{"id":64895,"date":"2019-07-23T06:41:02","date_gmt":"2019-07-23T04:41:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=https%3A%2F%2Fwww.chemie.de%2Fnews%2F1161817%2Fquallenschleim-als-biofilter-fuer-mikroplastik.html%3FWT.mc_id%3Dca0065%26pk_campaign%3Dca0065"},"modified":"2019-07-21T12:20:40","modified_gmt":"2019-07-21T10:20:40","slug":"quallenschleim-als-biofilter-fuer-mikroplastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/quallenschleim-als-biofilter-fuer-mikroplastik\/","title":{"rendered":"Quallenschleim als Biofilter f\u00fcr Mikroplastik"},"content":{"rendered":"<p>Mit Quallen ist es wie mit M\u00fccken: Sie werden von vielen Menschen nur als l\u00e4stig und schmerzhaft empfunden. Dabei k\u00f6nnten die seit rund 500 Millionen Jahren in den Weltmeeren existierenden Nesseltiere eine neue Bedeutung als Ressource gewinnen. \u00abWir sehen prinzipiell Chancen als Bio-D\u00fcnger in der Landwirtschaft, als Futter f\u00fcr Fischzuchten oder f\u00fcr Kosmetikprodukte\u00bb, sagt\u00a0die Meeresbiologin und Quallenforscherin Jamileh Javidpour. Die Professorin an der Universit\u00e4t S\u00fcdd\u00e4nemark in Odense war zuvor lange am Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel t\u00e4tig.<\/p>\n<p>\u00abBesondere Hoffnungen setzen wir im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts darauf, Quallenschleim als Bio-Filter zu verwenden, um Mikroplastik aus Kl\u00e4ranlagen herauszufiltern\u00bb, sagt Koordinatorin Javidpour. Denn Quallenschleim k\u00f6nne Mikroplastik aufnehmen. Das sei im Laborversuch bereits nachgewiesen. In drei Jahren solle ein Prototyp eines Mikroplastikfilters entwickelt sein. \u00abZiel ist es, die Kontamination von Kl\u00e4ranlagen mit Mikroplastik in Zukunft zu verhindern.\u00bb Die Federf\u00fchrung f\u00fcr die Entwicklung des Filters haben Wissenschaftler von der Universit\u00e4t Haifa (Israel).<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ranlagen in Deutschland sollen etwa 85 bis 95 Prozent des Mikroplastiks im Abwasser zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen. Das geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik hervor. \u00abDas variiert mit der technischen Ausstattung der Kl\u00e4ranlage\u00bb, erl\u00e4utert Leandra Hamann, Doktorandin des Instituts in Oberhausen. Gr\u00f6\u00dfere Partikel lie\u00dfen sich leichter abscheiden. \u00abSehr kleine Partikel, in der Wassers\u00e4ule schwimmende Partikel und Fasern scheinen problematisch zu sein.\u00bb<\/p>\n<p>Zur Option Quallen sagt Hamann: \u00abDie Idee ist auf jeden Fall interessant. Auch wir forschen an der Idee, einen bionischen Filter zur Reduzierung von Mikroplastik zu entwickeln und testen unter anderem Schleim &#8211; aber nicht unbedingt Quallenschleim.\u00bb Die gro\u00dfe Frage sei letztendlich, wo und wie dieses Material in die Prozessschritte der Kl\u00e4ranlage integriert werden soll und ob dieses selektiv das Mikroplastik aufnimmt oder alle vorhandenen Partikel und St\u00f6rstoffe. \u00abDa das zur\u00fcckgehaltene Mikroplastik bisher im Kl\u00e4rschlamm landet, w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn man einen Filter entwickeln w\u00fcrde, der das Mikroplastik getrennt von den anderen Stoffen abscheidet, um es danach entsorgen zu k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p>Die EU unterst\u00fctzt das seit 2018 bis Ende 2021 laufende interdisziplin\u00e4re \u00abGoJelly\u00bb-Projekt nach eigenen Angaben mit fast sechs Millionen Euro. Beteiligt sind 16 Forschungseinrichtungen aus acht L\u00e4ndern, darunter Israel und China.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kosmetik- und die Pharmaindustrie k\u00f6nnten Quallen ebenfalls als Ressource dienen. \u00abDenn die Nesseltiere enthalten Collagen, das f\u00fcr Anti-Aging-Cremes verwendet wird, aber auch f\u00fcr Medizinprodukte\u00bb, erl\u00e4utert Javidpour. Kollagen von au\u00dfen zuzuf\u00fchren, wie es andere Kosmetikhersteller machen, sei nicht der Ansatz beim Konzern Beiersdorf (Nivea), sagt eine Sprecherin in Hamburg dazu. \u00abWir setzen auf Wirkstoffe (wie zum Beispiel Vitamin C), die die hauteigene Produktion von Kollagen unterst\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abMan k\u00f6nnte die gespeicherten N\u00e4hrstoffe in Quallen auch als Bio-D\u00fcnger in der Landwirtschaft einsetzen\u00bb, nennt Javidpour eine weitere Option. Versuche im Rahmen von \u00abGoJelly\u00bb h\u00e4tten gezeigt, dass aus Quallen gewonnene N\u00e4hrstoffe genauso gut wirkten wie chemische D\u00fcngemittel. Aber man d\u00fcrfe sich das nicht so vorstellen, dass gro\u00dfe H\u00e4ngerladungen voll Quallen auf die Felder gekippt werden sollten. \u00abZiel ist vielmehr ein nachhaltiger Umgang mit den Quallen, die im \u00d6kosystem Meer ein fester Bestandteil und Nahrung f\u00fcr 100 Fischarten sind.\u00bb<\/p>\n<p>Quallen als Futter f\u00fcr Aqua-Kulturen zu nutzen, b\u00f6te Javidpour zufolge ebenfalls Chancen: \u00abDaran arbeiten wir.\u00bb Als Nahrungsmittel f\u00fcr Menschen werden Quallen in Asien bereits verwendet. \u00abBei einem Besuch in China habe ich t\u00e4glich Quallensalat gegessen\u00bb, erz\u00e4hlt Javidpour.<\/p>\n<p>Und wie schmeckt Qualle? \u00abNach Meer und ziemlich salzig\u00bb, findet die Wissenschaftlerin. Die asiatische Zubereitung entspreche nicht dem europ\u00e4ischen Geschmack. Um f\u00fcr Europ\u00e4er Quallen als Lebensmittel interessant zu machen, ist im Rahmen von \u00abGoJelly\u00bb ein Kochbuch mit Rezepten eines italienischen Kochs geplant. \u00abVielleicht kommen dazu auch noch Desserts mit Erdbeer- oder Schokoladengeschmack.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Quallen ist es wie mit M\u00fccken: Sie werden von vielen Menschen nur als l\u00e4stig und schmerzhaft empfunden. 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