doch nicht funktionieren!&#8221;<\/p>\n<p>Niemand bricht jetzt in Panik aus, bei Adler Dellbr\u00fcck schon gar nicht. Aber die Diskussion \u00fcber eine Mikroplastik-Belastung durch Gummigranulat hat die Basis beunruhigt. Es geht also nicht um den gesamten Kunstrasenplatz, sondern lediglich um das Granulat, mit dem der Platz aufgef\u00fcllt wird. Das Problem ist ganz oben angekommen: Horst Seehofer pers\u00f6nlich spricht sich f\u00fcr die Verschiebung einer geplanten EU-Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik aus, derzufolge ab 2022 die Verwendung des so typischen synthetischen Kautschuks nicht mehr erlaubt sein soll. &#8220;Als Sportminister werbe ich f\u00fcr einen vern\u00fcnftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und Interessen des Sports&#8221;, sagte er der &#8220;Welt am Sonntag&#8221;.<\/p>\n<p>Hersteller nennt Studie &#8220;falsch&#8221;<br \/>\nEr malte durchaus den Teufel an die Wand: &#8220;Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen w\u00e4ren sonst von der Schlie\u00dfung bedroht.&#8221; In einem Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze schloss Seehofer sich der Forderung des Deutschen Fu\u00dfball-Bundes (DFB) nach einer sechsj\u00e4hrigen \u00dcbergangsfrist an. Der DFB teilte zudem mit, dass er &#8220;und seine Landesverb\u00e4nde einen Bestandsschutz der in Betrieb befindlichen Kunstrasenpl\u00e4tze&#8221; fordern. Es wird nicht ad hoc alles zusammenbrechen. &#8220;Ob die EU-Kommission ein Verbot von Plastik-Einstreumaterial f\u00fcr Kunstrasensportpl\u00e4tze vorschlagen wird, steht noch l\u00e4ngst nicht fest&#8221;, teilte ein Sprecher von Schulze mit. Grunds\u00e4tzlich sei das Umweltministerium daf\u00fcr, Mikroplastik zu vermeiden. Es habe aber auch &#8220;gro\u00dfes Interesse daran, dass Sportvereine ihren Spiel- und Trainingsbetrieb, insbesondere im Breiten- und Jugendsport, ohne Einschr\u00e4nkungen durchf\u00fchren k\u00f6nnen&#8221;. Die Europ\u00e4ische Chemikalienagentur (Echa) sei &#8220;in einer fr\u00fchen Phase der Meinungsbildung&#8221;.<\/p>\n<p>Es bleiben Fragen, wie diese von Ferdinand Rath: &#8220;Warum ist man darauf nicht fr\u00fcher gekommen, die ganzen Pl\u00e4tze umzustellen?&#8221; Ein Nachbarverein habe k\u00fcrzlich eine Korkvariante eingeweiht &#8211; und jetzt keine Sorgen. Ursache der Aufregung ist eine Studie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, kurz: UMSICHT. Darin stehen unter &#8220;Verwehungen Sport- und Spielpl\u00e4tze&#8221;, der Nummer f\u00fcnf der Gro\u00dfverschmutzer, beeindruckende Zahlen: Bis zu 11.000 Tonnen Mikroplastik im Jahr gelangten \u00fcber Kunstrasenpl\u00e4tze insgesamt in die Umwelt, mehr beispielsweise als durch Kosmetika oder Faserabrieb bei Textilw\u00e4sche. Oberster Verschmutzer: der Reifenabrieb. Tobias M\u00fcller ist Kommunikationsleiter beim Kunstrasenplatzbauer Polytan. Das Unternehmen kritisiert die Studie scharf. &#8220;Wir sagen ganz klar: Sie ist nicht richtig&#8221;, sagte M\u00fcller. &#8220;Weil sie nicht die Bauweise in Deutschland ber\u00fccksichtigt, die ganz anders ist als im Ausland. Die angenommenen Mengen Gummigranulat sind schlicht falsch.&#8221;<\/p>\n<p>Seine Rechnung, die auch die RAL-G\u00fctegemeinschaft &#8220;Kunststoffbel\u00e4ge in Sportfreianlagen&#8221; st\u00fctzt, geht ganz anders. Zirka 3500 der 5000 Pl\u00e4tze in Deutschland seien mit den Kautschuk-K\u00fcgelchen bestreut. Die Studie gehe von zw\u00f6lf Kilogramm pro Quadratmeter aus, richtig seien aber f\u00fcnf Kilogramm &#8211; also bei 70 Mal 100 Metern 35 Tonnen pro Platz. Neueste Modelle k\u00e4men mit nur 1,7 Kilogramm Granulat pro Quadratmeter aus.<\/p>\n<p>Alternativen: Kork, Sand, Mischrasen<br \/>\nErgo: Bei angenommenen 11.000 Tonnen Gesamtbelastung m\u00fcsste jeder Platz j\u00e4hrlich mehr als drei Tonnen Granulat an die Umwelt abgeben &#8211; durch Wind, Regen, das Anpappen an Kleidung und Schuhen. &#8220;Absolut illusorisch&#8221;, sagt M\u00fcller. Realistisch seien pro Jahr 250 bis 300 Kilogramm Nachf\u00fcllung. Auch die G\u00fctegemeinschaft geht davon aus, dass die Belastung um &#8220;mindestens den Faktor zehn&#8221; niedriger liegt als von Fraunhofer behauptet.<\/p>\n<p>Das Institut r\u00e4umte ein, mit Sch\u00e4tzungen und &#8220;nicht-absoluten Zahlen auch basierend auf Daten aus dem Ausland&#8221; gearbeitet zu haben. Derzeit laufen Folge-Untersuchungen, weitere Zahlen sollen im August ver\u00f6ffentlicht werden. 450 Kunstrasenpl\u00e4tze werden j\u00e4hrlich in Deutschland gebaut, f\u00fcr etwa 500.000 bis 700.000 Euro pro St\u00fcck. Polytan arbeitet mit der Firma Hauraton zusammen, die behauptet, dass ihre Rinnensysteme 98 Prozent des Mikroplastiks von der Umwelt fernhalten. Zudem gibt es Alternativen: Kork, Sand, Mischrasen. Inzwischen, sagt M\u00fcller, bestehe selbst das Gummigranulat nur noch zu rund 30 Prozent aus Synthetik-Kautschuk. Ferdinand Rath hilft das in K\u00f6ln-Dellbr\u00fcck erst mal nicht weiter. Er hat eine Taktik festgelegt: &#8220;Einfach mal abwarten.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Union sorgt f\u00fcr Entsetzen bei kleinen Fu\u00dfball-Vereinen. Ab 2022 soll eine Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik in Kraft treten &#8211; und pl\u00f6tzlich sind Kunstrasenpl\u00e4tze bedroht. 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