{"id":65145,"date":"2019-07-26T07:41:13","date_gmt":"2019-07-26T05:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=65145"},"modified":"2021-09-09T21:27:44","modified_gmt":"2021-09-09T19:27:44","slug":"der-sauberstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/der-sauberstoff\/","title":{"rendered":"Der Sauberstoff"},"content":{"rendered":"<p>Wasserstoff, hergestellt aus \u00d6kostrom, ist f\u00fcr die Industrie nahezu die einzige M\u00f6glichkeit, klimaneutral zu wirtschaften. Der Aufwand f\u00fcr Stahlwerke und Raffinerien w\u00e4re enorm, und die H\u00fcrden sind hoch.<\/p>\n<p>Wenn es nach Minister Andreas Scheuer (CSU) geht, sollen Benzin- und Dieselmotoren auch in einigen Jahrzehnten noch das Stra\u00dfenbild pr\u00e4gen. Dumm nur, dass ausgerechnet der Verkehrsbereich unter erheblichem Druck steht, die CO2-Emissionen zu senken, um die Vorgaben aus dem Klimaschutzabkommen von Paris zu erf\u00fcllen. Das Wundermittel, das diesen Widerspruch in Luft aufl\u00f6sen soll, hei\u00dft: gr\u00fcner Wasserstoff.<\/p>\n<p>Wenn sich Kraftstoffe synthetisch herstellen lassen, bliebe der Autoindustrie die Verbrennertechnologie trotz h\u00f6chster Klimaschutzanspr\u00fcche erhalten. Kein Wunder also, dass Andreas Scheuer das Verfahren zuletzt als Alternative zu Elektroautos ins Spiel gebracht hat.<\/p>\n<p>Gr\u00fcn darf man Wasserstoff nennen, wenn er mit erneuerbarer Energie erzeugt wird. Das geschieht in einem Elektrolyseur, der Wasser (H2O) unter Strom setzt, sodass sich Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) voneinander trennen. In einem zweiten Schritt l\u00e4sst sich der Wasserstoff zu synthetischem Erdgas, Benzin, Diesel oder Kerosin verarbeiten. &#8220;Power to X&#8221; hei\u00dft dieses Konzept.<\/p>\n<p>&#8220;F\u00fcr die Industrie gibt es keine Alternative zu Power to X&#8221;, sagt Michael Sterner, Professor f\u00fcr Energiespeicher und -systeme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH). In der Herstellung von Grundchemikalien, bei D\u00fcngemitteln oder in der Glas- und Metallindustrie, f\u00fchre der Ersatz fossiler Brennstoffe immer zu gr\u00fcnem Wasserstoff, so der Experte.<\/p>\n<p>Klimaneutraler Stahl als langfristiges Ziel<\/p>\n<p>Zu den Industriezweigen mit den h\u00f6chsten Kohlendioxidemissionen z\u00e4hlt die Stahlbranche. Sie setzt j\u00e4hrlich 56 Millionen Tonnen CO2 frei &#8211; und ist damit f\u00fcr gut sechs Prozent des gesamten Treibhausgasaussto\u00dfes Deutschlands verantwortlich. Konzerne wie ArcelorMittal oder ThyssenKrupp wollen nun mit gr\u00fcnem Wasserstoff experimentieren, um ihre Klimabilanz zu verbessern.<\/p>\n<p>Die Salzgitter AG z\u00e4hlt zu den Pionieren. Schon seit zwei Jahren wird im H\u00fcttenwerk Salzgitter, zweitgr\u00f6\u00dfter Stahlstandort der Bundesrepublik, Wasserstoff aus einem eigenen Elektrolyseur bei der Veredelung von Rohstahl eingesetzt. Bis Mitte des n\u00e4chsten Jahres werden nach den Pl\u00e4nen des Unternehmens zwei weitere, gr\u00f6\u00dfere Elektrolyseure dazukommen.<\/p>\n<p>Die Salzgitter AG hat die weitgehende Dekarbonisierung des gesamten Werks im Visier. So soll gr\u00fcner Wasserstoff langfristig die Kokskohle abl\u00f6sen &#8211; die mit Abstand wichtigste Emissionsquelle eines Stahlwerks. Auf dem Weg dahin will das Unternehmen die Produktion so umbauen, dass parallel zum Wasserstoff als Zwischenschritt auch Erdgas eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p>&#8220;Bereits mit einem Drittel Wasserstoff und zwei Dritteln Erdgas k\u00f6nnen wir gegen\u00fcber der heute verwendeten Technologie zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen&#8221;, sagt Volker Hille, Leiter Corporate Technology bei der Salzgitter AG. &#8220;Daran l\u00e4sst sich ablesen, wie viel die Stahlindustrie f\u00fcr den Klimaschutz bewegen k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p>Umstellung der Produktion derzeit nicht wirtschaftlich<\/p>\n<p>Allerdings m\u00fcsse es &#8220;Anreize geben, klimafreundlich produzierten Stahl zu verwenden&#8221;, fordert Hille. &#8220;Technisch gesehen k\u00f6nnten wir schon morgen damit anfangen, unsere Produktion auf fast komplett CO2-freie Verfahren umzustellen, weil die n\u00f6tigen Technologien bereits etabliert sind. Daf\u00fcr m\u00fcssen aber die Rahmenbedingungen stimmen.&#8221; Denn gr\u00fcner Stahl ist teurer als konventioneller.<\/p>\n<p>Ein Problem, vor dem auch Raffinerien stehen &#8211; einige wollen gr\u00fcnen Wasserstoff f\u00fcr die Entschwefelung von Kraftstoffen einsetzen, wof\u00fcr bislang Erdgas verwendet wird. BP hat bereits in Lingen im Emsland einen Pilotversuch durchgef\u00fchrt, Shell will im rheinischen Wesseling demn\u00e4chst einen eigenen Elektrolyseur errichten. Doch bislang rechnet sich die Umstellung nicht, da Erdgas preiswerter ist als Strom.<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Wasserstoff aus dem Ausland<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde bei der Umstellung ist jedoch die Beschaffung des \u00d6kostroms f\u00fcr die Elektrolyse. Allein die Salzgitter AG br\u00e4uchte Elektrolyseure mit einer Leistung von 960 Megawatt, um ihre Stahlwerke zu dekarbonisieren. Ein modernes Windrad an Land liefert h\u00f6chstens drei Megawatt Strom. F\u00fcr eine klimaneutrale Stahlindustrie m\u00fcssten also viele Tausend Windr\u00e4der installiert werden<\/p>\n<p>&#8220;Daher wird der Import von gr\u00fcnem Wasserstoff und anderen Power-to-X-Energietr\u00e4gern kommen&#8221;, prophezeit Wissenschaftler Michael Sterner. &#8220;Es gibt viele Regionen auf der Welt, die sich hervorragend als Quelle eignen&#8221;.<\/p>\n<p>Klimaschutz w\u00e4re dann also von Energieimporten abh\u00e4ngig &#8211; f\u00fcr die Industrie aber keine neue Situation &#8211; denn auf die Einfuhr von Kohle, \u00d6l und Erdgas ist sie schon heute angewiesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcner Wasserstoff als Klimasch\u00fctzer<\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,5571],"tags":[10744,10630,10743,13255],"supplier":[570,10929,772],"class_list":["post-65145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-co2-based","tag-carboncapture","tag-hydrogen","tag-useco2","tag-wasserstoff","supplier-bp","supplier-ostbayerische-technische-hochschule-regensburg","supplier-salzburg-ag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65145"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65145\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65145"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=65145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}