{"id":65322,"date":"2019-08-05T07:40:43","date_gmt":"2019-08-05T05:40:43","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=65322"},"modified":"2019-07-30T16:05:54","modified_gmt":"2019-07-30T14:05:54","slug":"allgemeines-wellnesspapier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/allgemeines-wellnesspapier\/","title":{"rendered":"\u201eAllgemeines Wellnesspapier\u201c"},"content":{"rendered":"<p>BERLIN taz | Waschmittel, deren reinigende Enzyme von gentechnisch ver\u00e4nderten Bakterien hergestellt werden; Kunststofft\u00fcten aus Mais; Lebensmittelzus\u00e4tze aus Algen \u2013 das alles sind Beispiele f\u00fcr die Bio\u00f6konomie. Bio meint hier nicht \u00f6ko, sondern beschreibt eine Wirtschaftsweise, die auf Rohstoffe lebender Organismen \u2013 Pflanzen, Tiere, Pilze oder Bakterien \u2013 setzt.<\/p>\n<p>Das machen zwar Kartoffelbauern auch, allerdings kommt in einer Bio\u00f6konomie der Technikaspekt dazu: Wissensgetrieben und innovativ soll sie sein, gern verkn\u00fcpft mit dem zweiten gro\u00dfen Industriethema derzeit, der Digitalisierung.<br \/>\nAnzeige<\/p>\n<p>Rund eine Million Menschen arbeiten laut dem Branchenfachdienst Nova-Institut in der heimischen Bio\u00f6konomie im engeren Sinn; sie erzielt einen Umsatz von rund 136 Milliarden Euro j\u00e4hrlich. Die Erwartungen der Branche an die Politik sind gro\u00df: Schlie\u00dflich sieht sie sich als L\u00f6sung vieler aktueller Nachhaltigkeitsprobleme \u2013 Stichwort: Abkehr vom Erd\u00f6l. Die Unternehmen erwarten mehr Unterst\u00fctzung bei der Forschung und bessere Rahmenbedingungen, etwa in Bezug auf das Gentechnikrecht.<\/p>\n<p>Zugleich be\u00e4ugt die kritische Zivilgesellschaft aus Umwelt- und Entwicklungsverb\u00e4nden die Bio\u00f6konomie insgesamt mit Misstrauen. Daher wurde die Strategie, nach der die Bundesregierung ihre Bio\u00f6konomie-Politik k\u00fcnftig ausrichten will, von beiden Seiten mit Spannung erwartet. Nun haben Forschungs- und Landwirtschaftsministerium, mit einigen Monaten Versp\u00e4tung, einen ersten Entwurf zur Diskussion gestellt.<br \/>\nPotenzial f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften und zur Innovation<\/p>\n<p>An vielen Stellen betonen die Ministerien das Potenzial der Bio\u00f6konomie, die Wirtschaft nachhaltiger zu machen. Diese k\u00f6nne \u201eganz neuartige Produkte und Verfahren hervorbringen, um Ressourcen zu schonen und Wohlstand zu schaffen\u201c. Sie z\u00e4hlen die Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen auf, zu denen die Bio\u00f6konomie beitragen soll, etwa die Beseitigung des Hungers oder den Klimaschutz. Von Forschungsf\u00f6rderung \u00fcber die Beseitigung von Zielkonflikten, wie zwischen der Produktion von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen f\u00fcr die Industrie, beschreibt die Strategie den Rahmen k\u00fcnftiger Politik.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein Wellnesspapier, bei \u00d6ko- und Sozialthemen sehr allgemein gehalten\u201c, sagt Peter Gerhardt vom Denkhaus Bremen. Zwar werde an vielen Stellen im Text betont, dass die Bio\u00f6konomie nicht an sich nachhaltig sei, sondern nachhaltig gestaltet werden m\u00fcsse. \u201eWie das konkret aussehen soll, dazu lese ich fast nichts\u201c, sagt Gerhardt.<br \/>\nAnzeige<\/p>\n<p>So wird erw\u00e4hnt, dass die Zivilgesellschaft in die Dialogprozesse etwa zur Forschung fr\u00fchzeitig einbezogen werden m\u00fcsse. Bei dem vorliegenden Entwurf hat das laut Beteiligten aber nicht geklappt: Der von den Ministerien zur Kommentierung einberaumte \u201ezweiw\u00f6chige Zeitraum innerhalb der Sommerferienzeit\u201c sei \u201ein keiner Weise akzeptabel\u201c, schreibt das zivilgesellschaftliche Aktionsforum Bio\u00f6konomie emp\u00f6rt, dem unter anderem die gro\u00dfen Umweltverb\u00e4nde wie Greenpeace, WWF, aber auch Entwicklungsorganisationen wie das Netzwerk Inkota angeh\u00f6ren. Die Verb\u00e4nde kritisieren in ihrer Stellungnahme, dass der Entwurf das \u201ebiologisch-\u00f6kologische Wissen\u201c einseitig zu Vermarktungszwecken vermehren will statt \u201ezur Bestimmung der planetaren Grenzen\u201c.<\/p>\n<p>Im Entwurf der Ministerien wird festgestellt, dass der Druck auf landwirtschaftliche Fl\u00e4chen sich noch erh\u00f6hen k\u00f6nnte, wenn mehr pflanzliche Rohstoffe genutzt werden. Diese \u201eweitere Zunahme der Fl\u00e4chennutzungskonkurrenzen\u201c stelle eine gro\u00dfe Herausforderung dar, hei\u00dft es. Abhilfe schaffen soll die \u201eNutzbarmachung bisher ungenutzter oder nicht effizient genutzter Fl\u00e4chen\u201c, etwa durch die Bewirtschaftung von Brachfl\u00e4chen, Bergbaufolgefl\u00e4chen oder derzeit unwirtschaftlicher Standorte.<br \/>\nWo ist die Obergrenze f\u00fcr Naturressourcen?<\/p>\n<p>Nicola Uhde, Waldexpertin des BUND, sieht das in Bezug auf die Nutzung von Holz \u00e4u\u00dferst kritisch. \u201eLangfristig m\u00fcssen f\u00fcr den Erhalt der Natur 10 Prozent aus der Nutzung genommen werden\u201c, sagt Uhde. Zwar k\u00f6nnte man diese W\u00e4lder weiter zur Erholung aufsuchen, doch ihr Holz d\u00fcrfe nicht genutzt werden. \u201eEs gibt Pilze, Insekten, Flechten und V\u00f6gel, die nur in unbewirtschafteten W\u00e4ldern leben k\u00f6nnen\u201c, so die Expertin. Derzeit sind nur 2,8 Prozent der deutschen Waldfl\u00e4chen Naturw\u00e4lder. Auch von der in dem Entwurf formulierten Forderung nach Z\u00fcchtung im Wald h\u00e4lt Uhde wenig: \u201eBei unseren B\u00e4umen haben wir noch eine gro\u00dfe genetische Vielfalt, diese gilt es gerade im Angesicht der Klimakrise zu erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Ganz andere Sorgen haben die Unternehmen der Biotechnologiebranche, die im Verband Bio Deutschland organisiert sind. In seiner Stellungnahme fordert dieser, das Wirtschaftsressort st\u00e4rker einzubinden \u2013 und explizit auf die Chancen der Gentechnik zu verweisen. Sie besitze das Potenzial, Antworten auf dr\u00e4ngende Fragen wie Klimakrise und Ressourcenknappheit zu liefern, daher \u201esollte dieser Begriff \u2013 auch im Hinblick auf Transparenz \u2013 im Referentenentwurf zumindest Erw\u00e4hnung finden\u201c, hei\u00dft es in der Stellungnahme. Zudem fordert der Verband, die Politik solle eine \u201ef\u00fchrende Rolle in der notwendigen gesellschaftlichen Diskussion einnehmen, allerdings ohne zur unvers\u00f6hnlichen Verh\u00e4rtung der unterschiedlichen Standpunkte beizutragen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie soll die wirtschaftliche Nutzung von Rohstoffen aus lebenden Organismen geregelt werden? Der erste Entwurf der Bundesregierung bleibt vage<\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608],"supplier":[1640,15394,4],"class_list":["post-65322","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","supplier-bund-fuer-umwelt-und-naturschutz-deutschland-ev-bund","supplier-denkhaus-bremen-aktionsforum-biooekonomie","supplier-nova-institut-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65322"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65322\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65322"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65322"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=65322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}