{"id":6474,"date":"2003-10-16T00:00:00","date_gmt":"2003-10-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20031016-03n"},"modified":"2018-02-16T13:59:04","modified_gmt":"2018-02-16T12:59:04","slug":"nova-kongressbericht-neues-zu-naturfaser-verbundwerkstoffen-auf-der-avk-tv-tagung-in-baden-baden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-kongressbericht-neues-zu-naturfaser-verbundwerkstoffen-auf-der-avk-tv-tagung-in-baden-baden\/","title":{"rendered":"nova-Kongressbericht: Neues zu Naturfaser-Verbundwerkstoffen auf der AVK TV Tagung in Baden-Baden"},"content":{"rendered":"<p>Vom 7. bis 8. Oktober 2003 fand im Kongresshaus Baden-Baden die gro\u00dfe Jahrestagung der <a href=\"http:\/\/www.avk-tv.de\/\">Arbeitsgemeinschaft Verst\u00e4rkte Kunststoffe \u2013 Technische Vereinigung e.V. (AVK-TV)<\/a> mit ca. 450 Teilnehmern aus der Kunststoff- und vor allem auch Automobilindustrie statt. Der Inhalt der Tagung und ihrer Parallel-Sessions sind in einem dicken DIN-A4-Tagungsband auf Deutsch und Englisch dokumentiert, der beim Veranstalter (s.u.) bezogen werden kann.<\/p>\n<p>Die Naturfaser-Verbundwerkstoffe bekamen am ersten Tag einen eigenen Block, am zweiten Tag folgten weitere Einzelvortr\u00e4ge zum Thema. Hier ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Vortr\u00e4ge. (Ausf\u00fchrliche Informationen finden Sie im Tagungsband.)<\/p>\n<p><b>Dipl.-Ing. Heidrun Schachtschneider<\/b> vom <a href=\"http:\/\/www.bik.uni-bremen.de\/\">Bremer Institut f\u00fcr Konstruktionstechnik (BIK)<\/a> Universit\u00e4t Bremen, berichtete von der &#8220;gezielten Einstellung der akustischen Eigenschaften von Faserverbundwerkstoffen aus Naturfasern durch Variation des Aufbaus und der Oberfl\u00e4chen&#8221;. Ihr Fazit: &#8220;Im Rahmen dieses Beitrags wurden M\u00f6glichkeiten aufgezeigt, durch das gezielte Einstellen der Faserparameter, der Hybridvliesdaten, des Schichtaufbaus und insbesondere der Variation der FVW-Oberfl\u00e4chen die akustischen Absorberwirkungen breitbandig ab einer bestimmten Grenzfrequenz oder schmalbandig f\u00fcr bestimmte Frequenzbereiche einzustellen. Die Anwendbarkeit der Ergebnisse und die daraus resultierenden akustischen Vorteile der FVW im Vergleich zu PUR-Schaum wurden anhand von Fahrzeughimmeln erl\u00e4utert.&#8221;<\/p>\n<p><b>Dipl.-Physiker und Marktforscher Michael Karus<\/b> vom <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\">nova-Institut<\/a>, H\u00fcrth, pr\u00e4sentierte die neuesten Daten \u00fcber den Einsatz von Naturfasern in Verbundwerkstoffen in der deutsch-\u00f6sterreichischen (ca. 17.200 t im Jahr 2002) und europ\u00e4ischen (ca. 25.000 t im Jahr 2002) Automobilindustrie. Die wichtigste Anwendung stellen NF-Formpressteile f\u00fcr T\u00fcrinnenverkleidungen, die bereits in der Mehrzahl der Mittel- und Oberklassewagen zum Einsatz kommen. Ein weiterer Schwerpunkt waren NF-PP-Spritzgussverfahren. Hier hat das nova-Institut zusammen mit dem Faserinstitut Bremen eine Reihe von Untersuchungen durchgef\u00fchrt, die einen umfassenden Markt\u00fcberblick in Bezug auf technisch-mechanische Eigenschaften und zu erwartende Marktpreise erlauben. NF-PP-Spritzgussteile liegen von ihren mechanischen Eigenschaften zwischen PP-Talkum und ABS. Hier sollten bei Marktpreisen von ca. 1,35 EUR\/kg interessante neue M\u00e4rkte zu finden sein.<\/p>\n<p><b>Dipl.-Ing. Erwin Baur<\/b> von <a href=\"http:\/\/www.m-base.de\/main\/\">M-Base Engineering<\/a>, Aachen stellte das Projekt &#8220;Kennwertdatenbank zur Auslegung und Berechnung von Bauteilen aus naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffen&#8221; vor und zur Diskussion. Hier\u00fcber wurde im Nachrichten-Portal schon mehrfach ausf\u00fchrlich berichtet (vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/n-fibrebase-internet-datenbank-fuer-naturfaserverstaerkte-kunststoffe\/\">2003-02-17<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-studie-naturfasereinsatz-in-verbundwerkstoffen-in-der-automobilindustrie\/\">2003-02-05<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kennwertdatenbank-fuer-naturfaserverstaerkte-werkstoffe\/\">2002-07-12<\/a>.)<\/p>\n<p>Weit gediehen sind die Module Lieferantendatenbank (ab November mit Selbsteingabem\u00f6glichkeit), Marktinformationen zu Naturfaserpreisen und die Bauteil-Referenzdatenbank. Wichtige Teile der Datenbank sind in Deutsch, Englisch und Franz\u00f6sisch verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p><b>Christian Clasen<\/b> von der Firma Wilhelm G. Clasen, Hamburg, und wichtiger deutscher Jute-H\u00e4ndler diskutierte in seinem Vortrag die zuk\u00fcnftigen Beschaffungsm\u00e4rkte f\u00fcr Naturfasern. Bei starken Zuwachsraten sah er bei einer Versorgung durch prim\u00e4r europ\u00e4ischen Flachs Engp\u00e4sse und Abh\u00e4ngigkeiten aufkommen und pl\u00e4dierte deshalb f\u00fcr eine st\u00e4rkere Nutzung asiatischer Jute, die dem Markt in gro\u00dfen Mengen bei guter Qualit\u00e4t und guten Preisen zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde. Sein Appell, in den technischen Anforderungen nicht &#8220;Flachs&#8221; sondern allgemein &#8220;Naturfasern&#8221; zu benennen, fand Zustimmung und ist bereits breite Praxis.<\/p>\n<p>In Bezug auf den st\u00e4rkeren Juteeinsatz gab es in der Diskussion Kritik. &#8220;Wir brauchen keinen Appell f\u00fcr mehr Jute, das wird der Markt schon richten&#8221; war die verbreitete Gegenposition. Zudem wurde von Karus darauf hingewiesen, dass die gro\u00dfe St\u00e4rke der Naturfaserm\u00e4rkte ihre Belieferung aus vier politisch und wirtschaftlich recht unabh\u00e4ngigen Regionen \u2013 Europa, Asien, S\u00fcdafrika und S\u00fcdamerika \u2013 sei. Dadurch k\u00f6nne es zu keinen Lieferengp\u00e4ssen kommen. Woher die Naturfasern aber in Zukunft preiswerter zu beziehen seien, das h\u00e4nge von einer Vielzahl wenig \u00fcberschaubarer Faktoren ab.<\/p>\n<p><b>Axel Nechwatal<\/b> vom <a href=\"http:\/\/www.titk.de\/\">Th\u00fcringer Institut f\u00fcr Textil- und Kunststoff-Forschung e.V.<\/a>, Rudolstadt, sprach \u00fcber die &#8220;Entwicklung neuer Technologien zur Verbesserung des Leistungsverm\u00f6gens von Naturfaser-Verbundwerkstoffen&#8221;. Sein Fazit: &#8220;Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Granulat-Prozesse eine interessante Alternative zum Stand der Technik \u2013 dem Hybrid-Vlies \u2013 sein k\u00f6nnen. Zum einen bietet NFK-Granulat die M\u00f6glichkeit, Spritzguss und Extrusion \u00fcberhaupt durchzuf\u00fchren und damit Bauteile zu produzieren, die im Formpressverfahren gar nicht hergestellt werden k\u00f6nnen. Zum anderen l\u00e4sst sich das Potenzial von MAH-PP-Haftvermittlern \u00fcber Spritzguss bzw. Extrusion besser in einen Leistungszuwachs des Werkstoffs transformieren. (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neues-naturfaser-kunststoffverfahren-fuer-automobilindustrie\/\">2003-05-30<\/a>.)<\/p>\n<p>Aber auch bei der etablierten Matten-Technologie gewinnt die Haftung immer mehr an Bedeutung. Da der Trend zu m\u00f6glichst leichten Bauteilen geht, bem\u00fcht man sich, \u00fcber eine unvollst\u00e4ndige Verpressung eine gewisse Porosit\u00e4t des Verbundes und damit eine geringere Dichte zu erzielen. Dies verschlechtert nat\u00fcrlich die mechanischen Kennwerte des Bauteils. Steigert man im Gegenzug die Faser-Matrix-Haftung, so sollte sich dieser Abfall zumindest partiell kompensieren lassen.&#8221;<\/p>\n<p><b>Dr. Ulrich Riedel<\/b>, <a href=\"http:\/\/www.dlr.de\/\">Deutsches Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR)<\/a>, Braunschweig, berichtete vom Einsatz erster Bio-Verbunde im Schienenfahrzeugbau. F\u00fcr die Firma <a href=\"http:\/\/www.transport.alstom.com\/\">Alstom LHB<\/a> werden zur Zeit Prototypen einer Sitzkastenverkleidung f\u00fcr den DT4 der Hamburger Hochbahn in Kooperation mit der Firma <a href=\"http:\/\/www.invent-gmbh.de\/\">Invent<\/a> gefertigt und eingebaut (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zu-95-prozent-recyclebar-und-energiesparend-neue-u-bahnzuege-fuer-hamburg-setzen-umweltstandards\/\">2002-11-11<\/a>). Es zeichnet sich aber ab, dass die Fertigung aus wirtschaftlicher Sicht noch Entwicklungsbedarf aufweist. Insbesondere die erreichten Taktzeiten gen\u00fcgen zurzeit nicht den industriellen Anforderungen. Ein entsprechendes Fertigungskonzept, um diesen Mangel beheben zu k\u00f6nnen, wurde bereits erarbeitet. Ein Ansatz sind handlaminierf\u00e4hige Bioverbunde. &#8220;Es wird erwartet, dass sich in naher Zukunft die Marktakzeptanz deutlich durch die Einf\u00fchrung der ersten Produkte aus Bioverbundwerkstoffen erh\u00f6hen wird und neue M\u00e4rkte erschlossen werden k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p><b>Dipl.-Ing. J\u00f6rg Nickel<\/b>, <a href=\"http:\/\/www.dlr.de\/\">Deutsches Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR)<\/a>, Braunschweig, stellte Arbeiten zum Thema &#8220;Risiken organischer Faserst\u00e4ube im Vergleich zu anorganischen Faserst\u00e4uben&#8221; vor: &#8220;St\u00e4ube pflanzlichen oder tierischen Ursprungs k\u00f6nnen allergische Erkrankungen der Atemwege (z.B. Bronchialasthma) verursachen oder infekti\u00f6se Wirkungen infolge von Bakterien oder Pilzsporen zeigen. Beim Umgang mit Rohflachs- und Rohhanffasern ist die Gefahr der Ausbildung einer Byssinose (chronische obstruktive Bronchitis) zu beachten. St\u00e4ube von Harth\u00f6lzern (Eiche, Buche) k\u00f6nnen au\u00dferdem Krebserkrankungen der Nase und der Nasennebenh\u00f6hlen hervorrufen.<\/p>\n<p>Hinweise auf ein kanzerogenes Potenzial bei technisch bedeutsamen pflanzlichen Naturfasern (Flachs, Hanf, Jute, Sisal etc.) wurden jedoch nicht gefunden und k\u00f6nnen aufgrund der Faserdurchmesser (Flachs 10-35 Mikrometer, Hanf 15-25 Mikrometer, Jute 15-25 Mikrometer) nicht nahe gelegt werden.&#8221;<\/p>\n<p><b>Dr. rer. nat Heike-Ursula Obst<\/b>, <a href=\"http:\/\/www.rwth-aachen.de\/ikv\/\">RWTH-Aachen<\/a> berichtete \u00fcber &#8220;Dynamisches und akustisches Verhalten von Faser-Kunststoff-Verbunden&#8221;. Untersucht wurde das Schwingungsverhalten von FKV-Platten mittels Modalanalyse. Au\u00dferdem wurden Schallintensit\u00e4tskarten erstellt. Naturfasern wurden allerdings nur am Rande betrachtet.<\/p>\n<p>Kontakt:<\/p>\n<p><b>AVK-TV e.V.<\/b><br \/>\nAm Hauptbahnhof 10<br \/>\n60329 Frankfurt<br \/>\nTel.: +49-(0)69-25 09 20<br \/>\nFax: +49-(0)69-25 09 19<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:info@avk-tv.de\">info@avk-tv.de<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/autoteile-auf-den-kompost-naturfasern-verdraengen-kunststoffe\/\">2003-07-04<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/indien-jutesektor-hat-wachstumspotenzial\/\">2003-06-28<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-konferenzbericht-naturfaser-spritzguss-fuer-verbundwerkstoffe-in-der-automobilindustrie\/\">2002-10-11<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 7. bis 8. Oktober 2003 fand im Kongresshaus Baden-Baden die gro&szlig;e Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Verst&auml;rkte Kunststoffe &ndash; Technische Vereinigung e.V. 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