{"id":6479,"date":"2003-10-14T00:00:00","date_gmt":"2003-10-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20031014-08n"},"modified":"2003-10-14T00:00:00","modified_gmt":"2003-10-13T22:00:00","slug":"aus-fuer-bioraffinerie-in-schaffhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-fuer-bioraffinerie-in-schaffhausen\/","title":{"rendered":"AUS f\u00fcr Bioraffinerie in Schaffhausen"},"content":{"rendered":"<p>Die Bioraffinerie im schweizerischen Schaffhausen galt in dieser Form als weltweit einzigartiges Projekt. Das Prinzip hie\u00df: Mach mehr aus Klee und Gras. \u00dcber zwei Jahre hinweg lieferten 80 Schweizer Landwirte Klee und Gras \u2013 der Stoff, aus dem \u00d6ko-Tr\u00e4ume Wirklichkeit werden, vor allem dann, wenn Klee und Gras in der Bioraffinerie Schaffhausen weiter verarbeitet werden: <\/p>\n<p><b><i>&#8220;&#8230;und zwar in dem Sinne, dass s\u00e4mtliche vorhandenen Inhaltsstoffe verwertet werden k\u00f6nnen, nicht nur Energie in Anf\u00fchrungszeichen, sondern dass zum Beispiel auch dem Gras das Protein, das Chlorophyll, die unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren entzogen und als wesentlicher Bestandteil auch die Fasern industriell verwertet werden.&#8221;<\/i><\/b> <\/p>\n<p>Wenn <b>Hermann Sieber<\/b>, Verwaltungsratspr\u00e4sident der Schaffhauser Bioenergie AG \u00fcber die vor zwei Jahren in Betrieb genommene Bioraffinerie spricht, ger\u00e4t er immer noch ins Schw\u00e4rmen. Grund: <\/p>\n<p><b><i>&#8220;Die Technologie ist weltweit v\u00f6llig neu. Die Gr\u00e4ser werden aufgeschlossen, damit die Inhaltsstoffe frei werden, dass die Zellen die Proteine und die \u00fcbrigen Stoffe hergeben. Dann wird die Fl\u00fcssigkeit \u2013 das Gras wird dann erw\u00e4rmt \u2013 gepresst, und das Biogas wird aus den fl\u00fcssigen Teilen gemacht. Die Faser wird getrocknet und als D\u00e4mmstoffe oder Faserverbundstoffe verwertet.&#8221;<\/i><\/b> <\/p>\n<p>Zudem entsteht bei der Umwandlung des Gases in Strom Abw\u00e4rme, die wiederum zur Trocknung der Isolierfasern genutzt wird : Ein geschlossener \u00f6kologischer Kreislauf \u2013 das Markenzeichen der Schaffhauser Bio-Raffinerie. Doch die steht seit kurzem still: Keine Turbinen brummen mehr, kein Gas zischt durch die Ventile. Grund: &#8220;\u00d6ko&#8221; hie\u00df in diesem Fall zwar&#8221; \u00f6kologisch&#8221;, aber keineswegs &#8220;\u00f6konomisch&#8221;. <\/p>\n<p><b>Hermann Sieber:<i> In der Zeit des Betriebes hatten wir Betriebskosten von monatlich um die 100.000 Schweizer Franken. Und die Ertr\u00e4ge waren sehr, sehr bescheiden \u2013 also die waren dann bei etwa 10.000, 20.000 Franken im Monat, so dass ein monatliches Defizit zwischen 50.000 und 10. 000 Franken resultierte.&#8221;<\/i><\/b> <\/p>\n<p>Nach zwei Jahren ging der Bioenergie-Schaffhausen AG finanziell die Luft aus. Gaben sich dort bis vor kurzem noch Umweltexperten aus ganz Europa die Klinke in die Hand, um das Betriebskonzept der Bioraffinerie zu studieren, so ist neuerdings der Konkursrichter vor Ort, um wenigstens Teile der Anlage zu verkaufen \u2013 ein schwieriges Unterfangen. Zwar traf Lob f\u00fcr das Konzept der Bioraffinerie aus allen Himmelsrichtungen in Schaffhausen ein; unter anderem zeichnete das baden-w\u00fcrttembergische Wirtschaftsministerium das System grenz\u00fcberschreitend mit einem Innovationspreis aus. Aber: Notwendige Zusch\u00fcsse zur F\u00f6rderung innovativer Energiekonzepte wie das der Bioraffinerie sind ausgerechnet in der Schweiz auf ein Minimum zurechtgestutzt worden, bedauert Verwaltungsratspr\u00e4sident <b>Hermann Sieber:<\/b> <\/p>\n<p><b><i>&#8220;In der Schweiz hat sich aufgrund des Sparprogramms im Staatshaushalt die Investitionsm\u00f6glichkeit f\u00fcr solche F\u00f6rderungen massiv reduziert. Und es ist so, dass im EU-Raum, gerade in Deutschland, das Gegenteil der Fall ist: Da werden sehr hohe Betr\u00e4ge f\u00fcr solche Projekte bereitgestellt, sei es zur F\u00f6rderung von regionalen, nicht gut entwickelten Gebieten oder auch von \u00f6kologischen Gedanken.&#8221;<\/i><\/b> <\/p>\n<p>Doch letztlich, glaubt Hermann Sieber, m\u00fcsse eine Anlage wie die Schaffhauser Bioraffinerie in der Lage sein, sich selbst wirtschaftlich zu tragen \u2013 ohne F\u00f6rdergelder. Nur die Anschubfinanzierung f\u00fcr die Weiterentwicklung der notwendigen Technologie k\u00f6nne die Bioenergie Schaffhausen AG, in der sich unter anderem Landwirte, Umweltsch\u00fctzer, Landwirtschaftliche Genossenschaften und die Stadt Schaffhausen zusammengeschlossen haben, nicht leisten. Ein gro\u00dfer Investor, so <b>Hermann Sieber<\/b>, k\u00f6nnte in letzter Minute doch noch die Rettung bringen f\u00fcr die nun stillgelegte Anlage: <\/p>\n<p><b><i>&#8220;Wir finden allerdings die Idee derart gut, und sie funktioniert ja an sich, nur noch nicht in gen\u00fcgenden Mengen, dass im Rahmen der Forschung nach vermehrter Verwertung nachwachsender Rohstoffe sowie auf der Energieseite es sehr gut m\u00f6glich ist, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eine entsprechende Investorengruppe aus dem Anlagenbau oder aus der Energieseite bereit ist, die n\u00f6tigen Mittel, die wir auf Gr\u00f6\u00dfenordnung 20 Millionen Euro sch\u00e4tzen, bereit sind zu investieren f\u00fcr ein solches Projekt.&#8221;<\/i><\/b> <\/p>\n<p>\u00a9 DeutschlandRadio 2003<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schaffhausen-strom-und-mehr-aus-wiesengras\/\" >2003-03-03<\/a>.) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bioraffinerie im schweizerischen Schaffhausen galt in dieser Form als weltweit einzigartiges Projekt. 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